Tierversuchsfreie Shampoos: Eine umfassende Liste und Leitfaden

Tierversuche für Kosmetika sind seit 2013 EU-weit verboten. Doch warum werden trotzdem noch immer Tierversuche in dieser Branche durchgeführt? Welche hochwertigen Pflege-Produkte sind wirklich tierversuchsfrei? Dieser Artikel gibt Ihnen einen Überblick.

Tierversuchsfreie Kosmetik ist leider auch 2024 noch ein Thema. So grausam und sinnfrei es auch klingen mag, bis zum heutigen Tage testen manche Hersteller ihre Erzeugnisse an den Augen und der Haut von Tieren. Das gilt für Make-up und Gesichtspflege ebenso wie für Haircare, Kolorationen und Styling-Produkte. Kaninchen, Mäuse, Meerschweinchen und andere Tiere werden für die Tests eingesetzt und tragen häufig langfristige Schäden davon.

Man darf also immer noch nicht davon ausgehen, dass Kosmetik ohne Tierleid produziert wird. Es liegt also in unserer eigenen Verantwortung das vor dem Kauf abzuchecken. Aber keine Sorge, dafür gibt es inzwischen gut erkennbare Sigel und uns, die dir verraten, welche Shampoos und Spülungen du bedenkenlos shoppen kannst.

Ein Haarmittel gilt erst dann als tierversuchsfrei, wenn im Laufe der kompletten Produktion und Entwicklung keine Versuche an Tieren durchgeführt werden. Kooperiert ein Hersteller also mit Firmen oder Rohstofflieferanten, die Tierversuche nutzen, dann bekommen die Produkte kein Zertifikat. Übrigens sind tierversuchsfreie Produkte nicht automatisch vegan und vegane Produkte auch nicht automatisch tierversuchsfrei.

Innerhalb der EU sind Tierversuche verboten. Allerdings kaufen europäische Marken oft Rohstoffe aus dem Ausland ein, was nicht dem EU-Recht unterliegt. Diese Brands nutzen dann in ihren Angaben zu den Wirkstoffen Formulierungen wie "wir geben keine Tierversuche in Auftrag" oder "von uns werden keine Tierversuche durchgeführt". Damit gelten sie aber noch lange nicht als cruelty-free, denn sämtliche Zulieferer und Produktions-Partner sind damit nicht eingeschlossen.

Um diese Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien in der EU zu ermöglichen, erlaubt die REACH-Verordnung Tierversuche. Wobei darin klar definiert ist, dass Tests an Tieren erst dann infrage kommen, wenn alternative Methoden nicht die erforderlichen Daten einbringen, um den Schutz menschlicher Gesundheit zu garantieren.

Woran erkennt man tierleidfreie Haarprodukte?

Ob ein Produkt oder eine Marke tierversuchsfrei ist, erkennt man am schnellsten anhand von Zertifikaten und Siegeln. Um ganz sicherzugehen, sieht man sich genau an, welche Tierschutz-Logos auf den Verpackungen abgedruckt sind. Alternativ kann man aber auch die Listen von PETA, dem "Leaping Bunny"-Programm oder der Vegan Society checken.

Cruelty-Free-Logo & "Global Beauty Without Bunnies" von PETA

PETA führt eine Online-Datenbank, in welche man den Namen jeder Kosmetik-Brand eingeben kann und schnell und zuverlässig ein Ergebnis ausgespuckt bekommt. Sofern eine Marke in der Liste angeführt ist, bedeutet dies, dass sie weltweit keine Tierversuche durchführen.

Eingeschlossen sind hier auch Brands, die in Ländern produzieren, in denen animal testing erlaubt ist - der Großteil Asiens gehört dazu. Und die sich klar von Tests an Tieren distanziert haben, sie weder durchführen noch in Auftrag geben, bezahlen oder zulassen.

Zudem vergibt PETA auch noch zwei verschiedene Siegel für tierleidfrei produzierte Produkte: Das Logo für "global tierversuchsfreie"-Produkte und das für solche, die "global tierversuchsfrei und vegan" sind. Für beide müssen Unternehmen bestätigen und nachweisen, dass sie selbst sowie ihre Zulieferer weltweit keine Tierversuche für Inhaltsstoffe, Rezepturen oder Endprodukte durchführen, beauftragen, bezahlen oder zulassen - und dies auch in Zukunft nicht tun werden.

Wer zusätzlich auch noch als vegan zertifiziert werden will, der muss beweisen, dass die gesamte Produktlinie frei von tierischen Inhaltsstoffen ist.

Um von PETA aufgelistet zu werden oder das "Animal Test Free"-Logo oder das "PETA Approved Global Animal Test Policy"-Logo zu tragen, werden die Unternehmen also strengstens geprüft und müssen zusichern, dass sie auch in Zukunft nicht mit Tierversuchen beginnen werden.

Das Leaping Bunny Logo

Das Leaping-Bunny-Logo ist ein international anerkanntes Zertifikat, welches garantiert, dass bei der Entwicklung eines Produkts, keine Tierversuche durchgeführt wurden. Damit verpflichten sich die Brands, ab dem festgelegten Stichtag keine Tierversuche mehr durchzuführen oder in Auftrag zu geben und keine Rohstoffe oder Rezepturen zu verwenden, die an Tieren getestet wurden.

Allerdings ist damit nicht garantiert, dass vor dem fixierten Stichtag nicht schon mal Tierversuche durchgeführt, in Auftrag gegeben oder finanziert wurden.

Der Hase mit schützender Hand

Dieses Logo ist ein Zertifikat, das vom Deutschen Tierschutzbund in Zusammenarbeit mit dem internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik vergeben wird. Um das Zertifikat zu erhalten, dürfen Marken keiner Unternehmensgruppe angehören oder mit einem Unternehmen kooperieren, das Tierversuche durchführt oder zulässt.

Tests an Tieren sind weder bei der Entwicklung noch der Herstellung der Produkte erlaubt. Rohstoffe, die nach 1979 an Tieren getestet wurden, sind ebenfalls nicht gestattet.

Tierische, also nicht vegane Rohstoffe werden dann ausgeschlossen, wenn sie durch Tierquälerei gewonnen werden, zu Ausrottung führen oder ein Tier dafür sterben muss. Der Hase unter schützender Hand ist damit zwar kein veganes Siegel, verbietet aber auch Rohstoffe von toten Tieren zu verwenden. Honig, Bienenwachs und Co. sind also erlaubt, sofern sie Bio-Standards gemäß der EG-Bio-Verordnung erfüllen.

Schließlich dürfen Marken und Unternehmen auch nicht in jene Länder exportieren, in denen Tierversuche sogar vorgeschrieben werden. Das wäre beispielsweise in China der Fall.

Die Vegan-Blume für Lebensmittel und Kosmetik

Die Vegan-Blume von der Vegan Society England wird seit 1990 an Produkte vergeben, die ohne Tierversuche und ohne tierische Inhaltsstoffe entwickelt und produziert werden. Die Vegan Society wurde schon 1944 gegründet und vergibt seit den 90ern nun auch ihr strenges Siegel.

Um das Logo auf einem Produkt drucken zu dürfen, müssen Hersteller garantieren, dass weder während der Herstellung noch bei der Entwicklung tierische Produkte, Nebenprodukte oder aus Tieren gewonnene Rohstoffe zum Einsatz kommen. Tierversuche dürfen weder selbst durchgeführt noch in Auftrag gegeben werden. Da das Siegel für einzelne Produkte und nicht für eine ganze Marke vergeben wird, muss sichergestellt werden, dass alle Maschinen, die bei der Herstellung gebraucht werden, gründlich gereinigt werden, bevor sie vegane Stoffe verarbeiten.

Genetisch veränderte Organismen müssen auf der Verpackung angehen werden. Derartige GVOs von Tieren sind verboten. Unter dem Begriff Tiere sind in allen Punkten nicht nur Wirbeltiere, sondern auch mehrzellige wirbellose Tiere eingeschlossen.

Kosmetik ohne Plastik, Mineralöl und Tierversuche: Darauf musst du achten | WWF Deutschland

Cruelty Free Brands für die Haare

Immer mehr Marken setzen auf tierversuchsfreie Haarpflege. Hier eine Auswahl:

  • Alterra: Die Produkte der Drogerie-Marke tragen die Vegan-Blume als Siegel.
  • Alverde: Die Bio-Shampoos und Co. der dm-Marke haben die Vegan-Blume.
  • Benecos: Die Marke bietet zertifizierte Naturkosmetik an, die auch mit der Vegan-Blume versehen ist.
  • CD: Von PETA zertifiziert und unterstützt die Stiftung SET, eine Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen.
  • Drunk Elephant: Von PETA als approved und cruelty-free gekennzeichnet.
  • Fable & Mane: Die Marke ist auf der "Beauty Without Bunnies"-Liste und trägt das PETA-Logo.
  • Foamie: Die Haarpflege von Foamie ist zu 100% vegan und PETA-Approved cruelty free.
  • Fudge Professional: Die Haarmarke ist auch von PETA zertifiziert.
  • Gold: Gold Haircare gehört auch zu den PETA-approved-Marken.
  • Guhl: Die Traditionsmarke ist seit 2022 nun auch in der PETA-Liste "Beauty Without Bunnies".
  • I+m: Die Naturkosmetik-Produkte tragen das Leaping-Bunny-Logo und die Vegan-Blume
  • Invisibobble: Die Spiral-Hargummies, aber auch alle anderen Haarprodukte der Brand sind vegan und mit dem PETA-Logo zertifiziert.
  • Joico: Eine weitere Marke mit PETA-Zertifikat.
  • Junglück: PETA listet sie als veganes Unternehmen und auf der "Beauty Without Bunnies"-Liste.
  • Kevin Murphy: Die Friseur-Brand trägt das PETA-Logo.
  • Korres: Korres erhielt sogar 2021 den PETA Vegan Beauty Award und ist PETA zertifiziert.
  • Lavera: Das alteingesessene Naturkosmetik-Unternehmen wurde von der Vegan-Blume zertifiziert.
  • Lush: Die Spezialisten für Seifen und Badebomben haben mit ihrer Schaufenster-Protest-Aktion gegen Tierversuche klar Stellung bezogen. Zudem sind sie von PETA zertifiziert.
  • Maria Nila: Die Brand stellt vegane und von PETA als tierversuchsfreie klassifizierte Haarprodukte her.
  • Moroccanoil: Die Haarprodukte von Moroccanoil sind zertifiziert cruelty-free und mit dem "Global Beauty Without Bunnies"-Logo gekennzeichnet.
  • Urban Alchemy: Sämtliche Haarprodukte sind vegan und mit dem "Beauty Without Bunnies"-Siegel versehen.
  • WeDo Professional: Die Kosmetikmarke wurde von der Vegan Society als cruelty-free eingestuft.

Manche Haarpflege-Hersteller oder Kosmetikmarken wie beispielsweise Annemarie Börlind oder Glynt geben auf ihren Webseiten eine Stellungnahme ab und distanzieren sich von Tierversuchen, allerdings tragen sie kein Zertifikat. Wiederum andere Hersteller wie Paul Mitchell sind umstritten.

Allerdings gehören diese, nach außen als grün kommunizierten Brands häufig zu riesigen Konzernen, welche Tierversuche durchführen, wie zum Beispiel L’Oréal, Estée Lauder, Unilever, Johnson & Johnson oder Coty. So sollen die Marke Dove von Unilever cruelty-free sein, aber der Mutterkonzern ist es nicht. Aveda ist sogar PETA Approved und mit dem Leaping-Bunny-Logo ausgezeichnet, aber gehört zu Estée Lauder.

Tierversuche sind immer mit Leid verbunden - auch in der Kosmetik. Substanzen, deren Wirkung noch unbekannt ist, werden in die Augen von Kaninchen getröpfelt oder auf die Haut von Meerschweinchen aufgetragen. Das Leid der Tiere spielt dabei keine große Rolle. Die Hauptsache ist, herauszufinden, wie verträglich das eigene Produkt ist.

Woran erkenne ich Kosmetik ohne Tierversuche?

Für Kosmetik ohne Tierversuche gibt es kein einheitliches Gütesiegel. Zwar tragen manche Produkte eines, doch Sie sollten immer überprüfen, unter welchen Kriterien dieses Siegel vergeben wird. Außerdem sollten Sie herausfinden, ob das Siegel auf die ganze Firma zutrifft: Sind nur einzelne Produkte damit versehen, kann das restliche Sortiment desselben Unternehmens trotzdem an Tieren getestet werden.

Eine glaubwürdige Zertifizierungsstelle (beispielsweise PETA) muss kontrollieren und bestätigen, dass die Inhaltsstoffe und das kosmetische Produkt selbst nicht an Tieren getestet wurde.

Achtung: Verwechseln Sie niemals „vegan“ mit „tierversuchsfrei“. Nur, weil auf einem Produkt „vegan“ steht, heißt das nicht, dass es frei von Tierversuchen ist.

Alternativen für Tierversuche

Tierversuche für Kosmetika sind offiziell verboten. Bei Tierversuchen werden die Inhaltsstoffe entweder als Flüssigkeit ins Auge des Tieres getropft oder ihm unter die Haut gespritzt. Auch als Pulver wird es den Versuchstieren (meist Meerschweinchen oder Kaninchen) in die Augen gerieben oder auf die Haut aufgetragen. Manchmal wird der Stoff auch als Gas in die Augen gesprüht.

Heftige körperliche Reaktionen und Schmerzen werden bei Tierversuchen hingenommen. Das bedeutet großes Leid für die Versuchstiere.

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurden 2020 etwa 19 Prozent aller Versuchstiere in Deutschland für die Qualitätskontrolle medizinischer Produkte und sogenannte toxikologische Sicherheitsprüfungen eingesetzt.

Beispielsweise gibt es diese Alternativen für Tierversuche:

  • Zellkulturen: Es ist möglich, menschliches Gewebe künstlich nachzuzüchten. So könnte man beispielsweise künstlich geschaffene Menschenhaut dafür verwenden, um zu testen, wie giftig ein Stoff ist. Tiere müssten dann nicht mehr als Testobjekt herhalten.
  • Bildgebende Verfahren: Anstatt Krankheiten bei Versuchstieren künstlich hervorzurufen, werden diese beim Menschen mit speziellen Geräten genauestens beobachtet und analysiert. Das ist laut dem Deutschen Tierschutzbund sogar aussagekräftiger als der Tierversuch.
  • Computerverfahren: Computermodelle sollen berechnen, wie giftig oder wirksam bestimmte Substanzen für den Menschen sind. Dabei sind sie laut dem Deutschen Tierschutzbund wesentlich zielführender als Tierversuche.

Worauf kann ich beim Kauf von Kosmetika achten?

Mit Ihrer Kaufentscheidung können Sie dabei helfen, das Tierleid in der Kosmetik-Industrie zu vermindern. Diese Tipps können Sie dafür befolgen:

  • Unterstützen Sie nur Hersteller, die bei keinen ihrer Produkte Tierversuche durchführen.
  • Entscheiden Sie sich für vegane Kosmetik ohne Tierversuche. Achten Sie dabei auf die Kennzeichnung!
  • Wählen Sie keine Kosmetik mit Mikroplastik. Das erkennen Sie an Inhaltsstoffen, wie Polyethylen, Polypropylen, Polyamid, Polyquaternium, Polyethylenterephtalat, Nylon-12, Acrylates Copolymer und Acrylates Crosspolymer.

Indem Sie sich für solche Kosmetika entscheiden, haben Sie schon viel getan, um den Versuchstieren zu helfen. Erst, wenn die Alternativen für Tierversuche weiter verbreitet sind, ist ein Ende der Tierversuchs-Labore in Sicht.

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