Giardien bei Hunden und Katzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Giardien sind Darmparasiten, die bei Hunden und Katzen erhebliche Beschwerden verursachen können. Dieser Artikel erklärt, wie Sie eine Infektion erkennen, behandeln und vorbeugende Maßnahmen ergreifen können.

Was sind Giardien?

Bei Giardien (Giardia duodenalis, auch Giardia intestinalis, Giardia lamblia) handelt es sich um eine Gattung einzelliger Parasiten, die zu den Flagellaten - den Geißeltierchen - gehören. Es sind über 40 Arten der weltweit vorkommenden Einzeller bekannt. Manche davon sind wirtsspezifisch - befallen also nur eine bestimmte Tierart. Andere können auch zwischen unterschiedlichen Spezies übertragen werden. So kommen Giardien auch bei Katzen, Kaninchen oder Menschen vor.

In den Dünndarm gelangen sie meist über verunreinigtes Wasser oder Futter, das die Dauerform der Giardien, die sogenannten Zysten enthält. Im Darm angekommen entwickelt sich aus den Zysten die fortpflanzungsfähige Form der Einzeller, die sogenannten Trophozoiten. Diese vermehren sich rasant und heften sich an die Darmschleimhaut an. Im Dickdarm werden aus den Trophozoiten wieder Zysten. Die Zysten zeichnen sich durch ihre widerstandfähige Hülle aus, die sie gegen Umwelteinflüsse schützt.

Wie kann sich ein Hund oder eine Katze mit Giardien anstecken?

Ein Hund kann sich sowohl über verunreinigtes Wasser oder Futter als auch über den Kot anderer Hunde mit Giardien anstecken. Auch jeder Kontakt zu einem Artgenossen kann durch gegenseitiges Belecken Giardien übertragen. Zudem kann eine Hündin über die Körperpflege ihre Welpen infizieren.

Katzen nehmen aus ihrer Umwelt sowohl frisch ausgeschiedene Giardien als auch Giardienzysten auf. Auf der Hunderunde kann sich Ihr Hund sehr leicht wieder infizieren, indem er z.b. kontaminiertes Gras oder den Kot eines infizierten Tieres frisst.

Ein Tier, das mit Giardien infiziert ist, scheidet etwa vier bis fünf Wochen lang bis zu zehn Millionen Zysten pro Gramm Kot aus. Nur zehn dieser Zysten reichen aus, um das nächste Tier zu infizieren.

Symptome: Giardien beim Hund und Katze erkennen

Ein Giardienbefall kann völlig symptomlos verlaufen. Ein gesunder Organismus reguliert sich selbst und kann mit einer gewissen Menge an Einzellern gut zurechtkommen.

Da sich Giardien im Darm des Hundes ansiedeln, wirken sie sich primär auf die Verdauung aus. Giardien kannst du deshalb häufig am Aussehen des Kots deines Hundes erkennen. Die Ausprägung der Symptome kann allerdings sehr unterschiedlich sein: Manche Hunde zeigen kurze, aber heftige Durchfälle wohingegen andere über Monate an wiederkehrenden Durchfällen und Verdauungsbeschwerden mit Bauchschmerzen leiden, was besonders bei Jungtieren häufig der Fall ist.

Am häufigsten wird Ihr Hund wiederkehrenden Durchfall zeigen, unter Umständen mit Blut oder Schleim behaftet. Oft fällt dabei ein sehr unangenehmer, faulig-süßlicher Geruch auf. Auch kann der Kot heller, gelblich oder grünlich verfärbt sein. Ihr Hund ist schlapp, hat Bauchschmerzen, Blähungen und oft verliert er an Gewicht. Manchmal erbricht er auch, einige Tiere bekommen Fieber. Es kann zudem sein, dass Ihr Hund schlechter frisst, mal weichen und mal festen Kot hat, ein stumpfes Fell oder Schuppen auf der Haut bekommt.

Erwachsene Katzen mit einem gesunden Immunsystem entwickeln bei einer Infektion meist gar keine oder nur sehr schwache Symptome, welche der Besitzer bei einem Freigänger kaum bemerken kann. Ansteckend für andere Katzen sind sie dennoch.

Gerade bei Welpen und Jungtieren können anhaltende Durchfälle gefährlich sein: Durch den Durchfall verliert dein Hund viel Flüssigkeit, was zu einer Austrocknung (Dehydrierung) des Körpers führen kann. Verliert er mehr Flüssigkeit, als er aufnimmt, kann es im Extremfall zu einem Kreislaufkollaps kommen. Anhaltende Durchfälle solltest du besonders bei Junghunden immer tierärztlich abklären lassen.

Falls eine Katze heftigen oder anhaltenden Durchfall entwickelt, nichts mehr frisst und vor allem nicht trinkt oder apathisch wirkt, sollte sie schnellstmöglich beim Tierarzt vorgestellt werden.

Diagnose von Giardien

Nachgewiesen werden Giardien mittels Kotprobe. Da die Zysten der Parasiten jedoch nicht kontinuierlich, sondern sporadisch ausgeschieden werden, sind falsch-negative Ergebnisse möglich. Die beste Trefferquote liefern deswegen Sammelkotproben. Dabei sammelst du im Verlauf von drei aufeinanderfolgenden Tagen kleine Mengen des Hundekots, die im Anschluss labortechnisch ausgewertet werden.

Mittlerweile gibt es auch Giardien-Schnelltests, die du selbst auswerten kannst. Einen Besuch in der Tierarztpraxis ersparen diese jedoch nicht, wenn der Test positiv ausfällt.

Giardien Behandlung: Wie sieht die Therapie gegen Giardien beim Hund aus?

Da dein Hund eine permanente Infektionsgefahr für andere Tiere darstellt, müssen Giardien auch dann behandelt werden, wenn er keine akuten Beschwerden zeigt. Aber nicht nur für andere Tiere ist die Behandlung wichtig: Ist das Immunsystem deines Hundes dauerhaft damit beschäftigt, sich gegen die Darmparasiten zur Wehr zu setzen, haben es andere Infekte oder Parasiten leichter.

Die tierärztliche Therapie gegen Giardien erfolgt in erster Linie medikamentös. Die Wirkstoffe Fenbendazol oder Metronidazol zum Beispiel töten die Darmparasiten zuverlässig ab. Leben in deinem Haushalt weitere Tiere, musst du auch diese vorsichtshalber behandeln.

Ist die Katze in einem sehr schlechten, dehydrierten Zustand, beginnt die symptomatische Behandlung schon, bevor die Ergebnisse da sind: mit einer Infusion, um Flüssigkeit zuzuführen. Das Entwurmungsmittel wird über mehrere Tage hinweg oral verabreicht. Dann wird ein neuer Test auf Giardien durchgeführt.

Etwa eine Woche nach Beenden der Therapie sollte eine erste Nachkontrolle des Kotes erfolgen. So kann festgestellt werden, ob die Therapie bisher ausreichend war oder fortgeführt werden muss. Die Medikamente können die Darmflora Ihres Hundes negativ beeinflussen. Es kann daher hilfreich sein, Ihren Hund neben der Therapie auch darmstabilisierende Probiotika zu geben. Manche Hunde brauchen sogar über ein Jahr, um eine Giardiose bzw. deren Folgen vollständig auszuheilen.

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung sind strenge Hygienemaßnahmen unerlässlich, um eine erneute Infektion zu verhindern.

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Hygienemaßnahmen gegen Giardien

Ein weiterer wichtiger Baustein in der Giardien-Therapie sind gründliche Hygienemaßnahmen. Dein Hund kann überall Zysten hinterlassen, mit denen er sich, andere Tiere im Haushalt und im Extremfall auch dich infizieren kann. Deswegen ist es wichtig, dass du die gesamte Umgebung regelmäßig und gründlich desinfizierst. Entferne eventuelle Kotreste im Analbereich deines Hundes gründlich.

Um der Giardiose Herr zu werden, sollten Sie Ihren Hund und sein Umfeld gleichzeitig gründlich sauber machen. Baden Sie Ihren Hund bzw. nur seinen Analbereich mit Hundeshampoo. So entfernen Sie im Fell haftende Giardien-Zysten. Waschen Sie Decken, Kissen und Spielzeug Ihres Hundes bei mindestens 60 ºC. Spülen Sie jeden Tag seinen Futter- und Wassernapf mit heißem Wasser aus (das sollten Sie ohnehin tun). Reinigen Sie Ihre Wohnung und eventuell das Auto mit heißem Wasser oder besser einem Dampfreiniger. Trocknen Sie nach dem Säubern alles gründlich ab und waschen sich selbst die Hände. Und: Halten Sie durch!

Die wichtigsten Hygienemaßnahmen gegen Giardien im Überblick:

  • Aufsammeln von Kot und Entfernung des Kotes im geschlossenen Plastikbeutel über den Hausmüll.
  • Gründliche Reinigung aller durch Kot kontaminierten Oberflächen (Böden und Wände) mit anschließender vollständiger Abtrocknung, optimal ist der Einsatz von Dampfstrahlern (> 60 °C).
  • Desinfektion aller Flächen oder Gegenstände mit geeigneten Desinfektionsmitteln.
  • Futter- und Trinkgefäße täglich mit kochendem Wasser säubern oder bei > 65 °C in der Spülmaschine reinigen.
  • Katzentoilette täglich mit kochendem Wasser säubern und anschließend gründlich abtrocknen.
  • Decken und Kissen heiß waschen (> 65 °C ). Nicht waschbare aber möglicherweise kontaminierte Textilien über den Hausmüll.
  • Kratzbäume gründlich absaugen und reinigen.
  • Hunde ggf. auch Katzen gründlich baden und shampoonieren, um sie von anhaftenden Kotresten zu säubern, ggf. lange Haare im Analbereich scheren.
  • Auf Hygiene achten, insbesondere bei immungeschwächten Personen und Kleinkindern. Nach dem Umgang mit Hund und Katze die Hände waschen.

Was dürfen Hunde bei Giardien essen?

Kohlenhydratarmes Futter kann die lästigen Parasiten im Dünndarm aushungern, denn Giardien sind auf zuckerreiche Nahrung spezialisiert. Fütterst du während des Giardienbefalls ein kohlenhydratarmes, möglichst leicht verdauliches und nährstoffreiches Futter, unterstützt du deinen Liebling optimal, denn durch die geschädigte Darmschleimhaut kann auch die Aufspaltung und Resorption von Nährstoffen beeinträchtigt sein. So beugst du einer Minderversorgung vor.

Vorbeugung

Da Giardien praktisch allgegenwärtig sind, kannst du nur bedingt vorbeugen. Die beste Vorsorge für deinen Liebling ist eine gesunde Darmflora. So wird er die ungeliebten Untermieter schnell wieder los.

Da Giardien besonders im feuchten Milieu gute Überlebenschancen haben, solltest du deinen Hund generell nicht aus Pfützen trinken lassen und in Haus und Garten auf Hygiene achten. Das konsequente Aufsammeln der Hundehäufchen beim Gassigehen senkt den Infektionsdruck am nachhaltigsten.

Sind Giardien für den Menschen gefährlich?

Die WHO (World Health Organization) hat Giardien beim Hund als Zoonose eingestuft. Die Giardiose ist eine Zoonose. Durch sehr engen Kontakt können Sie sich selbst infizieren und mit Durchfall und Fieber reagieren. Aber zur Beruhigung kann man sagen, dass dies wirklich selten vorkommt.

Wie hoch die Ansteckungsgefahr für Menschen ist, ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Die hundetypischen Giardienarten scheinen allerdings nicht besonders gefährlich für Menschen zu sein. Vorsichtshalber solltest du aber immunsupprimierte Personen, alte Menschen und Kleinkinder durch entsprechende Hygienemaßnahmen schützen.

Inwieweit Giardien bei Ihnen selbst Symptome auslösen, hängt vom Genotyp (genetische Zusammensetzung) des Parasiten ab. Nicht alle der bei Giardien auftretenden Genotypen sind für den Menschen gefährlich.

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