Juckende Kopfhaut und weiße Krümelchen auf dem Pulloverkragen: Schuppen sind unangenehm und die meisten Menschen wollen sie loswerden. Scheinbar unzählige Sorten von Anti-Schuppen-Shampoos füllen die deutschen Drogerieregale. Öko-Test hat 27 Anti-Schuppen-Shampoos verschiedener Marken untersucht.
Dabei haben Naturkosmetik-Produkte die Nase klar vorn. Doch laut den Experten ist nicht bei allen Schuppen-Problemen ein spezielles Shampoo nötig. Öko-Test hat 27 Shampoos aus Drogerien, Discountern und Onlineshops untersucht - mit teils überraschenden Ergebnissen.
Schuppen sind ein ästhetisches Ärgernis. Sie können zudem verschiedene Ursachen haben. Allerdings gibt es auch andere Ursachen für Kopfschuppen: Bei trockener Kopfhaut sorgen nicht Pilze für das Abschuppen, sondern fehlende Feuchtigkeit.
Da gibt es einerseits die fettigen Schuppen, die durch Hefepilze entstehen. Bei ihnen zeigen die pilzbekämpfenden Wirkstoffe in den Anti-Schuppen-Shampoos gute Wirkungen. Auf der anderen Seite stehen die trockenen Schuppen, die vor allem durch fehlende Feuchtigkeit der Kopfhaut verursacht werden.
Die meisten Anti-Schuppen-Shampoos bekämpfen Hefepilze, die an fettigen Schuppen beteiligt sind. Wer dagegen an einer trockenen Kopfhaut leidet, und deshalb mit Schuppen zu kämpfen hat, sollte lieber zu milderen Shampoos greifen. Uns erscheint das wenig sinnvoll, wir raten bei trockener Kopfhaut: Lieber zunächst bei den Ursachen ansetzen und versuchen, die Kopfhaut wieder ins Lot zu bringen. Zum Beispiel ein ganz normales, milderes Shampoo ausprobieren oder eines der Naturkosmetik-Shampoos im Test.
Vermutlich wird auch ein Shampoo mit einem Antipilz-Mittel als Wirkstoff eine leichte Linderung der Beschwerden bringen, denn trockene Haut ist wehrloser gegen die Ausscheidungen der in jeder Hautflora vorkommenden Hefepilze.
Die Tester:innen haben 27 Shampoos untersucht, die Schuppen bekämpfen sollen - davon 7 Naturkosmetikprodukte. Sie prüften sie auf problematische Inhaltstoffe und ließen die Produkte auch von einem Labor untersuchen. Außerdem baten sie Hersteller, die Wirkstoffe anzugeben und deren Wirksamkeit zu belegen.
Insgesamt konnten sieben Shampoos mit „sehr gut“ überzeugen, darunter sechs Naturkosmetikmarken wie das „Alverde Pflegeshampoo Anti-Schuppen“ von Dm (2,44 Euro je 250 Milliliter). Das siebte zertifizierte Shampoo wurde wegen seiner Verpackung abgewertet, nicht wegen den Inhaltsstoffen. Es schnitt „gut“ ab, genau wie sechs weitere Produkte. Vier waren „befriedigend“, fünf bestanden den Test gerade noch mit „ausreichend“, darunter auch teurere Produkte wie das „Alpecin Anti-Schuppen Shampoo A3“ von Dr. Kurt Wolff (5,95 Euro je 250 Milliliter).
Für hervorragende Pflege müssen Verbraucher nicht unbedingt tief in die Tasche greifen.Testsieger ist das „Alverde Pflegeshampoo Anti-Schuppen“. 250 Milliliter kosten hier 2,44 Euro. Neben dem günstigen Haarwaschmittel der dm-Eigenmarke haben noch weitere Naturkosmetikartikel die Nase vorn. Insgesamt sechs von sieben Produkten mit dem Prädikat „sehr gut“ gehören zur zertifizierten Naturkosmetik, darunter auch das „Bioturm Shampoo Schuppen“ und das „GRN Shampoo Anti-Schuppen Brennnessel & Meersalz“.
Unter den übrigen Produkten liegt das „Annemarie Börlind Aktiv Shampoo bei Schuppen“ mit „sehr gut“ auf dem ersten Platz. Wie bei fast allen anderen der konventionellen Haarwaschmittel kommt hier der Wirkstoff Piroctonolamin zum Einsatz, um die lästigen weißen Flocken loszuwerden.
Insgesamt wurden 50 verschiedene Anti-Schuppen-Shampoos unter die Lupe genommen: Die Hälfte schneidet mit „sehr gut“ oder „gut“ ab. Lediglich zwölf erhalten von Öko-Test die Bestnote - darunter alle Naturkosmetikprodukte.
Zu den Testsiegern zählt unter anderem die Naturkosmetikmarke von Dm: Das Alverde Anti-Schuppen-Shampoo Bio Paranuss/Bio-Rosmarin schnitt neben dem Weleda Weizen Schuppen-Shampoo und verschiedenen anderen Naturkosmetik-Produkten mit „sehr gut“ ab. Zu den mit „gut“ bewerteten Produkten zählen die Drogerie- und Supermarkt-Vertreter von Müller (Aveo), Dm (Balea), Norma (Elcurina), Edeka (Elkos), Netto (Hairwell), Rossmann (Isana), Rewe/Penny (Today) und Aldi (Kür). Auch Sebapharma schneidet mit dem Sebamed Antischuppen Shampoo mit „gut“ ab.
Ein „befriedigend“ erntet unter anderem Dr. Wolff für das Alpecin Anti-Schuppen Shampoo A3, ebenso wie Beiersdorf für das Nivea Men Anti-Schuppen und Rausch für sein Huflattich-Shampoo.
Was die Wirkstoffe angeht, hat Öko-Test einen Erfolg zu verzeichnen: Zinkpyrithion wurde in keinem der Produkte nachgewiesen - anders als noch 2021. Er ist seit März 2022 in Kosmetika verboten, weil die EU ihn als „vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen“ einstuft. Seit etwas mehr als eineinhalb Jahren ist es durch: Zinkpyrithion, jahrelang wichtigster Wirkstoff zur Schuppenbekämpfung in Kosmetika, ist bei uns verboten.
Die EU hat den Stoff als "vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen" eingestuft. Zinkpyrithion musste in unseren Augen auch deshalb aus Kosmetik verschwinden, weil es hautreizend ist und giftig für Wasserorganismen.
Tatsächlich ist in diesem Test nur noch ein einziges Produkt übrig, das wir wegen seines Wirkstoffes kritisieren. Kritik an einem Wirkstoff gab es trotzdem: Ein Produkt enthielt Climbazol. Auch dieser Stoff wirkt gegen Pilzbefall auf der Kopfhaut und gehört zur Gruppe der umstrittenen halogenorganischen Verbindungen, die sich in Gewässern und Sedimenten anreichern können.
Öko-Test kritisierte auch einige der in Anti-Schuppen-Shampoos eingesetzten Tenside. Sodium Laureth Sulfate kamen in 19 der 20 konventionellen Shampoos vor. Die Substanz lässt Shampoo schäumen. Die Tester:innen kritisieren, dass sie in die äußerste Hautschicht eindringt und die Haut durchlässiger für Fremd- und Schadstoffe machen kann.
Leider sind längst nicht alle problematischen Inhaltsstoffe aus Anti-Schuppen-Shampoos verschwunden, vier Produkte fallen sogar mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Haupttensid in 19 von 20 konventionellen Shampoos ist Sodium Laureth Sulfate. Das Tensid schäumt zwar super, dringt aber auch in die äußerste Schutzschicht der Haut, die Hornschicht, ein.
Die drei „ungenügenden“ Produkte enthielten zudem das anionische Tensid Natriumlaurylsulfat, das Öko-Test als „zu aggressiv ist für schuppengeplagte Haut“ einschätzt. Das somit recht aggressiv reinigende “Head & Shoulders”-Produkt wurde zudem als für trockene Kopfhaut geeignet beworben. Laut Tester:innen „[k]omplett unverständlich“.
Ebenso wie bei „Crisan“ steckt außerdem die aggressive Substanz Natriumlaurylsulfat drin, die schuppende Haut zu sehr angeht - und das, obwohl „Head & Shoulders“ sogar damit wirbt, sein Shampoo sei gut für trockene Haut geeignet. Komplett unverständlich finden wir es, wenn ein Shampoo mit dieser Tensid-Kombi auch noch explizit für trockene Kopfhaut ausgelobt ist. Das ist im Test einmal der Fall.
Das finden wir frech, zumal das Labor noch mehr problematische Stoffe in dem Shampoo vorgefunden hat: ein Rückstand an halogenorganischen Verbindungen, unter denen sich hautreizende Stoffe befinden können, plus den synthetischen Moschusduft Galaxolid. Zu guter Letzt kritisieren wir auch die in dem Shampoo enthaltenen Silikonöle.
Auch große Namen werden von Öko-Test abgestraft: Das „Head & Shoulders Anti-Schuppen Tiefenpflege Shampoo“ und „Pantene Pro-V Anti-Schuppen Shampoo“ landen auf den hinteren Rängen. Beide enthalten einen künstlichen Moschusduft, der Mensch und Umwelt schadet, sowie ebenfalls halogenorganische Verbindungen.
Mit der Apotheken-Marke Eucerin schneidet Beiersdorf sogar noch schlechter ab: Eucerin Dermo Capillaire Anti-Schuppen Creme Shampoo wird nur mit „mangelhaft“ bewertet, da es halogenorganische Verbindungen, PEG-Derivate und Parfum enthält. Auch in Bezug auf den Rezyklatanteil kann der Hersteller nicht punkten.
Schlecht sieht es auch für La Roche-Posay aus: Das Kerium Anti-Schuppen Creme-Shampoo erhält aus gleichen Gründen ebenfalls ein „mangelhaft“.
Procter & Gamble (P&G) erhält für seine Produkte nur die Note „ungenügend“: Sowohl das Head & Shoulders Classic Clean Anti-Schuppen Shampoo wie auch das Head & Shoulders For Men Anti-Schuppen Shampoo fallen durch. Beide enthalten künstlichen Moschusduft, PEG-Derivate und Natriumlaurylsulfat. Die Variante für Männer enthält außerdem noch Formaldehydabspalter.
Die Shampoos sollten allesamt gründlich auf der Kopfhaut einmassiert werden. Anti-Schuppen-Shampoos gründlich einmassieren und eventuell kurz einwirken lassen.
Wichtig für die Anwendung: Lassen die Schuppen nach, reicht es das Anti-Schuppen-Shampoo nur ein bis drei Mal die Woche zu nutzen und dazwischen eine milde Haarpflege zu wählen.
Tritt keine Besserung ein sollte der Gang zum Dermatologen erfolgen, da auch Erkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte dahinterstecken können.
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der im Öko-Test untersuchten Anti-Schuppen-Shampoos und ihre jeweiligen Bewertungen:
| Produkt | Bewertung | Besondere Inhaltsstoffe/Mängel |
|---|---|---|
| Alverde Pflegeshampoo Anti-Schuppen (Dm) | Sehr gut | Naturkosmetik |
| Annemarie Börlind Aktiv Shampoo bei Schuppen | Sehr Gut | Piroctonolamin |
| Head & Shoulders Anti-Schuppen Tiefenpflege Shampoo | Ungenügend | Künstlicher Moschusduft, halogenorganische Verbindungen, Natriumlaurylsulfat |
| Eucerin Dermo Capillaire Anti-Schuppen Creme Shampoo | Mangelhaft | Halogenorganische Verbindungen, PEG-Derivate, Parfum |
| Alpecin Anti-Schuppen Shampoo A3 | Ausreichend | Tetrasodium Etidronate |
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