Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) und Haarausfall: Ursachen und Zusammenhänge

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer und Frauen gleichermaßen betrifft. Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig und komplex. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG), ein Protein, das in der Leber gebildet wird und Sexualhormone im Blut transportiert. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen SHBG, verschiedenen Ursachen für Haarausfall und mögliche Behandlungsansätze.

Strukturformel von SHBG

Die Rolle von SHBG im Hormonhaushalt

SHBG ist ein Protein, das in der Leber gebildet wird. Die SHBG-Synthese und -Sekretion ist ein östrogenabhängiger Prozess. SHBG-Erhöhungen findet man als Folge einer Estrogeneinwirkung auf die Leber. SHBG-Konzentrationen sind deshalb ein sehr sensibler Parameter der Estrogeneinwirkungen auf die Leber. Die Konzentration des SHBG hängt vom Ausmaß und der Zeitspanne der Estrogeneinwirkung ab und ist von der Art des einwirkenden Estrogens (Östrogens) abhängig.

Ethinylestradiol hat einen besonders starken Einfluss auf die SHBG-Synthese und -Konzentration im Serum. Androgene oder Gestagene mit androgener Restwirkung verhalten sich diesbezüglich gegensinnig. SHBG bindet mit höchster Affinität Dihydrotestosteron (DHT) und in abfallender Reihenfolge der Affinität Testosteron, Estradiol und nur in geringem Maße Estron, DHEA, Androstendion und Estriol.

Künstliche Gestagene binden in variabler Weise ebenfalls SHBG, und zwar in abfallender Reihenfolge sind dies Gestoden, Levonorgestrel, Norethisteron und 3-Ketodesogestrel; Dienogest bindet nicht an SHBG. Bei allen Zuständen, die mit erhöhten Androgenspiegeln oder exzessiven Androgenwirkungen an den Androgenzielorganen einhergehen, kann man erniedrigte SHBG-Spiegel finden. Dies erklärt auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Mann und Frau.

Als Zusatzuntersuchung zur Bestimmung der Androgene ist SHBG dann ein nützlicher Parameter, wenn Verdacht besteht, dass relativ hohe Konzentrationen an freien Androgenen (z. B. Testosteron) vorliegen. In Verbindung mit der Bestimmung des Gesamt-Testosterons lässt sich der Freie Androgen-Index (FAI) berechnen. Er sollte bei Frauen unter 3,5 und bei Männern zwischen 15 und 95 liegen. Blutentnahme mit Serum-Monovette bzw. Serum-Vacutainer.

Haarwachstum und seine Phasen

Über die gesamte Haut verteilt bilden sich durchschnittlich 5 Mio. Haarfollikel (= Haar-Talgdrüsen-Einheiten, „pilosebaceous units“). Ausgenommen sind Handflächen, Fußsohlen, Lippen und Halbschleimhäute. Die Anzahl ist schon zu diesem Zeitpunkt fix, es bilden sich im Lauf des Lebens keine neuen Haarfollikel. Jede Haar-Talgdrüsen-Einheit hat von Anfang an ein individuelles genetisches Programm, das ihr sagt, wann im Leben an welcher Körperstelle auf welchen Reiz hin ein Haar wachsen oder ausfallen wird (auf die Talgdrüsen bezogen wird dadurch die Talgproduktion reguliert).

Das Wachstum der Haare unterliegt verschiedenen Phasen, einer aktiven Wachstumsphase (anagen) und einer inaktiven Ruhephase (telogen). Am Kopf dauert die Wachstumsphase 3-5 Jahre und die Ruhephase 2-4 Monate. Das Haarwachstum verläuft asynchron, das heißt, es sind nicht alle Haarfollikel gleichzeitig in Wachstums- und Ruhephase, sondern individuell verschieden.

Aufgrund der asynchron verlaufenden Wachstumsphasen der Haare gemäß dem genetischen Programm jedes Haarfollikels fallen dem Menschen im Durchschnitt jeden Tag 70 bis 100 Haare aus, weil ständig Haarfollikel in die Ruhephase gehen und das bestehende Haar abgestoßen wird. Nach der Ruhephase tritt der Haarfollikel erneut in eine Wachstumsphase und das Haar wächst nach. Von problematischem/krankhaftem Haarausfall spricht man daher nur dann, wenn jeden Tag diffus über den Kopf verteilt mehr als 100 Haare ausfallen oder die Kopfhaut an bestimmten Stellen völlig kahl wird und weniger oder gar keine Haare mehr nachwachsen. Haarausfall per se ist physiologisch.

Phasen des Haarwachstums

Ursachen für Haarausfall

Den diversen Formen von Haarausfall liegen komplexe Ursachen zugrunde. Sie sind in Bezug auf Kausalität, Bewertung, Behandlung und Prognose sehr unterschiedlich einzustufen.

Alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall)

Die Alopecia areata betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Der kreisrunde Haarausfall, die Alopecia areata, ist eine relativ häufig auftretende, autoimmunologisch bedingte entzündliche Erkrankung der Kopfhaut und kann in jedem Lebensalter auftreten, ohne Geschlechtsprävalenz. Da es sich nicht um eine infektiöse Entzündung handelt, besteht auch keine Ansteckungsgefahr. Die Inzidenz in der Normalbevölkerung ist mit etwa 1-2 % anzugeben.

Alopecia Areata

Initial zeigen sich meist kreisrunde, münzgroße kahle Areale am behaarten Kopf, wobei diese auch isoliert an anderen Körperstellen, wie an den Brauen oder Wimpern, im Bartbereich oder prästernal auftreten können. Sind im Randbereich der kahlen Herde Haare leicht abziehbar, lässt das auf ein Fortschreiten des Haarverlusts schließen. Histologisch zeigt sich ein lymphohistiozytäres Entzündungsinfiltrat um den distalen Anteil der Haarfollikel (Bulbus) angeordnet. Die Haarfollikel bleiben dabei intakt und zeigen keine Degeneration.

Als Ursache für das auslösende lymphohistiozytäre, peribulbäre Infiltrat werden autoimmunologische Vorgänge angenommen, am besten erklärt durch psychoneuroendokrine Mechanismen, wobei durch Hemmung der Mitosen im Bulbusbereich Haarfollikel in ihrer Ruhephase verharren. Spontanremissionen ohne Therapie sind häufig, vor allem bei einzelnen Krankheitsherden, wenn nämlich die zugrunde liegende psychische Alteration bewältigt ist. Bei längerem Bestand ist die Behandlung der Alopecia areata oft langwierig und aufgrund mangelnden Therapieerfolgs frustrierend.

Zu den Behandlungsoptionen zählt eine topische Immuntherapie mit Kortikosteroiden. Systemische Immunsuppressiva wie Ciclosporin haben Berichten zufolge in manchen Fällen zum Nachwachsen der Haare geführt. Beim kreisrunden Haarausfall sind die Haarfollikel vital, sie verharren durch die Blockade der Mitosen in einer verlängerten Ruhephase.

Alopecia Diffusa (Diffuser Haarausfall)

Die Alopecia diffusa betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Für diffusen Haarausfall gibt es zahlreiche Ursachen. Resorptionsstörungen, Vitaminmangel, Anorexie, Bulimie und drastische Gewichtsabnahme lassen Haarwurzeln in der Telogenphase verharren. Grundsätzlich ist in Fällen vordergründig unerklärlichen Haarausfalls eine exakte Exploration durchzuführen, um die kausale Erkrankung zu finden.

Die Behandlung der Grunderkrankung ist dann gleichzeitig Behandlung des Haarausfalls, indem die Ursache damit beseitigt bzw. gelindert wird. Pharmakologisch haben sich wenige wirksame Mittel etabliert. Ihre Wirkung ist in klinischen Studien nachgewiesen. Beispiele sind topisch anwendbare Minoxidilzubereitungen in 2 %iger oder 5 %iger Konzentration oder Vitamin-H‑Präparate (Biotin) zum Schlucken. Diffuser Haarausfall kann viele Ursachen haben.

Alopecia Cicatricia (Vernarbende Alopezie)

Die Alopecia cicatricia betrifft Frauen und Männer gleichermaßen, eine Ausnahme ist der Morbus Kossard. Relativ selten auftretende vernarbende Prozesse an der Kopfhaut führen zum irreversiblen Haarverlust, da die Haarfollikel in den betroffenen Arealen zugrunde gehen und keine Haare mehr nachwachsen können. Mechanische Traumata, Pilzinfektionen, chronisch-entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Lichen planopilaris können zur Vernarbung der Kopfhaut beitragen.

Durch wochenlange systemische Kortikosteroidtherapie kombiniert mit Antibiose lässt sich der Vernarbungsprozess manchmal stoppen und die Krankheit kommt zum Stillstand. Bei vernarbenden Kopfhautentzündungen gehen die Haarfollikel irreversibel zugrunde.

Trichotillomanie (Zwanghaftes Ausreißen der Haare)

Die Trichotillomanie betrifft beide Geschlechter. Trichotillomanie beschreibt die „Sucht des Haareausreißens“. Es handelt sich um ein durch komplexe Impulsstörung ausgelöstes Verhalten, das vor allem bei kleinen oder pubertierenden Kindern auftritt. Am häufigsten werden Kopfhaare, Wimpern, Augenbrauen, Bart- und/oder Schamhaare ausgerissen.

Manchmal betrifft die Ausdehnung der ausgezupften Areale den gesamten Kopf, meist aber umschriebene Areale im Bereich der dominierenden Hand, das heißt rechts bei Rechtshänder*innen, links bei Linkshänder*innen. Die Behandlung der Trichotillomanie bzw. -phagie kann zwar im dermatologischen Bereich begonnen werden, in komplexen Fällen ist aber psychosomatische oder psychiatrische Expertise gefragt. Trichotillomanie ist das zwanghafte Ausreißen der Haare.

Androgenetische Alopezie (Hormonell bedingter Haarausfall)

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen können Androgene einerseits zum Haarverlust oder andererseits zu vermehrtem Haarwachstum führen, je nach genetischer Programmierung jedes einzelnen Haarfollikels, die vorgibt, wann im Leben auf welchen (androgenen) Reiz hin ein Haar ausfällt oder wächst. Dabei spielt die individuell unterschiedliche Androgensensibilität der Haarfollikel an bestimmten Körperstellen eine wesentliche Rolle.

Dihydrotestosteron (DHT) spielt eine wichtige Rolle als männliches Geschlechtshormon. Durch eine erblich bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzeln kann es aber auch zu Haarausfall führen - bei Männern wie Frauen. Eine Behandlung ist mit DHT-Blockern möglich. Oft ist eine begleitende bio-regenerative Therapie sinnvoll.

Als wesentliches „Steuerungshormon“ für das Haarwachstum bei Männern fungiert Dihydrotestosteron, das durch die 5α-Reduktase aus Testosteron metabolisiert wird und für Haarwurzeln das wirksamste Androgen bei Männern darstellt. Dihydrotestosteron ist es, das einen Haarfollikel in bestimmten Regionen der Kopfhaut „verkümmern“ lässt, was zum typischen klinischen Bild des hormonell bedingten Haarausfalls, der androgenetischen Alopezie, führt.

Die Ausprägung der sogenannten „männlichen Glatze“ kann anhand eines 7‑stufigen Scores graduiert werden. Die psychosomatischen Auswirkungen von hormonell bedingtem Haarausfall bei Männern wurden im Rahmen einer multinationalen Telefonumfrage erhoben. Unter anderem bejahten > 60 % der > 1500 Befragten eine negative Auswirkung des Haarausfalls auf ihr Selbstbewusstsein, 21 % gaben sogar depressive Zustände wegen übermäßigem Haarverlust bzw.

Beim hormonell bedingten Haarausfall der Frauen ist die Situation komplexer. Während Dihydrotestosteron bei Männern eindeutig die klar nachvollziehbare Hauptrolle in Bezug auf das Verkümmern der Haarfollikel spielt, sind es bei Frauen vor allem die Androgene Dehydroepiandrosteron und Androstendion als Präkursoren des Testosterons, die zum weiblichen Typ der androgenetischen Alopezie beitragen. Auch das klinische Bild ist bei Frauen anders: Es kommt zu einer graduellen Ausdünnung der Haardichte im Parietalbereich. Die vordere Haaransatzlinie bleibt jedoch erhalten.

Die Behandlung des hormonell bedingten Haarausfalls der Frau stellt eine interdisziplinäre Herausforderung dar. Therapeutisch können in manchen Fällen Antiandrogene den Haarausfall vermindern. Aufgrund des hohen Leidensdrucks und des ausgeprägten Behandlungswunschs der Betroffenen werden in der Praxis oft als roborierende Maßnahmen Entspannungsübungen, ausreichend Schlaf, Stressabbau sowie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfohlen. Selen, Zink und anderen Spurenelementen wird besondere Bedeutung zugemessen.

Hirsutismus

Das Ausmaß der Körperbehaarung variiert zwischen verschiedenen Kulturen und ethnischen Gruppen. Deshalb ist es wichtig, zwischen androgenabhängigem Hirsutismus und verstärkter Vellusbehaarung bei Frauen mediterraner oder indischer Abstammung zu unterscheiden.

Unter Hirsutismus versteht man das Auftreten von dunkel pigmentierten Haaren bei der Frau an Stellen, an denen sich bei der Frau normalerweise nur dünne Flaumhaare befinden. Diese Stellen befinden sich im Gesicht (Oberlippe, Wangen, Kinn), am Bauch zwischen Nabel und Schamhaargrenze, an den Oberschenkelinnenseiten und am Rücken.

Aus internistischer Sicht kann Hirsutismus vielfältige Ursachen haben. Neben seltenen Ursachen wie Ovarial- und Nebennierentumoren, kongenitaler adrenaler Hyperplasie, Insulinresistenzsyndromen und Morbus Cushing ist das Syndrom polyzystischer Ovarien („polycystic ovary syndrome“ [PCOS]) zu nennen, die häufigste endokrine Erkrankung von Frauen im gebärfähigen Alter, die ca. 5-10 % aller Frauen betrifft.

Frauen mit Hirsutismus müssen nicht zwingend einen erhöhten Testosteronspiegel aufweisen, jedoch kann durch die vermehrten Testosteronpräkursoren trotzdem eine Hyperandrogenämie vorliegen. Das sehr komplexe Wechselspiel zwischen erhöhtem Verhältnis von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon, der ursächlich erhöhten Gonadotropinausschüttung und dem Insulinstoffwechsel bei Frauen mit PCOS nimmt direkten und indirekten Einfluss auf die Serumandrogenspiegel und führt zu tatsächlich messbarer oder relativer Hyperandrogenämie.

Darüber hinaus wirkt Insulin synergistisch mit LH auf die Thekazellen und verursacht eine weitere Steigerung der Androgenproduktion. Darüber hinaus inhibiert Insulin die Produktion von sexualhormonbindendem Globulin in der Leber, das für die Bindung von Testosteron verantwortlich ist. Die Behandlung des Hirsutismus muss individuell und interdisziplinär auf den jeweiligen Fall abgestimmt werden.

Diagnostik von Haarausfall

Eine adäquate ärztliche Untersuchung beim Symptom Haarausfall umfasst folgende Aspekte:

  • Anamnese (Fieber, Medikamente, Heparingabe?)
  • Klinische Inspektion (Alopezie? Entzündung?)
  • Klinischer Zugtest (Haare vermehrt und leicht ausziehbar?)
  • Trichodermatoskopie (Inspektion der Haare und Kopfhaut mit Dermatoskop)
  • Trichogramm (mikroskopische Haarwurzelanalyse)
  • Blutuntersuchungen (je nach Konstellation, nicht obligat)

Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall

Die Behandlung von Haarausfall richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die je nach Art des Haarausfalls und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden können.

Medikamentöse Behandlung

  • Minoxidil: Ein topisch anwendbares Medikament, das das Haarwachstum anregen kann.
  • Finasterid: Ein Medikament, das die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) hemmt und somit den hormonell bedingten Haarausfall reduzieren kann.
  • Antiandrogene: Medikamente, die die Wirkung von Androgenen blockieren und bei Frauen mit androgenetischer Alopezie eingesetzt werden können.
  • Kortikosteroide: Können bei entzündlichen Formen des Haarausfalls eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren.

Bio-regenerative Therapien

  • PRP-Therapie (Platelet Rich Plasma): Dabei wird dem Patienten Blut entnommen und das thrombozytenreiche Plasma in die Kopfhaut injiziert, um das Haarwachstum anzuregen.
  • Low-Level-Laser-Therapie: Die Kopfhaut wird mit einem medizinischen Laser behandelt, um die Durchblutung zu steigern und das Haarwachstum anzuregen.
  • Stammzellentherapie: Stammzellen aus dem Unterhautfettgewebe werden in die Kopfhaut gespritzt, um Wachstumsfaktoren zu produzieren, die das Haarwachstum anregen.
  • Mesotherapie: Bestimmte Nährstoffe, Vitamine, Hyaluronsäure oder homöopathische Medikamente werden in die Kopfhaut eingebracht, um dort die Selbstheilungskräfte anzuregen.

Haartransplantation

Wenn trotz aller Behandlungsmaßnahmen keine befriedigende Haardichte erreicht werden kann, kommt eine Haartransplantation infrage. Wichtig ist, dass zuvor der Haarausfall gestoppt wurde, um ein langfristig ästhetisches Ergebnis zu erreichen.

Weitere Maßnahmen

  • Entspannungsübungen und Stressabbau
  • Ausreichend Schlaf
  • Ernährungsumstellung und Nahrungsergänzungsmittel (Selen, Zink, Biotin)

PCO-Syndrom und Haarausfall

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist weltweit eine der häufigsten Störungen des weiblichen Hormonhaushalts. Es treten viele belastende Begleiterscheinungen auf wie Übergewicht, übermäßiger Haarwuchs, Akne und Stimmungsschwankungen. Bei einem PCO-Syndrom ist der Spiegel von LH (luteinisierendes Hormon) im Verhältnis zu FSH (follikelstimulierendes Hormon) meist erhöht. Dies zeigt sich im Rahmen einer Blutuntersuchung durch einen erhöhten LH/FSH-Quotienten, d.h., FSH liegt im Normbereich, wohingegen LH erhöht ist.

Eine wichtige Aufgabe von LH ist, den Eisprung auszulösen, während FSH für die Eireifung verantwortlich ist. Steht im Verhältnis zu LH zu wenig FSH zur Verfügung, können die Eier nicht reifen - und sammeln sich nun vermehrt in den Eierstöcken (Ovarien). Ist zu viel Androgen vorhanden, gerät auch die Balance und Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron aus dem Lot. Ein PCOS äußert sich durch verschiedene Symptome und geht zudem mit einer Reihe von Gesundheitsrisiken einher.

Symptome eines PCO-Syndroms:

  • Zyklusunregelmäßigkeiten
  • Vermännlichungserscheinungen (Virilisierungserscheinungen, Androgenisierung) wie übermäßige Behaarung (Hirsutismus)
  • Dunkle Verfärbungen der Haut an Hals, Nacken, den Achselhöhlen und/oder unter der Brust (Acanthosis nigricans)
  • Verdickung der Gebärmutterschleimhaut
  • Hashimoto-Thyreoiditis

Behandlung von PCO-Syndrom:

  • Konventionelle Therapie: Einnahme einer antiandrogen wirkenden Anti-Baby-Pille, Diabetes-Medikament Metformin
  • Naturheilkundliche Therapie: Nachtkerzenöl, Yams Balance, DiaAntioxidans Formula, Inositol, PycnoCardio Q10
  • Gewichtsreduktion und Ernährungsumstellung

Zusammenhang von Übergewicht und PCO

Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG): Messung und Bedeutung

SHBG-Messungen sind also ein wichtiger Hinweis auf chronisch-exzessive Androgenwirkungen, wenn die Androgenspiegel noch normal sind, die klinische Symptomatik jedoch für einen Androgenexzess spricht.

Hormonwerte im Labor - was lässt sich messen?

Der Hormonhaushalt ist ein fein abgestimmtes System. Bei vielen Beschwerden wie Zyklusstörungen, Erschöpfung, unerfülltem Kinderwunsch oder Gewichtszunahme kann eine Laboruntersuchung wichtige Hinweise liefern. Diese Hormone sind dabei besonders relevant:

  • Geschlechtshormone: Östrogene, Progesteron, Testosteron, Androstendion, FSH, LH, AMH, SHBG, FAI, Prolaktin, Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1)
  • Schilddrüsenhormone: TSH, fT3, fT4
  • Stress- & Stoffwechselhormone: Cortisol, DHEA, Insulin, HOMA-Index

Wirkung auf unser Hormonsystem

Unser Hormonsystem ist äußerst sensibel. Es reagiert auf innere und äußere Einflüsse -positiv wie negativ:

Negative Einflussfaktoren:

  • Chronischer Stress & Schlafmangel
  • Ungesunde Ernährung & Bewegungsmangel (v. A. viel Zucker und verarbeitete Lebensmittel)
  • Übergewicht (besonders viszerales Bauchfett)
  • Umweltgifte (z. B. aus Kosmetika oder Kunststoffen)
  • Hormonelle Verhütungsmittel oder Medikamente

Positive Einflussfaktoren:

  • Ausreichend Schlaf - möglichst vor Mitternacht
  • Regelmäßige Bewegung - idealerweise auch Krafttraining
  • Stressreduktion - durch Achtsamkeit, Meditation, Natur, Pausen
  • Ausgewogene Ernährung - mit Fokus auf Omega-3-Fettsäuren, Proteinen, Ballaststoffen
  • Pflanzliche Unterstützung - kann hormonregulierend und stressreduzierend wirken (z.B. Maca, Mönchspfeffer)
  • Licht und Dunkelheit bewusst nutzen - für Melatoninregulation und besseren Schlaf

SHBG bindet Sexualhormone im Blut - beeinflusst die Menge des „freien“, aktiven Testosterons oder Östrogens.

Laborparameter bei Haarausfall

Männer mit Alopecia androgenetica haben gemäß einer Studie ein ähnliches Hormonmuster wie Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom; hormonelle Störung der Eierstöcke) [2].

ParameterMänner mit AGAFrauen mit PCO
Testosteron24,61
DHEAS3,63
LH7,78
Prolaktin14,14
Freier Androgenindex (FAI; Gesamttestosteron zu SHBG)74,49
FSH4,02
SHBG35,07
LH/FSH-Quotient2,34

Bei Hinweisen auf hormonelle Dysregulation (z. B. Laborparameter 2. Laborparameter 1. FSH (zum Ausschluss von Climacterium praecox [vorzeitige Einsetzen der Wechseljahre, also das Ausbleiben der Periodenblutung vor dem 40. Lebensjahr] oder prämaturer Ovarialinsuffizienz [frühzeitige Verlust der ovariellen Funktion (Eierstockfunktion) vor dem 40.

Patienten mit Alopecia areata wiesen in einer Studie verringerte Zink-Serumspiegel auf, die invers mit der Therapieresistenz korrelierten.

Wechseljahre: Symptome, Tipps bei Hitzewallungen und Haarausfall | Dr. Julia Fischer | ARD Gesund

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