Schlangen: Faszinierende und Unheimliche Schuppenkriechtiere

Schlangen sind faszinierend und unheimlich zugleich. Sie gehören zur Klasse der Reptilien und dort zur Ordnung der Schuppenkriechtiere. Schlangen sind eine uralte Tiergruppe, die von echsenartigen Vorfahren abstammt. Allen Schlangen gemeinsam ist das schuppige Hautkleid, das aus hornartigen Schuppen besteht.

Phylogenetischer Baum der Schlangen

Merkmale und Eigenschaften von Schlangen

Manche Schlangen sind eher kurz und dick, andere sehr dünn, ihr Körperquerschnitt kann rund, dreieckig oder oval sein. Das Schuppenkleid ist je nach Art unterschiedlich gefärbt und trägt verschiedene Muster. Weil das Schuppenkleid nicht mitwachsen kann, wenn die Tiere größer werden, müssen sich Schlangen von Zeit zu Zeit häuten. Dann streifen sie das alte Hautkleid ab, und das neue, größere kommt darunter zum Vorschein. Schlangen besitzen keine Augenlider.

Schlangen können aber nicht besonders gut sehen. Sehr gut ist dagegen ihr Geruchssinn ausgebildet. Mit der Zunge berühren sie dann das so genannte Jacobsonsche Organ in ihrem Maul, mit dem sie die Duftstoffe analysieren können. Sie müssen ihre Beute also nicht sehen, sondern können sie spüren. Hören können Schlangen nur schlecht.

Schlangen können hervorragend kriechen. Wie alle Reptilien können Schlangen ihre Körpertemperatur nicht regulieren. Die meisten Menschen haben Angst vor Schlangen. Doch Schlangen beißen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Vor allem junge Schlangen werden leicht Opfer von Greifvögeln oder kleinen Raubtieren.

Fortpflanzung und Verhalten

Die Schlangenweibchen legen nach der Paarung an einem geschützten, warmen Ort ihre Eier ab. Einige Arten bewachen diese Eigelege, andere nicht. Schlangen sind fast ausschließlich Einzelgänger.

Giftschlangen töten ihre Beute mit einem Giftbiss. Dann warten sie, bis die flüchtende Beute stirbt und spüren sie mit ihrem Duftsinn auf. Dies ist möglich, weil Ober- und Unterkiefer der Schlangen nicht miteinander verwachsen sind. Riesenschlangen können große Säugetiere verschlingen.

Schlangen in Deutschland

In Deutschland gibt es nur wenige Schlangen: Die Ringelnatter, die Schlingnatter, die Würfelnatter und die Äskulapnatter. Nur an drei Orten in Deutschland kommt die seltene Äskulapnatter vor. Einer davon ist der Süden Hessens, in dem mehrere hundert Exemplare leben. Nur an zwei weiteren Stellen kommt die Äskulapnatter in Deutschland noch vor, nämlich isoliert im südlichen Rheingau rund um Schlangenbad im Taunus und an den Donauhängen bei Passau als Ausläufer der österreichischen Populationen. Lediglich die Würfelnatter ist bei uns noch seltener.

Die Äskulapnatter ist die mit Abstand größte einheimische Schlangenart. Die Tiere am Neckar messen in der Regel um 120 Zentimeter, erwachsene Männchen meist sogar anderthalb Meter. Das bisher längste Exemplar brachte es auf knapp 180 Zentimeter. Damit sind Äskulapnattern gewöhnlich immerhin doppelt so lang wie Kreuzottern und auch größer als die noch häufigeren Ringelnattern.

Während Ringelnattern bereits im März ihre Winterquartiere verlassen, traut sich die Äskulapnatter erst Ende April oder Anfang Mai hervor. Besonders die Männchen sind schnell paarungsbereit. Treffen zwei Männchen aufeinander, versuchen sie sich gegenseitig auf den Boden zu drücken. Die Kämpfe sind jedoch harmlos; der Schwächere gibt nach und trollt sich.

Zur Eiablage sucht die weibliche Äskulapnatter Plätze mit leicht feuchter Gärwärme auf, zum Beispiel moderndes Gras, Komposthaufen im Garten oder auch Sägemehlhaufen. Gerne genutzt wurden früher Pferdemisthaufen, die die Bauern an den Rändern ihrer Äcker lagerten.

Die Jungschlangen sind beim Schlüpfen bereits rund 30 Zentimeter lang. In ihrem ersten Lebensjahr sieht man sie kaum, denn die Äskulapnattern gehen ab Oktober, manchmal sogar bereits im September in die Winterruhe. Als frostfreie Winterquartiere dienen häufig tief liegende Mäusegänge, als Sommerquartiere auch hohle Baumstümpfe ebenso wie Bienenstöcke, Keller oder Gartenhäuser mit morschen Böden.

Ernährung und Jagdverhalten

In ihren wenigen aktiven Sommermonaten ernährt sich die Äskulapnatter vor allem von Mäusen. Aber auch Vögel und Eidechsen stehen auf dem Speiseplan. Die für den Menschen harmlose Natter ist eine Würgeschlange. Langsam schleicht sie sich an ihre Beute an, packt dann fest zu, umwickelt das Tier blitzschnell und erstickt es so. Danach wird die Beute Kopf voran verschlungen.

Äskulapnattern hören ausgezeichnet - genauer: sie nehmen mit dem Innenohr Erschütterungen wahr, Trommelfell und Außenohr fehlen nämlich -, riechen wie alle Schlangen sehr gut und sind gewandte Kletterer. Andreas Quell erzählt, dass die Seitenschuppen der Äskulapnatter so rau sind, dass man sich beim Darüberstreichen mit der Hand verhakt. Die Schlange kann so fast senkrecht Bäume hoch klettern und dort in Vogelnestern Beute machen. Gerne durchstreift sie auch Mäusegänge und spürt dort Jungmäuse in ihren Nestern auf. Eine solche Mahlzeit reicht dann für ein paar Tage.

Schlange als Kulturfolgerin

„Die Äskulapnatter ist eine sehr vorsichtige Schlange. Wenn sie aus der Deckung kommend eine offene Fläche überquert, zum Beispiel eine frisch gemähte Wiese, kann sie sich erst einmal wie eine Kobra aufrichten, um die Lage zu peilen“, hat Andreas Quell beobachtet. Andererseits scheint sich die Schlange in der Nähe des Menschen wohl zu fühlen. Gerne sonnt sie sich in den Gärten der Neckarorte. Gerade erst war eine Äskulapnatter unter den losen Platten eines Garagendachs angetroffen worden.

Natürliche Feinde der Äskulapnatter sind Wildschweine, Marder und Greifvögel, für Jungtiere auch Krähen und Igel. Ihr schlimmster Feind aber ist wie so oft der Mensch. Der Handel mit den geschützten Nattern blüht, Terrarianer zahlen unter der Hand 150 Euro pro Tier. Nähert man sich einer Äskulapnatter langsam, flieht sie nicht, sondern bleibt vorsichtig liegen. „Die Äskulapnattern werden weniger gefangen, als vielmehr gepflückt“, beklagt Gerhard Eppler das illegale Treiben. Selbst bei rund 2000 NABU-Mitgliedern im Kreis Bergstraße ist es nicht möglich, die bekannten Fundorte der Schlangen rund um die Uhr im Auge zu haben. Immerhin stehen für alle Teilvorkommen auf hessischer und auf baden-württembergischer Seite Betreuer zur Verfügung, die auch die traurige Aufgabe haben, an Bahnstrecken und Straßen nach Verkehrsopfern unter den Äskulapnattern zu suchen.

Schutzmaßnahmen

Die Vorkommen im hessisch-badischen Grenzgebiet sind altbekannt. Aktiv geschützt werden sie aber erst seit wenigen Jahren. Einen deutlichen Aufschwung nahmen die Bemühungen erstmals in den achtziger Jahren durch die Kartierungen und Untersuchungen von Michael Waitzmann, der später unter anderem mit NABU-Mann Peter Sandmaier die Arbeitsgemeinschaft Äskulapnatter gründete. Die regionalen Verbände sorgten mit zahlreichen Unterschutzstellungsanträgen für die Ausweisung wichtiger Fundorte als Naturschutzgebiete.

Geld für die Erstellung und Umsetzung von Pflegeplänen fließt seitens der Naturschutzbehörden erst seit dem Jahr 2006. In den Jahren zuvor haben NABU und BUND daher erste kleine Flächen aufgekauft, der NABU Bergstraße trommelt seine Aktiven regelmäßig zu Pflegeeinsätzen zusammen. Viele Landwirte geben die Bewirtschaftung von Hanglagen auf. „Wir müssen jetzt die Rolle der Bauern übernehmen, damit die Äskulapnatter weiterleben kann“, resümiert Andreas Quell. Mauern zerfallen oder verbuschen und müssen wiederhergestellt werden. Wiesen und Brachen sind zu mähen, neue Eiablageplätze müssen geschaffen werden.

Aufklärung tut not

Eine weitere zentrale Gefahr für die Äskulapnatter ist immer noch die - unbegründete - Angst der Menschen. Vor allem neu hinzugezogene Bewohner fürchten sich und schlagen im Zweifelsfall die Tiere tot. Aufklärung tut also weiter not.

Die Anakonda: Eine Riesenschlange im Fokus

Weltweit gibt es etwa 3000 Schlangenarten. Eine Schlange, die in etwa so lang ist wie ein Bus? Kaum zu fassen, aber die grüne oder große Anakonda kann tatsächlich bis zu 9 Meter lang werden. Anakondas halten sich gerne im Wasser auf. Anakondas zählen zu den größten und schwersten Schlangen der Welt.

Anakonda im Unterholz

Anakondas können nicht besonders gut sehen. Aber dafür verfügen die Schlangen über andere faszinierende Sinnesorgane, mit denen sie sich orientieren. Zunächst können sich Anakondas mit ihrer gespaltenen Zunge ein Bild von ihrer Umgebung machen: Beim schlangentypischen Züngeln nehmen die Tiere Duftstoffe auf und führen sie zum Jacobson-Organ in ihrem Gaumendach. Wie viele Wirbeltiere besitzen auch Anakondas dieses spezielle Geruchsorgan. Dort können sie die Duftspuren analysieren und aufgrund der gespaltenen Zunge sogar verorten aus welcher Richtung der Geruch gekommen ist. Sie riechen tatsächlich räumlich. Außerdem können Anakondas Wärme orten und sehen infrarot, wodurch sie warmblütige Beutetiere aufspüren können.

Anakondas warten versteckt im Wasser auf ihre Beute. Durch ihre Tarnfärbung ist die Schlange praktisch unsichtbar für ihre Beute. Mit ihrem Aussehen ist sie perfekt angepasst an ihre Umgebung und Jagdtechnik. Anakondas sind Muskelpakete und können es sogar mit Jaguaren aufnehmen. Die Anakonda hat eine sehr ausgefeilte Jagdtechnik und ist perfekt an ihr nasses Jagdgebiet angepasst.

Kommt nun ein Beutetier etwa beim Trinken zu nahe an den lauernden Jäger so beißt die Anakonda blitzschnell zu und umschlingt ihr Opfer mit ihrem Körper. Anakondas sind Würgeschlangen und nicht giftig, so tötet die Anakonda ihr Opfer nicht durch ihren Biss, sondern mithilfe ihres muskulösen Körpers. Bei jedem Ausatmen zieht die Schlange ihre Umarmung etwas enger bis ihr Opfer schließlich erstickt oder durch den Druck die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen ist. Manchmal gelingt es der Schlange auch ihr Opfer unter Wasser zu ziehen und es so zu ertränken. Anschließend verschlingt sie ihre Beute im Ganzen und mit dem Kopf voran.

Capybaras sind beliebte Beutetiere der Anakonda. Nach erfolgreicher Jagd dauert der Verdauungsprozess der Anakonda mehrere Tage in denen sie ihren Stoffwechsel enorm hochfährt. Es wurde sogar beobachtet, dass die Organe der Tiere auf ein Vielfaches anwachsen in der Verdauungsphase und danach wieder schrumpfen für die nächsten futterlosen Monate. Das lohnt sich bei Anakondas auch, denn sie sind wahre Fastenmeister. Es wurde sogar eine Anakonda beobachtet, die 500 Tage ohne Futter auskam.

Anakonda - Die Größte Schlange Der Welt / Dokumentation

Mit bis zu 9 Metern Länge sind Anakondas gemeinsam mit dem Netzpython die längsten Schlangen der Welt. Bis zu 250 Kilogramm können Anakondas wiegen und sind damit die schwersten Schlangen der Welt. Anakondas können sehr gut schwimmen und sogar bis zu 45 Minuten tauchen. Ihren Nachwuchs bringen die Riesenschlangen lebend zur Welt.

Im Beckengürtel besitzen Anakondas noch Überreste von Beinen, die sogenannten Aftersporne Nach einer guten Mahlzeit kann eine Anakonda bis zu 500 Tage ohne Nahrung auskommen Anakondas galten bisher aufgrund ihrer weiten Verbreitung als nicht gefährdet. Doch das könnte sich nun ändern: Es wird vermutet, dass die Grüne Anakonda in Wahrheit zwei verschiedene Arten umfasst. Dies würde bedeuten, dass beide Arten doch als gefährdet einzustufen sind. Vor allem die neu entdeckte nördliche grüne Anakonda wäre dann stärker gefährdet, da sie ein kleineres Verbreitungsgebiet hat.

Neue Entdeckung: Gibt es zwei Arten der grünen Anakonda? Spannende Neuigkeiten aus dem südamerikanischen Regenwald: Die Grüne Anakonda ist wahrscheinlich gar nicht eine Art, wie bisher angenommen, sondern teilt sich genetisch in zwei sehr unterschiedliche Arten auf. Diese bahnbrechende Entdeckung veröffentlichten Forschende im Februar 2024. Beide Arten sehen zwar identisch aus, variieren aber genetisch um ganze 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Menschen und Schimpansen unterscheiden genetisch sich um etwa 2 Prozent.

Untersuchungen ergaben, dass es klare genetische Unterschiede zwischen den Würgeschlangen im nördlichen und im südlichen Verbreitungsgebiet gibt. Wenn die Trockenzeit gekommen ist und die Paarungszeit der Anakondas beginnt, zeigt sich das einmalige Paarungsverhalten der Riesenschlange.

Das deutlich größere und schwerere Weibchen lockt das Männchen an, indem es Lockduftstoffe entsendet, sogenannte Pheromone. Doch es kommt nicht nur ein Männchen der Aufforderung des Weibchens nach. Wenn ihr jetzt glaubt, es käme zu Rivalitätskämpfen zwischen den Männchen, liegt ihr falsch. Alle Tiere umschlingen sich friedlich und es entsteht ein Paarungsknäuel, in dem sich bis zu 13 Männchen mit einem Weibchen verknoten.

Nach circa sechs bis acht Monaten Tragezeit bringt das Weibchen bis zu 80 Jungtiere zur Welt. Hier gibt es noch eine Besonderheit: Die kleinen Anakondas schlüpfen nicht aus Eiern, sondern werden lebend geboren, was bei Schlangen sehr selten ist. Die fast einen Meter langen kleinen Schlangen sind sofort selbstständig. Sie wachsen sehr schnell und sind mit drei Jahren bereits drei Meter lang. Da Anakondas eine solche Körpergröße erreichen, haben sie irgendwann fast keine natürlichen Feinde mehr.

Schlangenhaut und ihre Verwendung

Schlangenhaut findet auch in der Handwerkskunst Verwendung, beispielsweise beim Belegen von Bögen. Hierbei wird die Schlangenhaut (oft Rohhaut, kein Leder) mit Hautleim aufgeklebt. Es ist wichtig, die Verklebung ausreichend lange trocknen zu lassen, da die Haut feuchtigkeitsundurchlässiger ist als normale Rohhaut. Eine Schlangenhaut bietet keinen Schutz vor Feuchtigkeit, daher wird oft eine Lackierung mit Siegellack (PU) empfohlen.

Bei Klapperschlangenhäuten werden die Schuppen oft entfernt, bevor die Haut verarbeitet wird. Einige Handwerker weichen die trockene Rohhaut in Spüliwasser ein, wringen sie aus und lagern sie zwischen Tüchern, bis sie soweit trocken ist, dass sie noch dehnbar, aber sonst schon abgetrocknet ist. Der Hautleim wird beidseitig aufgetragen und mit einer Heißluftpistole erwärmt, bevor die Haut aufgeklebt wird.

Gefährdungsstatus der Reptilien in Deutschland

Lurche und Kriechtiere zählen zu den besonders stark gefährdeten Tiergruppen in Deutschland. Von 14 heimischen Kriechtierarten stehen 11 auf der Roten Liste. Ungefährdet sind lediglich die Waldeidechse und die Blindschleiche, über die Kroatische Gebirgseidechse weiß man nicht genug, um sie einstufen zu können.

Zentrale Rückgangsursache ist die fortschreitende Biotopzerstörung bzw. eine Verschlechterung der Biotopqualität. Die Gefährdungsfaktoren wirken sich vor allem auf die Arten mit kleinen Beständen und kleinen isolierten Wohngebieten (Habitaten) aus, wie z. B. bei der Aspisviper, die nur im Süden Deutschlands vorkommt. Aber auch Arten mit einem großen Verbreitungsgrad sind durch den schnellen Landschaftswandel massiv betroffen. Hier kann die Zauneidechse als Beispiel angeführt werden.

Die heimischen Kriechtiere stehen unter Naturschutz. Verstärkte Schutzmaßnahmen sind dringend notwendig, um vor allem die vom Aussterben bedrohten Arten zu retten und die Lebensräume aller Kriechtiere zu erhalten bzw.

Gefährdungsstatus einiger Reptilienarten in Deutschland
Art Gefährdungsstatus
Waldeidechse Ungefährdet
Blindschleiche Ungefährdet
Aspisviper Gefährdet (kleine Bestände)
Zauneidechse Betroffen durch Landschaftswandel

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