Gesundheitliche Risiken beim Schneeschippen: Was Sie wissen müssen

Der Winter bringt nicht nur idyllische Schneelandschaften mit sich, sondern auch viele Herausforderungen, besonders für Menschen mit Herzproblemen. Während sich vor allem Kinder und Winterfans am Anblick von verschneiten Winterlandschaften erfreuen, stöhnen Hausbesitzer und Autofahrer angesichts der weißen Pracht, die Wege und Autos unter einer dicken Schneedecke begräbt. Denn das bedeutet, morgens früher aufzustehen, um das Auto und den Gehweg freizuschaufeln. Doch für manche Anwohner kann das Schneeräumen fatale Folgen für die Gesundheit haben.

Gerade die Belastung beim Schneeräumen mit Schaufel und Besen kann zu viel werden - sie ist anstrengender, als viele denken: Schon bei kurzem Schneeschippen steigen Puls und Blutdruck stark an. Bereits nach zwei Minuten steigt die Herzfrequenz auf durchschnittlich 154 Schläge pro Minute an, nach zehn Minuten Schneeschippen noch weiter. Bei vielen Patienten ist damit die maximale Herzfrequenz erreicht.

Körperliche Anstrengung bei Minusgraden belastet das Herz. Gerade kurze, schwere Belastungen wie Schneeschippen können für Herzpatienten gefährlich werden, insbesondere wenn Betroffene ansonsten schlecht trainiert sind. Menschen mit Bluthochdruck, Herzschwäche, Koronarer Herzkrankheit oder Vorhofflimmern sollten daher bei Kälte besonders wachsam sein und große Belastungen, insbesondere im Freien, vermeiden.

Warum belastet Kälte das Herz? Bei sehr kalten Temperaturen verengen sich die Gefäße, was die Blutversorgung des Herzmuskels vermindert - der Muskel bekommt dadurch weniger Sauerstoff. Gleichzeitig werden die sogenannten Widerstandsgefäße im übrigen Körper verengt. Die Folge: Der Blutdruck steigt.

Eine gefährliche Überlastung des Herzmuskels droht - im Extremfall kann es zum Herzinfarkt mit schwerwiegenden Folgen oder sogar dem Tod kommen.

Einer weltweiten Beobachtungsstudie in 27 Ländern zufolge ist das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, an extremen Kältetagen um 33 Prozent erhöht.

Auch wenn es in Deutschland keine Statistik oder Studie dazu gibt, die Anstrengung durch das Schneeschaufeln haben viele Patienten, die ins Herzzentrum überwiesen werden, als Auslöser für "das Herzereignis", wie es im Medizinerjargon gern heißt, selten auf dem Schirm. Aber es sind nicht nur Menschen mit kardialen Vorerkrankungen betroffen, sondern auch Menschen mit anderen Risikofaktoren stellt Julia Fischer klar. Ihr Leipziger Kardiologie-Kollege bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: "Erstaunlicherweise ist das Risiko sogar noch höher, wenn es leicht unter null Grad ist und nicht so knackig kalt. Dann ist der Schnee nämlich matschiger und dadurch schwerer und das Schneeschieben noch anstrengender", sagt Dr.

Der Winter bringt nicht nur idyllische Schneelandschaften mit sich, sondern auch viele Herausforderungen besonders für Menschen mit Herzproblemen. Raus an die frische Luft und bewegen - das ist zwar auch für sie wichtig. Doch gerade das Schneeräumen ist eine anstrengende Aktivität, die für Herzpatienten mit Risiken verbunden sein kann.

Den Wissenschaftlern zufolge birgt der starre Bewegungsablauf mit steifem Oberkörper und wiederholenden, anspruchsvollen Armbewegeungen die Gefahr einer Herzrhythmusstörung.

Um den Organismus gegen das Auskühlen zu schützen, ziehen sich die die Blutgefäße in der Haut zusammen. Dadurch sinkt nicht nur der Sauerstofftransport in den Arterien, was zu einem stärkeren Belastungsempfinden führt. Es erhöht auch den Widerstand gegen den das Herz anpumpen muss.

Als Tätigkeit, die 75 Prozent der körperlichen Leistungsfähigkeit oder mehr in Anspruch nehme, gehört das Schneeschaufeln in den Wintermonaten zu den häufigsten Auslösern einer Herzattacke.

Tatsächlich sagt Kardiologin Julia Fischer, wer zur Risikogruppe gehört, sollte sich beim Schneeräumen von Familie, Freunden oder Nachbarn helfen lassen. Auch Herzspezialist Dr. Auf Beschwerden beim Schaufeln sollte man sehr schnell hören und zügig reagieren. Jeder Brustschmerz muss abgeklärt werden!

Die Studienautoren vermuten, dass insbesondere größere Anstrengungen wie Schneeräumen die Ursache für die erhöhte Zahl der Herzinfarkte sein könnten. Größere körperliche Anstrengungen wie Schneeschippen sollten Sie als Herzpatient bei Kälte daher vermeiden, denn sie belasten das Herz zusätzlich.

Auch wissenswert: Erkältung & Grippe: Warum wir im Winter häufiger krank sind

Maximale Bußgelder für nicht geräumte Fußwege bei Schneefall und Glätte in ausgewählten Bundesländern:

Bundesland Bußgeld
Baden-Württemberg 500 Euro
Brandenburg 2.500 Euro
Hamburg 50.000 Euro
Mecklenburg-Vorpommern 1.300 Euro
Schleswig-Holstein 511 Euro

Vor allem morgens stellt der Griff zum Schneeschieber eine zusätzliche Belastung für den Körper dar. „Wir raten dazu, die körperliche Belastung an den eigenen Trainingszustand anzupassen, indem man zum Beispiel das Tempo und das Gewicht der Schaufel anpasst. Mit richtiger Körperhaltung und Krafteinsatz können damit auch untrainierte Menschen dem Schnee erfolgreich zu Leibe rücken“, sagt Prof. Dr. Bernd Kladny, DGOU-Generalsekretär und Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach.

Regelmäßig untersuchen lassen: Engstellen an den Gefäßen bleiben oft lange unerkannt. Häufig kommt es erst zur Diagnose, wenn es zuvor einen schwerwiegenden Vorfall wie einen Herzinfarkt gegeben hat. Deshalb sollten sich auch vermeintlich gesunde Menschen zur Sicherheit alle drei Jahre beim allgemeinem Gesundheits-Check-up von Arzt oder Ärztin auf mögliche Risikofaktoren und Herz-Kreislaufprobleme untersuchen lassen. Angeboten wird diese Untersuchung bereits ab 35 Jahren. Falls notwendig, kann ein Belastungs-EKG zusätzlichen Aufschluss geben.

Gerät man neuerdings schon bei geringen Anstrengungen ins Schnaufen, kann das unter anderem ebenfalls auf eine Herzerkrankung hinweisen und sollte von Arzt oder Ärztin abgeklärt werden. Allgemein sollten ältere Menschen ihre Leistungsgrenzen mit dem Hausarzt oder der Hausärztin abklären, wenn sie unsicher sind, ob sie einer Belastung gewachsen sind.

Tipps für sicheres Schneeschippen

Wenn Sie Schnee schippen müssen, beachten Sie folgende Tipps, um Ihr Herz zu schonen und Verletzungen vorzubeugen:

  • Teilen Sie die Arbeit auf: Statt alle Aufgaben auf einmal zu erledigen, teilen Sie das Schneeräumen auf mehrere Abschnitte auf.
  • Verwenden Sie die richtige Ausrüstung: Investieren Sie in ergonomische Schneeschaufeln und Streugeräte, um die körperliche Belastung zu minimieren.
  • Nutzen Sie die richtige Technik: Schieben, nicht schippen! Die Bezeichnung „schippen“ ist missverständlich. Sie sollten den Schnee möglichst nicht anheben, sondern nur wegschieben.
  • Machen Sie Aufwärmübungen: Vor dem Schneeräumen sollten Sie sich aufwärmen, um Ihre Muskeln vorzubereiten und die Belastung für Ihr Herz zu reduzieren.
  • Tragen Sie angemessene Kleidung: Halten Sie sich warm, um den Einfluss der Kälte auf Ihr Herz zu minimieren. Schichten Sie die Kleidung, um sich bei Bedarf an- oder ausziehen zu können. Es empfiehlt sich auch, einen Schal oder eine Maske über Mund und Nase zu tragen.
  • Hören Sie auf Ihren Körper: Achten Sie während des Schneeräumens auf Anzeichen von Überanstrengung, wie Atemnot, Schwindel oder Schmerzen im Brustbereich.
  • Schieben, nicht schippen: Die Bezeichnung "schippen" ist missverständlich. Sie sollten den Schnee möglichst nicht anheben, sondern nur schieben.
  • Kleine Mengen: Bewegen Sie nicht zu viele Schnee auf einmal mit der Schaufel.
  • Zeit einplanen: Beim Schneeräumen hat man es meistens eilig. Doch Hektik verursacht Stress, der zusätzlich belastet.
  • Festes Schuhwerk: Tragen Sie zum Schaufeln Schuhe, mit denen Sie auf Eis und Schnee sicher stehen.
  • Warm anziehen: Beim Schneeräumen wird es einem schnell warm. Tragen Sie trotzdem ausreichend warme Kleidung, um sich vor der Kälte zu schützen. Arbeiten Sie lieber langsam, um nicht ins Schwitzen zu kommen.
  • Pausen machen: Unterbrechen Sie die Arbeit und verschnaufen Sie einen Moment, wenn Sie ins Schwitzen geraten oder Ihr Puls nach oben geht.

Rückenschonend: Eine leichte, ergonomische Schippe nutzen.Muss eine vollbeladene Schaufel doch einmal angehoben werden: Oberkörper gerade halten und dabei leicht in die Knie gehen. Bewegungsabläufe ruhig und kraftschonend durchführen.Die Rückenmuskulatur sollte warm und vollständig bedeckt sein.

Vor Beginn der Winterperiode ist es ratsam, mit Ihrem Arzt zu sprechen. Besprechen Sie Ihre Herzgesundheit und klären Sie ab, welche winterlichen Aktivitäten geeignet für Sie sind oder was Sie ganz vermeiden sollten.

Achten Sie auf die Wetterbedingungen: Schneeräumen bei extremen Wetterbedingungen kann zusätzlichen Stress für das Herz bedeuten. Kälte kann die Blutgefäße verengen und den Blutdruck erhöhen.

Menschen mit schweren Herzklappenfehlern, geschädigten Herzkranzgefäßen oder anderen schwerwiegenden Herzerkrankungen sollten das Räumen anderen überlassen. Auch alle, die erst kürzlich eine Herzoperation hinter sich gebracht haben, verzichten besser auf das Schneeschippen. Sie sollten bei Neuschnee Familienmitglieder oder Nachbarn bitten, die Arbeit für sie zu erledigen.

Das heißt allerdings nicht, dass sie sich an Wintertagen nicht bewegen dürfen. Gegen eine entspannte Walkingrunde oder einen Spaziergang spricht den Herzspezialisten der Deutschen Herzstiftung zufolge nichts.

Wichtig: Anzeichen wie Brustschmerzen, Atemnot oder ein Druckgefühl im Brustkorb sollten Sie als Herzpatient ernst nehmen unbedingt beim Arzt abklären lassen.

Quelle: MDR


Quelle: DGOU

Gehwege räumen bei Schnee und Eis - Wer ist verantwortlich?

tags: #schnee #schippen #gesundheitliche #risiken

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen