Die meisten Primaten sind behaart, aber Menschen und einige andere Säugetiere haben im Laufe der Evolution ihr Fell verloren. Bei unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, ist das Fell bis heute erhalten geblieben.
Evolutionär gesehen trennten sich unsere Wege vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren. Wir können davon ausgehen, dass unser letzter gemeinsamer Vorfahre noch ziemlich behaart war.
Der Zeitraum des Fellverlustes lässt sich eingrenzen, aber der genaue Zeitpunkt und die Gründe dafür sind schwer zu bestimmen. Bisher wurden nur Knochen von Urmenschen gefunden, aber keine Hautabdrücke mit oder ohne Fellspuren. Auch die Spuren von Kleidung oder der regelmäßigen Nutzung von Feuer sind deutlich jünger. Es bleibt nur die indirekte Herleitung.
Fell hat in der Natur unterschiedliche Funktionen, wobei eine wichtige die Thermoregulation ist.
Der Homo erectus, der vor zwei Millionen Jahren in Afrika lebte, könnte ein haarloser Ausgangspunkt sein. Er war mit 1,80 Meter deutlich größer als seine Vorfahren und seine Beine waren besser an den aufrechten Gang angepasst. Diese Entwicklung lässt sich mit Klimadaten aus dieser Zeit vergleichen.
Auf dem afrikanischen Kontinent herrschte kein Eiszeitklima, sondern ein sehr trockenes Klima. Wälder gingen zurück und es bildeten sich Savannen. Der Urmensch bewegte sich mehr, verfolgte Beutetiere und war der starken Sonne stärker ausgesetzt. Ein dichtes Fell wäre nun gefährlich gewesen, da der Körper und das größer werdende Gehirn schnell überhitzen konnten.
Die Schimpansen blieben dagegen im Wald, und ein Fellverlust wäre nicht nötig gewesen.
Weniger Fell schützt auch vor Ungeziefer, da es auf glatter Haut schlechter nisten kann. Fällt das Lausen weg, bliebe mehr Zeit für die Jagd und andere Dinge. Das Auftreten von Filzläusen im Intimbereich vor knapp drei Millionen Jahren deutet darauf hin, dass unsere Vorfahren damals schon haarloser waren.
Auch sexuelle Selektion könnte eine Rolle gespielt haben. Charles Darwin vermutete im Verlust der Haare einen sexuellen Vorteil. Auch wenn seine Theorie in der Fachwelt inzwischen als überholt gilt, könnte die menschliche Sexualität doch wenigstens zu dieser Entwicklung beigetragen haben. So haben wir noch immer echtes Haar im Intimbereich oder auf dem Kopf oder im Gesicht. Das könnte wiederum zur sexuellen Unterscheidbarkeit dienen und bestimmte Attribute wie Stärke oder Vitalität signalisieren.
Solche Erklärungsansätze sind nicht unumstritten, könnten aber doch ein Hinweis darauf sein, dass vermutlich mehrere Gründe zum Haarverlust führten.
Ein spannender Ansatz, um den Zeitpunkt des Fellverlusts besser einzugrenzen, könnte die Paläogenetik liefern. Schimpansen haben unter ihrem Fell eine rosafarbene Haut. Die Haut der haarlosen Urmenschen muss viel stärker pigmentiert sein. Nun könnte man nach dem Ursprung von dunkler Haut suchen - entweder durch Rückdatierung in unseren Genen oder in fossilem Urmenschen-Erbgut in Afrika, das wir hoffentlich in Zukunft noch entdecken werden.
Primaten mit weniger Haaren im Zoo werden oft als gequälte Individuen dargestellt, deren Leid man beenden müsse. Die Wissenschaft zeigt jedoch, dass es sich bei Haarausfall um eine vielschichtige Erkrankung mit vielen möglichen Ursachen handelt. Stress kann eine Ursache sein, aber eben auch nur eine mögliche von sehr, sehr vielen möglichen.
Es gibt derzeit "wenn überhaupt, nur wenige Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Stress und Alopezie bei nicht-menschlichen Primaten". Bei Gorilla, Orang-Utan und Schimpansen wurde schon Haarausfall aufgrund von Schilddrüsenunterfunktion beschrieben.
Mensch und Schimpanse stimmen zu nahezu 99 Prozent in ihrem Erbgut überein. Diese Zahl gibt Aufschluss darüber, was den Menschen zum Menschen und den Affen zum Tier macht. Die Unterschiede liegen in Mutationen und Verdopplungen von Gensequenzen, die vor allem bei den Chromosomen 5 und 15 vorkommen.
Diese Verdoppelungen könnten einer der wichtigsten Faktoren in der Einzigartigkeit des Menschen sein. Allerdings bedeuten solche Mutationen nicht automatisch eine Vorwärtsbewegung. Es gibt auch Krankheiten, die erstaunlicherweise immer mit diesen Verdoppelungen einhergehen, die es nur beim Menschen gibt.
Die großen Unterschiede wie etwa die Fähigkeit zur Sprache lassen sich zwar zum Teil auf nur eine einzige Genmutation zurückführen. Dennoch ist das komplexe Zusammenspiel von Basenpaaren, Genen und Proteinen komplizierter, als bislang angenommen.
Verwandtschaft des Schimpansen in der zoologischen Systematik:
| Ordnung | Familie | Gattung | Art |
|---|---|---|---|
| Primaten | Menschenaffen | Pan | Schimpanse (Pan troglodytes) |
Schimpansen sind bekannt für ihren äußerst geschickten und vielseitigen Werkzeuggebrauch. Neben ihnen gibt es zwar viele weitere Tiere, die Werkzeuge einsetzen, aber die Verwendung von Werkzeugen zur Erreichung eines bestimmten Handlungsziel sowie zur Veränderung der Umwelt nach bestimmten Vorstellungen ist bei Menschen und Menschenaffen von beeindruckendem Ausmaß.
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