Schilddrüsenüberfunktion: Symptome, Ursachen und Haarausfall

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich im vorderen Halsbereich befindet und eine entscheidende Rolle in unserem Körper spielt. Sie produziert wichtige Hormone, die viele unserer Körperfunktionen regulieren - von der Temperaturregulierung bis hin zum Stoffwechsel.

Lage der Schilddrüse im Halsbereich

Die Rolle der Schilddrüsenhormone für das Haarwachstum

Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3), die über den Blutkreislauf in die Haarfollikel gelangen und dort das Haarwachstum beeinflussen. Diese Hormone steuern die Zellerneuerung und den Stoffwechsel der Haarzellen, was das Wachstum der Haare direkt unterstützt.

Ein gesunder Schilddrüsenhaushalt ist entscheidend für das Wachstum und die Gesundheit unserer Haare. Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können zu Haarausfall und anderen Haarproblemen führen. Da die Schilddrüse mit ihren Hormonen das Haarwachstum beeinflusst, gehören auch Schilddrüsenfunktionsstörungen zu den möglichen Auslösern für Haarausfall.

In den menschlichen Haarfollikelzellen wird das Haar gebildet und dort ist auch die Haarwurzel verankert. Diese Zellen besitzen Rezeptoren, an die die Schilddrüsenhormone binden können. Die dadurch ausgelösten Signale und Prozesse wirken sich direkt auf das natürliche Haarwachstum aus.

Ebenso beeinflussen die Regelhormone der Schilddrüse - genauer das Thyreotropin-Releasing Hormon (TRH) und Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) - wichtige Prozesse im Haarwachstumszyklus.

Schilddrüsenfunktionsstörungen und Haarausfall

Gerät die Schilddrüse aus dem Takt, sind die Schilddrüsenhormone in der Folge meist übermäßig viel oder zu gering im Blut vorhanden.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, was zu einem beschleunigten Stoffwechsel führt. Dünner werdendes und diffus ausfallendes Haar deutet hingegen auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin. Vorübergehend kommt es nämlich zu einer Wachstumsbeschleunigung der Haarzellen mit einem verkürzten Lebenszyklus der Haare.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Bei einer Unterfunktion fallen die Haare zunehmend aus, da sich die Haarzellen vermehrt in einer Ruhephase befinden und das Haarwachstum verlangsamt ist. Darüber hinaus werden die Haare spröde und brüchig.

Autoimmunerkrankungen als Ursache

Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow und die Hashimoto-Thyreoiditis können ebenfalls Haarausfall verursachen. Bei diesen Erkrankungen greift das Immunsystem die Schilddrüse an, was die Hormonproduktion beeinflussen kann.

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Diese Erkrankung führt häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion, was das Haarwachstum verlangsamt und Haarausfall verursacht.
  • Morbus Basedow: Diese Autoimmunerkrankung verursacht oft eine Schilddrüsenüberfunktion und kann zu diffusen Haarausfall führen. Starke Schilddrüsenüberfunktionen treten meist bei einem Morbus Basedow auf. Bei dieser Autoimmunerkrankung führen spezifische Antikörper gegen den TSH-Rezeptor zu einer vermehrten Produktion von Schilddrüsenhormonen.

Auch bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis kann es zu Beginn zu einer Überfunktion kommen. Langfristig entwickeln aber viele der Patientinnen und Patienten mit einer Hashimoto-Thyreoiditis nach einer etwa sechswöchigen Überfunktionsphase eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion.

Eine solche Störung betrifft auch rund fünf bis sieben Prozent aller Frauen nach der Geburt - die sogenannte Postpartum-Thyreoiditis. Ohnehin kommt es nach einer Geburt durch den Abfall der schwangerschaftsbedingt hohen Östrogenwerte oftmals zu einem gewissen Haarausfall. Eine Postpartum-Thyreoiditis kann diesen noch deutlich verstärken.

Darüber hinaus können „heiße“ Schilddrüsenknoten (Autonome Adenome) ebenfalls eine Überfunktion und damit einen verstärkten Haarausfall verursachen.

5 TIPPS bei HAARAUSFALL Schilddrüse Darm

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion - in der Fachsprache auch Hyperthyreose genannt - produziert die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone. Weil das Organ für die Regulation zahlreicher Körperreaktionen zuständig ist, arbeitet der Körper bei einer Schilddrüsenüberfunktion mit Hochdruck. Dies zeigt sich durch Symptome wie Herzrasen oder innere Unruhe.

Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion sind individuell und vom Alter der Patientin oder des Patienten abhängig. Bei älteren Menschen zeigt sich eine Hyperthyreose anders als bei jüngeren Personen. Es kann auch vorkommen, dass lediglich ein Symptom im Vordergrund steht und zur Diagnose einer Hyperthyreose ausreicht.

Es müssen nicht immer alle typischen Symptome und Beschwerden gleichzeitig und gleichstark auftreten. Die Ausprägung der Symptome entspricht auch nicht immer exakt den Hormonwerten im Blut und kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Im Allgemeinen reagieren junge Menschen heftiger als ältere, die manchmal nur durch Herzrhythmusstörungen oder andere unspezifische Symptome auffallen.

Bei einem Zuviel an Schilddrüsenhormon hat der Körper zu viel an Energie, die Drehzahl vieler Körperfunktionen ist dann zu hoch. Daher kann man sich viele mögliche Symptome unschwer selbst ableiten. Es müssen nicht immer alle Symptome gleichzeitig oder gleich schwer auftreten. Manchmal steht ein Symptom im Vordergrund und ist wegweisend. Je ausgeprägter und länger die Hyperthyreose besteht, umso ausgeprägter sind meist die Symptome.

Diagnose und Behandlung

Falls Sie bei sich vermehrten Haarausfall beobachten und gleichzeitig Symptome einer Schilddrüsenstörung feststellen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und Ihre Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen. Die Diagnose der Schilddrüsenüber oder -unterfunktion ist oft nicht einfach. Denn es können sehr viele Symptome zusammentreffen, die einzeln betrachtet ebenfalls auf andere Erkrankungen hinweisen können.

Die Hypothyreose oder Hypothyreose kann durch Urin- und Blutuntersuchungen festgestellt und nachgewiesen werden. Störungen werden durch eine eine Analyse des Blutbildes aufgedeckt. Im Anschluss erfolgt normalerweise eine Überweisung zum Endokrinologen, der auf die Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten spezialisiert ist.

Wichtige diagnostische Schritte:

  • Anamnesegespräch
  • Tastuntersuchung der Schilddrüse
  • Blutuntersuchungen (TSH-Wert, T3, T4)
  • Ultraschalluntersuchung
  • Schilddrüsenszintigrafie (bei Bedarf)

Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion kann Medikamente, eine Radiojodtherapie oder in manchen Fällen eine Operation umfassen. Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen, die den Hormonhaushalt ausgleichen. Dies kann das Haarwachstum häufig wieder stabilisieren.

Autoimmunerkrankungen erfordern oft eine gezielte medikamentöse Therapie, die das Immunsystem und die Hormonproduktion stabilisiert.

Zunächst gilt es die Ursache für die Fehlfunktion zu finden und zu beheben. Je nach Ursache ist hierfür ein medizinischen Eingriff erforderlich oder die Einnahme von Medikamenten. Oftmals setzt das Haarwachstum dann wieder von selbst ein bzw. es normalisiert sich. Falls die Erkrankung lange zurückliegt bzw. die regenerative PRP Behandlung versäumt wurde, entstehen kahle Stellen, welche mittels einer Haartransplantation behandelt werden müssen.

Unterstützende Behandlungen bei Haarausfall

Für Menschen, die unter durch Schilddrüsenprobleme verursachtem Haarausfall leiden, können unterstützende Behandlungen wie die PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma) und die Mesotherapie das Haarwachstum anregen und das Haar insgesamt stärken. Beide Methoden zielen darauf ab, die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und die Haarfollikel zu revitalisieren, was besonders dann sinnvoll sein kann, wenn der Haarausfall auch nach der medikamentösen Einstellung der Schilddrüse anhält.

  • PRP-Therapie: Bei der PRP-Behandlung wird körpereigenes, plättchenreiches Plasma in die Kopfhaut injiziert. Dieses Plasma enthält eine hohe Konzentration an Wachstumsfaktoren, die die Durchblutung und die Zellregeneration in der Kopfhaut fördern. Gerade bei Haarausfall aufgrund hormoneller Schwankungen - wie etwa durch Schilddrüsenprobleme - kann die PRP-Therapie helfen, das Haarwachstum zu stimulieren und dünner werdendes Haar zu kräftigen.
  • Mesotherapie: Diese Methode verwendet Mikroinjektionen, um eine Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und manchmal auch Medikamenten direkt in die Kopfhaut einzubringen. Die Mesotherapie kann die Haarfollikel stärken und die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen versorgen, die für ein gesundes Haarwachstum erforderlich sind. Bei schilddrüsenbedingtem Haarausfall kann diese Behandlung den Zustand der Kopfhaut verbessern und das Wachstum neuer Haare anregen.

Diese Behandlungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn der Haarausfall stabil ist und die Schilddrüsenerkrankung bereits gut eingestellt wurde. Da sie die Haarfollikel stärken und das Haarwachstum unterstützen, können PRP- und Mesotherapie als begleitende Maßnahmen zur Schilddrüsenbehandlung dabei helfen, das Haar wieder dichter und kräftiger wachsen zu lassen.

Wichtige Punkte zum Merken

  1. Haarausfall aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung ist nicht sofort sichtbar und/oder als solcher zu erkennen. Anstelle von kahlen Stellen äußert er sich in Form von stellenweisem Haarausfall und lichter werdendem Haar.
  2. Haarausfall in Folge von Schilddrüsenerkrankungen ist oftmals vollständig reversibel. Aber auch wenn der Haarausfall nur vorrübergehend ist, braucht es Monate, bis das Haarwachstum wieder einsetzt. Das Nachwachsen der Haare ist nicht vorhersehbar, so kann sich das neue Haar sowohl in der Farbe als auch in der Textur unterscheiden.
  3. Haarausfall ist nur ein Symptom einer Schilddrüsenerkrankung. Weitere Symptome sind Müdigkeit, ständiges Frieren, spröde und brüchige Nägel, unerklärlicher Gewichtsverlust oder -zunahme und Stimmungsschwankungen.
  4. Schilddrüsenerkrankungen werden in Schilddrüsenunter und -überfunktion unterteilt. Diese werden als Hypothyreose und Hyperthyreose bezeichnet.
  5. Anzeichen und Symptome einer Hypothyreose können unter anderem an Ihren Händen und Nägeln erkannt werden.
  6. Vitamin B12 kann die durch eine Schilddrüsenunterfunktion verursachten Symptome verbessern.
  7. Schilddrüsenerkrankungen können Erwachsene und Kinder, Männer und Frauen betreffen. Sie können schon von Geburt an vorhanden sein und sich mit zunehmendem Alter entwickeln.
  8. Schilddrüsenprobleme sind unter anderem eine Folge von Jodmangel. Aber auch Autoimmunerkrankungen greifen die Schilddrüse an und verursachen eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion.
  9. Sind Sie nach dem Lesen dieses Berichtes über „Haarausfall Schilddrüse - FAQ“ interessiert an einem Beratungstermin für die Behandlung Ihres Haarausfalls oder eine andere Behandlung? Machen Sie sich einen Termin und erzählen Sie uns von Ihrer Situation, sowie Ihren Wünschen und Erwartungen an die Behandlung.

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