Er war der Bruce Willis unter den Schiedsrichtern: Pierluigi Collina überzeugte durch seinen streng-lässigen Auftritt und seine markante Glatze. Mit seiner meist souveränen Spielleitung gilt der Italiener als Ikone im internationalen Fußball.
Pierluigi Collina, einer der bekanntesten Schiedsrichter der Welt (Quelle: Wikipedia)
Der am 13. Juni 1960 in Bologna geborene Pierluigi Collina ist ein ehemaliger Fußballschiedsrichter. Zuvor hatte er die Universität in seiner Heimatstadt besucht, wo er 1984 seinen Abschluss im Bereich Wirtschaft erwarb.
Im Alter von 24 Jahren wurde bei Collina die Krankheit Alopecia universalis diagnostiziert, bei der die Betroffenen unter einem Haarausfall am ganzen Körper leiden. "Ich verlor meine Haare Mitte der 80er mit 24 Jahren wegen einer Krankheit in einer Zeit, als dieser Look längst keine Mode wie heute war", führte der sechsmalige Weltschiedsrichter aus. "Damals wurde mir ernsthaft gesagt: Jetzt pausierst du mal ein paar Monate mit dem Pfeifen, vielleicht wachsen die Haare ja wieder."
Knapp drei Monate später habe die Schiedsrichter-Kommission dann einen Test in der 4. Liga veranstaltet, vor "5000 oder 6000 Zuschauern". Der Grund: Man wollte herausfinden, ob "ein kahlköpfiger Referee überhaupt akzeptiert würde. Heute unvorstellbar." Was bei dem Test passiert sei? "Natürlich nichts. Den Leuten war schnuppe, ob Glatze oder nicht. Wenn du deine Arbeit gut machst, ist doch die Frisur belanglos."
Heute weiß Collina, dass ihm der Look auf dem Platz sogar weiterhalf: "Er wurde dann zu einer Art Markenzeichen und einige sagten: Die Glatze hat dir zum exponierten Image geholfen.
Seine markante Glatze und seine intensive Körpersprache machten ihn weltweit bekannt. Da er zwischen den Jahren 1998 und 2003 sechs Mal in Folge zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gekürt wurde, hält er damit bis heute einen Rekord. Bis heute gilt der mitlerweile inaktive Collina den Statistiken zufolge als weltbester Schiedsrichter.
Seine Erfahrungen hat er in einem Buch dokumentiert, das weltweit in insgesamt neun Sprachen erschienen ist.
Collinas Schiedsrichterkarriere begann vor über 20 Jahren auf besseren Bolzplätzen in Bologna und Umgebung. Damals, wird kolportiert, prangten braune Locken vom Haupt des schmächtigen Schmiedsrichters, der als Verteidiger zuweilen etwas rüde einstieg. Collina hörte auf den Spitzn „Pigi" und seine eigentliche Passion war Basketball.
Das Bild, das Collina auf dem Feld vermittelt, ist das eines strengen und unnachgiebigen Mannes, der immer auf Ballhöhe ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Leben, das sich außerhalb des Fußballs abspielt. Pierluigi Collina ist das Gehabe einer Primadonna fremd. Dabei hätte er allen Grund dazu. Seit vier Jahren nämlich rangiert er in der weltweiten Rangliste der Schiedsrichter unangefochten auf dem ersten Platz. Ähnlich erfolgreich ist die Bilanz in Italien, wo er bislang 167 Spiele der Serie A leitete. Und auch hier zeichnete er sich stets durch Topleistungen aus. Dass er sich mit seinen korrekten Schiedsrichterentscheidungen so manchen Feind bei den großen Klubs machte, störte Collina wenig.
Wegen seines Charakterkopfes - die Glatze ist keine Marotte, sondern Folge einer Stoffwechselkrankheit - ist Collina der ideale Werbeträger. Kein Wunder, dass ihn der Sportartikelhersteller Adidas für eine Kampagne engagierte. Gerade deswegen und aufgrund der Tatsache, dass die brasilianische Auswahl vom Konkurrenten Nike gesponsort wird, gab es zaghafte Versuche, Collina als Referee abzulehnen. Die Schiedsrichterkommission des Weltverbandes Fifa verwarf jedoch jegliche Einwände und benannte ihn für das WM-Finale.
Collina beendete 2005 nach 28 Dienstjahren seine Karriere als Referee, in der er unter anderem das Champions-League-Finale 1999 zwischen Bayern und Manchester United sowie das WM-Finale 2002 zwischen Brasilien und Deutschland gepfiffen hatte. Zudem leitete er zahlreiche Spiele bei WM- und EM-Turnieren.
In den Fußballstadien galt der Italiener viele Jahre als einer der strengsten Vertretern seines Berufs.
Der ehemalige italienische Star-Schiedsrichter Pierluigi Collina hat mit vielen Jahren Abstand einen kleinen Regelverstoß beim WM-Finale 2002 zugegeben. Der 64-Jährige gestand, dass er das Spiel zwischen Brasilien und Deutschland länger laufen ließ, um an den Ball zu kommen.
„Damals pfiff ich das Spiel mit 13 oder 14 Sekunden Verspätung ab, ohne Rücksicht auf das Ergebnis, um sicher zu sein, dass ich den Ball in den Händen hielt“, sagte Collina. Collina erinnert sich auch daran, wie ihm nach dem Finale in der japanischen Stadt Yokohama bei der Siegerehrung jemand versuchte, den Ball abzuluchsen - ohne Erfolg. „Auf den Fotos der Zeremonie bin ich immer mit dem Ball in der Hand zu sehen.“
Die eigenwillige Verlängerung änderte aber nichts: Deutschland verlor 0:2.
Der Unparteiische war der Gegenentwurf zu Robert Hoyzer, der mit einem Bestechungsskandal im Jahr 2004 die Fußball-Welt erschütterte. Nun kommt raus: Collina hat ebenfalls geschummelt. Wenn auch nur ein ganz klein wenig, wie er in einem Interview einräumte. Ausgerechnet in einem der größten Spiele seiner Karriere.
Lange Zeit hielten die damaligen deutschen Rumpelfüßler gegen die Ballzauberer gut dagegen. Bis Oliver Kahn mit einem kapitalen Bock das Final-Drama einleitete.
Aus dem Finale hat er auch die Trikots der beiden Brasilianer Ronaldo und Cafu sowie das DFB-Trikot von Didi Hamann. Die Final-Kugel liegt nun in einem Fitness-Studio, in dem Collina beschäftigt ist.
Collina mit dem Ball des WM-Finales 2002 (Quelle: Welt.de)
Kritik ist normal. Und nicht nur im Fußball, auch im Alltag gibt es verschiedene Meinungen. Deshalb macht es mir nichts aus, wenn ich in den Zeitungen kritisiert werde, das ist Teil meines Lebens als Schiedsrichter. Im übrigen hilft mir Kritik von außen auch oft. Es gibt immer wieder Zeiten, da kannst du selbst nicht sehen, wie du dich verbessern könntest. Da sind die Kritiker sehr nützlich. Ich hoffe aber, dass ich keine richtigen Feinde habe. Denn wie ich schon gesagt habe: Für mich ist gegenseitiger Respekt die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens.
Über ihre Pfiffe haben sich Zuschauer gefreut, gestritten oder auch mal gelacht: Hier eine Auswahl bekannter Fußball-Schiedsrichter:
| Name | Land | Besondere Leistungen |
|---|---|---|
| Pierluigi Collina | Italien | Champions-League-Finale 1999, WM-Finale 2002, 6x Weltschiedsrichter des Jahres |
| Howard Webb | England | Champions-League-Finale 2009, WM-Finale 2010, Weltschiedsrichter 2010 und 2013 |
| Felix Brych | Deutschland | Champions-League-Endspiel 2007, Bundesliga-Rekordschiedsrichter (359 Spiele), 2x Weltschiedsrichter |
tags: #schiedsrichter #glatze #bekannt
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