Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat in den letzten Monaten turbulente Zeiten erlebt. Interne Krisen, Sparmaßnahmen und der ständige Druck, relevanten und identitätsstiftenden Inhalt zu liefern, prägen die aktuelle Situation. Moderatoren wie Sascha Hingst stehen dabei vor besonderen Herausforderungen.
In einem RBB-Spezial zur Wiederholungswahl des Berliner Abgeordnetenhauses wurde den Spitzenkandidat:innen die Frage gestellt: "RBB abschaffen?". Die einhellige Ablehnung dieser Idee schien das Moderations-Duo Franziska Hoppe und Sascha Hingst ein wenig zu beruhigen. Jedoch vergeht kaum eine Woche ohne neue Meldungen über interne Vorgänge beim RBB. Produktions- und Verwaltungsdirektoren wurden fristlos gekündigt, und Beraterhonorare wurden gestoppt.
Ende Januar verließ der bisherige Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus den Sender, um "zusätzlichen Gestaltungsspielraum für den Neustart" zu schaffen. Ziel war es, "an mindestens vier bis fünf Abenden pro Woche selbstgemachtes Programm zu senden - keine Wiederholungen, keine Übernahmen aus den anderen Dritten", versprach Schlesinger damals im DWDL-Interview.
Sascha Hingst, Moderator der "Abendschau"
Im vergangenen Krisenjahr erreichte der RBB einen Marktanteil von lediglich 5,6 Prozent. Von den angekündigten Reformen im Hauptabendprogramm ist wenig geblieben. Das verbleibende Programm wirft die Frage auf, ob damit ein ganzer Sender betrieben werden kann. Doku-Highlights wie "Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt" sind selten. Stattdessen gibt es viele Rankings und Erinnerungssendungen, die oft als belanglos empfunden werden.
Beispiele hierfür sind Sendungen wie "Die 30 tollsten Berliner Wildtiere" oder "Berlin mit der Straßenbahn erfahren". Letztere bieten jedoch den Vorteil, dass bei 46 Berliner Linien jedes Jahr ein neues 90-minütiges Haltestellenporträt angefertigt werden kann, um Sendeplätze zu füllen.
Der Sender hat nach wie vor kaum prägende Gesichter, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Viele Regionalbeiträge wirken provinziell, obwohl die Stadt eine metropoligere Berichterstattung durchaus zulassen würde.
Die Politikberichterstattung sah sich im Vorfeld der erneuten Wahl in der Hauptstadt gezwungen, kurzzeitig aus dem üblichen Programmschema auszubrechen. Dazu gehörte die viertelstündige Kandidat:innen-Einzelbefragung "Ihr Plan für Berlin?".
Volker Wieprecht, Moderator der "Abendschau", begrüßt sein "hochverehrtes Publikum" und verabschiedet sich 28 Minuten später wieder. Sein Gesellschafts-Talk "Wieprecht" wurde albern in Breaking-News-Splitscreen-Optik verkleidet.
Ein weiteres Beispiel ist der "Kandidatencheck", bei dem Bürger:innen per Einspielfilm die Politiker:innen zu Randproblemen befragen durften, woraufhin diese 15 Sekunden Zeit zur Antwort hatten.
Die Corona-Pandemie stellte auch die Moderatoren vor neue Herausforderungen.
Matthias Killing hatte es einfacher, da er eine Maskenbildnerin hatte, die ihm auch die Haare schnitt. Sascha Hingst hingegen gestand, dass er "gänzlich ungeeignet zum Selbst-Schminken" sei. Zum Glück standen ihm beim RBB weiterhin Maskenbildner zur Verfügung, die Mundschutz und Visiere trugen. Hingst selbst hielt beim Schminken die Luft an, um die Kollegen zu schützen.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden einige Garderoben als Maske genutzt, damit nie mehr als zwei Personen zusammen in einem Raum waren. Dilek Üsük machte sich die Haare selbst und verließ sich beim Schminken auf die Profis.
Ab 2024 gibt es einige neue Gesichter beim RBB. Janna Falkenstein wird eines der Gesichter der neuen Vorabendsendung DER TAG. Sie ist vielen Zuschauern als Anchor-Woman des Verbrauchermagazins SUPER.MARKT bekannt.
Uwe Madel moderiert seit 1992 das Kriminalmagazin Täter - Opfer - Polizei und ab 2024 die Vorabendsendung DER TAG. Christian Matthé wird ebenfalls Teil des Moderatorenteams von DER TAG sein.
Alina Stiegler arbeitet als Live-Reporterin und Autorin für die rbb24 Abendschau, während Raiko Thal das Gesundheitsmagazin rbb Praxis präsentiert.
Nach intensivem RBB-Zuschauen stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, einen linearen Sender zu betreiben, der mehr Sendungsbewusstsein als Ausstrahlungsvermögen hat. Der Sender muss sparen und wiederholen, sodass die relevante originäre Programmleistung auf ein bis zwei Stunden pro Tag reduziert wird.
Es bleibt abzuwarten, wie sich der RBB in Zukunft entwickeln wird und welche Rolle Moderatoren wie Sascha Hingst dabei spielen werden.
| Jahr | Marktanteil |
|---|---|
| Letztes Krisenjahr | 5,6% |
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