Haarstruktur verändert sich: Wissenschaftliche Erkenntnisse

Das menschliche Haupthaar ist so vielfältig wie unsere Charaktere, es ist seit Jahrtausenden auch Fashion Statement, Persönlichkeitsausdruck oder politisches Zeichen. Täglich beschäftigen wir uns mit unserer Frisur, trotzdem bleiben Fragen offen: Was bestimmt, ob wir Locken, Wellen oder glatte Haare haben? Unsere Körperbehaarung ist ein Relikt der Evolution, erfüllt allerdings nach wie vor eine wichtige Funktion.

Der Aufbau des Haares

Jedes Härchen setzt sich aus den Schichten Medulla, Cortex und Cuticula zusammen. Das klingt zunächst simpel. Tatsächlich ist der Haaraufbau derart komplex, dass eine lückenlose Beschreibung ganze Bücherregale füllen und den Laien überfordern würde.

Wie ein Mantel umhüllt die Cuticula die Haarfasern. Sie setzt sich aus verhornten Zellen zusammen, die schuppenartig angeordnet sind. Genau genommen vereinen sich bis zu zehn Lagen dieses Zellarrangements zur Cuticula. Einerseits ist diese äußere Schuppenschicht ein Schlüsselelement für den attraktiven Look. Im gepflegten Zustand liegen die Schuppen der Cuticula flach an und bilden eine glatte Oberfläche, die Licht reflektiert und eine glanzvolle Frisur beschert.

Andererseits ist die Schuppenschicht eine Herausforderung, wenn die innere Haarstruktur gestärkt werden muss. Aufgrund ihrer Schutzfunktion ist sie wasserabweisend konzipiert. Gleichzeitig sorgt aber der zehnprozentige Wasseranteil bei den Haarfasern für wünschenswerte Eigenschaften wie Elastizität. Eine Haarpflege für die Regeneration des Feuchtigkeitshaushalts muss also die Barrierefunktion der Cuticula überwinden, ohne deren Struktur zu beeinträchtigen.

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Aminosäuren verketten sich zu einem faserartigen Protein, das im Fachjargon Keratin heißt. In sich verdreht werden die feinen Fasern gebündelt und durch überbrückende Elemente sowohl miteinander verbunden als auch untereinander vernetzt. So resultiert aus dem Keratin und den weiteren Komponenten die Faserschicht mit dem Namen Cortex, die achtzig Prozent des Haars ausmacht. Auf diese ideale Haarstruktur trifft der Friseur aber nur, wenn jede einzelne Faser der Cortex intakt ist.

Chemische Behandlungen und Umwelteinflüsse wie UV-Licht können Lücken in den Aminosäureketten sowie andere Schäden verursachen. Brüchiges Haar ist eine exemplarische Folge, die Du beim Blick in den Spiegel wahrnimmst und die sich durch oberflächlich wirkende Kosmetik nicht beheben lässt.

Die spiralförmige Cortex ist übrigens um die innerste Schicht drapiert, die Medulla genannt wird. In ihr werden zum Beispiel Abfallprodukte eingelagert, die beim Aufbau der Faserschicht entstehen.

Renommierte Stylisten greifen zu einem professionellen Treatment, um die beanspruchte Cuticula zu pflegen und das Haar glänzender und geschmeidiger erscheinen zu lassen. Bei nachhaltigen Veränderungen und bei der Umsetzung ausgefallener Looks kommt es hingegen auf das Fachwissen rund um die Cortex und das Keratin an. Die Pigmente müssen in die Faserschicht eingebunden werden, damit eine Coloration lange Freude bereitet. Bei einer Dauerwelle wird eine abweichende Anordnung der Proteine provoziert und fixiert. Vorübergehend wird die Cortex-Struktur durch den kompetenten Einsatz von Feuchtigkeit, Wärme und mechanischer Kraft beim Frisieren mit dem Glätteisen oder dem Lockenstab beeinflusst.

Menschen mit glatten Haaren haben runde Haarfasern. Im Laufe des Lebens kann sich die Haarstruktur sogar wandeln - durch altersbedingte Veränderungen in den Haarfollikeln.

Einflussfaktoren auf die Haarstruktur

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Haarstruktur und -gesundheit im Laufe des Lebens. Dazu gehören:

  • Genetische Veranlagung: Wie schnell Haare grau werden oder wann die Haarpracht beginnt, sich auszudünnen, ist zu einem guten Teil erblich bedingt.
  • Ethnische Unterschiede: Wissenschaftler aus den USA haben akribisch Daten zu altersbedingten Veränderungen der Kopfhaare zusammengetragen und ausgewertet. Dabei stellten sie fest: „Trotz ähnlicher chemischer Zusammensetzung variieren die strukturellen Eigenschaften des Haares zwischen verschiedenen Ethnien und folglich auch die Alterung des Haares“, erklärt Neelam Vashi von der Boston University.
  • Stress: Tierexperimente deuten darauf hin, dass Stress tatsächlich die Haare ergrauen lässt. Nachdem die Wissenschaftler um Dr. Bing Zhang im Rahmen einer Studie zunächst Cortisol oder eine durch Stress ausgelöste Immunreaktion als Ursache für das Ergrauen der Haare ausschließen konnten, widmeten sie sich dem sympathischen Nervensystem. Stress bei Mäusen aktiviere einen Nerventyp, der an der »Flucht- oder Kampf-Reaktion« der Tiere beteiligt sei. Dies wiederum verursache dauerhafte Schäden an Pigment-regenerierenden Stammzellen in Haarfollikeln - so heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung der Harvard University in Boston.

    Graue Haare – Können wir das Altern durch weniger Stress wirklich stoppen? | Einstein² | SRF Wissen

  • Ernährung: Die Ernährung und Aufnahme essentieller Nährstoffe haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und Qualität unserer Haare. Einige Nährstoffe sind bekannt dafür, das Haarwachstum zu unterstützen und die Haardicke zu erhöhen, während andere bei Mangel zu Haarausfall führen können.

Die Rolle von Melanin

Welche natürliche Haarfarbe eine Person hat, hängt von ihrem jeweiligen Melaningehalt in den verhornten Zellen ab. Melanine sind die Farbpigmente, die unserer Haut und unseren Haaren ihre charakteristische Farbe geben. Sie werden von sogenannten Melanozyten in den Haarfollikeln - Strukturen, die die Haarwurzel umgeben - produziert.

Je nachdem, in welchem Mischungsverhältnis die beiden Melanintypen stehen, entstehen die natürlichen Haarfarben. Menschen mit braunen Haaren haben zum Beispiel viele der großen Eumelanin-Farbpigmenten, während die Melanozyten von Menschen mit roten Haaren mehr von den feineren Phäomelanin-Farbpigmenten produzieren. Bestimmt wird der jeweilige Melaningehalt durch unsere Gene.

Im Laufe des Lebens färben sich die Haare der meisten Menschen grau. Schuld daran sind in den häufigsten Fällen Alterungsprozesse. Bislang vermutete man hinter dem Phänomen eine Abnahme der Melaninkonzentration, erklären konnte man diese allerdings nicht.

Haaranalyse und Umweltmedizin

Unser Haupthaar spiegelt nicht nur unseren Style oder unsere Identität nach außen wider, sondern ist auch ein wichtiger Marker für körperinterne Prozesse. So lassen sich an einem einzigen Haar der Gesundheitszustand, die Schadstoffbelastung, Mangelzustände, Substanzmissbräuche oder auch das Stresslevel einer Person ablesen.

Wo ein Bluttest nur eine Momentaufnahme zulässt, kann eine Haaranalyse einen umfassenderen Einblick in den Körper gewähren: So kann man den Konsum von Alkohol noch drei Monate später, den Konsum von Drogen sogar noch bis zu sechs Monate später in den Haaren nachweisen. Wie viel Stress eine Person hatte, lässt sich mit dem Verfahren der Haaranalyse ebenfalls bestimmen - auch noch Jahrtausende später.

Haaranalysen zur Quantifizierung von Umweltbelastungen werden in den letzten Jahren zunehmend von verschiedenen Stellen angeboten. In erster Linie handelt es sich dabei um die Bestimmung von Metallen. Den wenigen Vorteilen der Haaranalyse stehen signifikante Nachteile gegenüber. Dies gilt insbesondere für umwelttoxikologische Fragestellungen.

Zahlreiche Störfaktoren und Einflussgrößen reduzieren den sinnvollen Einsatz der Haaranalyse auf wenige Metalle. In der Regel sind nur Kollektivaussagen nach Standardisierung der präanalytischen und analytischen Phase ableitbar. Aussagen auf Individualbasis sind normalerweise nicht möglich.

Der konsultierte Arzt muss den Patienten auf diese Probleme aufmerksam machen. In den meisten Fällen ist ein Biomonitoring auf der Basis von Blut/Serum und Urin notwendig, um zu zuverlässigen Beurteilungswerten zu kommen.

Haardicke und -dichte

Die Haardicke ist mehr als nur ein kosmetisches Anliegen; sie spiegelt auch genetische Aspekte und allgemeine Gesundheit wider. Die Nachfrage nach Produkten wie Haare dicker werden können und der Hype auf Lösungen zur Haarverdickung hat in den letzten Jahren zugenommen.

Es gibt eine weit verbreitete Annahme, dass Menschen mit blonden Haaren mehr Haare auf ihrer Kopfhaut haben, diese jedoch tendenziell dünner sind, während Menschen mit dunkleren Haaren tendenziell weniger, aber dickere Haare haben.

Durchschnittlicher Haardurchmesser nach Ethnien:
Ethnie Durchschnittlicher Haardurchmesser
Asiaten Höchster mittlerer Haardurchmesser
Kaukasier Mittlerer Haardurchmesser
Afrikaner Niedrigster mittlerer Haardurchmesser

Die Haardicke scheint nicht nur von einem einzigen Gen oder Chromosom bestimmt zu werden, sondern von einer Kombination verschiedener Gene, die auf unterschiedlichen Chromosomen liegen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Erkenntnisse über die genetischen Grundlagen der Haardicke weiterhin ein sich entwickelndes Forschungsfeld und nicht vollständig sind.

Natürliche Mittel zur Verbesserung der Haargesundheit

Die Suche nach natürlichen Mitteln zur Verbesserung der Haargesundheit ist seit jeher ein faszinierendes Thema. Verschiedene Kräuter und natürliche Produkte sind seit Generationen in der traditionellen Medizin eingesetzt worden, um das Haarwachstum zu fördern und die Haardicke zu erhöhen.

  • Rosmarinöl: Rosmarinöl wird traditionell verwendet, um die Durchblutung der Kopfhaut zu fördern und möglicherweise die Haarfollikel zu stärken.
  • Aloe Vera: Aloe Vera, bekannt für seine beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften, wird oft in Haarpflegeprodukten verwendet. Es gibt Studien, die nahelegen, dass Aloe Vera das Haarwachstum fördern kann, indem es die Durchblutung der Kopfhaut verbessert und abgestorbene Hautzellen von den Haarfollikeln entfernt.
  • Brennnessel: Ein weiteres traditionelles Mittel gegen Haarausfall ist die Brennnessel. Einige wage Untersuchungen legen nahe, dass sie helfen könnte, Haarausfall zu reduzieren und das Haarwachstum zu fördern, indem sie die Blutzirkulation anregt und DHT, ein Hormon, das mit androgenetischem Haarausfall verbunden ist, blockiert.

Zusammenfassend ist es wichtig zu betonen, dass, obwohl einige natürliche Mittel manchmal vielversprechende Ergebnisse zeigen, viele dieser kaum zu findenden Studien entweder vorläufig sind oder nicht ausreichend durchgeführt wurden, um schlüssige Beweise zu liefern.

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