Rote Haare sind auffällig - und sehr selten. Nur etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung haben sie, meist in Kombination mit heller Haut und Sommersprossen.
Rotschöpfe fallen auf, mit Haartönen von Rotblond bis Kastanienbraun, meist heller Haut und blauen Augen sowie unzähligen Sommersprossen.
Grund für die ungewöhnliche Haarfarbe ist eine Mutation in dem Protein MC1R. Dieses bestimmt, welche Pigmente, also Farbstoffe, gebildet werden.
Für die Färbung der Haare ist das Pigment Melanin verantwortlich, das beim Menschen in zwei Varianten vorkommt: Eumelanin und Phäomelanin. Die jeweilige Mischung ergibt dann die Haarfarbe: Viel Eumelanin sorgt für braunes und schwarzes Haar, viel Phäomelanin für blondes und rotes.
Das bekannteste Pigment beim Menschen ist Melanin. Es bestimmt unter anderem die Haut- und Haarfarbe und kommt in zwei Varianten vor: Eumelanin und Phäomelanin. Melanine werden in spezialisierten Hautzellen hergestellt, den Melanozyten.
Für braune und schwarze Farben ist das Eumelanin zuständig. Dieser Farbstoff sorgt auch für Sonnenbräune. Deutlich seltener ist das orangerote Phäomelanin.
In der Regel setzt sich Eumelanin durch. Bei den meisten Rothaarigen ist es funktionslos. Bei ihnen überwiegt das Pigment Phäomelanin, das auch für helle Haut verantwortlich ist.
Wie so oft liegt es in den Genen, wie viel Eumelanin oder Phäomelanin ein Mensch im Körper hat - genauer: auf dem Chromosom 16. Dort befindet sich unter anderem die genetische Information für den Melanocortin-1-Rezeptor oder kurz MC1R.
Ist dieser Hormonrezeptor aktiv, bringt er Melanozyten dazu, viel Eumelanin und nur wenig Phäomelanin zu produzieren. Die Folge sind braune oder schwarze Haare, dunkle Haut und Augen.
Durch zufällige Mutationen kann aber die Funktion von MC1R gestört sein. Bei mehr als 90 Prozent der rothaarigen Menschen ist MC1R verändert.
Vererbt werden rote Haare in der Regel nur, wenn Vater und Mutter rothaarig oder zumindest blond sind. So kann Rothaarigkeit über Generationen versteckt weitergetragen werden.
Blonde oder hellbraune Haare enthalten insgesamt wenig Melanin, also wenig Eumelanin und Phäomelanin.
Auch wenn es nur wenige rothaarige Menschen gibt, ist es unwahrscheinlich, dass sie irgendwann verschwinden. Denn die rote Haarfarbe wird verdeckt oder rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass auch dunkelhaarige und blonde Menschen die Erbanlagen für rote Haare in ihren Genen tragen können, solange unter ihren Vorfahren irgendwann Rothaarige waren.
Auffällig viele der "Redheads" oder "Ginger Heads" tummeln sich in Europa, genauer in Wales, Schottland und Irland. Dort ist jeder zehnte Bewohner rothaarig. Den höchsten Anteil an Rothaarigen gibt es in Schottland: Etwa 13 Prozent der Schotten sind rothaarig. In Irland und Wales sind es jeweils etwa zehn Prozent.
Gleichzeitig waren Wales, Schottland und Irland durch ihre Insellage lange isoliert, sodass sich die rezessiven Eigenschaften stärker stabilisieren konnten als in Gebieten mit starker Zu- und Abwanderung.
Übrigens: Rote Haare sind im Vergleich zu anderen Farbvarianten sehr dick. Dafür tragen rothaarige Menschen mit 90.000 vergleichsweise wenige Haare auf dem Kopf. Braun- und schwarzhaarige Menschen haben im Schnitt 100.000, blonde sogar bis zu 150.000 Kopfhaare.
Da rote Haare ihre Pigmente länger behalten als andere Haarfarben, werden diese erst später grau, meistens jedoch weiß. Die Haarpigmentierung ist nicht nur beim Färben hartnäckig, sondern sorgt auch dafür, dass Rotschöpfe ihre Farbe auch im Alter noch lange behalten. Irgendwann wird das Rot zu einem verblassten Kupfer und einem roséfarbenen Blond bis hin zu einem silbernen Weiß.
Rothaarige sollen ein anderes Schmerzempfinden haben - dies zumindest wollen einige Studien ergeben haben. Rothaarige und somit Träger von MC1R-Genvarianten reagieren anders auf Schmerzreize als Nichtrothaarige. Ausschlaggebend ist die Art des Reizes. Auf mechanischen Druck zum Beispiel reagieren rothaarige Menschen unempfindlicher, während Hitze und Kälte ihnen mehr zusetzen als Probanden mit anderen Haarfarben.
So sollen sie bis zu 20 Prozent mehr Narkosemittel als andere benötigen. Rothaarige haben tatsächlich ein anderes Schmerzempfinden: Sie reagieren empfindlicher auf Hitze und Kälte, da ihre Körper die Temperatur schneller ändern können und brauchen etwa 20 Prozent mehr Narkosemittel als Menschen mit anderen Haarfarben.
Interessant ist, dass rothaarige Menschen offenbar nicht auf die schmerzstillende Wirkung von Lidocain ansprechen. Dieser Wirkstoff wird zur örtlichen Betäubung vor allem bei zahnmedizinischen Behandlungen eingesetzt.
In einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2009 stellten Forschende fest, dass rothaarige Probanden aus Angst vor schmerzhaften Untersuchungen doppelt so häufig Zahnarztbesuche mieden wie eine Vergleichsgruppe. Woran es liegt, dass Rothaarige oft nicht auf Lidocain ansprechen, weiß man noch nicht.
Allerdings wurden nur zehn rothaarige mit zehn dunkelhaarigen Probandinnen verglichen. In einer später durchgeführten Studie mit 468 gesunden Menschen gab es keinen messbaren Unterschied zwischen rot- und dunkelhaarigen Probanden.
Menschen mit roten Haaren und blauen Augen machen nur 1 Prozent der Weltbevölkerung aus. Für diese seltene Kombination müssen beide Elternteile die roten Haare und blauen Augen in den Genen haben.
Afrika ist die Wiege des modernen Menschen. Dieser ursprüngliche Homo sapiens war dunkelhäutig mit schwarzbraunen Haaren. So war der Mensch, der inzwischen kein Fell mehr trug, gut gegen aggressive Sonnenstrahlung geschützt. Diese Eigenschaften - also viel Melanin in Haut und Haaren - werden dominant vererbt. Dort scheint die Sonne aber weniger und auch nicht so intensiv. Der eigentlich sinnvolle Sonnenschutz wandelte sich zum Nachteil, denn die stark pigmentierte Haut filterte zu viel UV-Licht heraus. Das benötigt der menschliche Körper aber, um Vitamin D herzustellen. Menschen mit - zufälligerweise - weniger Eumelanin und deshalb hellerer Haut hatten also auf einmal einen Vorteil, obwohl diese Eigenschaften rezessiv vererbt werden. Die Evolution sorgte dafür, dass sich diese Mutation in Gebieten durchsetzte, in denen die Sonne weniger intensiv scheint.
Spanische Forscher stellten 2007 fest, dass sogar ein Prozent der Neandertaler rote Haare hatte.
Menschen mit roten Haaren haben weniger und andere Pigmente in den Haaren und der Haut. Letztere ist sehr hell und empfindlich gegenüber Sonnenstrahlen. Es ist bekannt, dass wiederholte Sonnenbrände das Risiko für Hautkrebs steigern.
Dabei gilt: Je mehr Eumelanin, umso dunkler die Haut und umso unempfindlicher ist sie gegen Sonnenstrahlung. Außerdem kann Eumelanin ganz schön was einstecken, bevor es kaputtgeht. Man sagt auch, das Pigment ist photostabil.
Ganz anders das Phäomelanin: Es reagiert sehr empfindlich auf Licht und bietet so kaum Schutz. Allerdings zeigen neuere Forschungen, dass nicht allein die mechanische Wirkung der Farbstoffe für den Sonnenschutz zuständig ist.
Eumelanin ist auch ein sogenannter Radikalfänger. Das Pigment deaktiviert also reaktive Moleküle, die Zellschäden hervorrufen können. Außerdem aktiviert MC1R bestimmte Mechanismen in der Zelle, die zum Beispiel Schäden an der Erbsubstanz (DNA) reparieren. Bei den meisten Rothaarigen ist MC1R verändert. Sie haben also deutlich weniger Eumelanin.
Rote Haare sind so spannend, dass sich eine ganze Zeitschrift mit ihnen beschäftigt. Das MC1R Magazine wurde 2013 mit Hilfe einer Crowdfunding Kampagne in Hamburg entwickelt, inzwischen ist die 6. Ausgabe erschienen. Es ist weltweit die einzige Zeitschrift über Rothaarige.
MC1R steht für „Melanocortin 1 Receptor“ und gilt als das Gen für rote Haare. Wer lieber online liest, findet auf der englischsprachigen Seite „Ginger Parrot“ rothaarige Inspirationen. Besonders witzig sind die „13 Questions Redheads Are Tired of Hearing (So Stop Asking Them)“.
Rote Haare sind selten. Ihnen sagte man besondere Stärke und Entschlossenheit nach, wo sie doch feuerrotes Haar hatten. Darum standen sie hoch im Kurs und waren teuer. Färbemittel und Perücken sollten deshalb dabei helfen, den Preis der Sklaven künstlich in die Höhe zu treiben.
Apropos färben, wusstet ihr... Die Pigmente im roten Haar lassen sich nur schlecht manipulieren. Um rote Haare zu färben, muss es deshalb erstmal gebleicht werden, sonst greift die neue Farbe nicht. Aber Vorsicht: Bleichen ist natürlich nicht gut für die Haare. Vor allem nicht für das ohnehin schon empfindliche rote Haar.
Lidocain wird unter die Haut gespritzt und wirkt nur an einem sehr begrenzten Ort. Anders ist das bei Inhalationsanästhetika, die auf den gesamten Körper wirken.
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