Sandelholzöl gegen Haarausfall: Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse

Viele Menschen leiden unter Haarausfall, der oft mit Stress oder hormonellen Veränderungen einhergeht. Dies kann das Selbstbewusstsein der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Mittel, die versprechen, Haarausfall entgegenzuwirken, aber viele davon sind unwirksam. Eine aktuelle Studie hat jedoch gezeigt, dass Sandelholzduft das Potenzial hat, das Haarwachstum zu fördern.

In diesem Artikel werden wir die Erfahrungen mit Sandelholzöl bei Haarausfall und die wissenschaftlichen Erkenntnisse hinter dieser vielversprechenden Therapieform beleuchten.

Aktuelle Studie zu Duftrezeptoren und Haarwachstum

Bochumer Forscher haben herausgefunden, dass menschliche Haarwurzelzellen Duftrezeptoren besitzen.

Sandelholz Öl

Deren Aktivierung mit Sandelholzduft kann die Lebensdauer der Haare verlängern. Diese Entdeckung könnte neue Wege in der Behandlung von Haarausfall eröffnen, so Prof. Dr. Dr. Dr. habil. Hanns Hatt, ein Bochumer Duftforscher und einer der Autoren der Studie, die in Nature Communications vorgestellt wurde.

Der Lebenszyklus der Haare

Haare bestehen aus einem Schaft, der aus der Haut ragt, und einer Haarwurzel, die in einem Haarfollikel eingebettet ist. Der Lebenszyklus eines Haares besteht aus drei Phasen:

  • Wachstumsphase: 80 bis 90 Prozent der Kopfhaare befinden sich in dieser zwei bis acht Jahre dauernden Phase.
  • Selbstmordphase: In dieser mehrwöchigen Phase stoppt das Haar sein Wachstum und löst sich von der Wurzel. Nur etwa ein Prozent der Haare befindet sich in dieser Phase.
  • Ruhephase: Anschließend fällt das Haar aus.

Haarfollikel bilden durchschnittlich etwa einen Zentimeter Haar pro Monat. Die Haarlänge hängt nicht nur von der Wachstumsgeschwindigkeit ab, sondern auch davon, wie lange der individuelle Haarzyklus andauert. "Haarausfall beruht normalerweise darauf, dass sich das Verhältnis von der Wachstumsphase hin zur Ruhephase verschiebt oder nur mehr zu kurze Haare produziert werden", erklärt Hanns Hatt.

Duftrezeptoren für Sandelholzduft in Haarwurzelzellen

Frühere Studien der Forscher um Hanns Hatt hatten bereits gezeigt, dass bestimmte Hautzellen, die Keratinozyten, den Duftrezeptor OR2AT4 besitzen. Dieser Rezeptor wird durch Duftstoffe mit einer Sandelholznote, wie Sandalore oder Brahmanol, aktiviert, was die Hautregeneration und Wundheilung um fast 50 Prozent steigern kann.

Dr. Jérémy Chéret vom Monasterium Laboratory verfolgte die Hypothese, dass der Rezeptor ähnlich stimulierend auf die Keratinozyten in den Haarwurzeln wirkt und an der Regulation des Haarwachstums beim Menschen beteiligt ist. Das Team nutzte eine Technik, um komplette lebende Haarfollikel aus Biopsien der menschlichen Kopfhaut zu gewinnen und in Organkultur zu überführen. Gen- und Proteinanalysen zeigten, dass OR2AT4 während der Wachstumsphase in großen Mengen im Haarschaft und in den Matrixzellen der Haarwurzel vorkommt, die für das Wachstum verantwortlich sind.

Längere Wachstumsphase: Dufttherapie gegen Haarausfall?

Wurde der Rezeptor vier bis sechs Tage mit Brahmanol oder Sandalore stimuliert, erhöhte sich in den Haarfollikelzellen die Menge des Wachstumsfaktors IGF-1, einem der wichtigsten natürlichen Haarwuchsstimulatoren. Dies wirkte dem programmierten Zelltod entgegen, die Wachstumsphase verlängerte sich um etwa 30 Prozent, während sich die Ruhephase entsprechend verkürzte. "Das lässt uns erwarten, dass sich auch die Lebensdauer der Haare in ähnlichem Umfang erhöht", so Hatt. Schalteten die Forscher den Duftrezeptor genetisch aus, wirkte der Duft nicht mehr. Sie beobachteten außerdem, dass menschliche Haarfollikel auf eine Stimulation dieses Rezeptors angewiesen sind, um optimal zu wachsen. Ungeklärt ist bislang, welche natürlichen Substanzen im Haarfollikel den Rezeptor stimulieren.

"Ich gehe davon aus, dass Duftstoffe wie Brahmanol oder Sandalore in Haarwassern oder Shampoos zum Einsatz kommen könnten, um die Lebenszeit der Haare zu verlängern", folgert Hanns Hatt, "vor allem bei hormon- oder stressbedingtem diffusem Haarausfall."

Vorläufige klinische Ergebnisse zu möglichem Therapieansatz bei Haarausfall

Eine erste klinische Pilotstudie mit 40 Patienten aus Italien, die an Haarausfall litten, zeigte, dass die Anwendung einer Sandalore-haltigen Lotion über drei Monate den Haarausfall signifikant um 17,5 Prozent im Vergleich zu einem Placebo verringerte. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass diese Pilotdaten nicht ausreichend sind, um die klinische Wirksamkeit des Duftstoffes zu bestätigen, da die Stichprobe dafür zu klein war und aufwendigere Tests für eine zuverlässige Quantifizierung des Haarausfalls notwendig wären.

Weitere Forschung und Produkte

Weitere Untersuchungen sind notwendig, um genauere Rückschlüsse für die mögliche Entwicklung von speziellen Haarwassern oder Haarpflegeprodukten mit entsprechenden Duftstoffen ziehen zu können. Im Monasterium Laboratory in Münster läuft derzeit eine größere Studie, die dieses Ergebnis verifizieren soll. Es existieren bereits Produkte, die Sandelholz enthalten und das Haarwachstum fördern sollen. Ein Beispiel ist das Bio Shampoo Sandelholz Hirse, das die Haarwurzeln mit essenziellen Mikronährstoffen versorgt und Haarausfall vorbeugt.

Die Rolle von DHT beim Haarausfall

Schuld am androgenetischen Haarausfall bei Männern ist Dihydrotestosteron (DHT), das der Körper aus Testosteron bildet. Es verkürzt die Wachstumsphase des Haars, die Haare werden dünner, die Haarwurzeln schrumpfen.

Wirkstoff Wirkung Nebenwirkungen
Minoxidil Blutdrucksenker, fördert Haarwachstum Kann Kopfhaut austrocknen
Finasterid Blockiert DHT, fördert Haarwachstum Verminderter Sexualtrieb, Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen, depressive Stimmung
Sandalholzduft (Sandalore, Brahmanol) Verlängert Wachstumsphase der Haare, stimuliert Haarwurzelzellen Bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt (basierend auf Pilotstudien)

Fazit

Die Forschung zeigt vielversprechende Ergebnisse bezüglich der Wirkung von Sandelholzduft auf das Haarwachstum. Die Aktivierung von Duftrezeptoren in den Haarwurzeln könnte eine neue Möglichkeit zur Behandlung von Haarausfall darstellen, insbesondere bei hormon- oder stressbedingtem Haarausfall. Obwohl weitere Studien erforderlich sind, um die klinische Wirksamkeit zu bestätigen, bieten die bisherigen Erkenntnisse neue Hoffnung für Menschen, die unter Haarausfall leiden.

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