Russische Politiker im Augenbrauen-Vergleich: Eine Analyse der Körpersprache und politischen Inszenierung

Die Welt blickt seit Jahren mit angehaltenem Atem auf Russland. Provokationen, Drohungen, Morde und Annexionen prägen das politische Arsenal eines Landes, das als Weltmacht wahrgenommen werden will. Doch hinter der Fassade der Stärke verbergen sich tieferliegende Motive und Strategien, die sich auch in der Körpersprache der russischen Politiker widerspiegeln.

Wladimir Putin bei einem Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden des Parlaments (2024-01-23)

Putins Inszenierung der Macht

Der russische Präsident, der seine geringe Körpergröße durch Tricks wie Schuheinlagen oder höhere Stühle zu kaschieren versucht, möchte die Geschichte zurückdrehen und als großer Herrscher in die Annalen eingehen. Er will den Zerfall der Sowjetunion ausgleichen und die Kontrolle über ehemalige Nachbarstaaten zurückgewinnen. Dieser Verlust verursacht ihm einen scheinbar unaushaltbaren Phantomschmerz. Seit 1991 ist die Ukraine unabhängig, wurde jedoch weiterhin lange durch moskautreue Präsidenten von Russland kontrolliert.

Gerade die Episode um den ehemaligen ukrainischen Präsidenten Janukowitsch zeigt deutlich, mit welcher Vehemenz Russland Einfluss auf die Ukraine auszuüben versuchte. Obwohl Putin über Jahre hinweg betonte, er würde dem geplanten Assoziierungs-Abkommen zwischen EU und Ukraine nicht entgegenstehen, drohte er der Ukraine kurz vor Unterzeichnung mit einem Handelsboykott. Bereits 2008 erklärte Janukowitsch persönlich in Russland auf einem Parteitag der russischen Regierungspartei "Einiges Russland", die Idee einer zukünftigen Integration der Ukraine in einen einheitlichen Wirtschaftsraum mit Russland, Belarus und Kasachstan sei alternativlos.

Um seine Ziele zu erreichen, scheut Putin nicht davor zurück, dem Westen Konditionen zu diktieren, die eigentlich unannehmbar sind. Der "Westen" lässt sich fatalerweise auf die Erpressungsversuche ein, indem er Russland Gespräche nicht bloß auf Augenhöhe anbietet, sondern Putin (laut einigen EU-Politikern) gar zum möglichen Friedensbringer erhebt. Seit wann kann ein Aggressor mit am Verhandlungstisch sitzen, um über ein Land, in dem er einen Krieg angezettelt hat, über dessen Schicksal mitzubestimmen?

Nicht wenige EU-Politiker sind lernresistent und hecheln einer unwirksamen und überholten Appeasement-Politik hinterher. Zweifellos jedoch lassen sich einige in ihrer Russlandpolitik von der Angst leiten.

Die Rolle der russisch-orthodoxen Kirche

Ein maßgeblicher Akteur in Putins direktem Umfeld wird erstaunlicherweise seit längerem kaum noch erwähnt: Die russisch-orthodoxe Kirche Moskauer Prägung. Unter Putin ist sie zu einem wichtigen gesellschaftlichen und politischen Faktor geworden. Die Kirche hat nunmehr um die 100 Millionen Mitglieder. Bezeichnenderweise ist eins der Mitglieder Putin selbst, der eigentlich Atheist ist, sich aber mittlerweile betont religiös gibt. Dieses unsägliche Schauspiel müsste kollektiv zu hochgezogenen Augenbrauen Anlass geben.

Wladimir Putin hat die Verquickung von Staat und Kirche in Russland perfektioniert. Zwei Brüder im Geiste haben sich getroffen und miteinander eng verbunden: Der KGBler Putin mit Kyrill I., dem Patriarchen und Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, der ehedem auch aktiver Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB war. Der Staat gewährt der Kirche außergewöhnliche Rechte und Vorzüge, die Kirche erwidert dies mit einer unabdingbaren Treue zum Staat, die sie ebenfalls von den Gläubigen einfordert. Eine Win-win-Situation, zumindest für Kirche und Staat. In der neuen Verfassung, über die am 1. Juli 2020 abgestimmt wurde, ist nunmehr mittels der "hervorragenden" Teamarbeit der beiden Protagonisten Putin und Kyrill der Gottesbezug in derselben festgeschrieben.

Putin sichert sich mit Hilfe der Kirche Support der Gläubigen zu. Das Moskauer Patriarchat hatte über Jahrhunderte die Kontrolle über die Kirche auch in der Ukraine. Zudem übte die russisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine ehemals großen Einfluss aus, der mittlerweile arg geschrumpft ist. Aber die russisch-orthodoxe Kirche besitzt noch heute viele Kirchen und Klöster in der Ukraine. Der Glaube in Russland ist nicht bloß religiös, sondern auch politisch. Und so kommt es, dass die russisch-orthodoxe Kirche im Krieg gegen die Ukraine eine Schlüsselrolle spielt.

Innenpolitische Ablenkungsmanöver

Innenpolitisch ist die aggressive Rhetorik Putins schlicht ein Ablenkungsmanöver. Sein Land, das ökonomisch weiterhin überwiegend vom Export fossiler Energien abhängt, da eine Modernisierung, aber vor allem Diversifizierung der Wirtschaft nicht mal ansatzweise erfolgreich vorgenommen wurden, spielt sich zwar auch wirtschaftlich gerne als Weltmacht auf. Dabei fungiert es in der aktuellen "Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt" gerade mal zwei Plätze vor Spanien und drei Plätze hinter Italien. Deutschland hingegen weist ein mehr als doppelt so großes BIP wie das "große" Russland auf.

Mit der Armut nimmt auch die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit ihrem Präsidenten zu, wie das Moskauer Meinungsforschungsinstitut Lewada, das einzige vom russischen Staat beziehungsweise russischen staatlichen Investitionen unabhängige Meinungsforschungsunternehmen, immer wieder erhebt. Die staatlichen Stellen und das Gesundheitswesen sind überfordert, was vielen russischen Bürgern nicht entgeht. Die tägliche Korruption sowie der Machtmissbrauch vieler Staatsbediensteten tragen zum Unmut noch bei. Wenn sich seine Umfragewerte im Sinkflug befinden, greift beim russischen Präsidenten der pawlow'sche Reflex der aggressiven Außenpolitik. Es wundert daher kaum, dass gerade jetzt eine massive Truppenbewegung an der Grenze der Ukraine stattfindet. Hierzu dient ebenfalls das nachweisbar unökonomische Projekt Nord Stream 2. Innenpolitisch wird es als Russlands Energiemacht über die EU verkauft. Praktisch für Putin, dass es gleichzeitig außenpolitisch als Erpressungspotential herhält.

Als Erfolg für Putin könnte gelten, wenn er dem "Westen" erhebliche Zugeständnisse abtrotzen würde, die seine Vormachtstellung in der Region zementierten. Ein solches Einknicken vor Moskau würde für den Westen fatale Konsequenzen nach sich ziehen. Eine ständige Gefahr für den europäischen Frieden und die Demokratie.

Die Körpersprache Putins: Analyse einer Kriegsrede

Wladimir Putin: Was uns seine Körpersprache verrät | krone.tv NEWS

Experten für Körpersprache haben Putins nonverbale Kommunikation analysiert, um Hinweise auf seine wahren Absichten zu finden. Bei seiner Rede zur Föderationsversammlung am 22. Februar 2023, mit der er der Welt seine Sicht auf den Krieg in der Ukraine darlegte, offenbarte seine Körpersprache mehr, als er vielleicht preisgeben wollte.

Veronika Langguth, Expertin für Körpersprache, analysierte Putins Posen während der Rede und entlarvte die geheimen Botschaften, die er aussandte. Sie stellte fest, dass Putin es versteht, seine Körpersprache zur Manipulation einzusetzen, aber dass sein Körper manchmal auch etwas verrät, das er nicht zeigen will.

Gang und Stand: "Er geht mit großen Schritten zum Rednerpult, das soll raumgreifend Stärke und Macht zeigen." ABER: "Die ganze Rede über wechselt er unaufhörlich sein Standbein und versucht hiermit, immer wieder seinen Stand(punkt) zu finden. Das ist im Gegensatz zur sparsamen Gestik und kaum vorhandenen Mimik das einzige Zeichen einer inneren emotionalen Bewegung."

Mimik: Das Gesicht des Diktators blieb "die ganze Rede hinweg überwiegend ernst, ein weiteres Zeichen, Stärke und Fassung zu bewahren. Er verzieht kaum sein Gesicht". Spricht er über die USA, dann hebt er den Kopf, um sein Publikum anzublicken, und hebt kurz die Brauen, um die Wichtigkeit seiner Worte zu betonen.

Lächeln: "Zweimal huscht in diesem Zusammenhang ein flüchtiges, verächtliches Lächeln über sein Gesicht. Gelegentlich presst er seine Lippen zusammen, was von Selbstbeherrschung zeugt. Er will so seine Emotionen in Schach halten und gleichzeitig damit sozusagen einen Punkt zu setzen", analysiert Langguth.

Hände: "Generell benutzt er eine sparsame Gestik, die er wirkungsvoll einsetzt, wenn er etwas besonders unterstreichen möchte." Anfangs hält er seine Hände verdeckt unter dem Rednerpult, eine Schutz- und Selbstbeherrschungsfunktion. Später klammert er sich mit beiden Händen am Pult fest, ein Zeichen, sich selbst zu beherrschen und Emotionen nicht zeigen zu müssen.

Langguth stellte fest, dass Putin vorwiegend die linke (emotionale) Hand benutzt und selten die rechte (rationale) Hand, was darauf hindeutet, dass er emotionale Nähe zu seinem Publikum sucht. Wenn er der westlichen Welt Lügen vorwirft, hebt er beide Arme und verdreht die Hände, um Offenheit auszudrücken im Sinne von: 'Uns bleibt nichts anderes übrig, als so zu handeln, wie wir es tun'.

An Stellen, bei denen er die USA und die westliche Welt angreift, steigert er sich zunehmend in seine Worte hinein mit einer stärker betonenden und unterstreichenden Gestik. Dabei setzt er auf bestimmte Gesten, etwa ein kurzes entschlossenes Ballen der Faust auf dem Pult oder ein kurzer Handkantenschlag auf das Pult.

Die Rolle von KI-generierten Influencern im Wahlkampf

Im digitalen Zeitalter spielen auch KI-generierte Influencer eine Rolle im politischen Diskurs. Profile von vermeintlichen jungen Frauen mischen im Wahlkampf mit, äußern sich politisch eher rechts und geben an, die AfD bei der Bundestagswahl zu wählen. Das Problem: Sie sind KI-generiert.

Vera Schmitt, Leiterin der XplaiNLP Research Group an der Technischen Universität Berlin, sagt, dass diese Accounts häufig eher rechts, eher pro Trump und prorussisch eingestellt sind. Sie dienen der Manipulation der öffentlichen Meinung.

Die KI-Influencerinnen werben für die AfD und ihre Vorsitzende Alice Weidel, tragen AfD-Shirts, posten blaue Herzchen, teilen Memes und rufen zur Wahl der Partei auf. Alice Weidel wird von den Accounts als Vorbild für junge Frauen inszeniert.

Anna Hiller vom Institute for Strategic Dialogue (ISD) erklärt, dass es eine generelle Strategie der Neuen Rechten ist, Frauen gezielt zur Mitgliedergewinnung einzusetzen. Die KI werde von Rechtsextremen genutzt, "um ein Bild von arischen, blonden, blauäugigen Deutschen zu kreieren".

Obwohl ihr Einfluss auf die Bundestagswahl derzeit als eher gering eingeschätzt wird, warnen Experten davor, dass User oft nicht mehr unterscheiden, ob die Inhalte KI-generiert oder echt sind. Es ist daher wichtig, die Inhalte kritisch zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, dass nicht alles, was im Internet zu sehen ist, der Realität entspricht.

Russlands geopolitische Strategien in Lateinamerika

Der Besuch des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro in Moskau inmitten der Ukraine-Krise sorgte im Westen für hochgezogene Augenbrauen. Auch die Äußerungen des argentinischen Präsidenten Alberto Fernandez, der sich eine stärkere Rolle Russlands in Lateinamerika wünschte, wurden aufmerksam zur Kenntnis genommen.

Als Antwort auf die - aus russischer Sicht - Missachtung russischer Sicherheitsinteressen in Europa, könnte Russland seine Militärpräsenz in Kuba und Venezuela verstärken. Im Westen werden bei solchen Tönen natürlich Erinnerungen an die Kuba-Krise von 1962 wach.

Lateinamerikaexperte Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin äußert sich jedoch skeptisch: "Eine neue Kuba-Krise heraufzubeschwören hat wenig Innovationspotenzial. Dafür seien Kuba und Venezuela viel zu schwach und ohne Gewicht in der Region."

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Russland damit droht, sich militärisch stärker in Lateinamerika zu engagieren. Schon 2008 drohte Russland mit der Stationierung von atomar bestückten Fernbombern des Typs Tu-160 auf Kuba und in Venezuela. Auslöser waren damals Pläne des Westens, ein Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien zu installieren.

Die russische Impfstoff-Diplomatie in Lateinamerika könnte sich für Russland weitaus besser und nachhaltiger auszahlen als die kostspielige und politisch riskante Stationierung von Flugzeugen und Raketen.

Trotz der aktuellen Aufmerksamkeit für Aktivitäten oder Drohkulissen Russlands in Lateinamerika im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise sei Moskau mit seiner Präsenz in der Region aber ohnehin kein Konkurrent für China, so Günther Maihold.

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