Rudolph Moshammer war eine Münchner Ikone, ein schillernder Modemacher, dessen Leben 2005 gewaltsam endete. Er liebte den großen Auftritt, den Glamour und die Schickeria. Mit perfekt sitzender schwarzer Perücke, stets lächelnd und ein bisschen Märchenkönig: So inszenierte Moshammer sein Leben, so liebten ihn die Fans.
Filme, Dokumentationen, ein Musical und sogar eine Oper gibt es über den schillernden Münchner. Nun wagt sich das Münchner Residenztheater an den Stoff. Am Samstag, 27.
„Vielleicht auch ganz gut, wenn man das als Berliner macht, mit einer gewissen Draufsicht und nicht als Münchner so voreingenommen“, scherzt Regisseur und Autor Alexander Eisenach, der sich intensiv mit Moshammers Leben beschäftigt hat. Zwei Männer und zwei Frauen werden Facetten darstellen, „den Mann im Rampenlicht“, „den Sohn“, „den jungen Geschäftsmann“ und „den Modezaren“.
Aus bescheidenen Verhältnissen hatte Mosi sich hochgearbeitet. Doch zwischen all dem Glamour vergaß er seine Herkunft nicht. Jenseits des Rummels kümmerte er sich um Obdachlose, besuchte sie unter den Isarbrücken und verteilte Weihnachtsgeschenke. In seinem Testament gab es finanzielle Hilfen für Bedürftige - wohl auch im Gedenken an seinen Vater, der Alkoholiker gewesen sein soll und obdachlos starb.
Gerade das Überladene, Barocke, Kitschige und Schnörkelhafte im Stile des Bayernkönigs Ludwig II., das viele mit Moshammer verbinden, findet der Regisseur spannend - und zeitgemäß. „Diese trashige Variante von High Fashion finde ich superspannend. Und er hat diese Positivität und dieses Bejahende“, sagt Eisenach.
„Auch dass er immer sagt: Ich möchte eigentlich gar keine schönen Menschen einkleiden, sondern am liebsten dicke Menschen und Leute, die es nicht so einfach haben. Die möchte ich erheben und toll machen." Diese Einstellung begeisterte auch Claudia Irro, die für die Kostüme des Stückes zuständig ist.
Wer war der Mann unter der auffälligen Perücke? Zur Eröffnungsparty schlich ein Leopard durch den Laden in der Maximilianstraße: Rudolph Moshammer, der am 14. Januar 2005 ermordete Münchner Modezar, hatte schon immer einen Hang zu extravaganten Auftritten.
Anlässlich seines 20. Todestages zeigt das BR Fernsehen die Dokumentation "Lebenslinien: Rudolph Moshammer - was vom Traum geblieben ist" von Regisseur Anton Stürmer erneut. Vor allem macht der Film deutlich, dass Rudolph Moshammer mehr war als nur eine schillernde Szenegestalt.
"Freude geben, Freude empfangen, das war sein Traum", sagt die Gesellschaftskolumnistin Marie Waldburg. Besonders am Herzen lagen dem Mann, der stets in Begleitung seines Yorkshire Terriers Daisy auftrat, die Münchner Obdachlosen. Moshammers Vater selbst starb einst ohne Dach über dem Kopf. "Er war extravagant, aber nicht abgehoben", erinnert sich einer der Obdachlosen, die Rudolph Moshammer unterstützte. Der Modemacher selbst sah das ähnlich: "Ich bin einfach Moshammer."
Ein Jahr nach Erscheinen der Dokumentation widmete sich das gesellschaftssatirische Drama "Der große Rudolph" 2018 auch in Spielfilmform Moshammers Leben. BR zeigt den mehrfach prämierten Film von Alexander Adolph im Anschluss ab 22.45 Uhr.
So ist Rudolph Moshammer wohl vielen in Erinnerung geblieben: Hundedame Daisy, Schminke, Kitsch und Eleganz - diese Worte passen zu Rudolph Moshammer. Der exzentrische Modezar wäre nun 75 Jahre alt. Sein Leben und auch sein Tod waren turbulent. Viele kannten ihn, doch offenbar niemand wirklich.
Es ist nicht schwer, sich Rudolph Moshammer mit 75 Jahren vorzustellen. Immer noch würde er seine Hundedame Daisy durch München tragen, die wuchtige Perücke perfekt sitzend, das geschminkte Gesicht zu einem stetigen Lächeln verzogen. Genauso, wie er es immer getan hatte, bis seinem Leben vor zehn Jahren gewaltsam ein Ende gesetzt wurde.
Denn so und nicht anders liebten Öffentlichkeit, Presse und die Münchener Schickeria den Modezaren. Als exzentrische Kunstfigur mit der exakt richtigen Dosis Eleganz und einer gehörigen Portion Kitsch. So opulent wie seine Mode schuf Moshammer sich auch sein eigenes Bild. Wer hinter der Maske steckte, interessierte lange Zeit nur bedingt.
Dazu passend gab er nie viel über Kindheit und Jugend preis. Bekannt ist, dass Moshammer wegen seines alkoholkranken Vaters in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, stets in Angst vor der Obdachlosigkeit. Dass er sich später mit seiner Stiftung für Obdachlose einsetzte und auch eine Entzugseinrichtung für Alkoholiker unterstützte, ist da wenig verwunderlich.
Mehr noch als für sein soziales Engagement war Moshammer freilich für seine Arbeit als geschäftstüchtiger Designer bekannt. Sein Name wurde zur Marke, unter der sich Merchandising-Produkte ebenso fanden wie - Daisy sei Dank - Hunde-Shampoo.
Wie stark nicht nur "Mosi" selbst an seinem selbsterschaffenen Bild festhielt, wurde nach seinem Tod klar. Dass viel Schein und Künstlichkeit an ihm hafteten, wussten die Menschen. Und doch war der Schock in der Bevölkerung groß, als bekannt wurde, unter welchen Umständen Moshammer am 14. Januar 2005 starb: Erdrosselt von einem auf der Straße aufgegabelten Mann, der seinen Körper für Geld verkaufte.
"Ein ganz klassischer Raubmord", war Josef Wilfling, dem ehemaligen Chef der Münchener Mordkommission, schnell klar. Diese Gefahr war bei Moshammers nächtlichen Fahrten auf der Suche nach anonymem Sex sicherlich allgegenwärtig. Wilfling gab an, sein Chauffeur habe ihn wiederholt gewarnt, "aber Moshammer hat sich nichts sagen lassen. Wie die meisten Menschen, die sich in diesem Milieu bewegen, war er der Meinung, ihm könne nichts passieren, weil er eine so gute Menschenkenntnis hat."
Moshammers Ermordung zerstörte innerhalb kürzester Zeit den Mythos, den er sich zu Lebzeiten mühsam aufgebaut hatte. Das Bild des freundlichen Exzentrikers mit dem breiten Lächeln und dem Schoßhündchen auf dem Arm wandelte sich im Blick der Öffentlichkeit zu dem eines Mannes mit Abgründen, der sich nächtlich die Gesellschaft jüngerer Männer erkaufte.
Wie schwer das Bild von "Mosi" aus den Köpfen der Menschen zu kriegen war, zeigt ein kurioses Detail: "Das Einzige, was die Leute immer von mir wissen wollten, einschließlich meiner Ehefrau, war, ob er eine Perücke getragen hat", erzählte Wilfling. Dabei läge die Antwort doch auf der Hand: "Natürlich hatte er eine Perücke aufgehabt. Dass die Haare nicht echt waren, konnte man doch sehen."
Wilfling spricht sogar von einem Doppelleben. Die Kunstfigur, die man in der Öffentlichkeit sehen konnte, habe wenig mit der Realität zu tun gehabt. "Ehrlichgesagt glaube ich, dass gar niemand Moshammer wirklich kannte. Der hat allen etwas vorgespielt - seinem Hausarzt, seinem besten Freund, allen. Jedem etwas anderes", sagte Wilfling.
Nach dem gewaltsamen Tod des Münchner Modemachers ist die Nachfrage nach dem Karnevalsartikel "Rudolph mit Schnurrbart" in den vergangenen Tagen stark gestiegen. "So blöd das klingt: Das Produkt läuft immer besser", sagte ein Sprecher der Firma Festartikel Hirschfeld heute in Wuppertal. Während sonst im Monat durchschnittlich fünf Internetnutzer Interesse an der Perücke gezeigt hätten, seien es seit Moshammers Tod bereits 1200 gewesen.
Im Internet hat derweil ein schwunghafter Handel mit "Mosi"-Erinnerungsstücken begonnen. Im Online-Auktionshaus eBay standen hunderte Krawatten, Mäntel, Sakkos, Moshammer-Bücher, Fotos, Autogramme und T-Shirts mit dem Konterfei des Münchners zum Verkauf.
Neben handgemalten Porträts des Modemachers war auch eine Plüsch-Daisy auf dem virtuellen Wühltisch zu finden. Knapp 50 Euro wollten die Fans für die Yorkshire-Dame aus Kunstfell zu zahlen. Mehr als 50 Euro wurden für ein Autogramm des Modeschöpfers geboten, mehrere Ausgaben seines Buches "Mama und ich" standen mit rund 40 Euro im Netz. Für die Internet-Domain www.rudolph-moshammer.de wurden bisher 201 Euro geboten.
Der kleine Rudolph mit seiner Eisenbahn. Ein Foto, das noch nie zu sehen war. Der Schlüssel zur Seele des ermordeten Münchner Modezars Rudolph Moshammer (†64)?
Am 5. Juli (ARD, „Die großen Kriminalfälle“, 21 Uhr) wird dieses Bild in der Doku über Moshammers Leben und Sterben zu sehen sein. Der Mosi war ja so stolz auf seine Eisenbahn. Die hat er als Sechsjähriger vom Vater bekommen.
Danach hat er den Papa verloren, als der in Alkoholismus und Obdachlosigkeit abrutschte. Doch die Eisenbahn, das Geschenk seines Vaters, hat Mosi behalten bis zum letzten Lebenstag.
Prachtvoll aufgebaut stand sie in seinem Grünwalder Haus. Jedes Jahr zu Weihnachten saß Mosi da mit seiner Daisy - und spielte mit der Eisenbahn. Allein.
„Die Eisenbahn symbolisierte für ihn die gute Zeit, als die Familie noch zusammen war. Sie war ihm heilig“, sagt die Münchner Filmemacherin und bayerische Fernsehpreisträgerin Danuta Harrich-Zandberg (55), die für die ARD die Mosi-Doku gedreht hat. Darin werden u.a. Polizeiermittler, Gerichtsmediziner, Mosis ehemaliger Chauffeur Andreas Kaplan (50) und sein langjähriger Leibarzt Dr. Arnulf Borchers (73) zu Wort kommen.
Ein Blick hinter die Maske, des stets fröhlich gut gelaunten Society-Lieblings. Danuta Harrich-Zandberg: „Zu Hause war er ohne Maskerade. Da war er sehr einsam. Weil er nur wenigen Menschen vertraute. Er wollte nicht, dass jemand seine Traurigkeit sah.
Eine erstaunliche Karriere hat die Moshammer-Perücke in dieser Faschingssaison hingelegt. (Foto: Foto: AP)
Man kann nur darüber spekulieren, was passieren wird, wenn am kommenden Montag die Original Moshammer-Boutique wieder eröffnet wird. Dem Devotionalienhandel im Internet nach zu urteilen, dürfte das "Carnaval de Venise" in höchstens einer Stunde leergekauft sein, das sehr spezielle schweinchenrosa Original Moshammer-Sakko eingeschlossen.
Wer das Online-Auktionshaus Ebay mit dem Namen "Moshammer" füttert, erzielt mehr als sechshundert Treffer. Die Mosi-Sonderausgaben der Münchner Zeitungen werden für 8,40 Euro gehandelt.
Eine erstaunliche Karriere hat auch die Moshammer-Perücke hingelegt. Die Kostümverleiherin Waltraud Breuer hat den schwarzen Haarhelm mit den beiden in die Stirn frisierten Strähnchen seit fünf Jahren im Sortiment.
"Sie war nie der Star-Renner", sagt sie, "aber im Fasching sind immer wieder Leute gekommen, die als Mosi gehen wollten. Das Problem war nur, wo sie den Hund hernehmen sollten."
Seit vergangenem Samstag hat Waltraud Breuer genau 15 Mosi-Perücken verkauft, und das ist ihr direkt ein bisschen unangenehm. "Es hat doch keinen Sinn, dass ich mit seinem Tod ein Extra-Geschäft mach'", findet sie. "Zehn Perücken hab' ich noch im Lager, und wenn die weg sind, wird nichts mehr nachbestellt."
Rudolph Moshammer ist beim Kostümverleih in der Hohenzollernstraße übrigens selbst Kunde gewesen. Einen XXL-Zylinder habe er sich ab und an geliehen - "weil nur der über seine Perücke gepasst hat".
Es wird jedenfalls ein geisterhafter Fasching werden, mit Original Mosis nur so vollgestopft. Elf Jahre lang war Andreas Kaplan der Chauffeur von Rudolph Moshammer. Im Januar 2005 fand er seinen Chef ermordet auf.
Haben Sie Rudolph Moshammer je ohne Perücke gesehen, Herr Kaplan? Er hat sich in den 70er Jahren in Amerika Haare einpflanzen lassen, wo er 'ne Platte hatte. Es war sein ganz natürliches Haar, er hat es nur immer verlängern lassen. Aber die Folge der Implantation war, dass er jeden Tag Kopfschmerzen hatte. Er muss gelitten haben. Genauso, wenn er seine Schuhe anzog: die haben laufend gedrückt.
Rudolph Moshammers Obdachlosenhilfe wird aufgelöst. Das restliche Vermögen geht an zwei Initiativen für Wohnungslose, wie in der Satzung vorgesehen. Damit soll der letzte Wille des 2005 gestorbenen Modezars fortgeführt werden.
Die Obdachlosen-Hilfe von Rudolph Moshammer soll 21 Jahre nach dem Tod des ermordeten Münchner Modezars aufgelöst werden. Das restliche Vermögen des Vereins "Rudolph Moshammer Licht für Obdachlose" soll dann 2026 auf zwei andere Initiativen aufgeteilt werden. Damit werde mit der Auflösung des Vereins auch der letzte Wille des im Jahr 2005 getöteten Modeunternehmers weiter fortgeführt, teilte ein Sprecher des Vereins mit.
Moshammer wurde damals in seiner Villa von einem Mann umgebracht, den er zuvor mit nach Hause genommen hatte. Der Unternehmer, der stets mit schwarzer Perücke sowie mit ebenso auffallender wie eleganter Kleidung auftrat - oft zusammen mit seiner Mutter und Schoßhündchen Daisy -, gehörte zuvor lange zu den schillerndsten Persönlichkeiten der Münchner Promiszene.
Moshammer hatte sich aber auch immer für die Obdachlosen in der bayerischen Landeshauptstadt eingesetzt. Im Jahr 1999 hatte er zusammen mit weiteren Personen den Verein gegründet. Nach Angaben des Sprechers wurden in der Vergangenheit verschiedene Angebote für Wohnungslose von dem Verein unterstützt.
Nach Ablaufen einer Sperrfrist sei es im kommenden Jahr möglich, den Verein aufzulösen und das Restvermögen in niedriger sechsstelliger Höhe an zwei Organisationen zu geben, die sich ebenfalls dem Engagement für obdachlose Menschen widmen. Dies sei in der Vereinssatzung so bereits vorgesehen.
Bedacht wird die Initiative "Biss - Bürger in sozialen Schwierigkeiten", die insbesondere für ihre in München herausgegebene gleichnamige Straßenzeitung bekannt ist. Die zweite Hälfte soll an die "Initiative für Menschen ohne Obdach" gehen, die ein Wohnheim für Männer betreibt, um die Betroffenen wieder auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten.
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Und wie wäre Moshammer heute? Wäre er ein Influencer? Oder Opfer von Hasskommentaren? „Mosi wäre heute bestimmt mit einem sehr viel größeren Maß von Häme konfrontiert, und auch von Homophobie“, ist Eisenach überzeugt. Doch wer weiß, schließlich war Moshammer schon damals ein Meister darin, sich auf der Bühne seines Lebens zu inszenieren.
Rudolph Moshammer mit seiner Hündin Daisy.
tags: #rudolph #moshammer #perücke
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