Die Frisuren der Römerinnen waren mehr als nur eine Frage der Mode; sie spiegelten den sozialen Status, das Alter und die jeweilige Epoche wider. In der Anfangszeit Roms waren die Haartrachten eher schlicht, während später kunstvolle Hochsteckfrisuren, Locken und aufwendiger Schmuck in Mode kamen.
Bildnis einer römischen Dame, um 200 n. Chr.
In der frühen Römischen Republik galten künstliche Haarteile als Zeichen von Prostituierten. Doch im Laufe der Zeit entwickelten sich die Frisuren immer weiter. Die Haare wurden hochgesteckt, geglättet, gelockt und mit Nadeln, Haarnetzen und Bändern geschmückt. Auch Knoten, Pferdeschwänze, Haarteile und Perücken waren beliebt.
Nach den Kriegen gegen die Kimbern und Teutonen kamen blonde und rötliche Haare in Mode. Frauenhaar aus Germanien wurde zu einem wichtigen Exportartikel. Manchmal wurden die Haare in großmaschigen Haarnetzen (reticulum) zusammengebunden und mit Goldeinsätzen verschönert.
So wie Apuleius (Metamorphosen II 9,1-5) dachten viele Römer: "Überhaupt ist die Frisur von größter Wichtigkeit: mag eine Frau noch so sehr mit Gold, Kleidern, Juwelen und allem erdenklichen Schmuck herausgeputzt daherkommen - wenn sie ihre Haare vernachlässigt, bekommt sie doch ein ,schmucke Person!´ nicht zu hören."
Perücken gehörten schon im alten Ägypten für Männer und Frauen gleichermaßen zur Mode. Auch im alten Griechenland sowie im römischen Reich trugen Frauen Perücken (capillamentum/galerus) oder umfangreiche Haarteile. Schlechter Haarwuchs oder Haarausfall, zu viel Farbe und deshalb geschädigtes Haar oder ein zu rücksichtsloser Gebrauch der Brennschere waren die Motive. Perücken-Teile gehörten zudem zu einigen Hochsteckfrisuren.
Beliebt unter den Frauen waren aus blonden Haaren gefertigte Perücken, die aus der Haarpracht gefangener Germaninnen entstanden. Um Inkognito zu bleiben, nutzten auch einige Männer Perücken. Andere verbargen ihre Glatze darunter.
Schon damals ging man mit der Mode, die häufig von der jeweiligen Kaiserin diktiert wurde. Dabei reichte das Spektrum von offen über toupiert, lockig, gescheitelt bis zum Dutt - alles kam irgendwann vor.
Unter Römerinnen war es üblich, die Frisur zu tragen, die auch die Kaiserin gerade trug. So setzten die Damen des Palastes den Frisurentrend. Sie besaßen Sklavinnen, von denen sie sich ihre Haare zu aufwändigen Frisuren hoch türmen ließen. Doch wehe, eine Haarsträhne saß mal nicht am rechten Platz: Die römischen Kaiserinnen sind für ihre Wutausbrüche bekannt!
Als helfende Hand beim Frisieren hatte jede wohlhabende Frau eine Sklavin als ornatrix (oder auch mehrere), die ihr auch beim Schminken beistand. Je eitler eine Frau war, umso „gefährlicher“ lebten ihre Dienerinnen: Hysterische Ausbrüche über ein einziges, falsch sich lockendes Härchen, eine einzige sich lösende Nadel, steigerte sie zu körperlichen Attacken mit Haarnadeln oder Peitschen - angeblich keine Besonderheit.
Die Frauen und Familienangehörigen der Kaiser waren in ihrer Kleidung und Haarmode Vorbild für viele Frauen im Kaiserreich. Auch in weit entfernten Teilen des Imperiums orientierte sich die Haarmode nach den Damen Roms.
Je nach Mode wurden Hilfsmittel gebraucht: Bänder, Haarnetze, Haarnadeln, Perücken, Lockenstäbe... Auch das Haarefärben war nicht unbekannt.
Dazu wurde z.B. ein calamistrum (Brenneisen) benutzt, das einem Lockenstab glich. Es war hohl, aus Eisen und wurde über Feuer erhitzt. Locken waren ein wichtiger Bestandteil der beliebten Hochfrisuren. Weiterhin wurden Nadeln mit eingearbeitet, die gleichzeitig Bestandteil des Schmuckes waren. So konnten sie aus Holz, Bronze, Silber, Gold oder gar Elfenbein bestehen und Figuren darstellen. Außerdem hielt man die Frisuren mit wollenen Bändern und Haarnetzen zusammen.
Wollte man keine Perücke aufsetzen, so konnte man bestimmte Haarfarben durch Färben erreichen. Als Färbemittel dienten hierbei besonders Mittel aus Nordeuropa wie Seifenkugeln oder "batavischer Schaum". Rotfärbung erreichte man durch Asche oder Hennapulver, das man aus Ägypten importierte.
Die römischen Damen trugen auch gerne Schmuck und schminkten sich. Je blasser, desto besser! Denn blass galt als vornehm. Wer braungebrannt war, hielt sich draußen auf - vornehme Damen aber mieden die Sonne.
Die Haare und natürlich sich selbst unterstützten die Römerinnen durch Parfüm. Dabei waren schwere, würzige und süße Parfüms beliebt. Die Duftstoffe wurden aus dem Mittleren und Fernen Osten eingeführt und waren dementsprechend teuer. Die teuersten konnten bis zu 2 Denaren pro Gramm kosten, was etwa zwei Tageslöhnen eines Arbeiters entsprach.
Um ihre Frisuren betrachten zu können, nutzten die Römerinnen Spiegel. Meistens waren sie rund und aus polierter Bronze oder aus Silber. Glasspiegel gab es erst ab dem 1. Jh. n. Chr.
Eine beliebte Frisur hieß Tutulus: Zuerst wurden die Haare geflochten, dann zu einem Kegel hochgesteckt.
Das lange Haar wurde gescheitelt oder ohne Scheitel nach hinten gekämmt und im Nacken mit einem Knoten (nodus) zusammen gefasst.
Zur Zeit des Augustus (27 v. -14 n. Chr. ) war dessen Schwester Octavia Vorbild für die Dame von Welt. Das eng anliegende Haar wurde hinten in einem Knoten zusammengefasst, eine weitere Haarsträhne verlief über den Scheitel nach vorne und endete über der Stirn in einem flachen Knoten.
Die Damen der claudischen Zeit (um 40 n. Chr. ) trugen vorwiegend Frisuren mit Nackenzopf, bereichert durch Löckchen an Stirn und Schläfen.
Erst Julia Domna, die Frau des Septimius Severus (193-211 n. Chr. ) und die anderen Frauen der severischen Dynastie entwickeln wieder eine neue Haarmode. Die Haare werden stark onduliert, oft von Zöpfen eingefasst, die gesamte Frisur lang und füllig über die Ohren bis in den Nacken gezogen. Ohne Perücken war solch ein Werk nicht mehr herzustellen.
Römische Frisuren prägen nach wie vor heutige Frisuren. Locken-Türme, Schleifen in den Haaren, geflochtene Zöpfe oder Hochsteckfrisuren: Der Ursprung findet sich in der Antike. Hier sind einige Anleitungen, um römische Frisuren nachzustylen:
Ein tiefer Dutt kann immer und überall getragen werden. Wenn Sie Ihre Haare zurückgenommen haben und tief im Nachen zu einem Dutt bearbeitet haben, können Sie eine Strähne heraustrennen, diese flechten und dann um den Dutt bzw. um das Haargummi legen und unauffällig mit einer Klemme im Dutt feststecken. Fertig ist der römische Dutt!
Eine weitere klassische Variante sind Flechtfrisuren. Wer sich noch nicht soviel traut, kann sich ganz einfach zwei Zöpfe flechten. Wenn Sie die Dutt- oder Flechtfrisur noch ein wenig auffälliger haben wollen, können Sie zusätzlich noch ein paar Strähnen um den Haaransatz heraustrennen und diese mit einem Lockenstab in Form bringen. Außergewöhnliche Frisuren: Wenn Ihnen einfache Flechtzöpfe zu langweilig sind, können Sie bunte Bänder in die Zöpfe flechten. Das ist besonders römisch und kommt im Alltag vielleicht nicht ganz so gut an, aber auf einer Verkleidungsparty bestimmt.
Für Frauen mit mittellangem bis langen Haaren haben wir eine römische Hochsteckfrisur. Sie beginnen, indem Sie sich einen Mittelscheitel ziehen und mit einem Kamm eine breite Strähne abtrennen. Diese Strähne drehen Sie von der Stirn an nach hinten ein und steckt Sie mit einer Haarnadel fest. Nun teilen Sie eine weitere Strähne ab und wiederholen das Ganze. Das machen Sie dann mit jeweils drei Strähnen auf jeder Seite. Anschließend sollte alles mit Haarspray fixiert werden. Nun teilen Sie Ihre Haare in zwei Strähnen auf, um einen Ährenzopf zu flechten. Dazu nehmen Sie von außen eine sehr dünne Strähne und legen sie quer über die eine Strähne. Von der anderen Seite ziehen Sie dann eine feine Strähne hinüber. Diesen Vorgang wiederholen Sie, bis Sie unten angekommen sind. Sie sollten die Strähnen leicht festziehen, damit der Zopf sich nicht nach ein paar Stunden schon wieder löst. Jetzt müssen Sie den Zopf nur noch mit einem Haargummi befestigen. Legen Sie den Zopf an den Kopf und klappen das untere Ende des Zopfes ein. Das Ganze muss dann noch festgesteckt werden. Mit einem bunten Clip kann das besonders hübsch aussehen.
Aber nicht nur den Kopfhaaren galt die Aufmerksamkeit der Römerinnen. Das Enthaaren der Beine und unter den Achseln war anscheinend selbstverständlich, wie man bei Ovids Ars amatoria vernehmen kann. Dabei nutzte die römische Frau Pinzetten, mit denen sie die Haare ausrupfte. Daneben gab es auch eine Paste zum Enthaaren, die man durch Auflösen von Harz in Öl gewann.
Wer glaubt, nur Römerinnen wären eitel gewesen, der irrt. In der Zeit der Republik war das allerdings noch nicht der Fall. Man ließ seine Haare nur wachsen und einfach auf die Schultern fallen. Erst ca. 300 Jahre v. Chr. kam es in Mode, sich die Haare schneiden zu lassen. So trug man dann schlichte Kurzhaarfrisuren, die nur an Feiertagen besonders gekämmt wurden.
Unter den Kaisern richtete man sich nach deren Frisuren, wobei die Bandbreite von lang und lockig bis zu fast kahlköpfig reichte. Dabei war auch Haarfärbung für Männer bekannt. Das wurde oftmals bei ergrauten Haaren eingesetzt, was sehr verspottet wurde. So spottet Martial in einem seiner Epigramme über einen älteren Herren, der sich plötzlich von einem Schwan in einen Raben verwandelt habe.
Um kahlen Stellen oder einer Glatze vorzubeugen, gab es unzählige Mittelchen, die Haarwuchs fördern sollten (ihre Effektivität hielt sich allerdings genauso wie heute in Grenzen). Iulius Caesar kämmte seine Haare nach vorne, um die Stirnglatze zu kaschieren.
Besondere Pflege widmeten die Römer ihren Bärten. Der Friseur (tonsor) war für diese Pflege zuständig. Reiche Männer hatten ihren eigenen tonsor, die restlichen mussten sich mit tonsores begnügen, die ihre Arbeit in eigenen Geschäften (teilweise unter freiem Himmel) erledigten. In den sogenannten tonstrina wurde nicht nur rasiert und frisiert, sondern es blühte auch der Klatsch. Aber nicht nur von sprechenden Stimmen war die tonstrina erfüllt, sondern auch von schreienden, da die Rasiermesser dort meist höchst unzulänglich waren und das Gesicht - wenn überhaupt - nur mit Wasser befeuchtet wurde. So musste sich der Kunde auf das Fingerspitzengefühl des tonsor verlassen; oft genug kam es zu Anzeigen, die zu Geldstrafen gegen den tonsor führten.
Die römischen Frisuren der Damen waren ein wichtiger Bestandteil der antiken Mode und spiegelten den sozialen Status, die Epoche und die persönlichen Vorlieben wider. Von schlichten Anfängen bis zu opulenten Hochsteckfrisuren und Perücken boten die römischen Frisuren eine große Vielfalt und inspirierten auch die heutigen Trends.
| Epoche | Frisurmerkmale | Bekannte Persönlichkeiten |
|---|---|---|
| Frühe Republik | Schlicht, lange, ungekämmte Haare | - |
| Späte Republik | Kurze, gepflegte Haare, Knoten im Nacken | - |
| Augusteische Zeit | Eng anliegendes Haar, Knoten über der Stirn | Octavia |
| Claudische Zeit | Nackenzopf, Locken an Stirn und Schläfen | - |
| Severische Dynastie | Stark ondulierte Haare, Zöpfe, füllige Frisuren | Julia Domna |
| Constantinische Dynastie | Zopf als Schlinge über der Stirn, Diademe | Severina, Aelia Flaccilla |
tags: #römische #frisuren #damen
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