Römer Frisur Männer: Mode und Stil im alten Rom

Die Römer brachten eine Badekultur mit, die sie ihrerseits von den Griechen übernommen hatten.

Römische Bäder in Bath, England

Im Großen und Ganzen hatten Römerinnen und Römer dieselbe Vorstellung von Körperhygiene wie wir. Schweißgeruch, Mundgeruch, ungepflegte Haare und Nägel galten als abstoßend.

Dies rät der Dichter Ovid (43 vor Christus bis 17 nach Christus) Männern, die auf Beziehungssuche sind:

„...Sauber, damit er gefällt, und gebräunt sei vom Marsfeld der Körper... Nicht sei zu Stacheln dein Haar in entstellender Weise geschoren; von der geübten Hand lass Haare dir schneiden und Bart. Nicht zu lang lass die Nägel dir wachsen, lass frei sie von Schmutz sein. Und aus dem Nasenloch steh´ niemals ein Haar dir hervor. Nicht komme widriger Atem aus übelriechendem Munde. Nicht stör´ die Nase der Bock...“ (Ovid, Liebeskunst I, 513 - 523).

Ordentlich gekämmtes Haar war sowohl für Frauen als auch für Männer wichtig. Zur persönlichen Ausstattung gehörte ein Kamm selbstverständlich dazu.

Römische Holzkämme aus dem 1.-3. Jh. n. Chr.

Kämme wurden aus Buchsbaum und Rinderknochen gefertigt, wobei Knochenkämme teurer waren. Eine Kostbarkeit stellten Exemplare aus Elfenbein dar.

Trendsetter für die Haar- und Bartmode war das Kaiserhaus. Dabei zeigten sich Männer ebenso modebewusst wie Frauen.

Männer trugen das Haar im Nacken kurz geschnitten. Auf dem Oberkopf konnte es, je nach Mode, etwas länger und gelockt sein. Entscheidend für ein gepflegtes Äußeres waren nicht einfach kurze Haare, sondern ein professioneller Haarschnitt.

Im 1. Jahrhundert nach Christus war es üblich, sich zu rasieren. Kaiser Nero (Regierungszeit 54 bis 68 nach Christus) zeigte sich dennoch gerne mit Kehlbart. Ab dem 2. Jahrhundert wurde mit Kaiser Hadrian (Regierungszeit 117 bis 138 nach Christus) der Vollbart modern, entweder getrimmt oder in Form gebracht.

Die Entwicklung der Bartmode im Römischen Reich

Wie bei uns heute, gab es auch in römischer Zeit ein Hin und Her der Moden.

Wenn wir uns Kaiser Hadrian ansehen, so trägt der Bart. Sein Adoptivvater Trajan nicht. Hadrians Adoptivsohn Antoninus Pius trug ebenfalls Bart. Aber was z.B. die Trajanssäule angeht, so wird gerne unterschieden zwischen rasierten Römern und bärtigen Dakern.

Man kann bei den Kaisern bis zu den Soldatenkaisern eine gewisse Familienfrisur und auch Bartmode erkennen.

Die männlichen Mitglieder der julisch/claudischen Dynastie trugen die Haare im Nacken relativ lang und vom Hinterkopf bis zum Nacken in der Mitte gescheitelt, vorn mit Pony, der aber einen Teil der Stirn freiließ.

Nero behielt das noch in der Jugend bei, wie auf Münzen dieser Epoche zu sehen ist. Je länger er Kaiser war, desto üppiger wurde seine Frisur, mit sichelförmigen Stirnlocken noch längeren gelockten Nackensträhnen (weiterhin in der Mitte gescheitelt).

Kaiserliche Bart- und Frisurenstile

Auch ein Bart, der bei ihm aber nie das Kinn sondern sein zunehmendes Doppelkinn und den Hals bedeckte, kam hinzu.

Bei den Vertretern des Vierkaiserjahres sieht man, dass sie familiär nichts miteinander zu tun hatten. Galba war fast kahl und trug die verbliebenen Haare als Stoppelfrisur.

Von Otho wird berichtet, dass er ebenfalls kahl war, aber aus Eitelkeid Perücken trug. Das kann man durchaus auf Münzbildern erkennen. Man könnte denken, dass er einen Bienenkorb auf dem Kopf hatte.

Vitellius schien eine eher einfach geschnittenene Frisur getragen zu haben. Die Flavier hatten ebenfalls recht schlichte Haartrachten.

Vespasian war fast glatzköpfig und sein Sohn Domitian hatte diesen Mangel geerbt, weshalb er die Stähnen vom Hinterkopf weit nach vorn kämmte.

Auf späten Münzen und Büsten ,mit seinem Portrait ist das gut erkennbar. Es gibt auch einige Münzen, die ihn und seinen Bruder Titus mit einem Nerobart, ohne direkte Kinnbehaarung zeigen.

Bei Trajan sieht man eine soldatisch, kurze Frisur. Bezeichnend für ihn ist der Pony, der auf manchen Büsten seine gesamte Stirn bedeckte.

Seit Hadrian war der Bart obligatorisch. Dieser war aber auch, dynastisch geformt. War der Bart bei Hadrian noch recht kurz gehalten, so wurde er seit Antoninus Pius lang getragen.

Hinzu kam eine gekräuselte Frisur , die ziemlich langes Dackhaar aufwies . Besonders bei Marc Aurels Mitkaiser Lucius Verus und bei Commodus waren langer Bart und Lockenkopf recht ausgeprägt.

Man findet auch auf der Marcus-Aurelius-Säule häufiger bärtige Legionäre als auf der Trajanssäule.

Männer brauchen Bärte - WDR Lokalzeit

Schmuck bei römischen Männern

Ich weiß in der Legion wurden Armreife als Auszeichnungen getragen. Aber trug auch ein römischer Bürger schmuck wenn er es sich leisten konnte? Zb Ohrringe Halsketten Ringe Armreife?

Ringe wurden von Männern getragen. Sueton berichtet, dass Caligula dem sterbenden Tiberius den Ring vom Finger ziehen wollte.

Bei Josephus heißt es, dass der Konsul Saturninus nach der Ermordung des Caligula noch einen Ring mit dem Kaiserbild trug, welchen ihm ein Senatskollege vom Finger riß und zerstörte.

Ohrringe wurden aber sicher nicht von Männern getragen. Das wäre auf Kaiserbüsten-oder Münzportraits dargestellt worden.

In der Zeit der Republik war das allerdings noch nicht der Fall. Man ließ seine Haare nur wachsen und einfach auf die Schultern fallen. Erst ca. 300 Jahre v. Chr. kam es in Mode, sich die Haare schneiden zu lassen.

So trug man dann schlichte Kurzhaarfrisuren, die nur an Feiertagen besonders gekämmt wurden. Kämme sahen den heutigen sehr ähnlich und funktionierten auch auf die gleiche Weise.

Unter den Kaisern richtete man sich nach deren Frisuren, wobei die Bandbreite von lang und lockig bis zu fast kahlköpfig reichte.

Dabei war auch Haarfärbung für Männer bekannt. Das wurde oftmals bei ergrauten Haaren eingesetzt, was sehr verspottet wurde.

So spottet Martial in einem seiner Epigramme über einen älteren Herren, der sich plötzlich von einem Schwan in einen Raben verwandelt habe.

Um kahlen Stellen oder einer Glatze vorzubeugen, gab es unzählige Mittelchen, die Haarwuchs fördern sollten (ihre Effektivität hielt sich allerdings genauso wie heute in Grenzen).

Iulius Caesar kämmte seine Haare nach vorne, um die Stirnglatze zu kaschieren.

Die Rolle des Friseurs (tonsor)

Besondere Pflege widmeten die Römer ihren Bärten. Der Friseur (tonsor) war für diese Pflege zuständig. Reiche Männer hatten ihren eigenen tonsor, die restlichen mussten sich mit tonsores begnügen, die ihre Arbeit in eigenen Geschäften (teilweise unter freiem Himmel) erledigten.

In den sogenannten tonstrina wurde nicht nur rasiert und frisiert, sondern es blühte auch der Klatsch.

Aber nicht nur von sprechenden Stimmen war die tonstrina erfüllt, sondern auch von schreienden, da die Rasiermesser dort meist höchst unzulänglich waren und das Gesicht - wenn überhaupt - nur mit Wasser befeuchtet wurde.

So musste sich der Kunde auf das Fingerspitzengefühl des tonsor verlassen; oft genug kam es zu Anzeigen, die zu Geldstrafen gegen den tonsor führten.

Zusammenfassung

Die römische Männerfrisur war ein Spiegelbild der gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Von einfachen Kurzhaarschnitten in der Republik bis zu den extravaganten Frisuren und Bärten der Kaiser - die Römer waren stets modebewusst und achteten auf ihr Äußeres.

Tabelle: Übersicht der römischen Kaiser und ihrer Bartstile

Kaiser Bartstil Haarstil
Augustus Kein Bart Lockiger Pony
Nero Kehlbart Üppige, gelockte Frisur
Hadrian Gepflegter Vollbart Gelocktes Haar
Trajan Kein Bart Kurze, soldatische Frisur mit Pony
Antoninus Pius Langer Bart Gekräuselte Frisur

tags: #Römer #Frisur #Männer

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