Koffein für das Haarwachstum: Was sagen die Studien?

Beim Thema Haarausfall zählt Koffein zu den bekanntesten Mitteln überhaupt und ist gleichzeitig von unzähligen Mythen umgeben. Kein Wunder, denn Koffein-Shampoos sind aus der Werbung kaum wegzudenken, oft mit prominenten Gesichtern in Szene gesetzt. Das bleibt hängen, und viele greifen direkt als Erstes zu Koffein-Shampoos, wenn die ersten Haare dünner werden. Günstig, kaum Nebenwirkungen und dazu die herausragenden Werbeversprechen - das ist Koffein gegen Haarausfall. Klingt fast zu gut, um wahr zu sein! Doch was steckt wirklich dahinter? Zeit, den Mythos auf den Prüfstand zu stellen!

Wirkung von Koffein gegen Haarausfall

Androgenetischer Haarausfall entsteht in erster Linie durch das Hormon Dihydrotestosteron, kurz DHT. Dieses Abbauprodukt von Testosteron sorgt dafür, dass die Haarfollikel immer kleiner werden und die Haare nach und nach dünner nachwachsen. Und nein, das ist kein reines Männerproblem. Auch Frauen sind davon, besonders ab den Wechseljahren, häufig betroffen.

„Koffein könnte für weniger DHT in der Kopfhaut sorgen und die Haarfollikel durch eine bessere Nährstoffversorgung unterstützen.“

Hier kommt Koffein ins Spiel. Denn Koffein soll den Prozess (für den das Enzym 5-alpha-Reduktase verantwortlich ist) bremsen, der Testosteron in DHT umwandelt. Zusätzlich wird Koffein auch nachgesagt, den Zellstoffwechsel und über eine verstärkte Durchblutung die Nährstoffversorgung der Haarfollikel zu fördern. Koffein dringt dabei schnell in die Haarfollikel ein und kann dort bis zu 48 Stunden aktiv bleiben. So weit, so vielversprechend. Aber wie sieht es nun tatsächlich mit der Wirksamkeit aus?

Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Koffein und Haarwachstum

Im Gegensatz zu vielen anderen „natürlichen“ Mitteln gibt es tatsächlich einige Studien, die den Zusammenhang zwischen Koffein und Haarwachstum genauer unter die Lupe genommen haben. Besonders interessant sind hier Studien, die direkt am Menschen durchgeführt wurden. Sogenannte In-vitro-Studien aus dem Labor liefern zwar auch interessante Hinweise, haben aber nur eine begrenzte Aussagekraft, da Wirkstoffe im menschlichen Körper anders wirken können. Du weißt schon, in echt ist dann alles doch einfach komplizierter.

Insgesamt acht Studien zeigen, dass Koffein bei Haarausfall positive Effekte haben kann - sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Häufig wurde Koffein dabei in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Minoxidil, Adenosin oder Zink getestet. Die Ergebnisse variieren je nach Studie, Produkt und Methode, aber eines ist sicher: Keine der Untersuchungen kam zu dem Ergebnis, dass Koffein wirkungslos ist. Ein paar Studien zeigen sogar eine ähnliche Wirksamkeit wie das wohl bekannteste Mittel gegen Haarausfall: Minoxidil.

Eine ausführliche Übersicht zu den Studien findest du am Ende des Artikels.

Heißt das jetzt, dass Koffein die Geheimwaffe gegen Haarausfall ist und sich mit Koffein-Shampoo all deine Sorgen in Luft auflösen werden?

Einschränkungen und Kritikpunkte

Ganz so einfach lässt sich die Frage nicht beantworten. Obwohl aktuelle Studien einen positiven Zusammenhang zwischen Koffein und der Verbesserung von Haarausfall zeigen, sollte man diese Ergebnisse mit Vorsicht genießen. Das Portal „Medizin-Transparent„, ein Projekt der renommierten Cochrane Österreich, hat die ersten sechs Studien bereits unter die Lupe genommen und auf Schwächen hingewiesen. Leider setzen sich diese Schwächen auch in den beiden jüngsten Studien aus 2024 fort. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Kritikpunkte:

  • Finanzierung durch Hersteller: Viele der Studien wurden von Pharmakonzernen oder Herstellern der getesteten Produkte finanziert. Das wirft die Frage auf, ob die Ergebnisse möglicherweise geschönt wurden, um die Produkte in ein besseres Licht zu rücken.
  • Mangelnde Vergleichbarkeit: In einigen Studien unterschieden sich die Testgruppen bereits zu Beginn erheblich, was am Ende der Behandlung zu schwer vergleichbaren Ergebnissen führt.
  • Lückenhafte und ungenaue Daten: Nicht alle erhobenen Daten wurden veröffentlicht und teilweise gab es Messungen, die ungenau waren oder potenziell die Ergebnisse verfälschten. Beispiele sind unterschiedliche Anzahl an analysierten Haaren, zufällig untersuchte Areale und subjektive Wahrnehmungen.
  • Fehlende Verblindung: Bei hochwertigen Studien wissen weder die Teilnehmenden noch die Forschenden, wer den Wirkstoff und wer ein Placebo erhält. In vielen der genannten Studien fehlte jedoch diese Verblindung, was die Ergebnisse anfällig für Verzerrungen macht.
  • Kleine Stichproben: Die Anzahl der Studienteilnehmenden war oft überschaubar. Solche kleinen Gruppen erschweren es, die Ergebnisse auf die gesamte Bevölkerung zu übertragen.
  • Kombination verschiedener Wirkstoffe: In einigen Studien wurde Koffein gleichzeitig mit anderen Wirkstoffen wie Minoxidil oder Zink getestet. Dadurch bleibt unklar, welcher Wirkstoff tatsächlich für die beobachtete Wirkung verantwortlich war.

Alles in allem weisen die Studien einige Schwachstellen auf, sodass bisher keine gesicherte Wirksamkeit von Koffein gegen Haarausfall bestätigt werden kann.

„Es fehlt an vertrauenswürdigen, unabhängigen Studien zur Wirksamkeit von Koffein bei Haarausfall.“

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Alternative Ansätze und Behandlungsmethoden

Das heißt aber nicht, dass man Haarausfall und eine lichter werdende Kopfhaut einfach hinnehmen muss! Es gibt bereits einige gut erforschte Mittel, die bei androgenetischer Alopezie sehr hilfreich sein können.

  • Finasterid: Ein echter Gamechanger, wenn es darum geht, die Umwandlung von Testosteron in DHT zu blockieren. Für Frauen ist das Mittel derzeit nicht offiziell zugelassen, wird aber teilweise „off-label“ vor allem nach den Wechseljahren verschrieben. Die Wirksamkeit ist nachgewiesen sehr gut und der Haarausfall kann in den meisten Fällen nachhaltig gestoppt werden. Eine noch stärkere Option wäre Dutasterid, das derzeit nicht offiziell für Haarausfall zugelassen ist.
  • Minoxidil: Das bekannteste Mittel gegen Haarausfall wirkt wie ein Turbo fürs Haarwachstum. Minoxidil kann von Frauen und Männern verwendet werden und sorgt vor allem in den ersten zwei Jahren der Anwendung für dichteres Haar. Da es die Ursache des Haarausfalls nicht direkt bekämpft, ist es weniger nachhaltig als Finasterid. Eine Kombination aus beiden Mitteln kann besonders effektiv sein - Finasterid direkt gegen die Hauptursache und Minoxidil als zusätzlichen Wachstums-Booster.
  • Ketoconazol: Ein Shampoo mit Zusatzpower. Es bekämpft die für die Haarfollikel schädliche Wirkung von DHT und wird gerne zusätzlich zu anderen Mitteln wie Finasterid oder Minoxidil benutzt.
  • Spironolacton: Ist ebenfalls ein Medikament, das gegen DHT in den Kampf geht. Es ist vor allem für Frauen geeignet - für Männer hingegen weniger. Die Wirkung ist allerdings geringer als bei Finasterid.
  • Bicalutamid: Wenn hormonell bedingter Haarausfall bei Frauen nicht anders in den Griff zu bekommen ist, kann auch Bicalutamid eingesetzt werden. Dieser Wirkstoff verhindert gezielt das Andocken von DHT an die Rezeptoren der Haarfollikel.
  • Microneedling: Mit einem Dermaroller werden der Kopfhaut winzige Mikroverletzungen zugefügt. Das regt einerseits die Wachstumsfaktoren an und sorgt andererseits auch dafür, dass Mittel wie Minoxidil besser von der Kopfhaut aufgenommen werden.

Mehr dazu hier: Überblick über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für Haarausfall

Übersicht der Studien

Hier ist eine detaillierte Übersicht der Studien, die die Wirkung von Koffein auf das Haarwachstum untersucht haben:

StudieMethodeErgebnisse
Studie 1 - Untersuchung Koffein-Shampoo bei androgenetischer Alopezie (AGA) - Männer66 Männer mit AGA verwendeten 6 Monate lang täglich entweder ein koffeinhaltiges Shampoo oder ein Placebo.Das koffeinhaltige Shampoo führte zu einer signifikant höheren Zufriedenheit (84,8 % vs. 36,4 % bei Placebo).
Studie 2 - Vergleich von Minoxidil 2,5 % vs. Minoxidil 2,5 % + Koffein bei AGA60 männliche Patienten trugen 150 Tage lang entweder 2,5 %iges Minoxidil oder Minoxidil kombiniert mit Koffein auf.Die Kombination aus Minoxidil und Koffein lieferte bessere Ergebnisse als Minoxidil allein.
Studie 3 - Vergleich von Koffeinlösung (0,2 %) vs. Minoxidil (5 %)210 Männer mit AGA verwendeten über 6 Monate zweimal täglich entweder eine 0,2 %-ige Koffeinlösung oder 5 %-iges Minoxidil.Beide Gruppen zeigten eine Zunahme der Anagenhaare (11,68 % bei Minoxidil vs. 10,59 % bei Koffein). Die Studie behauptet, dass Koffein bei Männern mit AGA eine vergleichbare Wirkung wie Minoxidil haben könnte.
Studie 4 - Untersuchung von Phyto-Koffein-Shampoo bei weiblicher AGAFrauen mit AGA verwendeten 6 Monate lang ein Phyto-Koffein-Shampoo oder ein Kontrollshampoo ohne Wirkstoff.Das Koffein-Shampoo reduzierte signifikant die ausgezupften Haare (über den Zug-Test) und verbesserte die Haarstärke sowie die Intensität des Haarverlusts.
Studie 5 - Untersuchung von antioxidativer Kopfhautpflege mit Koffein und weiteren WirkstoffenÜber 24 Wochen wurde bei 352 Teilnehmer:innen (175 in der Testgruppe und 177 in der Kontrollgruppe) die Wirkung eines Haarpflege-Regimes mit Antioxidantien und barrierestärkenden Inhaltsstoffen auf die Kopfhautgesundheit und auf den Haarausfall untersucht.In der Gruppe mit dem Wirkstoff konnte die Haaranzahl erhöht werden (+4,5 Haare pro cm2 nach 24 Wochen), der Haarausfall stabilisierte sich (nach 24 Wochen jedoch nicht signifikant) und auch die subjektive Selbsteinschätzung war besser.
Studie 6 - Untersuchung eines kosmetischen Produkts auf Reduktion der Telogenrate und Erhöhung der Haardichte bei AGA62 Männer mit AGA wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und erhielten entweder einen kosmetischen Schaum mit unter anderem Koffein oder den gleichen Schaum ohne Wirkstoff.In beiden Gruppen konnten die Telogenrate und die Haardichte verbessert werden.
Studie 7 - Untersuchung eines Anti-Haarausfall Shampoos mit Koffein und Adenosin84 Teilnehmer:innen wurden entweder in eine Gruppe mit dem Testprodukt mit 0,4 % Koffein und 0,2 % Adenosin oder in eine Placebo-Gruppe eingeteilt. Die Produkte wurden dreimal wöchentlich 3 Monate lang angewendet.In der Testgruppe konnte vor allem der Haarausfall (Anzahl der verlorenen Haare) bzw. die Haardichte verbessert werden.
Studie 8 - Untersuchung einer topischen Lösung mit Koffein und Procapil 3 %20 Männer mit Haarausfall erhielten über 12 Wochen täglich eine Lösung mit Procapil 3 %, Koffein und Zink ohne Kontroll- oder Vergleichsgruppe.Die 12-wöchige Behandlung reduzierte signifikant den Haarverlust (−26,9 %) und verbesserte das Terminal-/Vellus-Haar-Verhältnis (+53 %), während 84,2 % der Teilnehmer eine deutliche Verbesserung wahrnahmen.

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