Raupe mit Schuppen bestimmen: Ein umfassender Leitfaden

Die Bestimmung von Raupen kann eine spannende, aber auch herausfordernde Aufgabe sein. Raupen sind die Larven von Schmetterlingen und Faltern und weisen eine enorme Vielfalt an Formen, Farben und Mustern auf. Dieser Artikel bietet Ihnen eine detaillierte Anleitung, wie Sie Raupen mit Schuppen bestimmen können, und gibt Ihnen Einblicke in ihre Lebensweise und Bedeutung für die Natur.

Grundlagen der Raupenbestimmung

Um eine Raupe erfolgreich zu bestimmen, ist es wichtig, auf bestimmte Merkmale zu achten. Folgende Aspekte sollten Sie bei der Bestimmung berücksichtigen:

  • Farbe: Hellgrün, Dunkelgrün, Kombination verschiedener Farben (z. B. Kopf oder Unterseite andersfarbig)
  • Zeichnung: Streifen, Punkte in verschiedenen Farben
  • Behaarung: Haarige, leicht behaarte oder ganz „nackte“ Raupe ohne Haare
  • Auswüchse: Hörner, Höcker oder Analhörner („Stachel“)
  • Größe: Große grüne Raupe, kleine grüne Raupe

Auch der Zeitpunkt des Auftretens der Raupen kann ein wichtiges Indiz für die Bestimmung sein. Die meisten grünen Raupen finden sich zwischen März und Oktober im heimischen Garten, je nach Art treten sie in einer oder mehreren Generationen auf.

Wichtig: Verschiebungen durch den Klimawandel sind möglich. Bei spätem Wintereinbruch können grüne Raupen sogar noch im Dezember gesichtet werden. Im Januar und Februar wurden bislang noch keine grünen Raupen in Gärten gesichtet.

Bekannte Raupenarten und ihre Merkmale

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige besonders wichtige und häufige grüne Raupen vor:

Kleine grüne Raupen

  • Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata): Schlank, helles Mattgrün, hellgelbe Streifen auf dem Rücken und an der Seite, dunkelgrüne Rückenlinie. Typisch schiebende, bucklige Fortbewegung. Größe: 2-2,5 cm.
  • Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae): Mattgrün, feiner gelber Streifen mit Punkten an der Seite, haarig. Größe: bis 2,5 cm.
  • Aurorafalter (Anthocharis cardamines): Schlanke, längliche Form, Oberseite blaugrün, Seiten cremeweiß, Unterseite dunkelgrün, haarig. Größe: 2,5-3 cm.

Mittlere grüne Raupen

  • Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni): Mattgrün mit vielen kleinen dunkelgrünen Punkten, feiner weißlicher Längsstreifen über den Beinchen, keine Behaarung. Größe: 3-3,5 cm.
  • Schwalbenschwanz (Papilio machaon): Intensiv grün mit schwarzen Querstreifen, mit orangeroten Punkten, keine Behaarung. Größe: 4-4,5 cm.
  • Gemüseeule (Lacanobia oleracea): Grün, manchmal auch braun oder grau, mit schwarzen Warzen und weißen Punkten, gelblich-weiße Seitenlinie. Im späteren Stadium eher grünbraun, keine Behaarung. Größe: bis 4,5 cm.
  • Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis): Gelb- bis dunkelgrün, schwarze und weiße Streifen sowie kleine schwarze Punkte, aus denen weiße Borsten herausragen, schwarzer Kopf. Sehr gut getarnt, versteckte Lebensweise. Größe: bis 5 cm.

Große grüne Raupen

  • Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata): Große grüne Raupe mit Stachel. Blau- oder gelbgrün, gelbe Schrägstreifen an der Seite, zahlreiche feine weiße Punkte, roter (später bläulicher) Stachel am Hinterleib, keine Behaarung. Größe: 7-8 cm.
  • Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri): Große grüne Raupe mit Stachel, leuchtend grün mit sieben seitlichen, weiß-lila bis weiß-rosafarbenen Schrägstreifen, daneben kleine gelbe Punkte; Höcker und gelb-schwarzes Analhorn („Stachel“). Bei Gefahr richtet sich die grüne Raupe s-förmig auf. Größe: 9-10 cm.

Schmetterlinge bestimmen in Garten, Feld + Wald | Tagfalter

Sind grüne Raupen giftig?

Je nachdem, was „Ihre“ grüne Raupe im Garten frisst, nimmt sie Pflanzengifte in sich auf - das ist zum Beispiel beim Buchsbaumzünsler oder bei einigen Weißlingen der Fall. Dadurch schützen sich die Larven vor Fraßfeinden.

Insgesamt sind grüne Raupen selten für Menschen giftig oder gefährlich. Auf eine giftige Raupe können z. B. die Farben Blau, Rot oder Schwarz als Warnfarben hinweisen, außerdem eine sehr dichte, lange Behaarung (Allergiegefahr), die Bildung umfangreicher Gespinste und großer Raupen-Ansammlungen.

Achtung: Eine Raupe mit „Stachel“ ist nicht zwangsläufig giftig. Der Stachel ist nämlich gar kein Stachel, sondern ein sogenanntes Analhorn - ein typisches Merkmal zum Beispiel von Schwärmern, mit dem die Raupe aber nicht stechen kann.

Umgang mit Schädlingen im Garten

Wenn eine grüne Raupe als Schädling erkannt wird, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Bekämpfung:

  • Absammeln: Am schonendsten ist es, die grünen Raupen bei Befall rechtzeitig abzusammeln.
  • Nützlinge fördern: Fördern Sie Nützlinge und Fraßfeinde der schädlichen Arten, zum Beispiel, indem Sie Meisen und Schlupfwespen im Garten ein Zuhause bieten.
  • Absprühen mit Wasser: Umweltschonend ist auch das Absprühen der grünen Raupen mit einem starken Wasserstrahl.
  • Alternative Pflanzen: Bei grünen Raupen am Buchsbaum - dem gefährlichen Buchsbaumzünsler - sollen Sie überlegen, statt des Buchsbaums resistente Alternativpflanzen zu setzen.

Tipp: Da Insektizide gegen den Zünsler nur begrenzt wirksam und nicht von Dauer sind, ist von ihrem Einsatz eher abzuraten.

Lithocolletis cephalariae: Eine besondere Art

Ein interessantes Beispiel für eine Raupe mit spezifischer Lebensweise ist Lithocolletis cephalariae. Diese Art wurde nach ihrer Raupennahrungspflanze - Cephalaria leucantha - benannt. Die Raupe lebt in unterseitigen Blattminen von Cephalaria leucantha. Savchuk & Kajgorodova (2020: 256) fanden die entsprechenden Minen auf der Krim an Blattunterseiten von Cephalaria uralensis.

Merkmale von Lithocolletis cephalariae

  • Nahrungspflanzen: Cephalaria leucantha (Weißblütiger Schuppenkopf), Cephalaria uralensis (Ural-Schuppenkopf)
  • Lebensweise: Raupe lebt in unterseitigen Blattminen
  • Verbreitung: Frankreich, Kroatien, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Krim

Cephalaria leucantha, die Nahrungspflanze von Lithocolletis cephalariae

Verwechslungsgefahr

Es ist wichtig zu betonen, dass Lithocolletis cephalariae sehr schwer von Phyllonorycter trifasciella zu unterscheiden ist und wahrscheinlich oft mit dieser verwechselt wird. Es gibt nur sehr kleine Unterschiede in den männlichen Genitalien, weibliche Genitalien sind scheinbar nicht zu unterscheiden.

Erdraupen: Schädlinge im Garten

Erdraupen sind die Larven verschiedener Eulenfalter und können im Garten als Schädlinge auftreten. Sie leben im Erdreich und ernähren sich von den Wurzeln vieler Nutzpflanzen. Nachts kommen einige Arten an die Oberfläche und fressen auch an oberirdischen Pflanzenteilen.

Bekämpfung von Erdraupen

Für das Bekämpfen von Erdraupen sind so gut wie keine Pflanzenschutzmittel im Hausgarten zugelassen. Eine effektive und ökologische Methode zur Bekämpfung von Erdraupen bietet die Verwendung von Nematoden der Art Steinernema carpocapsae. Diese parasitieren die im Boden versteckten Raupen und töten sie durch die Abgabe eines Toxins ab.

Weitere Tipps zur Bekämpfung

  • Bodenbearbeitung: Durch Bodenbearbeitung wird die Entwicklung der Erdraupen im Boden gestört.
  • Kulturschutznetze: Indem man das Gemüse mit Kulturschutznetzen abdeckt, wird die Eiablage der Eulenfalter verhindert.
  • Köder: Mischen Sie dafür Wasser, Zucker und Kleie in einer breiten Schale zu einem eher festen Brei und graben Sie die Schale bodenbündig in der Nähe der Pflanze ein.

Es gibt keinen hunderprozentigen Schutz gegen Erdraupen, da in Deutschland verschiedene Arten von Eulenfaltern vorkommen, die ihre Eier gerne auf Nutzpflanzen ablegen. Der beste Weg ist jedoch die Anlage eines naturnahen Gartens und eine abwechslungsreiche Fruchtfolge.

Übersicht: Häufige Raupenarten und ihre Merkmale
Art Größe Farbe Besondere Merkmale Nahrung
Kleiner Frostspanner 2-2,5 cm Helles Mattgrün Hellgelbe Streifen, bucklige Fortbewegung Laub- und Obstbäume
Kleiner Kohlweißling bis 2,5 cm Mattgrün Feiner gelber Streifen, haarig Kohl, Rauke, Raps
Schwalbenschwanz 4-4,5 cm Intensiv grün Schwarze Querstreifen, orangerote Punkte Dill, Möhre, Petersilie
Buchsbaumzünsler bis 5 cm Gelb- bis dunkelgrün Schwarze und weiße Streifen, schwarze Punkte Buchsbaum
Ligusterschwärmer 9-10 cm Leuchtend grün Weiße Schrägstreifen, gelb-schwarzes Analhorn Liguster, Flieder, Esche

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