Die Mode des 18. Jahrhunderts war geprägt von Extravaganz und Raffinesse, insbesondere in der Gestaltung von Frisuren. In dieser Epoche, die vom Rokoko-Stil beeinflusst war, entwickelten sich vielfältige und oft bizarre Haarmoden, die sowohl bei Damen als auch bei Herren Anklang fanden. Dieser Artikel widmet sich der Herkunft und Entwicklung einer besonderen Frisur, der sogenannten "Rattenschwanzfrisur", eingebettet in den Kontext des Rokoko und des 18. Jahrhunderts.
Porträt von Madame Sophie Arnould
Das Rokoko, ein Stil des 18. Jahrhunderts, kann als Fortsetzung und zugleich als Gegenentwurf zum Barock betrachtet werden. Im Gegensatz zum Barock bevorzugte das Rokoko bescheidenere Räume und kleinere Größen, was ihm den Beinamen "Einrichtungsstil" einbrachte. Dennoch war der Rokoko-Stil nicht weniger üppig, elegant und hell. Sanfte Farben wie blassrosa, hellblau und hellgrün prägten den Stil, zusammen mit frühlingshaften Motiven und der Darstellung ewiger Jugend und Liebe.
Das Rokoko war auch der Stil der letzten Jahre der französischen Monarchie, der vorrevolutionären Zeit. In den Palästen herrschte ein übertriebener Luxus, während es dem Volk an Nahrung und dem Nötigsten mangelte. Die Rokoko-Frisuren setzten teilweise die Traditionen des Barock fort, insbesondere in Bezug auf Perücken für Männer und hohe Frisuren für Frauen.
In den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts waren kleine Frisuren in Mode. Die "kleine pudrige" Frisur, auch bekannt als "Gräfin Kossel", bestand aus leicht gelocktem Haar, das um den Kopf gelegt wurde und einen glatten Nacken hatte. Auf Basis dieser Frisur entstand die "Polonaise"-Frisur, deren Urheberschaft der französischen Königin Maria Leszczynska zugeschrieben wird. Dekorationen wie Federn und Broschen waren obligatorische Elemente dieser Frisur.
Mitte des 18. Jahrhunderts trug man die Frisur "Tapi" - aufgeplusterte Locken, die hoch über die Stirn gelegt wurden. Ebenfalls in Mode waren Frisuren mit einer eiförmigen Silhouette. In den 60er und 70er Jahren des 18. Jahrhunderts kamen dann die hohen Frisuren auf. Diese wurden aus künstlichen Strähnen und dekorativen Elementen wie Figuren von Menschen, Tieren und Früchten gefertigt. Ein Beispiel hierfür ist die Fregattenfrisur, bei der ein ganzes Boot auf dem Kopf getragen wurde. Solche Frisuren wurden über lange Zeit gebaut und getragen, mit Pulver und Aromastoffen versehen, was oft zu Ungezieferbefall führte.
Marie Antoinette mit juwelenbesetzter Frisur
Die Frisur "ala Fountain" war besonders beliebt, vor allem bei Marie Antoinette. Eine Variante davon war die "fountain commodus" ("bequem"). Ebenfalls populär war die Frisur "a la Madame du Barry", benannt nach der Mätresse von König Ludwig XV. Sie bestand aus gekräuselten und gepuderten Haaren, die auf einem hohen Rahmen angeordnet waren.
Herrenfrisuren wurden hauptsächlich auf Perücken getragen. Im Gegensatz zu den Perücken des 17. Jahrhunderts waren die Perücken des 18. Jahrhunderts jedoch deutlich kleiner. Eine weit verbreitete Perücke war die "a la muton" ("unter dem Widder") mit feinen Dauerwellen. Man trug auch die Frisur "ke" ("Schwanz"), bei der das gekräuselte Haar nach hinten gekämmt und am Hinterkopf mit einem schwarzen Band zusammengebunden wurde. Anfangs wurde diese Frisur aus dem eigenen Haar gefertigt, später jedoch auf Perücken übertragen.
Eine andere Frisur war "a la burs", bei der der Haarschwanz in eine Tasche oder ein Etui aus schwarzem Samt gesteckt wurde, das eine viereckige Form hatte und mit Schleifen, Schnallen und Rüschen verziert war. Dabei blieben Haarsträhnen in der Nähe der Schläfen zurück, die als "Taubenflügel" bezeichnet wurden.
In den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts war die Frisur "a la katogan" ("Knoten") sehr beliebt. Dabei wurde das Haar an den Schläfen zu Bouclés oder Lockenmuscheln gekräuselt, während am Hinterkopf eine lange Strähne zu einem dicken Knoten zusammengebunden wurde, der einem Pferdeschwanz ähnelte.
Eine weitere Frisur war "a la budera" ("Rattenschwanz"). Hierbei wurde das Haar über der Stirn zu einem hohen Spinner gepeitscht, an den Schläfen zu Bouclés gekräuselt und mit Lederriemen und einem Moiréband fest um den Hinterkopf geschlungen.
Zudem gab es Frisuren mit Zöpfen, die mit einer Schleife gebunden wurden. Diese Zöpfe waren nicht lang und wurden "Schweineschwänze" genannt. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann England, die Mode für Herrenfrisuren stärker zu beeinflussen. Gleichzeitig wuchs das Interesse an der Antike, was sich auch in den Frisuren widerspiegelte.
Eine interessante Tatsache ist, dass im 18. Jahrhundert die Friseurakademie in Paris eröffnet wurde. Friseure wurden damals "Kuafer" genannt. Diese Entwicklung trug zur Professionalisierung des Friseurhandwerks bei und förderte die Kreativität und Innovation in der Frisurenmode.
| Frisur | Beschreibung |
|---|---|
| Kleine pudrige Frisur | Leicht gelocktes Haar um den Kopf, glatter Nacken |
| Polonaise | Variante der kleinen pudrigen Frisur mit Federn und Broschen |
| Tapi | Aufgeplusterte Locken über der Stirn |
| Fregattenfrisur | Hohe Frisur mit einem Boot als Dekoration |
| a la Madame du Barry | Gekräuselte und gepuderte Haare auf einem hohen Rahmen |
| a la muton | Perücke mit feinen Dauerwellen |
| ke (Schwanz) | Gekräuseltes Haar nach hinten gekämmt und mit Band zusammengebunden |
| a la burs | Haarschwanz in einer Samttasche mit Verzierungen |
| a la katogan (Knoten) | Gekräuseltes Haar mit Knoten am Hinterkopf |
| a la budera (Rattenschwanz) | Hochgepeitschtes Haar mit Bouclés und Lederriemen |
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