Rapunzel: Bedeutung und Interpretation des Märchens

Das Märchen von Rapunzel ist eine Geschichte über ein Mädchen mit außergewöhnlich langem Haar. Sie wird gewaltsam von ihren Eltern getrennt und von einer Zauberin gefangen gehalten. In einem hohen Turm ohne Tür wartet sie auf Rettung, die ihr ein Königssohn verspricht. Nach vielen Hindernissen leben die beiden glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

In Deutschland erschien „Rapunzel“ erstmals 1812 in der Kinder- und Hausmärchensammlung der Gebrüder Grimm. Im Folgenden werden wir uns die tiefere Bedeutung und die Symbole dieses Märchens genauer ansehen.

Die Handlung des Märchens

Es war einmal ein Paar, das sich sehnlichst ein Kind wünschte. Als die Frau schwanger wird, bekommt sie Appetit auf Rapunzeln aus dem Garten der Zauberin Frau Gothel. Ihr Mann stiehlt die Rapunzeln, wird erwischt und muss sein ungeborenes Kind der Zauberin versprechen.

Tatsächlich nimmt sie bereits kurz nach der Geburt das Mädchen mit sich, gibt ihm den Namen Rapunzel und sperrt es ab seinem zwölften Lebensjahr in einem abgelegenen Turm ein; zu diesem bekommt man nur Zutritt, wenn man unten „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ ausruft und sich schließlich an ihrem langen Zopf hinaufziehen lässt.

Irgendwann kommt ein Prinz vorbei und beobachtet zufällig die Zauberin bei dem Aufstieg in den Turm. Später ahmt er die Rufformel nach und gelangt auf diese Weise zu Rapunzel; wenig überraschend verlieben sich die beiden ineinander und treffen sich regelmäßig in dem hohen Gefängnis.

Rapunzel verrät ihr Geheimnis, woraufhin die Zauberin ihr die Haare abschneidet und sie in die Wüste verbannt. Der Prinz, der von diesen Entwicklungen nichts weiß, gelangt über den abgeschnittenen Zopf in den Turm, erkennt die fatale Wendung der Geschichte und stürzt sich hinunter, wobei er in einem Dornengestrüpp das Augenlicht verliert.

Blind irrt er durch das Land, bis er einmal Rapunzels Gesang vernimmt und auf diese Weise zu ihr gelangt. Zwei ihrer Tränen fallen dabei auf die Augen des Jünglings und wie durch ein Wunder erlangte er daraufhin sein Augenlicht zurück. Sogleich machte sich das Paar mit den Kindern auf den Weg in des Jünglings Königreich, wo die Familie mit großer Freude empfangen wurde. Hier lebten sie noch lange glücklich und vergnügt.

Symbole und ihre Bedeutung

Der Name Rapunzel und die Pflanze

Augenfällig ist natürlich der Name, den das Mädchen trägt und der von dem verhängnisvollen Diebstahl des Vaters herrührt. Welche Pflanze es denn nun genau ist, die den folgenschweren Handlungsablauf erst ins Rollen bringt, kann nicht mit abschließender Sicherheit gesagt werden; es handelt sich wohl entweder um einen Feldsalat oder aber um die Rapunzel-Glockenblume, die weithin lila leuchtet.

Das Haar

Nichts charakterisiert Rapunzel so sehr wie ihre langen, goldenen Haare. Hier kann das äußere Erscheinungsbild zugleich als Spiegelung des Inneren gedeutet werden: Rapunzels Schönheit harmoniert mit ihrem unschuldigen, makellosen Wesen; legendarischen Erzählungen zufolge saß im Haar ein Teil der menschlichen Seele (Junkerjürgen, Ralf: Haarfarben. Die Haare und unser Umgang mit ihnen sagt also viel über unsere Persönlichkeit aus; in diesem Kontext taucht eine seltene, psychische Störung auf, das sogenannte Rapunzel Syndrom: Junge Mädchen essen dabei (zwanghaft) ihre eigenen Haare, was schwere körperliche Folgen nach sich ziehen kann.

Diese Störung tritt in den allermeisten Fällen vor dem Erreichen des 20. Lebensjahres auf. Rapunzels langer Haarpracht kommt deshalb eine bedeutsame Rolle zu, denn sie stellt die einzige Brücke zwischen dem Innen- und dem Außenleben, dem Oben und Unten, dem Einzelwesen und der Welt dar.

Der Turm

Ein weiteres markantes Symbol des Rapunzel-Märchens ist der Turm. Als Rapunzel von Frau Gothel dort eingesperrt wird, ist sie zwölf Jahre alt, das heißt, sie steht am Anfang der Pubertät.

Durch das Auftauchen des Prinzen in diesem beschränkten Turmterrain wird Rapunzels Seelengefängnis gleichsam durchbrochen: Im Kontakt mit einem anderen menschlichen Individuum scheint das Mädchen maßgebliche Kompetenzen zu entwickeln, die es ihm erlauben, in der Folge, nachdem Rapunzel von der Zauberin verbannt worden ist, sich vergleichsweise selbstständig in der Welt durchzuschlagen.

Der Prinz

Auf die Rolle des Prinzen muss noch genauer eingegangen werden: Sein Eintritt in die Handlung fungiert als Motor der gesamten Erzählung. Was genau zwischen den beiden im Turm passiert, wird nicht explizit benannt.

Wenig subtil verrät Rapunzel hier quasi, dass sie schwanger ist. Demnach ist die anschließende Trennung von Rapunzel und dem Königssohn nicht nur folgerichtig, sondern notwendig, da beide ihren Reifungsprozess noch nicht abgeschlossen haben.

Interpretation des Märchens

Neben dem lehrenden pädagogischen Charakter der Volksmärchen werden diese in der heutigen Zeit sogar unter psychologischen Gesichtspunkten analysiert. Doch waren und bleiben Märchen stets ein wichtiger Aspekt der früheren und heutigen Kindheit.

Sie sind spannend, etwas gruselig und haben in den heutigen Versionen immer ein Happy End. In „Rapunzel“ zeigt sich, dass Liebe und Ausdauer selbst die schwierigsten Hindernisse überwinden können. Die Geschichte lehrt, dass wahre Liebe nicht nur in glücklichen Momenten besteht, sondern auch in der Fähigkeit, in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu stärken.

Zudem wird die Bedeutung von Mut und Hoffnung hervorgehoben, denn trotz zahlreicher Rückschläge geben Rapunzel und der Prinz niemals auf.

Moderne Adaptionen

Im Jahr 2010 kam mit „Rapunzel - Neu verföhnt“ eine Adaption in typischer Disney-Manier in die Kinos. Der Film greift zwar diverse Motive und Figuren des ursprünglichen Märchens auf, verwandelt es jedoch mehr in ein tollkühnes Abenteuer voller skurriler Gestalten.

Anders als im Märchen spielt sich der Großteil der Handlung außerhalb des Turms ab. Die Geschichte von dem Mädchen mit dem langen Haar, das von einer bösen Hexe in einem Turm eingesperrt wurde, ist vermutlich jedem Kind bekannt. Insbesondere weil Disney dieses, wie viele andere, Märchen durch einen Zeichentrickfilm in das Gedächtnis eingeprägt hat.

Historischer Hintergrund

Aber die Geschichte war nicht nur in Deutschland zu Lebzeiten der Grimms bekannt. Die älteste überlieferte Geschichte einer jungen Frau, welche ihre Haare als Leiter für ihren Liebhaber zur Verfügung stellt, geht bis auf die Persische Mythologie zurück.

Auch der Legendenschatz der griechischen Antike greift die Geschichte in „Danaë“ wieder auf. Und nicht zuletzt erscheint die Sage wieder in der christlichen Legende von St. Barbara.

Rapunzel, lass dein Haar herunter!

Dieses Märchen ist allseits bekannt. Allerdings habe ich es in dieser Form noch nie gelesen oder als Verfilmung gesehen. Denn bisher kannte ich nur Versionen, in denen die Zauberin Rapunzel und den Prinzen erwischt oder in denen sich das Mädchen verplappert hat.

Hier - bei Francesca DellÒrto - beginnt der Wendepunkt der Handlung, als Rapunzel die alte Zauberin Gothel fragt, warum ihr wohl ihre Kleider nicht mehr passen. Rapunzels Schwangerschaft mit Zwillingen wird nicht erst am Ende der Geschichte aufgedeckt, sondern ist ganz bewusst als Eskalationspunkt gewählt.

Genauso überraschend wie die feinen Nuancen der Handlung, sind auch die eindrucksvollen Illustrationen: Ganz fein und detailliert mit den Pflanzenzeichnungen, opulent mit den Panoramaklappbildern und eindrucksvoll mit den emotionalen - und doch fast maskenhaften -Gesichtern. Unser Vierjähriger würde sie „gruselig“ bezeichnen. Ich finde sie tragen unglaublich zu einer märchenhaften Atmosphäre bei.

Wundervoll ist übrigens auch das Cover mit Goldprägung.

Vorsicht vor Menschen mit Lilith komplex oder Rapunzel Syndrom. Lasse dich nicht aussaugen! 😱😭

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