Plötzlicher Haarausfall bei Männern: Ursachen und Lösungen

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das Männer jeden Alters betrifft. Wenn die Haare immer lichter werden und den Blick auf die Kopfhaut freigeben, ist das für Männer oft sehr belastend. Es gibt verschiedene Ursachen für Haarausfall bei Männern, von genetischen Faktoren bis hin zu bestimmten Erkrankungen. In diesem Artikel werden die häufigsten Ursachen für plötzlichen Haarausfall bei Männern sowie mögliche Behandlungen und Präventionsmaßnahmen erläutert.

Norwood-Hamilton-Skala zur Einordnung des erblich bedingten Haarausfalls bei Männern

Häufige Ursachen für Haarausfall bei Männern

1. Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie)

Der erblich bedingte Haarausfall, auch als androgenetische Alopezie bekannt, ist die mit Abstand häufigste Form des Haarverlusts bei Männern. Hierbei wird der Haarausfall von Generation zu Generation weitergegeben. Man sieht oft ähnliche Muster des Haarverlusts bei Vätern und Großvätern. Diese Art des Haarausfalls wird hauptsächlich über die Gene der Mutter weitergegeben.

Klassischerweise kommt es dabei zur Bildung von „Geheimratsecken“ oder dem Verlust von Haaren im Oberkopfbereich bis hin zu einer Halbglatze. Fest steht jedoch, dass das Haar dabei im Laufe des Lebens plötzlich sehr sensibel auf Testosteron und das zugehörige Stoffwechselprodukt 5alpha-Dihydrotestosteron (DHT) reagiert. Dihydrotestosteron verkürzt den Lebenszyklus des Haares, es fällt eher aus und wächst dünner nach. Im weiteren Verlauf verkümmert die Haarwurzel - sie ist dann nicht mehr in der Lage, ein neues Haar zu bilden.

2. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata)

Bilden sich kreisrunde haarfreie Stellen auf dem Kopf, kann es sich um kreisrunden Haarausfall handeln. Bei kreisrundem Haarausfall, in der Fachsprache als Alopecia areata bezeichnet, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile. Die Ursache dafür ist noch nicht eindeutig geklärt. Die lichten Areale entstehen dadurch, dass sich das Immunsystem gegen die Haarfollikel richtet. Kreisrunder Haarausfall kann bei einer besonders starken Ausprägung auch zu einem vollkommenen Haarverlust führen.

Die Alopecia areata (AA) tritt zu 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich auf. Bei Männern kann zusätzlich der Bartwuchs betroffen sein. Der entzündliche Haarausfall beginnt häufig im Kindes- und jungen Erwachsenalter, kann aber prinzipiell in jedem Alter auftreten. Im Gegensatz zum anlagebedingten Haarausfall kann der kreisrunde Haarverlust auch die Körperbehaarung betreffen - bilden sich vereinzelt kahle Stellen, beispielsweise im Bart, suchen Männer am besten einen Dermatologen oder eine Dermatologin auf.

Formen des kreisrunden Haarausfalls:

  • Alopecia areata: Kreisartiger Haarausfall. Wimpern, Augenbrauen und restliche Körperbehaarung meist normal vorhanden.
  • Alopecia ophiasis: Kranzartiges Fehlen der Haare im Ohren- und Nackenbereich. Augenbrauen, Haare oben und seitlich am Kopf sowie die restliche Körperbehaarung sind nicht betroffen.
  • Alopecia totalis: Fehlen der gesamten Kopfbehaarung, inklusive Augenbrauen und Wimpern. Diese Form tritt eher selten auf.
  • Alopecia universalis: Komplette Körperbehaarung fällt aus, inklusive Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare.

Typische Symptome des kreisrunden Haarausfalls

Die AA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die körpereigenen Immunzellen gegen die Strukturen der Haarwurzel richten und Antikörper bilden. Als Folge der fehlgesteuerten Immunreaktion entzünden sich die Haarwurzeln, wodurch die Haare nicht mehr richtig wachsen und es zum kreisrunden Haarausfall kommt. Auch genetische Faktoren scheinen den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.

3. Diffuser Haarausfall

Beim diffusen Haarausfall kommt es zu einem schnellen und gleichmäßigen Haarverlust über den gesamten Kopf hinweg. Diese Art des Haarausfalls kann durch verschiedene Faktoren wie die Einnahme bestimmter Medikamente, Strahlentherapie, Stoffwechselstörungen, Nährstoffmangel oder Schilddrüsenprobleme ausgelöst werden. Diffuser Haarausfall ist oft eine Reaktion des Körpers auf Stress oder gesundheitliche Probleme.

4. Stress

Hoher Leistungsdruck und Stress im Alltag, sei es beruflich oder privat, können ebenfalls zu Haarausfall führen. Stress kann die Haarwurzeln schwächen und zu vorzeitigem Haarverlust führen. Wer langanhaltend großen Stress verspürt, kann dadurch Haarausfall provozieren. Auch emotionaler Stress, wie eine Scheidung oder der Tod eines geliebten Menschen, kann vorübergehend zu Haarausfall führen.

5. Falsche Haarpflege

Zu heißes Wasser, heiße Föhnluft, aggressive Shampoos, reibende Mützen, grobe Kämme und Bürsten. Auch dieser physische Stress im Rahmen des Stylings und die falsche Haarpflege können Ursachen für den Haarausfall bei Männern sein.

6. Weitere Ursachen

Neben den genannten Ursachen können auch weitere Faktoren zu Haarausfall bei Männern führen:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Hormonelle Überempfindlichkeit
  • Mangelernährung
  • Medikamente, z. B. Chemotherapie
  • Schilddrüsenprobleme
  • Jahreszeitenwechsel

Diese vielfältigen Ursachen zeigen, dass Haarausfall bei Männern durch eine Kombination aus genetischen, körperlichen und emotionalen Faktoren ausgelöst werden kann.

Diagnose von Haarausfall

In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen - für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus. Zunächst schaue ich mir die Haare am Kopf, im Gesicht und an Körper an, danach untersuche ich die Kopfhaut genauer. Um die genaue Ursache des Haarausfalls zu bestimmen, führt der Arzt in der Regel folgende Untersuchungen durch:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und möglicher Auslöser.
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung der Kopfhaut und des Verteilungsmusters der Haare.
  • Blutuntersuchung: Überprüfung der Eisen-, Zink- und Schilddrüsenwerte.
  • Epilationstest: Prüfung, wie leicht sich Haare ausreißen lassen.
  • Trichogramm: Mikroskopische Untersuchung der Haarwurzeln.
  • Biopsie: Entnahme und Untersuchung einer Kopfhautprobe.

Behandlungsmöglichkeiten bei Haarausfall

Die Behandlung einer Alopecia areata ist nicht immer einfach und von verschiedenen Faktoren, wie der Ausprägung der Erkrankung sowie Begleitdiagnosen abhängig. Es gibt verschiedene wirksame Mittel, die Männer bei Haarausfall anwenden können. Die evidenzbasierte (S3)-Leitlinie zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern empfiehlt die Wirkstoffe Minoxidil und Finasterid.

Um den Haarausfall aufzuhalten, müssen Sie Ihre Haare sehr sorgfältig behandeln:

  • Konsultieren Sie einen Dermatologen, um die genaue Ursache des Haarausfalls zu bestimmen und die passende Behandlung zu wählen.
  • Vermeiden Sie aggressives Bürsten und zu straffe Frisuren, die an der Haarwurzel ziehen und das Haar schädigen können.
  • Verwenden Sie milde Shampoos und Pflegemittel, um die Kopfhaut gesund zu halten und Haarbruch zu verhindern.
  • Vermeiden Sie heiße Haarbehandlungen wie Föhnen oder chemische Behandlungen, die das Haar schwächen und Haarausfall verursachen können.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Zink und B-Vitaminen ist, um die Gesundheit der Haarwurzeln zu unterstützen.
  • Reduzieren Sie Stress durch regelmäßige Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training, um den negativen Einfluss von Stress auf das Haarwachstum zu minimieren.
  • Massieren Sie täglich Ihre Kopfhaut für etwa zwei Minuten, um die Durchblutung zu fördern und die Nährstoffversorgung der Haarwurzeln zu verbessern.

Medikamentöse Behandlungen

Wenn der Haarausfall trotz der genannten Gegenmaßnahmen weiter fortschreitet, besprechen Sie mit Ihrem Arzt rezeptfreie und verschreibungspflichtige Medikamente.

  • Minoxidil: In fünfprozentiger Lösung oder als Schaum kann er, zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen, Haare leicht nachwachsen lassen und den Verlauf des Haarausfalls abmildern.
  • Finasterid: Einmal täglich als Tablette eingenommen, kann dieser Wirkstoff den Haarausfall über längere Zeit stabilisieren.
  • Kortison: Da es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, beobachten wir oft eine Verbesserung unter Kortison. Diese Form der lokalen Therapie kann Betroffenen durchaus helfen und die Haare wieder wachsen lassen.
  • Jakunkinase (JAK) Inhibitoren: Können als Entzündungshemmer entzündliche Prozesse unterdrücken, wodurch es wieder zum Haarwachstum kommen kann. Der Wirkstoff Baricitinib ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung der Alopecia areata.

Es gibt wenige wirksame Mittel, die Männer bei Haarausfall anwenden können. Doch bei beiden Substanzen gibt es keine Wirkgarantie. Außerdem können Männer bei akuten Schüben vom anlagebedingten Haarausfall trotz der Anwendung Haare verlieren. Nebenwirkungen wie Kopfhautreizungen oder Verlust des sexuellen Antriebs sind je nach Wirkstoff ebenfalls möglich.

Weitere Optionen

  • Haartransplantation: Bei fortgeschrittenem Haarausfall kann eine Haartransplantation für viele Männer eine dauerhafte Lösung bieten. Hierbei werden gesunde Haarfollikel in kahlen Bereiche verpflanzt.
  • Haarersatzteile oder Halbperücken: Diese können in einem Haarstudio individuell auf den Kopf angepasst werden.
  • Microneedling: Studien belegen, dass Microneedling die Wirksamkeit von haarwachstumsstimulierenden Mitteln erhöht. Die Ergebnisse unterstützen die Verwendung von Dermarollern zur Behandlung von Haarausfall.
  • Platelet-Rich Plasma (PRP): Manche Therapeuten bieten diese, auch als Eigenbluttherapie bezeichnete, Behandlung zur Förderung des Haarwachstums an. Dabei wird Plasma aus Ihrem eigenen Blut in die Kopfhaut injiziert.

Haarausfall bei Männern: Häufigkeit, Arten, Ursachen

Vorbeugung von Haarausfall

Dem anlagebedingten Haarausfall können Männer weder mithilfe von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln noch Shampoos oder Tinkturen auf Kräuterbasis vorbeugen - schließlich bestimmt die Genetik darüber, wann das Haar ausfällt. Eine gesunde Ernährung ist aber in jedem Fall empfehlenswert, um der Haarwurzel genügend Nährstoffe für ein gutes Wachstum zu liefern. Erfahrungen zeigen, dass Crashdiäten oder sehr einseitige Ernährungsweisen tatsächlich einen diffusen Haarverlust provozieren können.

Wichtige Aspekte zur Vorbeugung von Haarausfall:

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Zink und B-Vitaminen.
  • Sanfte Haarpflege: Vermeiden Sie aggressive Shampoos und Stylingprodukte.
  • Stressreduktion: Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Erholung.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist völlig normal, dass sich die Haarstruktur und die Haardichte im Alter verändern. Der anlagebedingte Haarverlust ist auch in jungen Jahren nicht selten und stellt keine Erkrankung dar. Rötungen, Juckreiz, andere Veränderungen an der Kopfhaut oder fleckenartige Haaraussparungen lassen Betroffene aber am besten von einem Dermatologen oder einer Dermatologin abklären.

Fazit

Haarausfall bei Männern kann verschiedene Ursachen haben, wobei der erblich bedingte Haarausfall die häufigste Form darstellt. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um den Haarverlust zu verlangsamen oder zu stoppen. Neben medikamentösen Behandlungen und ästhetischen Optionen können auch eine gesunde Lebensweise und die richtige Haarpflege dazu beitragen, die Haargesundheit zu verbessern.

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