Playmobil Figuren mit roten Haaren: Eine Reise durch 50 Jahre Spielgeschichte

Punkt, Punkt, gebogener Strich - fertig ist das Gesicht, dazu obendrauf Zick-Zack-Haare. Würde man ein Kind eine Spielzeugfigur entwerfen lassen, würde diese wahrscheinlich ähnlich aussehen. Vor 50 Jahren kamen die ersten dieser Spielzeugfiguren auf den Markt und eroberten in den nächsten Jahrzehnten die Kinderzimmer in vielen Ländern weltweit. Wer mit Playmobil groß geworden ist, hat inzwischen meist selbst Kinder, die ebenfalls damit spielen oder gespielt haben.

Verschiedene Playmobil Figuren und Sets.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Ein 7,5 Zentimeter großer Ritter, ein Bauarbeiter und ein Indianer - das waren die ersten Figuren, die der Spielzeugproduzent Horst Brandstätter am 2. Februar 1974 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vorstellte. Genau dort feiert die Spielzeugmarke aus dem mittelfränkischen Zirndorf das runde Jubiläum. Bereits 1971 hatte Entwickler Hans Beck die Idee für die ersten Playmobil-Figuren.

Zu den ersten Playmobil-Männern gesellten sich bald Frauen, Kinder und Tiere. Es entstanden ganze Themenwelten wie Ritterburg, Bauernhof oder Piratenschiff, die sich erweitern und kombinieren ließen. „Es war perfekt durchkomponiert, das hatte etwas verblüffend Neues“, sagt Karin Falkenberg vom Spielzeugmuseum in Nürnberg. „Neu war auch die Alltagsbezogenheit“, sagt die Expertin. Man könne die Arme der Figuren bewegen, diese auf Stühle oder in Fahrzeuge setzen, ihnen Schals umlegen und diesen etwas in die Hände stecken.

Die Vielfalt der Playmobil-Figuren

Mit der Zeit wurden die Figuren diverser mit verschiedenen Frisuren, Haut- und Augenfarben, zum Teil kamen Wimpern oder rote Wangen dazu. Auch die Themenspanne wurde größer: Heute bevölkern unter anderem Feen, Pferde mit kämmbaren Haaren, Dinos und Ninja-Kämpfer die Playmobil-Welt. Jahrzehntelang blieb der Gesichtsausdruck der Figuren dagegen immer derselbe: ein freundliches Lächeln. Selbst fiese Piraten und böse Krieger blickten bei Playmobil gut gelaunt drein.

Die Rolle der Haarfarbe

Innerhalb der Playmobil-Welt spielen auch Details wie die Haarfarbe eine Rolle. Rote Haare können eine Figur besonders hervorheben und ihr einen einzigartigen Charakter verleihen. In Online-Foren tauschen sich Playmobil-Fans darüber aus, wie man an bestimmte Haarfarben und Frisuren gelangt, um ihre Figuren individuell zu gestalten. So gibt es beispielsweise Anfragen, ob man beim Playmobil-Direktservice lose Haare bestellen kann, um Figuren aus vergangenen Epochen nachzubilden.

Hier ist eine Übersicht von Perücken, die im September 2007 bestellt wurden:

Bestellnummer
30244050
30243750
30243710
30220580
30255600
30059710
30078690
30078600
30217370
30240550
30205150
30032180
30223850

Herausforderungen und Neuausrichtung

Trotz des Erfolgs lief es zuletzt nicht mehr so gut für die Traditionsmarke. Der Mutterkonzern, die Horst Brandstätter Group, streicht nach zwei wirtschaftlich schwierigen Jahren mit Einbußen bei Umsatz und Gewinn 700 Stellen weltweit. Offen spricht Kurter dagegen über die Probleme von Playmobil, die aus seiner Sicht zum Teil hausgemacht sind. In den vergangenen Jahren sei die ursprüngliche Zielgruppe der vier bis zehn Jahre alten Kinder um ein Drittel geschrumpft, weil sich die älteren zunehmend mit digitalen Medien beschäftigten, sagt er. Man habe aber versucht, diese neuen Probleme mit alten Konzepten zu beheben.

Mit einer Neuausrichtung begann auch die Geschichte von Playmobil: Einst stellte der Spielzeugproduzent Horst Brandstätter Hula-Hoop-Reifen, Trettraktoren und andere große Kunststoff-Artikel her.

„Die Zeit, in der Kinder hemmungslos mit Spielzeug spielen, wird immer kürzer“, sagt Falkenberg. Das Credo vieler Hersteller lautet deshalb: Zielgruppe erweitern. Dabei nehmen sie inzwischen sogar Jugendliche und Erwachsene in den Blick, die eigentlich längst aus dem Spielalter heraus sein sollten. Der dänische Weltmarktführer Lego macht das schon länger erfolgreich. Sets mit vielen Tausend Steinen, mit denen man zum Beispiel die Titanic oder den Eiffelturm nachbauen kann, richten sich gezielt an die Altersgruppe 18+. Dazu kommen erfolgreiche Lizenzen wie „Star Wars“ und „Harry Potter“.

Lego sei vor 20 Jahren vor einem Scheidepunkt gewesen wie jetzt Playmobil, sagt Kurter. Welche das sind, kann Spielwarenhändler Matthias Wiedmann aus dem baden-württembergischen Backnang aus der Praxis beantworten. „Ich denke, dass die klassischen Themen die Stärke von Playmobil sind.“ Das merke er auch an der Reaktion der Kundinnen und Kunden in den 15 Geschäften, die die Familie Wiedmann nördlich von Stuttgart betreibt.

Den Playmobil-Rekord allerdings hält eine Sonderfigur: Martin Luther verkaufte sich bisher 1,2 Millionen Mal weltweit. Und an diesen Erfolg will Kurter anknüpfen. Künftig werde es Sammelfiguren von verschiedenen Prominenten geben, sagt er. Welche, wollte er noch nicht verraten.

Playmobil und gesellschaftliche Themen

Die Diskussionen in Online-Foren zeigen, dass Playmobil-Figuren auch Anlass für Gespräche über gesellschaftliche Themen wie Rassismus bieten können. Wenn Kinder beispielsweise eine dunkelhäutige Playmobil-Figur ablehnen, kann dies ein Anstoß sein, über Vielfalt und Akzeptanz zu sprechen. Es ist wichtig, Kindern zu vermitteln, dass alle Menschen unterschiedlich sind und dass Äußerlichkeiten kein Grund sein dürfen, jemanden auszuschließen.

Playmobil Figuren in verschiedenen Ausführungen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Kinder in jungen Jahren möglicherweise noch kein ausgeprägtes Bewusstsein für solche Themen haben und ihre Vorlieben auf anderen Faktoren beruhen können. Es ist jedoch eine Gelegenheit, ihnen positive Werte zu vermitteln und sie für die Vielfalt der Welt zu sensibilisieren.

50 Jahre Playmobil | BR24

tags: #playmobil #rote #haare #figuren

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