Viele Dinge ändern sich während der Schwangerschaft. Es gibt Einschränkungen bei Sportarten und Lebensmitteln, und generell ist mehr Vorsicht geboten. Viele Frauen fragen sich, ob das Haarefärben oder Blondieren während der Schwangerschaft erlaubt ist und ob es Alternativen gibt. Dieser Artikel beleuchtet die Thematik umfassend.
Haare lassen sich dauerhaft nur mit chemischen Mitteln, den sogenannten Oxidationshaarfarben, kolorieren. Dabei wird die äußere Schicht des Haares, die sogenannte Schuppenschicht, aufgebrochen, so dass die Farbe tief in die Haarstruktur eindringen kann. Eine chemische Reaktion führt anschließend dazu, dass sich der Farbstoff fest mit dem Haarprotein (Kreatin) verbindet und auch nicht mehr ausgewaschen werden kann.
Anders verhält es sich beim Tönen. Hier wird die Farbe lediglich von der Haaroberfläche aufgenommen. Beim Bleichen oder Blondieren hingegen werden die Farbpigmente des Haares mithilfe von Peroxiden zerstört und das Haar somit aufgehellt. Beständiges Färben mit chemischen Mitteln kann das Haar auf Dauer schädigen. Darüber hinaus kommen viele Haarfärbemittel nicht ohne Ammoniak aus, was die Haarwurzel angreifen kann. Gerade in der Schwangerschaft möchten die meisten Frauen den Kontakt mit Schadstoffen weitestgehend vermeiden.
Beim Färben der Haare können die chemischen Substanzen über die Kopfhaut in den Blutkreislauf gelangen. Wenn große Mengen aufgenommen werden, könnten diese schädlich für den Körper werden. Eine hohe Konzentration an Schadstoffen wird jedoch bei den handelsüblichen Mitteln zum Haarefärben in der Regel nicht erreicht. Darüber hinaus unterliegen kosmetische Produkte in Deutschland einer strengen Kontrolle. Sie werden getestet und landen erst dann im Regal der Supermärkte und beim Friseur, wenn sie gesundheitlich als unbedenklich eingestuft wurden.
Dennoch werden bestimmte Inhaltsstoffe (z.B. aromatische Amine, wie PPD) von einigen Fachleuten kontrovers diskutiert: während Einige sie kritisch beurteilen, halten Andere sie für unbedenklich. Unabhängig von dieser Diskussion weiß man jedoch, dass chemische Haarfärbemittel in einigen Fällen beim Benutzer (nicht beim Baby) zu Hautreizungen und Allergien führen können.
Bisher liegen keine klinischen Beweise oder Studien dazu vor, dass das Färben der Haare in der Schwangerschaft einen negativen Effekt auf die Entwicklung des ungeborenen Babys oder den allgemeinen Verlauf der Schwangerschaft hat. In den meisten Fällen wird das Färben der Haare während dieser Zeit daher als nicht gefährlich eingestuft. Gerade beim Färben von Strähnchen gibt es die wenigsten Bedenken, da die Haarfarbe in der Regel nicht mit der Kopfhaut in Berührung kommt.
Wenn Du aber lieber auf Nummer sichergehen möchtest, verzichtest Du vor allem in der sensiblen Phase der frühen Schwangerschaft (bis zur 12. SSW) auf das Färben der Haare bzw. hältst im Zweifel Rücksprache mit Deinem Arzt bzw. Deiner Ärztin, wenn Du Dir in der Schwangerschaft die Haare, Augenbrauen oder Wimpern färben möchtest.
Frauenärzte empfehlen daher, vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft (1. Trimester) auf das Färben der Haare zu verzichten. Im 2. und 3. Trimester ist das Ungeborene in der Regel weniger anfällig dafür, in seiner Entwicklung durch Chemikalien geschädigt zu werden.
Ab wann und ob Schwangere überhaupt ihre Haare färben sollten, klären Sie am besten mit Ihrem Gynäkologen oder Ihrer Gynäkologin ab.
Japanische Forschungsdaten von mehr als 77.300 Menschen zeigen jedoch auch: Kinder von Frauen, die sich während der Schwangerschaft sehr oft selbst die Haare färbten, litten im Kleinkindalter häufiger an allergischer Rhinitis (wie Heuschnupfen).
Generell haben die Inhaltsstoffe insbesondere von dauerhaften Colorationen ein hohes Allergiepotenzial. Für schwangere Frauen sind allergische Reaktionen unter Umständen besonders gefährlich, weil gängige Allergiemedikamente während der Schwangerschaft oft nicht infrage kommen.
Allergische Reaktionen äußern sich beispielsweise als Hautrötung, Juckreiz und Schwellung (Kontaktekzem). Es ist nicht ratsam, das Färbemittel vor der Anwendung an einer kleinen Hautstelle zu testen, obwohl viele Hersteller genau das empfehlen. Laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann ein solcher Selbsttest das Allergierisiko zusätzlich erhöhen. Bei Fragen oder Bedenken sollten Sie sich an eine dermatologische Praxis wenden, bevor Sie Ihre Haare färben.
Der strenge Geruch von Ammoniak und den Bleichmittel in den Haarfarben kann für einige Frauen, besonders zu Beginn der Schwangerschaft, sehr unangenehm sein oder sogar zu Übelkeit führen. Neben den Bedenken gegenüber chemischen Zusätzen des Färbemittels könnte auch dies ein Grund dafür sein, sich nach einer Alternative zu den herkömmlichen Produkten umzusehen.
Im Gegensatz zu einer dauerhaften Farbe haftet sich eine Intensivtönung oder Schaumtönung nur an die äußere Hülle und dringt nicht in das Haar ein. Es ist eine sogenannte semipermanente Haarfarbe, die nach acht bis zehn Haarwäschen merklich verblasst und sich schließlich ganz auswäscht. Wenn die Tönung langsam nachlässt, könntest Du Deine Haare mit einem Glossing behandeln. Dies ist keine Tönung, sondern ein Mittel zur Veredelung Deiner Haarfarbe. Nach der Behandlung glänzt das Haar und die Farbe wirkt wieder frischer.
Wer in der Schwangerschaft ganz und gar auf Chemie verzichten möchte, für den kommt auch eine Tönung nicht in Frage, denn auch diese Produkte enthalten chemische Zusätze, wenn auch in einem sehr viel geringeren Maße, als es beim Haarefärben üblich ist.
Das pflanzliche Färbemittel Henna könnte in der Schwangerschaft eine Alternative zum Kolorieren sein, da es vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als gesundheitlich unbedenklich eingestuft wird. Der Begriff „Naturhaarfarbe“ oder „Pflanzenhaarfarbe“ ist allerdings nicht geschützt. Es könnte daher sein, dass ein Produkt weniger natürlich ist, als Du es Dir vielleicht wünscht und mit chemischen Substanzen versehen wurde. Um die Farbe zum Beispiel dunkler oder intensiver zu machen, werden den Haarfarben manchmal Zusätze beigemischt. Henna kann, je nach Herkunftsland und Anbaugebiet, außerdem Spuren von Pestiziden enthalten. Achte daher beim Kauf von Naturhaarfärbemitteln auf die Inhaltsstoffe. Sollte ein Produkt keine Liste der Inhaltsstoffe angeben, ist Vorsicht geboten. Viele Naturkosmetik-Produkte sind aber zertifiziert und Du kannst ruhigen Gewissens in der Schwangerschaft damit Deine Haare färben.
Henna gibt es in verschiedenen Farben. Allerdings ist damit ein echtes Aufhellen bzw. Blondieren dunkler Haare nicht möglich.
Die Hormonumstellung bewirkt, dass Dein Haar in der Schwangerschaft üppiger wirkt als vorher. Du verlierst weniger Haare als sonst und das lässt Dein Haar besonders kräftig erscheinen. Für viele Frauen ist dies schon eine gewisse Schönheitskur und ein Grund, um auf das Haarefärben zu verzichten. Können Deine Haare trotzdem etwas mehr Farbe gebrauchen?
Ob Schaumtönung, Henna, Kamille, Zitrone oder Zwiebelschalen: Mit einer Tönung oder einem natürlichen Haarfärbemittel wirst Du zwar nie dasselbe Ergebnis erzielen, wie mit chemischen permanenten Haarfarben.
Wenn Sie nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu Färbemitteln greifen möchten, können Sie einiges tun, um die Sicherheit für Mutter und Kind zu erhöhen.
Es gibt drei Arten von Haarfärbemitteln:
Welche Haarfarbe Frauen in der Schwangerschaft wählen, hängt also auch davon ab, ob sie ein dauerhaftes Farbergebnis erzielen möchten oder lieber auf ein auswaschbares Produkt setzen. Viele Haarfarben gibt es auch ohne Ammoniak, das - unabhängig von einer Schwangerschaft - die Atemwege reizen kann.
Naturhaarfarben färben das Haar mithilfe pflanzlicher Inhaltsstoffe. Auch erstes Grau lässt sich damit abdecken. Pflanzliche Haarfarben haben jedoch ihre Grenzen: Sie dunkeln Haare nur um etwa eine Stufe ab. Eine Blondierung oder Aufhellung ist nicht möglich, da hierfür ausschließlich chemische Oxidationshaarfarben infrage kommen.
Rein pflanzliche Haarfarben aus Henna oder Indigo gelten auch in der Schwangerschaft als sicher. Eine Zeit lang stand das in Henna enthaltene Pigment Lawson zwar unter Verdacht, das Erbgut zu schädigen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam nach Auswertung der Studien aber zu dem Ergebnis, dass „nach heutigem Wissen kein erbgutschädigendes Risiko“ besteht.
Pflanzenhaarfarben haben ein geringeres Allergiepotenzial als chemische Oxidationshaarfarben. Eine allergische Reaktion kann trotzdem nicht ausgeschlossen werden.
Haarfarben müssen strengen Vorgaben entsprechen, um in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassen zu werden. Produkte ohne Zulassung sind trotzdem oft erhältlich -zum Beispiel über das Internet.
Sowohl chemische als auch pflanzliche Haarfarben von Herstellern außerhalb Europas und der Schweiz können dann gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. So warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung etwa vor Henna-Haarfärbemittel aus Asia-Shops, die mitunter PPD ohne Kupplersubstanzen enthalten. Sie stellen eine erhebliche Gesundheitsgefährdung dar.
Auch Haarglättungsmittel ohne EU-Zulassung enthalten möglicherweise riskante Substanzen, etwa Formaldehyd, das Augen, Haut und Schleimhäute stark reizen kann, hochallergen und Krebs erzeugend ist. Durch die Behandlung mit dem heißen Glätteisen werden die giftigen Dämpfe dann eingeatmet. In der EU wie auch in der Schweiz ist Formaldehyd in Haarglättungsmitteln nicht zugelassen.
| Art der Haarfarbe | Dauer | Inhaltsstoffe | Geeignet für Schwangerschaft? |
|---|---|---|---|
| Temporäre Färbemittel | 1-2 Haarwäschen | Natürliche Farbstoffe | Ja |
| Semipermanente Färbemittel (Tönungen) | 8-10 Haarwäschen | Chemische Zusätze in geringer Menge | Eingeschränkt (2. Trimester empfohlen) |
| Permanente Färbemittel (Oxidationshaarfarben) | Dauerhaft | Aromatische Amine, Wasserstoffperoxid | Nein (besonders im 1. Trimester vermeiden) |
| Pflanzliche Haarfarben (Henna, Indigo) | Variabel | Pflanzliche Inhaltsstoffe | Ja (auf Zertifizierung achten) |
Diese Tabelle bietet einen schnellen Überblick über die verschiedenen Arten von Haarfarben und ihre Eignung während der Schwangerschaft.
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