Warum haben Afrikaner krauses Haar? Eine umfassende Betrachtung

Die Frage nach den Ursachen und der Bedeutung von krausem Haar, insbesondere bei Menschen afrikanischer Abstammung, ist ein vielschichtiges Thema, das sowohl biologische, kulturelle als auch soziale Aspekte umfasst. In den USA und weltweit ist das Haar schwarzer Frauen seit langem ein besonders heikles Thema, das weit über ästhetische Fragen hinausgeht.

Die kulturelle Bedeutung von Afrohaaren

Über Generationen wurde schwarzen Frauen eingetrichtert, dass ihre naturkrausen Haare nicht schön seien. So zeigte auch eine aktuelle Umfrage der Körperpflege-Firma Dove: In den USA werden natürliche Haare von Afroamerikanerinnen 3,5 Mal häufiger als unprofessionell empfunden als die Frisuren weißer Frauen. In einer weiteren Befragung gaben 80 Prozent aller schwarzen Amerikanerinnen an, ihre Haare ändern zu müssen, um im Job akzeptiert zu werden. Für Glättungsbehandlungen, Styling und künstliche Haare bezahlen schwarze Frauen häufig ein Vermögen: Laut einem Bericht des Meinungsforschungsinstituts Nielsen geben sie neun Mal mehr Geld für ihre Frisuren aus als weiße Amerikanerinnen - obwohl das durchschnittliche Einkommen von Schwarzen deutlich unter dem von weißen Frauen liegt. Tatsächlich bekunden viele Schwarze in den USA schon von klein auf große Unzufriedenheit mit ihren Haaren.

Der von Will Smith geohrfeigte Chris Rock produzierte selbst mit „Good Hair“ einen Doku-Film zu diesem Thema.

Zwischen Tradition und Selbstliebe: Schönheitsdruck im Iran und Brasilien | Wir & Ihr | DW Doku

Unzählige schwarze Frauen erzählen darin über den täglichen Kampf mit ihren Frisuren: über traumatische, chemische Treatments, die ihnen stets aufs Neue die Kopfhaut verbrennen, über Mütter und Großmütter, die sich nie ohne Perücke oder Weaves vor die Tür wagten - und über Schönheitsideale, gegen die sie sich schlicht machtlos fühlen.

Diskriminierung und Akzeptanz

Entsprechend euphorisch wurde in der schwarzen Community erst vergangenen Monat ein Gesetzentwurf gefeiert, der Diskriminierungen natürlicher Afro-Frisuren in Schulen und am Arbeitsplatz verbieten soll. Und US-Medien schenkten Diskriminierungserfahrungen mehr Aufmerksamkeit: 2017 mussten zwei schwarze Schülerinnen in Massachusetts nachsitzen, weil ihre Afrozopf-Frisuren gegen die Schulregeln verstießen. Ein schwarzer Teenager aus New Jersey durfte 2018 erst an einem Sportwettkampf teilnehmen, nachdem er sich auf Rat eines weißen Schiedsrichters hin die Haare abschnitt. 2020 verwies die Barber High School einen Jugendlichen wegen seiner Dreadlocks von der Schule - und in San Diego wollte eine Event-Agentur einen Bewerber nur unter der Bedingung einstellen, dass er seine Naturkrause schneiden ließe.

Die Wissenschaft hinter krausem Haar

In welcher Form das Haar dann allerdings aus der Kopfhaut herauswächst - also ob glatt, wellig oder lockig -, wird vererbt. Die genauen Umstände sind hier noch nicht abschließend geklärt, aber eine Studie von 2009 legt nahe, dass das Trichohyalin-Gen TCHH dabei eine Rolle spielt. Das Gen kodiert die Bildung des gleichnamigen Proteins Trichohyalin und dieses wiederrum kräftigt das Haar und lässt es glatt werden. Abseits dieser Erkenntnis hat sich die Haar-Forschung allerdings meist glatten Haaren gewidmet, die zumindest in Europa und Asien der vorherrschende Haartyp sind - und quasi als Standard gelten.

Eine aktuelle Studie könnte endlich dabei helfen, Lockenpflege auf eine ähnlich fundierte wissenschaftliche Basis zu stellen wie die Pflege glatter Haare. Untersucht wurden die Haare in Gaines‘ Studie auf mechanische Eigenschaften wie beispielsweise das Stretch-Verhältnis. Dieser Parameter beschreibt, wie viel Kraft nötig ist, um einen Haarstrang zu entrollen, bis er gerade ist. Dieser Wert liegt bei 0.8 für welliges, bei 1.1 für "kinky" (dt. kräuselig) und bei 1.4 für lockiges Haar.

Die vorläufigen Ergebnisse der Studie von Gaines zeigen, dass bei lockigem Haar die Kutikula-Schichten größer und weiter voneinander entfernt sind, als bei glattem Haar. Diese Erkenntnis könnte dabei helfen, zu erklären, warum lockige Haare mitunter schneller austrocknen als glatte Haare.

Haartypen und ihre Eigenschaften

Afro Haare werden in unterschiedliche Haarstrukturen unterteilt. Bevor Du Dich nach Pflegeprodukten umsiehst, ist es wichtig, Deine Haare einem der Haartypen zuzuordnen. Nur so kannst Du die Pflege entsprechend auf die Bedürfnisse der Haare abstimmen. Die Untergliederung setzt sich aus Zahlen zusammen, die Hinweise auf die Textur geben und Buchstaben je Zahl von a bis c, welche die Lockengröße beschreiben. A bezieht sich auf sehr große Locken bis c sehr enge, krausige Locken.

Die meisten Menschen mit Afrohaaren finden sich bei den Haartypen 3 a-c und 4 a-c wieder. Aufgrund der Fülle und Dichte denken die meisten Menschen, dass Afrohaare sehr robust und kräftig sind. Das stimmt jedoch nicht ganz. Im Gegenteil - Afro Haare haben eine sehr empfindliche Haarstruktur, sind sehr anfällig, verlieren schnell Feuchtigkeit, trocknen aus und brechen häufig.

Hier ist eine Übersicht der Haartypen:

HaartypBeschreibung
1Glatt
2Wellig
3Lockig (a-c)
4Kraus (a-c)

Pflege von Afrohaaren

Afro Hair gehört aufgrund der sehr dichten und voluminösen Mähne zu den anspruchsvolleren Haartypen. Bei der Pflege sowie dem Styling gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Wer seine Afro Haare richtig pflegt, kann sich über eine gesunde Afromähne freuen, die mit einer tollen Optik beeindruckt.

Besonders gut lassen sich Afrohaare nur im feuchten Zustand mit einer groben Bürste kämmen. Vorab solltest Du eine Leave-in-Pflege ins Haar einarbeiten, was für eine bessere Kämmbarkeit sorgt. Zudem ist Vorsicht geboten. Kämme Deine Afrohaare von unten nach oben und vermeide Zerren und Reißen. Grundsätzlich reicht es aus, Afro Haare einmal die Woche zu kämmen und diese an allen anderen Tagen mit den Fingern zu entwirren.

Auch beim Waschen von Afro Haaren heißt es - weniger ist mehr. Greife auf Produkte zurück, die frei von Silikonen, Sulfaten und Parabenen sind. Ein Shampoo sollte Deine Afrohaare mit ausreichend Feuchtigkeit versorgen. Ebenso gut geeignet sind Öle wie Arganöl, die die Feuchtigkeit einschließen. Einmal die Woche ist eine Haarwäsche bei Afrohaaren ausreichend. Zu häufiges Haarewaschen trocknet die Haare schnell aus, macht sie stumpf und spröde.

Am Tag solltest Du Deine Afrohaare mehrmals mit einem Gemisch aus etwas Leave-in-Conditioner und Wasser befeuchten. Nutze dazu eine kleine Sprühflasche, die handlich in jede Tasche passt.

Afro Haare sollte man nicht oder nur gelegentlich mit einem Glätteisen glätten. Die Hitze schadet den Haaren besonders.

Zusätzliche Pflegetipps

  • Bette Deine Afrohaare auf einem Seiden- oder Satinkissen, um die sonst übliche Reibung an Baumwollstoffen zu vermeiden.
  • Ein weiterer Expertentipp ist es, die Afrohaare am Abend vor dem Schlafen zu flechten.

Evolutionärer Vorteil von lockigem Haar

Unser Gehirn ist sehr hitzeempfindlich. Es ist bekannt, dass sich unsere evolutionäre Entwicklung vor allem in afrikanischen Regionen nahe des Äquators ereignete, dort, wo die Sonneneinstrahlung sehr intensiv ist. Hinzu kommt, dass die meisten Afrikaner krauses, lockiges Haar haben, womöglich als Schutz vor der Sonne. In einem Modellversuch konnten die Wissenschaftler jetzt den Zusammenhang zwischen diesem evolutionären Phänomen belegen. Sie zeigten auf, dass der Kühleffekt von lockigem Haar größer ist als bei glattem Haar. Auch der Wasserhaushalt infolge nassen Wettereinflusses oder eigens produzierten Schweißes funktioniert bei einer stark gewellten Haarpracht demnach besser.

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