Viele Pferdebesitzer kennen das Problem: Ihr Pferd leidet unter Schuppen, Juckreiz oder gar einem Sommerekzem. Umso wichtiger ist es, die Ursachen zu erkennen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung von Schuppenbildung, Mähnenkämmen und Sommerekzemen bei Pferden.
Schuppen entstehen, wenn größere Verbände abgestorbener Hautzellen abgestoßen werden. Wie bei uns Menschen gibt es auch bei Pferden eine genetische Prädisposition zur Schuppenbildung. Das bedeutet: der eine neigt zu Schuppen, der andere nicht.
Auslöser für Schuppenbildung können aber unter anderem auch Stress, Hormonschwankungen, falsche oder übertriebene Pflege oder auch Nährstofffehlversorgungen sein. Letztere sollte man sich genauer anschauen, wenn das Problem insbesondere im Fellwechsel auftritt.
Denn in dieser Zeit werden ja verstärkt neue Haare gebildet und alte Haare werden abgeworfen.
Nun gehen viele daher und machen bei ihrem Pferd erst einmal prophylaktisch eine Zink-Kur zum Fellwechsel. Das ist jetzt auch nicht ganz verkehrt; denn Zink ist an der Bildung von Keratin (woraus Haare u.a. bestehen) beteiligt, fördert die Zellteilung und damit auch das Haarwachstum.
Dennoch empfinde ich die Zink-Kur-Geschichte doch ein bisschen zu kurz gedacht.
Denn neben Zink sind z.B. auch Selen, Kupfer, Mangan sowie verschiedene B-Vitamine an der Neubildung der Haare und am Zellwachstum beteiligt. Zusätzlich spielen Vitamin A und E eine Rolle. Und auch der Bedarf an essentiellen Aminosäuren ist während des Fellwechsels erhöht.
Mit der bedarfsdeckenden (Nährstoff-)Versorgung steht und fällt die Gesamtgesundheit unserer Pferde. Mit bedarfsdeckend meine ich: weder über- noch unterversorgt.
Die wenigstens Pferde sind mit sämtlichen Nährstoffen über- oder unterversorgt. Sehr viele Pferde hingegen sind nährstoffFEHLversorgt, was bedeutet, dass einige Nährstoffe im Überfluss aufgenommen werden, während andere Nährstoffe in nicht ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Dieser Überschuss bestimmter Nährstoffe führt darüber hinaus dazu, dass andere Nährstoffe, die eventuell sogar in ausreichender Menge angeboten werden, nicht aufgenommen werden können, weil ihre Andockstelle im Darm bereits „besetzt“ ist.
Die beste Unterstützung, damit euer Pferd gut durch den Fellwechsel kommt, ist, es ganzjährig bedarfsdeckend zu versorgen!
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten gesunden erwachsenen Pferde, die entsprechend ernährt werden, mit dem Fellwechsel keine Schwierigkeiten haben. Sicherlich sollte man beachten, dass der Energiebedarf während des Fellwechsels bei vielen Pferden erhöht ist.
Hier arbeite ich gern mit dem Einsatz von Ölen wie z.B. Leinöl. Dieses enthält zudem Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für die Zellelastizität sind und zum Haarwachstum beitragen.
Vitamin A können wir beispielswiese über die Fütterung von Karotten zuführen. Diese enthalten ß-Karotin, eine Vorstufe, aus der im Darm Vitamin A gebildet werden kann.
Den erhöhten Aminosäurenbedarf können wir z.B. durch die Zufütterung von Bierhefe decken. Hier sind praktischerweise auch eine Reihe an B-Vitaminen enthalten.
Sicherlich können wir unsere Pferde mit einer temporären Zufütterung von Zink beim Fellwechsel unterstützen. Bitte überprüft aber zuvor einmal die Zinkmenge in eurem Mineralfutter. Immer mehr Produkten wird nämlich bereits eine große Menge zugesetzt.
Denn durch einen Zinküberschuss kann die Aufnahme andere Spurenelemente (z.B. Kupfer) gestört sein. Und dann sind wir wieder am Anfang des Problems: der Nährstofffehlversorgung.
Wenn die Schuppenbildung ausschließlich im Fellwechsel auftritt, ist davon auszugehen, dass sie mit dem einhergehenden erhöhten Nährstoffbedarf im Zusammenhang steht. Schritt 1 sollte trotzdem immer sein: Grundration überprüfen.
Wenn hier alles stimmt, kann die Ration des Pferdes mit den oben genannten Futtermitteln schrittweise ergänzt werden.
Das Sommerekzem, auch als Sweet Itch, Queensland Itch oder Insect Bite Hypersensitivity (IBH) bekannt, ist die häufigste allergische Hauterkrankung bei Pferden. Das Sommerekzem ist eine allergische Hautkrankheit bei Pferden, die durch den Speichel bestimmter Insekten (z.B. Kriebelmücken) ausgelöst wird.
Beim Sommerekzem handelt es sich um eine allergische Reaktion auf Insektenstiche bei Pferden. Die Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Inhaltsstoffe im Speichel von Mücken verursacht starken Juckreiz. Deswegen scheuern sich die Pferde die Haut oft wund.
Die Hautveränderungen zeigen sich vor allem während der „Mückensaison“ von Frühling bis Herbst und klingen im Winter wieder ab.
Die allergischen Reaktionen treten beim Sommerekzem vor allem an der Mähne und der Schweifrübe auf. Zusätzlich sind oft der Bauch, die Hüfthöcker sowie der Kopfbereich betroffen, insbesondere die Augenpartie, die Stirn und das Kinn.
Die Veranlagung, am Sommerekzem zu erkranken, ist zumeist erblich bedingt. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass ein Pferd tatsächlich erkrankt, da viele Faktoren als Auslöser infrage kommen.
Die Ursachen des Sommerekzems sind Stiche von Culicoidesmücken und Kriebelmücken. Auslöser der allergischen Reaktion ist der Speichel der Mücken, auf den die Pferde reagieren. Welche Allergene aus dem Speichel der Insekten die allergische Reaktion auslösen, ist nicht bekannt.
Die Überreaktion des Immunsystems wird durch den Stich von befruchteten Mückenweibchen verursacht. Mit ihrem Speichel übertragen sie bestimmte Eiweiße, auf die ein sensibilisiertes Pferd mit starken allergischen Symptomen reagiert.
Bestimmte Rassen, wie beispielsweise Isländer, sind häufiger betroffen. Man vermutet eine genetische Prädisposition, grundsätzlich können jedoch Pferde und Ponys aller Rassen erkranken.
Neben der genetischen Veranlagung gelten Umweltfaktoren wie steigende Temperaturen oder Luftverschmutzung als mögliche Auslöser. Auch eiweißreiche Weiden oder schadstoffbelastetes Futter erhöhen das Risiko.
Weitere Faktoren, die das Sommerekzem begünstigen, sind die Art und Häufigkeit des Weidegangs sowie der Weideort. Da die Insekten insbesondere in den Morgen- und Abendstunden aktiv sind, sollten die Weidezeiten möglichst in die Mittagsstunden verlegt werden.
Zudem ist es ratsam, Weiden in der Nähe von Gewässern, Misthaufen und Futterresten zu meiden, da sich dort vermehrt Insekten aufhalten. Auch Bewegungsmangel oder eine unausgewogene Ernährung schwächen das Immunsystem und begünstigen allergische Reaktionen.
Die häufigsten Symptome eines Sommerekzems sind Juckreiz sowie allergische Hautreaktionen in Form von Pusteln sowie offenen und kahlen Stellen.
Besonders anfällig für das Sommerekzem beim Pferd sind Körperstellen mit senkrecht stehender Behaarung, da die Haut dort besonders empfindlich ist. Dazu zählen Mähne, Schweifrübe, Kruppe und Kopf.
Die Diagnose des Sommerekzems bei Pferden erfolgt in erster Linie anhand des klinischen Bildes. Charakteristisch ist ein starker Juckreiz, der zu intensiven Scheuerstellen an Mähne, Schweif und am Unterbauch führt. Durch das Scheuern entstehen Hautverletzungen, die nässen und bluten.
Ob tatsächlich eine allergische Ursache vorliegt, lässt sich mit einem funktionellen Invitro-Test (FIT) überprüfen. Der Test analysiert die Reaktionsbereitschaft des Immunsystems gegenüber bestimmten Antigenen. Wenn ein bestimmtes Antigen ein negatives Ergebnis liefert, ist eine allergische Reaktion auf das Insekt ausgeschlossen. Ein positives Ergebnis zeigt eine Sensibilisierung, aber keine zwingend bestehende Allergie. Der Test ist unabhängig von der Jahreszeit durchführbar.
Ein weiteres Diagnoseverfahren für das Sommerekzem ist der In-vivo-Intrakutantest. Dabei werden verschiedene Testsubstanzen in ein geschorenes Hautareal am Hals des Pferdes injiziert. Anschließend werden die Hautreaktionen mit Positiv- und Negativkontrollen verglichen, um Hinweise auf eine allergische Reaktion zu erhalten.
Ein anderes Diagnosverfahren ist der In-vitro-Fc-Rezeptor-Test, mit dem sich allergenspezifisches IgE im Serum nachweisen lässt. IgE bezeichnet Immunglobulin E, einen Antikörpertyp, der maßgeblich an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Der Test ist nur während der aktiven Saison durchführbar, da ein Allergenkontakt erforderlich ist. Auch hierbei kommt es häufig zu falsch positiven Ergebnissen.
Der CAST-Test ist unabhängig von der Jahreszeit durchführbar. Dabei werden basophile Granulozyten, eine kleine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, aus dem Blut isoliert und mit relevanten Allergenen in Kontakt gebracht. Die dabei gebildete Menge Botenstoffen gibt Aufschluss über das Ausmaß der Sensibilisierung.
Die Behandlung des Sommerekzems bei Pferden läuft in der Symptomlinderung und der Verhinderung weiterer Insektenstiche ab.
Zur Prävention eines Sommerekzems bei Pferden kann man den Kontakt mit den Mücken verhindern und die Haut vorbeugend pflegen, um eine Ausbreitung der allergischen Symptome zu vermeiden.
Neben Schuppenbildung und Sommerekzem gibt es noch weitere Hauterkrankungen, die bei Pferden auftreten können:
Juckreiz beim Pferd ist ein ernstzunehmendes Symptom, das vielfältige Ursachen haben kann. Besonders typisch sind Anzeichen wie starkes Scheuern an Mähne und Schweif, Unruhe oder sogar kahle Hautstellen.
Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten belegen, dass die häufigsten Ursachen für Juckreiz beim Pferd parasitär oder allergisch bedingt sind, wobei die Culicoides-Hypersensibilität (Sommerekzem) als wichtigste allergische Hautkrankheit gilt (WAVD-Konsensus).
Die Bandbreite reicht von Parasitenbefall über allergische Reaktionen bis hin zu Stoffwechselstörungen. Um eine wirksame Behandlung einzuleiten, ist es entscheidend, die Auslöser möglichst genau zu identifizieren.
Pferde mit Juckreiz zeigen häufig auffälliges Verhalten wie intensives Scheuern an Stallwänden, Zaunpfosten oder Bäumen, besonders im Bereich von Mähne und Schweif. Das Haar wirkt dadurch stumpf, brüchig oder ausgerissen. Viele Pferde beißen oder knabbern zudem an Bauch, Flanken oder Beinen, um den Juckreiz zu lindern, und wirken insgesamt unruhig. Sie wälzen sich häufiger oder schlagen vermehrt mit dem Schweif.
Eine gezielte Diagnose ist entscheidend, um die passende Behandlung einzuleiten. Leichter Juckreiz mag zunächst harmlos wirken, doch ohne Ursachenklärung drohen chronische Hautprobleme. Die Abgrenzung zwischen Parasiten, Allergien, Stoffwechselproblemen und infektiösen Hauterkrankungen ist komplex. Daher ist eine professionelle Untersuchung unverzichtbar.
Die Behandlung von Juckreiz beim Pferd richtet sich immer nach der Ursache. Wird der Juckreiz durch Parasiten ausgelöst, sind antiparasitäre Mittel das Mittel der Wahl. Um gereizte Haut zu beruhigen und die Regeneration zu fördern, eignen sich pflegende Lotionen, Salben oder Shampoos. Liegt die Ursache in einer Stoffwechselstörung oder in einer unausgewogenen Fütterung, sollte der Ernährungsplan überprüft werden.
Am besten ist es, Juckreiz beim Pferd gar nicht erst entstehen zu lassen. Viele Ursachen lassen sich durch konsequente Pflege, gute Haltungsbedingungen und eine angepasste Fütterung vermeiden. Gründliches Putzen entfernt Staub, Schweiß und Hautschuppen, die die Haut reizen könnten. Besonders während des Fellwechsels sollte das Pferd regelmäßig gestriegelt und bei Bedarf mit mildem Shampoo gewaschen werden. Eine saubere Stallumgebung mit regelmäßig gewechselter Einstreu, desinfizierten Putzutensilien und sauberen Decken beugt einem Befall vor. Besonders im Sommer ist der Schutz vor Insekten wichtig, um Sommerekzem und allergischen Juckreiz zu vermeiden.
Die häufigen Folgen: Unsere Pferde reagieren empfindlicher auf Umwelteinflüsse, Wetterbedingungen und Insekten. Daraus entwickeln sich leichter Allergien. Neben dem Speichel der Mücken können also ein geschwächtes Immunsystem, zu viel Eiweiß und Kohlehydrate, Bewegungsmangel, Mineral- und Spurenelementmangel, Umweltgifte, Leberüberlastung, ein geschwächtes Darmmilieu und andere Parasiten Ursachen für Allergien sein.
Durch Stress intensivieren sich die Symptome des Sommerkezems. Daher gilt es bei betroffenen Tieren, Belastungen unbedingt zu vermeiden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Behandlung von Hautproblemen bei Pferden eine umfassende Herangehensweise erfordert. Es ist wichtig, die Ursachen zu erkennen, die Symptome zu lindern und die Hautbarriere zu stärken. Eine angepasste Fütterung, gute Haltungsbedingungen und eine konsequente Pflege sind entscheidend für die Gesundheit der Pferdehaut.
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