Perlen im Haar: Die Bedeutung des Omega-Songs in Musik und Kultur

Das Lied „Gyöngyhajú lány“ der ungarischen Band Omega, auf Deutsch bekannt als „Perlen im Haar“, hat eine bemerkenswerte Reise durch die Musikgeschichte hinter sich. Es kursieren unzählige Cover und Interpretationen, und selbst Genre-fremde Künstler sehen in den eingängigen Harmonien des Stückes etwas einzigartig Vielseitiges.

Ursprünge und Erfolg in der DDR

Vor 40 Jahren war es in der DDR ein Hit.

Für Frank Schöbel wird dieser Song in deutscher Version als "Schreib es mir in den Sand" ein Hit.

„Schreib es mir in den Sand“, 1972 von DDR-Schlagerlegende Frank Schöbel gesungen, fand 2012 seinen Weg in den bedeutenden Dokumentarfilm „This ain’t California“, in dem es um die Entwicklung der Skate-Kultur in der DDR geht.

Omega feiert Jubiläum

Im zarten Alter von achtzehn Jahren bin ich mehr zufällig auf den ungarischen Exportschlager Omega gestoßen.

Damals waren die LPs "Time Robber" und "The Hall Of Floaters In The Sky" in den einschlägigen Hard Rock-Musikschuppen angesagt.

Die Single "Never Feel Shame" überzeugte mit geradlinigem Rock und brachte mich dazu, mir die beiden Scheiben zuzulegen.

Heute, Jahrzehnte später, feiert die Band um Sänger János Kóbor ihr 50-jähriges Jubiläum.

Wer hätte das damals gedacht.

Immerhin kommt die Band aus einem Land, das mit diktatorischer Hand regiert wurde und dem Quintett viele Steine in den Weg geworfen hat.

Umso erstaunlicher ist es auch, dass die Truppe immerhin seit 1971 in der gleichen Besetzung existiert und vor Spielfreude nur so strotzt.

Mit dieser Energie geht die Band auf ausgedehnte Europa-Tour und präsentiert ihre größten Hits mit Unterstützung eines Symphonieorchesters.

Während der Konzerte wird das 2010er Album "Rhapsody" in voller Länge performt, sowie natürlich viele Überraschungen aus den vergangenen fünfzig Jahren.

Gleichzeitig erscheint Mitte April ein Doppel-Live-Album mit dem Titel "Greatest Performances".

Darauf enthalten sind sechsundzwanzig Mitschnitte von Stadion-Konzerten der vergangenen zehn Jahre, bei denen bewusst der Jubel der Fans zurückgehalten wurde, um einen, laut Aussage von János, Studiocharakter zu erhalten.

Dem kann ich nicht zustimmen, denn die Applaus-Einspielungen sind genau in der richtigen Länge um einen wunderbaren Live-Charakter zu vermitteln.

Vor mir liegt nun dieses umfangreiche Werk und ich tue mich gerade schwer damit, mich durch die Liste der Titel zu beißen, die in Originalsprache gedruckt sind.

Deswegen bitte ich auch die Leser um Verzeihung, dass ich nicht alle Titel anführe, da das Schreiben ebenso kompliziert ist, wie das Lesen.

Vorweg kann ich schon nach der Hörprobe sagen: das Album ist top und verdient es erworben zu werden.

Natürlich wird in Ungarisch gesungen, aber dem Hörgenuss tut das nicht den geringsten Abbruch, da die Musik einfach klasse ist.

Beide CDs sind in grundsätzliche musikalische Richtungen aufgeteilt.

CD Nummer eins spiegelt den geradlinigen Rock wieder.

Ab und zu mal von der Hammondorgel oder dem Synthesizer aufgepeppt, sind Gitarren die tragenden Instrumente.

Auf CD zwei ist es genau umgekehrt.

Viel Synthie und Hammond, dafür wird an den Gitarrensoli gespart.

Da das Repertoire der Band von sehr ruhig bis brachial hart reicht, kann mit diesem Live-Doppelpack alles abgedeckt werden, was sich der Hard Rock-Fan wünscht.

Auf der ersten Silberscheibe werden die Songs recht kurz gehalten.

Eigentlich unüblich für Konzertmitschnitte.

Dafür finden sich vierzehn Tracks darauf, die von schnell und treibend, bis zur ruhigen Ballade oder einem Instrumental alles bieten.

Durch den Klang der Hammondorgel erinnert mancher Song in kleinen Abschnitten an die guten Alten Deep Purple.

Bis zum fünften Stück geht dabei auch völlig die Post ab.

Anschließend gönnt sich die Band eine kleine Auszeit und spielt einige ruhigere Stücke und Balladen.

Zwischen zwei extrem kurzen Instrumental-Einspielungen versteckt sich sogar mit "Hazafelé" ein kleiner Blues.

Das Drumsolo beim Start von "Van Aki Nyugtalan" läutet die längeren Stücke ein und der Hörer tut gut daran, CD Nummer zwei bereit zu halten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Darauf geht es im Wechsel sehr schnell und sehr ruhig zur Sache.

Tasteninstrumente in jeglicher Form geben wie bereits angemerkt den Ton an, wobei es zum Anfang nicht so erscheint.

Gerade "Gammapolis" besticht mit einem herausragenden Gitarrensolo, bevor die Saitenbretter erst einmal Pause haben.

Trotz der vielen Synthesizer-Stücke gönnt sich die Band in der Mitte der CD nochmals ein Instrumental, dass ausschließlich aus Elektronik besteht.

Gegen Ende der Scheibe wird es noch einmal Interessant.

Höre ich richtig, oder ist "Petróleumlámpa" ein Country-Song?

Zumindest freue ich mich, diesen Titel fehlerfrei lesen und sprechen zu können.

Zum Abschluss kommt noch einmal einer ihrer größten Hits auf die Bühne: "Gyöngyhaju Lany", was so viel wie "Das Mädchen mit den Perlen im Haar" bedeutet.

Mit diesem Song schaffte die Band 1970 ihren Durchbruch.

Selbst den Scorpions dient die Nummer als Vorlage für ihren Erfolg "White Dove".

Kanye West und das Sample in "New Slaves"

Die größte Aufmerksamkeit für Omega und ihren musikalischen Geniestreich hat aber mal Kanye West verursacht.

Dieser hat 2013 das ungarische Original für das Outro von „New Slaves“ verwendet und gemeinsam mit Frank Ocean über das Sample gesungen.

Das dürfte vielen Ungarn eine große Freude machen, denn Kayne West gönnt einem ihrer großen alten Stars ein kleines Gastspiel. Auf dem Album „Yeezus“, es ist Wests sechstes, taucht die Band Omega aus Budapest mit ihrem 70-jährigen Sänger János Kóbor auf.

Dieser Kóbor wird in Ungarn als Franz Liszt der Rockmusik verehrt.

In „New Slaves“, dem allerschönsten Song der Platte, singt Kóbor auf Ungarisch, dann senkt sich die Blende, und das Lied ist aus. „Gyöngyhajú Lány“ heißt es, auch auf Deutsch gab es das einmal unter dem Titel „Perlen im Haar“.

Der Komponist Gábor Presser bekam schnell Wind davon und setzte sich mit Kanyes Anwälten in Verbindung, um sein geistiges Eigentum zu verteidigen.

Nachdem er eine Entschädigungssumme von 10.000 Dollar abgelehnt hatte, verklagte er 2016 den Rapper auf 2,5 Millionen Dollar Schadensersatz.

Weitere Einflüsse in der Popmusik

Doch auch in Deutschland scheint „Perlen im Haar“ weiterhin hohe Wellen zu schlagen.

Auf dem Madsen-Album „Kompass“ aus 2015 finden die Akkorde mit Kultstatus im Outrosong jedenfalls teilweise Verwendung und auch in der hiesigen Poplandschaft finden sie statt.

Im Juli dieses Jahres veröffentlichte die Neo-Soul-Sängerin Lary ihr langerwartetes zweites Studioalbum „Hart fragil“.

Nachdem sie mit Rapper MoTrip auf dem Platinhit „So wie du bist“ kollaboriert hatte, versuchen die beiden mit „Sand“ den bisher erfolgreichsten Song ihres Lebens noch zu übertreffen.

Damit ihnen diese Bärenaufgabe auch garantiert gelingt, verwendet Lary eben jene legendäre Melodie, welche die Welt seit mittlerweile knapp 30 Jahren im Bann hält.

Omega - Perlen im Haar

Musikfans erinnern an Kultband Omega

Omegafreunde treffen sich in Halle: Ostrock bleibt lebendig

Der Fanclub Omegafreunde Deutschland hat im Restaurant „Balaton“ die Erinnerungen an die ungarische Band aufleben lassen.

Was die Mitglieder bis heute fasziniert.

Aktualisiert: 29.05.2023, 16:29Halle (Saale)/MZ - Es ist noch früh am Samstagabend, als an einem der gedeckten Tische im Restaurant „Balaton“ ein Mann zu seiner schwarzen Gitarre greift und ein paar Akkorde zupft.

Noch geht die Musik zwischen den Gesprächen der ankommenden Omegafreunde unter.

Doch später werden sich die Mitglieder des Fanclubs ganz auf die so oft gehörten Melodien besinnen und Lieder der einstigen Ostrockband Omega mitsingen.

Auch Restaurantbetreiber Lászlo Réthy wird dann in Erinnerungen schwelgen.

Denn er hat die ungarische Band dabei unterstützt, Auftritte in Deutschland zu organisieren.

tags: #perlen #im #haar #omega #bedeutung

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