Frisuren, Kleidung und Verhaltensweisen - vor zwei Jahrzehnten konnte man Ost- und Westdeutsche daran noch leicht auseinanderhalten. Heute liegen die Unterschiede im Detail. An den Frisuren erkenne man die Herkunft nicht mehr, meint die Leipziger Friseurinnungsobermeisterin Sylvia Reimann-Richter.
Doch wie sahen die typischen Frisuren in der DDR aus? Welche Trends prägten die ostdeutsche Haarmode? Dieser Artikel wirft einen Blick zurück auf die Frisurenlandschaft der DDR und beleuchtet die Besonderheiten und Einflüsse dieser Zeit.
In der DDR waren keine anderen Frisuren aktuell wie in der BRD. Viele Frauen hatten Dauerwellen, die oft schlecht gepflegt waren, und sie waren fast immer kurz. Lange Haare hatten nur wenige erwachsene Frauen, Teenager waren da oft anders. Schlichte halblange oder lange glatte Haare hat man in der DDR weniger gesehen.
Vielleicht waren die Frisuren etwas praktischer, weil die Frauen ja arbeiten gegangen sind und sich die Haare größtenteils allein stylen mussten. Ende der 60er/ Mitte der 70er Jahre war es die Schüttelfrisur, a'la Mireille Matthieu, danach die Kaltwelle, halblange und lange Haare waren angesagt und bleistiftkurz wurde von Frauen viel in den 80er Jahren getragen. Eigenartigerweise findet man diese Frisur - hinten ganz kurz und angeschnitten, oben kraus oder lockig - eben pudelmäßig - immer noch.
Bei Männern gab es besonders Ende der 70iger, Anfang der 80ger Jahre Vokuhila und "Seitenscheitel". Ausdrücklich erfreut wäre das TV-Team über Statisten, die eine sogenannte Vokuhila-Frisur tragen ("vorne kurz, hinten lang"). Nebenstehende Fotomontage soll einen Eindruck davon vermitteln, wie charmant dieser Frisurtyp seinen Träger schmückt. Wer also auch heute noch so herumläuft, darf sich ohne zu zögern für eine Komparsenrolle anmelden.
Die Vokuhila-Frisur war besonders in den 70er und 80er Jahren bei Männern beliebt.
Tamara Danz war wild und unangepasst. Das unterstrich sie mit ihrer Frisur. Und selbst die ungeliebte First Lady der DDR, Margot Honecker, konnte mit ihren lila Haaren einen Trend setzen.
Zunächst konnte Nina Hagens Frisur noch als harmlos durchgehen. Die wasserstoffblonde Frisur von Bärbel Wachholz fand ebenfalls viele Anhängerinnen. Eine Zeitlang trug Dagmar Frederic das Deckhaar wasserstoffblond und den Rest dunkel. Dieser Look wurde in der Republik oft nachgefragt.
Enie van de Meiklokjes hat sich nach eigener Aussage zu DDR-Zeiten die Haare mit einem Fußpilzmittel aus der Apotheke gefärbt.
Es sei für sie eine der größten Enttäuschungen nach der Wende gewesen, dass die Ostdeutschen ihren Ehrgeiz beim Nachholen von Weltläufigkeit und Weltwissen nach der Anschaffung eines neuen Autos eingestellt hätten, sagt Elke Giese. Am DMI ist sie Ressortleiterin für Mode und Interieur und sieht in der Tat Unterschiede bei Stil und Geschmack zwischen Ost und West. "Ost-Schauspieler berlinern in aller Öffentlichkeit", sagt sie. Bei der Kleidung sieht sie im Osten einen "unsensiblen Umgang mit Farben", und auch bei Glitzer- und Flittereffekten lange man großzügig hin. "Am Ende schmückt das dann nicht mehr, sondern wirkt billig." Elke Giese kommt aus dem Osten.
Zweite Stilprobe: Frisuren. "Na ja", sagt der Friseur Udo Walz, und man merkt, wie er nach Worten sucht, um seine Kundschaft nicht zu verprellen. "Wenn vor ein paar Jahren jemand mit grellroter Tönung in meinen Laden kam, lag ich mit der Vermutung, es sei ein Ossi, fast immer richtig." Auch "luftgetrocknete Dauerwellen" waren ostelbisch stark angesagt. Heute orientierten sich seine Kunden aber an denselben Trends, sagt Walz.
Sein Kollege Franz-Josef Küveler, Art-Director beim Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks, gibt sich undiplomatisch: "Helle Strähnen und harte Zwei-Stufen-Färbungen, die bei uns schon eine ganze Weile out sind, sind im Osten noch recht verbreitet." Küveler sieht diese haarige Rückständigkeit allerdings eher in ländlichen Gebieten, weil dort noch nicht alle Salons in der Lage sind, die letzte Raffinesse anzubieten. "Das hat auch mit dem Preis zu tun", sagt er. "Teure Tönungen überfordern in einigen Regionen schlicht das Budget."
20 Jahre nach dem Mauerfall sind die Unterschiede nicht mehr auf den ersten Blick sichtbar. Frisuren, Kleidung und Verhaltensweisen haben sich gerade bei Jüngeren angeglichen - aber im Detail gibt es noch Unterschiede.
"Der typische Wessi sieht aus wie ein Ossi. Wir sehen alle gleich aus!", meint etwa der Berliner Satiriker Peter Ensikat. "Der Ossi musste nach 1989 ganz schnell lernen und wollte nicht mehr erkannt werden." Das Motto laute nun "Ähnlich aussehen und anders denken", sagt der einstige Chef des Berliner Kabaretts "Distel".
Reinhold Sackmann, Soziologieprofessor an der Martin-Luther-Universität Halle, erkennt die einstigen DDR-Bürger an einer schriftlichen Floskel. "Die Anrede "Werte Damen und Herren" gibt es im Westen nicht", sagt der gebürtige Bayer, der seit fünf Jahren im Osten lebt. Viele Vorurteile über den Osten träfen aber nicht mehr zu.
Magdeburg l Wie haben sich die Menschen doch verändert in den vergangenen 24 Jahren. Fast ein Vierteljahrhundert seit 1989. Die Jeans ist nicht mehr Stonewashed, sondern Hilfiger. Wo früher ein Schnauzbärtchen kitzelte, klemmt heute ein Piercing. Bunte Strähnchen statt Dauerwelle. Kein Ossi mehr weit und breit.
Sandy kommt nicht aus Marzahn, sondern steht als Fachkraft in einer Filiale der Friseurkette Klier. Vom Frisierstuhl aus hat man einen guten Blick auf die Kassenreihe von Kaufland. Sandy nicht aus Marzahn, die vielleicht die Hälfte jener Komödiantin mit dem Künstlernamen "Cindy aus Marzahn" wiegt, hat ihren Haaren eine stumpf-schwarze Grundierung gegeben, aus der hinten ein weißblonder Pferdeschwanz hervorragt. Der kantige Gesichtsschnitt im Rahmen aus Pony und seitlichen Hängesträhnen ist in Magenta gehalten und könnte die Telekom zur Tantiemenforderung verleiten. Sandy und Cindy verbindet vor allem eines: ein unverkrampftes Verhältnis zu lichtstarken Farben aus dem Spektrum der Synthesechemie und eine ästhetische Empfindsamkeit nach dem Leuchtturmprinzip - an, aus; dazwischen gibt es nichts.
Trotzdem erklärt das noch nicht alles. Wieso zum Beispiel sind ehemalige 68er West vierzig Jahre nach ihrem Sturm auf die bundesdeutsche Bürgerlichkeit in eben derer Mitte angekommen? Siehe Joschka Fischer und Gerhard Schröder.
Es scheint dagegen offensichtlich, dass abgesehen von einer kleinen Gruppe nachgeborener Aufsteiger im Osten ein eher DDR-typischer Lebensstil kultiviert wird. Wer im Westen aufsteigt, will nach oben. Aufsteiger im Osten wollen keiner von denen da oben sein. Ist tiefenpsychologisch eingepflanzte Bonzendistanz womöglich ein Motiv?
So ist es im Kern auch eine tief sitzende Milieu-Antipathie, die bei Jörg Schönbohm mitschwingt, und die Enttäuschung darüber, dass viele Ossis in Weltbild und Lebensstil ihren Trotz kultivieren, anstatt auf den Pfad der Bürgerlichkeit zurückzukehren, der in der DDR unbestreitbar und bewusst verlassen wurde.
Dass aber der Bruch mit dem Bürgertum Spuren bis in die Alltagskultur hinein hinterlässt, ist durchaus plausibel. Die Abkehr vom Großen Latinum als bildungsbürgerlichem Anspruch in der sozialistischen Schule zog direkt die Degradierung der griechisch-römischen Klassik nach sich.
Der Kitsch des sozialistischen Realismus: Im Geschichtsunterricht der Schulen in der DDR galt der Bildungsbürger mit seinem humanistischen Ideal von Freiheit und Demokratie als blind für die letzte und einzige Konsequenz der Geschichte, den Arbeiter-und-Bauern-Staat unter der Führung der Partei neuen Typs, wo all der volksverdummende Ballast wie Religion und Hochkultur zurückblieben hinter wissenschaftlicher Weltanschauung und dem Kitsch des sozialistischen Realismus.
Die abendländische Farbästhetik wurzelt aber in der Renaissance, wo der Künstler durch Verschattung seinen Kommentar zu den Zeitläuften gab. Sie wurzelt im kargen Schwarz-Weiß der Reformation, der puritanischen Konzentration auf das Wort und das Wesentliche.
Von der Entbürgerlichung zur Proletarisierung: Der Bruch mit dem Bürgerlichen und der bürgerlichen Kulturtraditionslinie hat Spuren hinterlassen. Es war ja durchaus gewollt, dass in der DDR Eliten (etwa der technischen, medizinischen oder naturwissenschaftlichen Intelligenz) entstanden, die in Schönbohms Sinne weitgehend "entbürgerlicht" waren und sind, die Religion nicht mehr als natürlichen Bestandteil ihrer Wertewelt empfinden, deren Freiheitsideal deutlich zurücktritt hinter das Streben nach einer kleinen, sicheren, egalitären Existenz.
Mit Blick auf die von Schönbohm beklagte "Entchristianisierung" muss man freilich feststellen, dass es in der DDR tatsächlich weitgehend gelungen ist, Religion als unmodernen Mummenschanz zu diskreditieren. Da die Ersatzangebote - bis hin zu den eher lächerlichen "10 Geboten der sozialistischen Moral" - nie wirklich angenommen wurden, stößt man im Osten etwa in ethischen Debatten mitunter auf eine befremdliche Leere.
All das kann man verstehen, und mit bunten Haaren und schrillen Pullovern kann man vermutlich auch ganz gut leben. Und doch sind Stil, Lebensart und Ästhetik viel mehr als gesellschaftliche Fassadenfarbe: Sie weisen über sich selbst hinaus auf eine bestimmte politische Sozialisation, die das DDR-Regime überdauert hat, weil sie tiefer sitzt als ein Parteiabzeichen am Revers.
Anders als das Willy-Brandt-Zitat, das die Deutschen als Volk und Ganzes meinte, muss die Fusion von Unterschichtengeschmack beunruhigen. Es ist ein Indiz dafür, dass in den Abstiegsregionen des Westens und des Ostens die gleiche Werteerosion stattfindet, die früher oder später notgedrungen zum Kerngeschäft der Politik wird. Ich muss bald einen kurzen vortrag über frisuren in der ddr halten, finde aber im internet ziemlich wenig dazu ! also wisst ihr vllt was es so für typische frisuren in der ddr gab ,... oder wo ich nachschauen könnte ?!
Mit Bart und langen Haaren: Ossi Urch galt als Pionier der digitalen Gesellschaft in Deutschland - und das bevor das Internet zum Massenmedium wurde. Die deutsche Internet-Szene trauert um ihren Guru Ossi Urchs. Der Medienunternehmer starb am Donnerstag im Alter von 60 Jahren in einem Hospiz in Offenbach, teilte seine Frau Sigi Höhle mit. "Er war einer der ersten, der gesagt hat, dass das Internet unsere gesamte Art zu leben, zu arbeiten und zu lernen verändern wird". Ende der 80er Jahre galt Urchs mit solchen Prognosen noch als Spinner. Der gebürtige Kölner war Teil des gesellschaftlichen Aufbruchs der 68er. In München studierte er Philosophie, Theaterwissenschaft und Politikwissenschaft. Danach arbeitete er als Autor und Regisseur und gründete mit seiner Frau in Offenbach eine Medienagentur, die Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Strategien beriet. "Er war ein Early User und hat sich sehr früh mit dem Medium analytisch auseinandergesetzt", sagte seine Frau.
Die Frisuren in der DDR spiegelten die gesellschaftlichen und politischen Einflüsse wider. Obwohl es viele Gemeinsamkeiten mit der Mode im Westen gab, entwickelten sich auch spezifische Trends. Nach der Wiedervereinigung verschwammen die Unterschiede zunehmend, doch die Erinnerung an die DDR-Haarmode bleibt ein interessantes Kapitel der deutschen Stilgeschichte.
| Frisur | Beliebtheit | Bekannte Vertreter |
|---|---|---|
| Dauerwelle | Sehr beliebt | Viele Frauen |
| Schüttelfrisur | Ende 60er/Mitte 70er | Mireille Matthieu |
| Vokuhila | Ende 70er/Anfang 80er | Männer |
| Wasserstoffblonde Frisur | Beliebt | Bärbel Wachholz |
| Lila Haare | Trendsetzend | Margot Honecker |
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.