Frisuren, Kleidung und Verhaltensweisen - vor zwei Jahrzehnten konnte man Ost- und Westdeutsche daran noch leicht auseinanderhalten. Heute liegen die Unterschiede im Detail. Doch wie sah es wirklich aus mit den Frisuren in der DDR und wie haben sie sich nach der Wende verändert?
In der DDR waren Frisuren oft ein Ausdruck von Individualität und Rebellion, aber auch von Anpassung und Konformität.
Diese Beispiele zeigen, dass es in der DDR durchaus modische Vielfalt gab, auch wenn die Möglichkeiten beschränkt waren.
20 Jahre nach dem Mauerfall sind die Unterschiede nicht mehr auf den ersten Blick sichtbar. Frisuren, Kleidung und Verhaltensweisen haben sich gerade bei Jüngeren angeglichen - aber im Detail gibt es noch Unterschiede.
"Der typische Wessi sieht aus wie ein Ossi. Wir sehen alle gleich aus!", meint etwa der Berliner Satiriker Peter Ensikat. "Der Ossi musste nach 1989 ganz schnell lernen und wollte nicht mehr erkannt werden." Das Motto laute nun "Ähnlich aussehen und anders denken", sagt der einstige Chef des Berliner Kabaretts "Distel".
An den Frisuren erkenne man die Herkunft nicht mehr, meint die Leipziger Friseurinnungsobermeisterin Sylvia Reimann-Richter. Unterschiede im Haar-Look gebe es eher im deutschlandweiten Vergleich zwischen Großstädten und ländlichen Gegenden. Aber einen Ost-West-Unterschied gibt es ihrer Meinung nach: "Im Osten wird häufiger zum Friseur gegangen. Dafür geben die Kunden in den alten Bundesländern mehr für den einzelnen Friseurbesuch aus."
Allerdings gibt es auch andere Beobachtungen:
Ist guter Geschmack also eine Frage des Geldbeutels? Ist es womöglich gar kein Ost-West-, sondern ein Stilproblem der sozialen Schichtung, das im Ruhrgebiet ebenso anzutreffen ist wie in Sachsen-Anhalt? Mag sein, dass Frisur, Kleidung und Umgangsformen zu jenen Abgrenzungsmerkmalen zählen, die einem West-Menschen sofort ins Auge fallen.
Es scheint dagegen offensichtlich, dass abgesehen von einer kleinen Gruppe nachgeborener Aufsteiger im Osten ein eher DDR-typischer Lebensstil kultiviert wird. Wer im Westen aufsteigt, will nach oben. Aufsteiger im Osten wollen keiner von denen da oben sein. Ist tiefenpsychologisch eingepflanzte Bonzendistanz womöglich ein Motiv? Es könnte auch daran liegen, dass Studentenbewegung wie Punk antikulturelle Strömungen waren, die heutige Grellbunt-Ästhetik dagegen eine Abwesenheit von Kultur zum Ausdruck bringt.
Ein interessanter Aspekt sind die Erfahrungen von Friseuren aus Ost- und Westberlin. Peter Reschenberg, Friseur Ost, hatte seinen Salon in der Fürstenwalder Allee in Wilhelmshagen und frisierte schon vor dem Mauerfall die Ost-Rocker - Karat kam, die Puhdys auch. Reschenberg kreierte die Mähne von Dieter "Maschine" Birr.
Milan Ilic, der Friseur West, residiert in der eleganten Charlottenburger Clausewitzstraße. Seine Kunden: Die gediegene Eleganzija, die es auch in Berlin (West) noch versteckt gibt, die Gäste des Nobelhotels "Brandenburger Hof".
Diese beiden Friseure verkörpern unterschiedliche Welten, aber beide haben ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Stil.
Ein Blick auf die Preise zeigt, wie sich die Zeiten geändert haben:
| Dienstleistung (DDR 1980) | Preis (Ost-Mark) |
|---|---|
| Ondulieren und Frisieren | 1,50 |
| Wasserwelle ohne Waschen | 1,50 |
Im Vergleich dazu sind die Preise für Friseurdienstleistungen heute deutlich höher, was auch mit den gestiegenen Kosten und dem höheren Anspruch an Qualität zusammenhängt.
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