Olaparib (Handelsname Lynparza) ist ein Medikament, das hauptsächlich in der Erhaltungstherapie eingesetzt wird, um das Wiederauftreten einer bereits behandelten Krebserkrankung zu verhindern. Es ist ein sogenannter PARP-Inhibitor, der Enzyme namens PARP blockiert (inhibiert).
PARP ist in Zellen an der Reparatur von DNA-Einzelstrangbrüchen beteiligt. Es erkennt freie Strangenden, bindet daran und dient als Bindungsstelle für Reparaturfaktoren, die den Bruch richten. Olaparib sorgt dafür, dass PARP an der DNA gebunden bleibt und so kein Platz für die nötigen Reparaturfaktoren ist.
Will sich eine Zelle teilen, muss die DNA im Zellkern, also die Erbinformation, verdoppelt werden, das nennt sich „Replikation“. Das gilt auch für Krebszellen. Die DNA ist zweisträngig, ähnlich wie eine Leiter mit zwei Holmen. Die „Sprossen“ bestehen aus jeweils zwei Nukleotiden (Bausteine der DNA), einem Basenpaar, das miteinander verbunden ist. Ein DNA-Einzelstrangbruch ist ein Bruch in einem Strang der DNA. Bleiben wir beim Bild der Leiter, wäre es ein Bruch in einem der beiden Holme. Ein DNA-Doppelstrangbruch wäre, wenn die Leiter quer einen Bruch in beiden Holmen hätte. Diese Brüche können in gesunden Zellen meist repariert werden.
Ein Doppelstrangbruch kann repariert werden, doch dafür braucht es die funktionierenden Gene BRCA1 und BRCA2. Bei Tumoren, wo diese Gene mutiert (verändert) sind und dadurch nicht funktionieren, können die Doppelstrangbrüche nicht zuverlässig repariert werden. Wenn diese sich in der Zelle anhäufen, kann sie nicht mehr richtig funktionieren und stirbt ab. Dadurch hemmt Olaparib das Tumorwachstum.
Für eine Gabe von Olaparib müssen je nach Tumorart noch weitere Voraussetzungen erfüllt sein (z.B. in Bezug auf Eigenschaften des Tumors und die vorangegangene Behandlung).
Olaparib (Handelsname Lynparza) ist seit Juni 2019 für Frauen mit hochgradigem epithelialen Eierstockkrebs, Eileiterkrebs oder primärem Bauchfellkrebs zugelassen. Es kommt seitdem für Patientinnen mit einem verändertem BRCA-Gen, deren Tumor auf eine Erstbehandlung mit einer platinbasierten Chemotherapie anspricht, infrage.
Olaparib ist mit Bevacizumab (Handelsname Avastin) seit November 2020 für Frauen mit hochgradigem epithelialen Eierstockkrebs, Eileiterkrebs oder primärem Bauchfellkrebs zugelassen. Es kommt unter anderem bei Patientinnen infrage, deren Tumor ein verändertes BRCA-Gen und / oder genomische Instabilität aufweist und auf eine Erstbehandlung mit einer platinbasierten Chemotherapie anspricht.
Im April 2019 wurde die Zulassung des PARP-Hemmers Olaparib für Brustkrebs erweitert: Er kann nun zur Behandlung von BRCA-Mutationsträgerinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, HER2-negativem Mammakarzinom eingesetzt werden. In dieser Indikation wird Olaparib als Monotherapie angewendet. Die Patientinnen sollten bereits eine Anthrazyklin/Taxan-basierte Chemotherapie und gegebenenfalls eine endokrine Therapie erhalten haben, wenn keine medizinischen Gründe dagegengesprochen haben.
Olaparib ist seit April 2019 zugelassen für Patientinnen mit HER2-negativem Brustkrebs, der metastasiert oder lokal fortgeschritten ist. Für die Gabe beider Wirkstoffe ist die Voraussetzung der Nachweis einer BRCA-Mutation. Die Substanzen werden als Tablette eingenommen und die Behandlung wird so lange fortgesetzt bis es zu einem Krankheitsprogress kommt oder Nebenwirkungen zu einem Abbruch zwingen.
Auch gegen Pankreas- und Prostatatumore ist der Wirkstoff aktiv - hier dauerte die Zulassung bis 2019 beziehungsweise 2020.
Olaparib gibt es als Hartkapsel (50 mg Olaparib) und als Tablette in zwei Dosierungen (100 und 150 mg). Kapseln: Es werden zweimal täglich acht Kapseln eingenommen. Die Tagesdosis entspricht 600 mg Olaparib.
Für die Behandlung anderer Krebserkrankungen steht der Wirkstoff auch als Kapsel zur Verfügung.
Wie bei jeder Krebstherapie kann auch die Behandlung mit Olaparib Nebenwirkungen verursachen. Dennoch ist die Behandlung mit PARP-Hemmern nicht ohne Nebenwirkungen. In der OlympiaD-Studie waren bei nahezu allen Patientinnen in der Olaparib-Gruppe unerwünschte Ereignisse aufgetreten, ähnlich wie in der Chemotherapie-Gruppe. Im Vergleich mit der Chemotherapie-Gruppe waren unerwünschte Ereignisse vom Schweregrad 3 oder mehr aber seltener: Betroffen waren 36,6 % der Patientinnen unter Olaparib und 50,5 % der Patientinnen unter Chemotherapie. Knapp 5 % der Patientinnen unter Olaparib und knapp 8 % der Patientinnen unter Chemotherapie brachen die Behandlung wegen unerwünschter Ereignisse ab.
Häufige Nebenwirkungen unter der Olaparib-Therapie waren Veränderungen des Blutbildes wie Anämie und Neutropenie, gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen oder auch Husten. Die Beschwerden waren in den meisten Fällen jedoch milde ausgeprägt. Unter den unerwünschten Ereignissen vom Grad 3 oder höher fanden sich hauptsächlich Anämien und Neutropenien.
Da sich Olaparib auf die Blutzellen auswirkt und es damit zu Blutbildveränderungen kommt, wird empfohlen, dass Patienten die Therapie erst beginnen, wenn sich die Blutzellen von einer vorangegangenen Krebsbehandlung erholt haben. Grundsätzlich liegt das im ärztlichen Ermessen und ist abhängig vom Krankheitsverlauf.
Blutbildveränderungen: Es kann zu Mängeln kommen, z.B. Achtung: Da sich Olaparib auf die Blutzellen auswirkt und es damit zu Blutbildveränderungen kommt, wird empfohlen, dass Patienten die Therapie erst beginnen, wenn sich die Blutzellen von einer vorangegangenen Krebsbehandlung erholt haben.
Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
Kein relevanter Unterschied zeigte sich bei Appetitverlust, Schlaflosigkeit und hormonellen Beschwerden.
Bei der Behandlung mit Olaparib trat Übelkeit im Mittel (Median) nach 6 Monaten auf, ohne Olaparib war das nach 19 Monaten der Fall.
Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Olaparib im Vergleich zur Behandlung ohne Olaparib hin. Schwere Nebenwirkungen insgesamt: Auch wenn sich bei einzelnen schweren Nebenwirkungen Vor- oder Nachteile von Olaparib zeigten, gab es insgesamt keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.
Auch beim HER2-low fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs, wenn zuvor eine Chemotherapie in der metastasierten Situation gegeben wurde oder die Krankheit sehr schnell (während oder innerhalb von 6 Monaten nach einer adjuvanten Chemotherapie) wieder aufgetreten ist, ist ein Einsatz möglich.
Auch wenn Haarausfall nicht zu den häufigsten Nebenwirkungen von Olaparib gehört, kann er bei einigen Patientinnen auftreten. Dies ist besonders belastend, da Haarausfall oft als sichtbares Zeichen der Krebserkrankung und ihrer Behandlung wahrgenommen wird. Es ist wichtig zu wissen, dass der Haarausfall in den meisten Fällen vorübergehend ist und nach Beendigung der Therapie wieder nachwächst.
Bei beiden Arzneimitteln betreffen die Nebenwirkungen besonders häufig das blutbildende System mit der Folge Blutarmut oder Anämie, Abfall der weißen Blutkörperchen (Neutropenie oder Leukopenie) oder der Blutplättchen (Thrombozytopenie). Außerdem kann es zu Störungen des Magen-Darm-Trakts kommen (Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, etc.), Erschöpfung oder Kopfschmerzen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um mit den Nebenwirkungen von Olaparib umzugehen. Sprechen Sie offen mit Ihrem behandelnden Arzt über alle Beschwerden, die Sie bemerken. Er kann Ihnen helfen, die Nebenwirkungen zu lindern oder die Dosierung des Medikaments anzupassen.
Einige allgemeine Tipps zur Linderung von Nebenwirkungen sind:
Bei Haarausfall können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
Die Therapie ist so lange fortzusetzen, bis die Krebserkrankung fortschreitet oder Resistenzen auftreten.
Patientinnen, die diese Arzneimittel zusammen mit Olaparib erhalten, sollten entsprechend klinisch überwacht werden.
Olaparib sollte nicht während der Schwangerschaft und nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter, die während der Therapie nicht zuverlässig verhüten, angewendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Olaparib nicht schwanger werden und bei Behandlungsbeginn nicht schwanger sein. Aufgrund seines Wirkmechanismus als PARP-Inhibitor könnte Olaparib den Fetus schädigen. Bei allen prämenopausalen Patientinnen wird vor Behandlungsbeginn ein Schwangerschaftstest empfohlen. Möglicherweise verringert Olaparib durch eine Enzym-Induktion die Exposition von CYP3A-Substraten und kann so die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva beeinträchtigen. Daher werden zusätzliche nicht-hormonelle Kontrazeptionsmethoden empfohlen.
Es ist nicht bekannt, ob Olaparib oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen.
Olaparib besitzt einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen, da Fatigue, Asthenie oder Schwindel mögliche Nebenwirkungen sein können.
Während der Behandlung mit Olaparib wurden Fälle von leichter oder mäßiger Anämie (CTCAE-Grad 1 oder 2), Neutropenie, Thrombozytopenie und Lymphopenie bekannt.
Vor Beginn der Olaparib-Therapie sollten die Konzentrationen von Hämoglobin, Thrombozyten und der Neutrophilen im Normalbereich liegen (bzw. Kommt es zu einer schwerwiegenden hämatologischen Toxizität oder wird eine Patientin Bluttransfusion-pflichtig, sollte die Behandlung mit Olaparib unterbrochen werden. Gleichzeitig ist eine entsprechende hämatologische Untersuchung einzuleiten.
Treten neue oder sich verschlechternde Atemwegssymptome wie Dyspnoe, Husten und Fieber auf, sollte die Behandlung mit Olaparib unterbrochen und unverzüglich eine Untersuchung eingeleitet werden. Das gilt ebenso bei radiologischen Anomalien. Bei einer bestätigten Pneumonitis sollte Olaparib abgesetzt und die Patientin entsprechend behandelt werden. Bei einer kleinen Anzahl von Patientinnen verlief die Pneumonitis tödlich.
Die Therapie mit Olaparib kann eine wirksame Option für Patientinnen mit bestimmten Krebserkrankungen sein, insbesondere bei Vorliegen einer BRCA-Mutation. Wie bei jeder medikamentösen Behandlung ist es wichtig, sich über mögliche Nebenwirkungen zu informieren und eng mit dem behandelnden Arzt zusammenzuarbeiten, um diese bestmöglich zu managen. Haarausfall kann eine dieser Nebenwirkungen sein, ist jedoch meist vorübergehend. Eine offene Kommunikation und die Anwendung unterstützender Maßnahmen können dazu beitragen, die Lebensqualität während der Therapie zu erhalten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Sprechen Sie immer mit Ihrem behandelnden Arzt, bevor Sie eine neue Therapie beginnen oder Änderungen an Ihrer bestehenden Behandlung vornehmen.
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