Das Styling der Spitzenpolitiker wird vom Steuerzahler bezahlt - und das nicht zu knapp! Dabei stellt sich die Frage, ob teure Friseurbesuche und Make-up-Sessions sich am Ende politisch bezahlt machen.
Olaf Scholz mit seinem typischen Kurzhaarschnitt (Quelle: RND)
Im Jahr 2023 wollte die AfD-Fraktion es genauer wissen und stellte eine kleine Anfrage zur Aufschlüsselung der angefallenen Kosten für die Inanspruchnahme von Visagisten und Frisören durch Mitglieder der Bundesregierung, Staatssekretäre und Parlamentarische Staatssekretäre im Zeitraum vom 1. Januar bis 12. Oktober 2023.
Dabei kam heraus: Knapp 200.000 Euro wurden in besagtem Jahr gesamthaft für das Styling der Top-Parlamentarier aufgewendet. Ehemalige Bundeskanzler verrechneten im Zeitraum 2023 zudem für die Inanspruchnahme einer freiberuflichen Assistentin für Make-up und Frisur einen Betrag von 29.416,99 Euro, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. 17.200 Euro davon sollen auf Alt-Kanzlerin Angela Merkel entfallen sein. Insgesamt soll die ehemalige CDU-Kanzlerin seit dem Ende ihrer Amtszeit über 55.000 Euro für Haare und Make-up aufgewendet haben.
Die Summe der Stylingkosten der Ampel soll sich laut einem Bericht der Bild-Zeitung von 2022 bis Ende 2024 auf über 538.000 Euro summiert haben - und das Auswärtige Amt, angeführt von Ex-Außenministerin Annalena Baerbock, trug dabei die höchste Rechnung.
Baerbock, die 2022 mit Styling-Ausgaben von über 136.500 Euro die Spitzenreiterin war, soll monatlich etwa 8.925 Euro allein für ihre Visagistin gezahlt haben. Doch die Rechnung aus dem Auswärtigen Amt umfasst nur die Kosten bis April 2024. Der tatsächliche Betrag dürfte also deutlich höher liegen. In den ersten drei Monaten von 2025 - und zeitgleich die letzten Monate der Ampel-Regierung - kamen weitere fast 50.000 Euro extra für Visagisten hinzu! Damit summieren sich allein die bekannten Stylingkosten der Ex-Regierung über die Jahre auf einen Betrag von knapp 600.000 Euro, den der Bundeshaushalt tragen musste.
Besonders ins Gewicht fallen sollen neben der Grünen-Ex-Außenministerin, die umgerechnet an jedem Tag rund 248 Euro fürs Styling ausgab, auch Ex-Kanzler Olaf Scholz (rund 13.000 Euro für 2025) sowie die ehemalige Familienministerin Lisa Paus, Ex-Umweltministerin Steffi Lemke und Alt-Innenministerin Nancy Faeser.
Die teuren Make-up-Kosten und Styling-Ausgaben stoßen nicht nur beim Bundesbürger auf Kritik. AfD-Politiker Stephan Brandner schimpfte in der Zeitung: Die Ampel-Minister hätten selbst in den letzten Monaten ihrer Amtszeit „nicht davor zurückgeschreckt, tief in die Tasche der Steuerzahler zu greifen, um sich ‚hübsch‛ machen zu lassen“.
Die Fraktion forderte Ende 2024 ein Ende der Kostenübernahme für Visagisten und argumentierten damit, dass auf der anderen Seite Arbeitnehmer, selbst wenn sie bei ihrer Arbeit ein äußerlich gepflegtes Erscheinungsbild an den Tag legen müssten, die Kosten für Kosmetik und Frisur nicht steuerlich geltend machen können.
Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, sagte auf die Antwort der Bundesregierung 2023 bereits, dass diese Ausgaben „auf das Notwendigste reduziert und im Zweifel privat bezahlt werden“ sollten.
Seit über 30 Jahren ist der Hamburger Friseur Behcet Algan für den Haarschnitt von Olaf Scholz zuständig, auch schon in Zeiten, als es noch etwas mehr zu tun gab. Kennengelernt haben sich Olaf Scholz und Behcet Algan Anfang der 80er Jahre im Altona SPD Kreis, als Scholz noch ein „junger Politiker war“, so der Friseur.
In den Anfangszeiten hatte Behcet Algan noch deutlich mehr Aufwand mit den Haaren des heutigen Bundeskanzlers. „Olaf Scholz hatte damals natürlich einen anderen Haarschnitt, anderen Haarstil gehabt, wie ein Hippie“, so der 67-Jährige zu RTL Nord. Der aktuelle Kurzhaarschnitt von Olaf Scholz ist inzwischen ein echter Verkaufsschlager - der Friseur bietet ihn für faire 4,99 Euro an.
Olaf Scholz bei seinem Friseur Behcet Algan (Quelle: tag24.de)
Noch bevor Politiker*innen an ein Rednerpult treten und das Wort ergreifen, treten sie als Kleiderträger*innen in Erscheinung und werden von ihrem Gegenüber unweigerlich taxiert, eingeordnet, interpretiert. Der gute - oder zumindest glaubwürdige - optische Eindruck zählt, und darum ist eben mit Bildern leichter Politik zu machen als mit Worten oder irgendwann tatsächlich folgenden Taten.
Die Politikwissenschaftlerin Sabine Dengel sieht im „Zeitalter des Visuellen“ Mode deshalb sogar als Thema der politischen Bildung, die „kritische Urteilsbildung fördern will“.
Es geht weder um die Haarlinie von Lindner noch um die auf die Holzkette abgestimmte Föhnfrisur von Lisa Paus. Es geht um das Selbstverständnis, Geld der arbeitenden Bevölkerung für persönliche Eitelkeiten auszugeben. Es ist schließlich eine persönliche Entscheidung, wie man sich am Arbeitsplatz präsentiert, auch wenn es sich dabei um die Öffentlichkeit handelt.
Gemessen am Bundeshaushalt von rund 457 Milliarden Euro pro Jahr sind selbst 11.000 Euro für ein bisschen Minister-Mani-Pedi nichts. Doch gemessen an den durchschnittlichen Preisen für Haarschnitte zwischen 28 Euro (Männer) und 67 Euro (Frauen) sind 11.000 Euro pro Monat dann doch eher viel. Solche Ausgaben sind instinktlos.
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) erhält Lob aus dem skandinavischen Ausland für sein Aussehen. Zwei „Friseure und Vertraute des schwedischen Königshauses“ loben den Look des 52-Jährigen. Der aus Kopenhagen stammende Madsen bringe skandinavischen Stil in die deutsche Politik.
tags: #olaf #scholz #haarschnitt #stil
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