Natürliche rote Haarfarben: Ursachen und Genetik

Rote Haare sind auffällig und selten. Nur etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung haben sie, meist in Kombination mit heller Haut und Sommersprossen.

Schönes Haar gilt als Zeichen von Gesundheit und Jugend, entsprechend werden sie von den meisten gepflegt. Volles, glänzendes Haare gilt seit jeher als Symbol für Schönheit, Vitalität und Lebenskraft. Viele widmen ihrer natürlichen Kopfbedeckung jede Menge Aufmerksamkeit und Pflege.

Die genetischen Grundlagen der Haarfarbe

Ob blond, braun oder rothaarig - Die Genetik bestimmt, welche Haarfarbe ein Kind einmal bekommen wird. Die Regeln der Vererbung sind kompliziert, auch wenn Mutter und Vater dunkelhaarig sind, muss ihr blonder Nachwuchs kein Kuckuckskind sein. Eine exakte Vorhersage, welche Haarfarbe der Nachwuchs haben wird, ist kaum möglich. Das liegt daran, dass die Vererbung dieses Merkmals sehr komplex und noch immer nicht völlig verstanden ist.

Molekularbiologen der Erasmus-Universität Rotterdam schätzen, dass mehr als zehn Gene Einfluss auf die Haarfarbe haben. Da jeder Mensch von jedem Gen ein mütterliches und ein väterliches Exemplar besitzt, ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und eine entsprechende Vielfalt an Farbtönen.

Eine Studie ermöglicht nun Einblicke in die genetischen Grundlagen dieses Merkmals. Sie dokumentiert die erstaunliche Komplexität, die den Variationen zugrunde liegt: Die Forscher identifizierten 124 Gene, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Haarfarbe spielen.

Die Rolle von Melanin

Verantwortlich für die Haarfärbung ist das Pigment Melanin. Es wird von speziellen Hautzellen, den Melanozyten, produziert und in die Haare eingelagert. Von dem Farbstoff gibt es zwei Varianten: das dunkle Eumelanin und das helle Phäomelanin.

Je nachdem, in welchem Mengenverhältnis die beiden Pigmente gebildet werden, nehmen die Haare unterschiedliche Farbtöne zwischen hellblond und schwarz an. „Das Komplizierte an der Pigmentierung ist, dass die Herstellung von Eu- und Phäomelanin von so vielen Genen reguliert wird. Wie viele Gene insgesamt daran beteiligt sind, kann heute noch niemand genau sagen“, erklärt die Biologin Melanie Harder aus dem Labor von Nicole von Wurmb-Schwark, Professorin für Rechtsmedizin des Uniklinikums Schleswig-Holstein in Kiel.

Melanin bestimmt die Haarfarbe
Die natürliche Haarfarbe wird von der Menge der eingelagerten Pigmente, vor allem dem Melanin, bestimmt. Dieses wird in den Zellen des Haarfollikels gebildet. Es gibt zwei Typen von Melanin die für die verschiedenen Farbvarianten unseres Haares verantwortlich sind.

  • Eumelanin ist das Schwarz-Braun-Pigment
  • Phäomelanin ist das Rot-Pigment, das für die Färbung von hellblonden, blonden und roten Haaren verantwortlich ist.

  • Blonde Haare: enthalten wenig Eumelanin und viel Phäomelanin
  • Dunkle Haare: enthalten viel Eumelanin und wenig Phäomelanin
  • Rote Haare: enthalten wenig Eumelanin und sehr viel Phäomelanin

Die dazwischenliegenden Haarfarben entstehen aus individuellen Mischungsverhältnissen der beiden Melanintypen. Wenn diese zwei Pigmente komplett fehlen, sind die Haare bleich und man spricht dann von Albinismus.

Der MC1R-Rezeptor

Wie so oft liegt es in den Genen, wie viel Eumelanin oder Phäomelanin ein Mensch im Körper hat - genauer: auf dem Chromosom 16. Dort befindet sich unter anderem die genetische Information für den Melanocortin-1-Rezeptor oder kurz MC1R. Ist dieser Hormonrezeptor aktiv, bringt er Melanozyten dazu, viel Eumelanin und nur wenig Phäomelanin zu produzieren. Die Folge sind braune oder schwarze Haare, dunkle Haut und Augen.

Durch zufällige Mutationen kann aber die Funktion von MC1R gestört sein. Bei mehr als 90 Prozent der rothaarigen Menschen ist MC1R verändert. Der Nachweis bestimmter Varianten des sogenannten MC1R-Gens lässt mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass der Träger dieses Gens rötliche Haare hat.

Bei den meisten Rothaarigen ist es funktionslos. Bei ihnen überwiegt das Pigment Phäomelanin, das auch für helle Haut verantwortlich ist. Vererbt werden rote Haare in der Regel nur, wenn Vater und Mutter rothaarig oder zumindest blond sind.

Genetik: Vererbung der Augenfarbe

Interessante Fakten über Rothaarige

Übrigens: Rote Haare sind im Vergleich zu anderen Farbvarianten sehr dick. Dafür tragen rothaarige Menschen mit 90.000 vergleichsweise wenige Haare auf dem Kopf. Braun- und schwarzhaarige Menschen haben im Schnitt 100.000, blonde sogar bis zu 150.000 Kopfhaare.

Nur ein bis zwei Prozent der Menschen weltweit haben rote Haare. Auffällig viele der "Redheads" oder "Ginger Heads" tummeln sich in Europa, genauer in Wales, Schottland und Irland. Dort ist jeder zehnte Bewohner rothaarig.

Rothaarige sollen ein anderes Schmerzempfinden haben - dies zumindest wollen einige Studien ergeben haben. So sollen sie bis zu 20 Prozent mehr Narkosemittel als andere benötigen.

Da rote Haare ihre Pigmente länger behalten als andere Haarfarben, werden diese erst später grau, meistens jedoch weiß.

Es gibt ein Magazin nur für Rothaarige. Der Name? MC1R!

Die Evolution der Haarfarbe

Afrika ist die Wiege des modernen Menschen. Dieser ursprüngliche Homo sapiens war dunkelhäutig mit schwarzbraunen Haaren. So war der Mensch, der inzwischen kein Fell mehr trug, gut gegen aggressive Sonnenstrahlung geschützt. Diese Eigenschaften - also viel Melanin in Haut und Haaren - werden dominant vererbt.

Dort scheint die Sonne aber weniger und auch nicht so intensiv. Der eigentlich sinnvolle Sonnenschutz wandelte sich zum Nachteil, denn die stark pigmentierte Haut filterte zu viel UV-Licht heraus. Das benötigt der menschliche Körper aber, um Vitamin D herzustellen. Menschen mit - zufälligerweise - weniger Eumelanin und deshalb hellerer Haut hatten also auf einmal einen Vorteil, obwohl diese Eigenschaften rezessiv vererbt werden.

Die Evolution sorgte dafür, dass sich diese Mutation in Gebieten durchsetzte, in denen die Sonne weniger intensiv scheint. Gleichzeitig waren Wales, Schottland und Irland durch ihre Insellage lange isoliert, sodass sich die rezessiven Eigenschaften stärker stabilisieren konnten als in Gebieten mit starker Zu- und Abwanderung.

Rothaarige und Sonnenschutz

Menschen mit roten Haaren haben weniger und andere Pigmente in den Haaren und der Haut. Letztere ist sehr hell und empfindlich gegenüber Sonnenstrahlen. Es ist bekannt, dass wiederholte Sonnenbrände das Risiko für Hautkrebs steigern. Dabei gilt: Je mehr Eumelanin, umso dunkler die Haut und umso unempfindlicher ist sie gegen Sonnenstrahlung. Außerdem kann Eumelanin ganz schön was einstecken, bevor es kaputtgeht. Man sagt auch, das Pigment ist photostabil.

Ganz anders das Phäomelanin: Es reagiert sehr empfindlich auf Licht und bietet so kaum Schutz. Allerdings zeigen neuere Forschungen, dass nicht allein die mechanische Wirkung der Farbstoffe für den Sonnenschutz zuständig ist. Eumelanin ist auch ein sogenannter Radikalfänger. Das Pigment deaktiviert also reaktive Moleküle, die Zellschäden hervorrufen können.

Außerdem aktiviert MC1R bestimmte Mechanismen in der Zelle, die zum Beispiel Schäden an der Erbsubstanz (DNA) reparieren. Bei den meisten Rothaarigen ist MC1R verändert. Sie haben also deutlich weniger Eumelanin.

Rothaarige und Schmerzempfinden

Rothaarige und somit Träger von MC1R-Genvarianten reagieren anders auf Schmerzreize als Nichtrothaarige. Ausschlaggebend ist die Art des Reizes. Auf mechanischen Druck zum Beispiel reagieren rothaarige Menschen unempfindlicher, während Hitze und Kälte ihnen mehr zusetzen als Probanden mit anderen Haarfarben.

Interessant ist, dass rothaarige Menschen offenbar nicht auf die schmerzstillende Wirkung von Lidocain ansprechen. Dieser Wirkstoff wird zur örtlichen Betäubung vor allem bei zahnmedizinischen Behandlungen eingesetzt. In einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2009 stellten Forschende fest, dass rothaarige Probanden aus Angst vor schmerzhaften Untersuchungen doppelt so häufig Zahnarztbesuche mieden wie eine Vergleichsgruppe.

Woran es liegt, dass Rothaarige oft nicht auf Lidocain ansprechen, weiß man noch nicht. Lidocain wird unter die Haut gespritzt und wirkt nur an einem sehr begrenzten Ort. Anders ist das bei Inhalationsanästhetika, die auf den gesamten Körper wirken. Allerdings wurden nur zehn rothaarige mit zehn dunkelhaarigen Probandinnen verglichen. In einer später durchgeführten Studie mit 468 gesunden Menschen gab es keinen messbaren Unterschied zwischen rot- und dunkelhaarigen Probanden.

Die Zukunft der roten Haare

Auch wenn es nur wenige rothaarige Menschen gibt, ist es unwahrscheinlich, dass sie irgendwann verschwinden. Denn die rote Haarfarbe wird verdeckt oder rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass auch dunkelhaarige und blonde Menschen die Erbanlagen für rote Haare in ihren Genen tragen können, solange unter ihren Vorfahren irgendwann Rothaarige waren. So kann Rothaarigkeit über Generationen versteckt weitergetragen werden.

Haarfarbe und Haardichte im Vergleich:

Haarfarbe Anzahl der Haare (ca.)
Blond 150.000
Braun/Schwarz 100.000
Rot 90.000

tags: #natürliche #rote #haarfarben #ursachen

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