Ein Vaterschaftstest bringt Klarheit in die Abstammungsverhältnisse, wenn Zweifel bestehen, ob ein Mann tatsächlich der biologische Vater eines Kindes ist. In den meisten europäischen Ländern darf man einen Vaterschaftstest nur mit Einverständnis aller Beteiligten durchführen - heimliche Tests sind in der Regel nicht zulässig. Hier erfahren Sie mehr zum Thema Vaterschaftstest, was er kostet, wann er möglich ist und wie er funktioniert.
Ein Vaterschaftstest ist natürlich nicht kostenlos. Einen privaten Vaterschaftstest zahlt der Auftraggeber. Die Kosten können in Deutschland und Österreich ungefähr zwischen 150 und 400 Euro liegen, teils aber auch mehr. Der genaue Preis hängt vom Anbieter, von der Anzahl der analysierten DNA-Marker (kurze, eindeutig identifizierbare DNA-Abschnitte) und der Anzahl der in die Analyse einbezogenen Personen ab (nur Vater und Kind oder zusätzlich Mutter oder Geschwister).
In der Schweiz werden etwa 300 Schweizer Franken für den einfachen Vaterschaftstest fällig, bei dem das Erbgut von Vater und Kind analysiert wird. Werden die Mutter miteinbezogen, entstehen höhere Kosten um die 1.000 Schweizer Franken.
Weigert sich ein Beteiligter, einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen, kann die gerichtliche Feststellung beantragt werden. Das zuständige Gericht gibt dann den Vaterschaftstest (Abstammungsgutachten) in Auftrag und übernimmt zunächst auch die Kosten dafür. Wird die Vaterschaft bestätigt, muss in der Regel der Vater später die Kosten tragen.
In den meisten Ländern ist vor einem Vaterschaftstest die Zustimmung der Beteiligung erforderlich. Es gibt aber auch Ausnahmen.
Prinzipiell hat jeder das Recht, einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen. Nach dem deutschen Gendiagnostikgesetz ist das aber nur unter Zustimmung aller Beteiligten erlaubt, das heißt:
Der Grund: Genetisches Material unterliegt juristisch dem Datenschutz. Ein heimlich durchgeführter Vaterschaftstest wird daher vor einem Gericht nicht als Beweismittel anerkannt.
Und nicht nur das: Wird ein Vaterschaftstest ohne Zustimmung der Mutter und - bei Volljährigkeit - des Kindes heimlich durchgeführt, droht Auftraggebern eine empfindliche Geldstrafe.
Auch in der Schweiz sind heimliche Vaterschaftstests - wie in den meisten europäischen Ländern - nicht erlaubt. Zustimmen müssen Mutter und Vater, wenn das Kind noch minderjährig ist. Bei erwachsene Kindern ist auch deren Zustimmung erforderlich.
In Österreich dagegen sind heimliche Vaterschaftstests nicht gesetzlich verboten. Gerichtlich verwertbar sind sie allerdings nicht.
Für einen gerichtlich anerkannten Tests braucht es die Zustimmung der Beteiligten - auch die des Kindes, wenn dieses schon volljährig ist.
Ab wann kann man einen Vaterschaftstest machen? In besonderen Fällen darf ein Vaterschaftstest bereits während der Schwangerschaft durchgeführt werden.
Ein solches pränatales Abstammungsgutachten ist in Deutschland nur erlaubt, wenn ein Arzt vermutet, dass das Ungeborene durch eine Vergewaltigung oder einen sexuellen Missbrauch gezeugt wurde. Behörden können dann den Vaterschaftstest vor der Geburt anordnen. Privat darf man ihn nicht durchführen lassen.
Anders ist das in Österreich und der Schweiz. Dort darf ein pränataler Vaterschaftstest privat durchgeführt werden.
Eine Vaterschaft lässt sich anhand der Blutgruppen der Beteiligten oder äußerlicher Merkmale wie Haut-, Haar- oder Augenfarbe einschätzen. Ein sicherer Vaterschaftstest besteht aber in der DNA-Analyse. Dabei wird das Erbgut (DNA) vom möglichen Vater mit dem des Kindes verglichen.
Schließlich stammt das Erbgut eines Menschen immer zu 50 Prozent vom Vater und zu 50 Prozent von der Mutter.
Alle Körperzellen enthalten DNA. Zur Analyse eignen sich daher beispielsweise Blutproben, Haare oder eine Speichelprobe (enthält Schleimhautzellen mit DNA).
Häufig verwendet man Speichelproben für einen Vaterschaftstest. Blut ist nämlich schwieriger zu gewinnen. Ungünstiger ist auch ein Vaterschaftstest mit Haaren, denn Haare lassen sich nicht immer eindeutig einer Person zuordnen.
Speichelproben (vom Kind, vom potenziellen Vater und oft auch von der Mutter) lassen sich gewinnen, indem man mit einem sterilen Wattestäbchen einen Abstrich von der Mundschleimhaut macht. Labormitarbeiter isolieren darauf das enthaltene Erbgut (DNA). Die Prüfung von 15 bis 40 DNA-Markern erlaubt es schließlich, die Abstammungsverhältnisse zu klären.
Als Analyseverfahren im Labor kommen die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und die Gelelektrophorese bei einem Vaterschaftstest zur Anwendung.
Seit 2012 gibt es eine risikofreie Methode zur vorgeburtlichen Testung: Aus einer Blutprobe der Mutter lässt sich die DNA des Fötus isolieren und labortechnisch untersuchen.
Andere Methoden sind mit einem nicht unerheblichen Fehlgeburtsrisiko verbunden:
Grundsätzlich ist es möglich, einen Vaterschaftstest mit Haaren durchzuführen. Für einen Abgleich der DNA zwischen Vater und Kind braucht das Labor DNA-Proben. Der Vaterschaftstest mit Haaren hat höhere Anforderungen an die Proben.
Ein Vaterschaftstest mit Haaren ist laut DDC Diagnostic Center nicht so sicher, weil das Labor dafür die Haare mit der Haarwurzeln benötigt. Sonst kann keine gesicherte Analyse durchgeführt werden. Es ist also nicht möglich, abgeschnittene oder ausgefallene Haare von Kind und potentiell biologischem Vater einzusenden. Das reicht für einen Vaterschaftstest mit Haaren nicht aus. Es müssten dafür mit der Haarwurzel entfernte Haare vorliegen.
"Stellen wir verwertbare DNA fest, können wir den Standard-DNA-Test mit einer Zuverlässigkeit von 99,999 Prozent durchführen. Finden wir im ersten Schritt dagegen keine verwertbare DNA, werden wir den Test auch nicht vornehmen. Beim Vaterschaftstest mit Haaren liegt die Chance, dass wir verwertbare DNA finden, bei 80 bis 90 Prozent."
Neben Haaren können auch andere Spurenproben für einen Vaterschaftstest verwendet werden, insbesondere wenn eine der Testpersonen bereits verstorben ist. Hier einige Beispiele:
Nach dem Vaterschaftstest dauert es einige Tage, bis das Ergebnis vorliegt. Das Ergebnis sagt aus, ob eine Vaterschaft vorliegt oder nicht. Konkret kann ein Vaterschaftstest eine Vaterschaft zu 100 Prozent ausschließen oder mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent bestätigen. Die Tests sind sehr zuverlässig, so kann ein Vaterschaftstest-Ergebnis praktisch nicht falsch sein.
In Deutschland und Österreich kann man einen Vaterschaftstest beim Frauenarzt, im Krankenhaus oder in der Apotheke durchführen lassen. Vaterschaftstest-Boxen gibt es auch im Internet, inklusive aller benötigten Materialien und Formulare. Die Probengewinnung muss dann allerdings in Anwesenheit eines neutralen Zeugen und mit Zustimmung der Beteiligten erfolgen, damit sie rechtlich anerkannt wird. Die Anbieter arbeiten in der Regel mit von den Behörden zertifizierten Laboren zusammen, sodass die Testergebnisse gerichtlich verwertbar sind. Vergewissern Sie sich dessen aber, bevor Sie das Testmaterial bestellen.
In der Schweiz ist ein Vaterschaftstest nur gerichtlich verwertbar, wenn er in einem Institut für Rechtsmedizin oder einem vom Bund anerkannten Labor durchgeführt wird. Tests über das Internet oder ein Probenversand ins Ausland zur Analyse haben vor Gericht keinen Bestand.
Ein Vaterschaftstest darf in Deutschland nur durchgeführt werden, wenn alle Beteiligten schriftlich zustimmen. Bzw. muss beim Baby und minderjährigen Kind die Mutter schriftlich einwilligen und ebenso der zu testende Vater. Heimliche Tests mit zu Hause entnommen Proben wie Haaren, Blut oder Speichel sind generell nicht möglich. Das ist im Gendiagnostikgesetz geregelt. Wer dagegen verstößt, macht sich strafbar und zahlt möglicherweise ein Bußgeld von mehreren tausend Euros.
Wenn der Vater sich weigert, einen Vaterschaftstest machen zu lassen, dann kann nur ein Gericht darüber entscheiden, ob dies in Ausnahmen dennoch notwendig ist. Die Mutter darf den Test nicht ohne die Einwilligung des zu testenden Vaters machen. Umgekehrt darf der Vater Proben des minderjährigen Kindes nicht ohne schriftliche Einwilligung der Mutter für einen Vaterschaftstest nutzen.
Außerdem muss jeder Vaterschaftstest, der gerichtlich und behördlich anerkannt werden soll, von einer dritten neutralen Person bezeugt und dokumentiert werden.
Einen heimlichen Vaterschaftstest durchzuführen, kann teuer werden: Diese Ordnungswidrigkeit kann mit bis zu 5.000 Euro bestraft werden.
Ein Vaterschaftstest ist ein komplexes Thema, das viele Fragen aufwirft. Dieser Artikel hat die wichtigsten Aspekte beleuchtet, von den Kosten und den verschiedenen Testmethoden bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen. Es ist wichtig, sich vor der Durchführung eines Vaterschaftstests umfassend zu informieren und sich gegebenenfalls professionelle Beratung einzuholen.
| Land | Heimlicher Vaterschaftstest erlaubt? | Zustimmung der Beteiligten erforderlich? | Pränataler Vaterschaftstest erlaubt? |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Nein | Ja | Nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Vergewaltigung) |
| Schweiz | Nein | Ja | Ja |
| Österreich | Ja (aber nicht gerichtlich verwertbar) | Ja (für gerichtlich verwertbaren Test) | Ja |
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