Eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale buddhistischer Nonnen und Mönche ist der kahl geschorene Schädel. Doch woher stammt die Tradition der Haarrasur?
Es ist bekannt, dass das Ritual der Haarrasur notwendig ist, wenn man ein buddhistischer Mönch werden möchte. Die Kopfrasur ist ein Zeichen dafür, dass jemand dem Laienstand entsagt und besondere buddhistische Gebote auf sich genommen hat.
Nach indischer Überlieferung tragen buddhistische Nonnen und Mönche ein gelbes und rötliches Mönchsgewand und leben als Geistsucher von fleischloser Nahrung.
Zum Verständnis benötigen wir zunächst den Ausgangspunkt buddhistischer Weltsicht: Die Buddhisten glauben pessimistisch, dass alles Dasein Leiden ist. Nur wenn man auf geistigem Wege die Wahrheit des Leidens findet, kann man das Leid aufheben.
Dieser Ansicht nach können Haare viele Bedeutungen haben. Zuerst stellen sie weltliche Probleme, Leidenschaften und vergangene Fehler dar. Die sind zwar eigentlich vergänglich, aber behindern die wahren Erkenntnisse.
Haare stehen auch dafür, dass man an gewissen Dingen, Personen oder Vorstellungen hängt, von denen man sich nicht trennen wollen würde. Lässt man die Haare abschneiden, bedeutet es, dieses „Anhaften” aufzugeben.
Inklusive Familienleben: Traditionell ließen sich die erwachsenen Han-Chinesen ihre Haare nicht schneiden, da dies der sogenannten kindlichen Pietät widersprochen hätte. Kindliche Pietät spielt eine zentrale Rolle im Konfuzianismus und bedeutet die Liebe der Kinder zu ihren Eltern. Dieser Ethik zufolge gehören der Leib, die Haare sowie die Haut nicht nur den Kindern selbst, sondern auch ihren Eltern. Um ihre Liebe zu zeigen, dürfen Kinder folglich diese nicht beschädigen.
Die Tradition des Haarscherens beginnt schon mit dem Buddha, der vor ca. 2641 Jahren als Prinz Siddhartha geboren wurde und als die wichtigste Person im Buddhismus gilt. Als er damals das Leid unter den Menschen in Indien entdeckte, entschied er sich mit 29 Jahren, das Leben als Prinz aufzugeben. Er wollte einen gängigen Weg für alle Menschen finden, das Leiden aufzuheben. Nachdem er seinen Palast verlassen hatte, rasierte er seine langen, wallenden Haare ab.
Langes Haar war damals ein Hauptkennzeichen für Angehörige der indischen Herrscherschicht. Nur Sklaven und Verbrechern wurden die Haare abgeschnitten als Merkmal ihres sozialen Status. Nach sechs Jahren der Suche und nach der Erleuchtung unter der Pappelfeige, wo er der sogenannte Buddha wurde, fing er an, im Nordosten Indiens seine Wahrheit über das Leid zu lehren.
Er rasierte persönlich die Köpfe seiner ersten fünf Lernenden ab.
Allerdings trägt heutzutage nicht jede/r buddhistische/r Nonne/Mönch eine Glatze. In Japan hat sich zum Beispiel die Praxis der Kopfrasur im Zuge der Modernisierung stark gelockert. Außerdem ließen bisher doch einige angesehene buddhistische Lehrer ihre Harre wachsen.
Einer der bekanntesten von ihnen ist sicherlich der Zen-Meister Hsu Yun (1840-1959). Der lang lebende Praktiker entledigte sich seiner Haare angeblich höchstens einmal pro Jahr. Denn für ihn ist die Kopfrasur von Geistlichen kein erforderlicher Akt, sondern bloß eine Tradition. Diese Meinung soll das Niveau des Meisters zeigen: Wenn die Welt eigentlich illusorisch ist, können Haare tatsächlich ebenfalls keinen Sinn einnehmen.
In manchen Traditionen bedeutet eine Weihe zum Mönch eine lebenslange Entscheidung. Dennoch bieten gegenwärtig viele buddhistische Gemeinschaften beziehungsweise Klöster im südöstlichen Asien sowie in Europa die Möglichkeit an, dass man kurzzeitig Nonne oder Mönch werden kann. Zusammenleben mit Nonnen und Mönchen kann man auch für Tage oder Wochen im Tempel, ohne tatsächlich ein Mönch werden zu müssen.
Eine solche Möglichkeit für eine Auszeit ist also mittlerweile im Trend. Natürlich ist das eine freie Entscheidung. Die Haarrasur sollte dabei kein Druck sein. Jedoch sei es nach wie vor eine gute Idee, so der Meister von Fo Guang Shan, dass sich die buddhistischen Praktiker ihre Haare abschneiden lassen: „Nach der Kopfrasur kann man völlig anders sein als zuvor. So fit, dass es sich lohnt, es zu probieren. Wenn man sich daran gewöhnt, können die längeren Haare unangenehm sein.
Prof. Barbara Müller, Institut für Kirchenund Dogmengeschichte, Uni Hamburg:Das Haar ist ein Symbol für Lebenskraft, weil es ständig nachwächst. Wenn ein Mönch sein Haar schneidet, es also „opfert“, demonstriert er damit seine Hingabe für Gott. Im 4. Jahrhundert ließen sich die Mönche den Kopf noch komplett scheren. Dies geschah in der Regel, wenn sie ins Kloster eintraten und ihre Kleider erhielten. Die Haare ganz zu entfernen, bedeutete auch, zum geschlechtlichen Neutrum zu werden.
Verbindlich wurde die sogenannte Tonsur für Mönche erst im 6. Jahrhundert. Neben der klassischen Kutte ist die Tonsur das wohl bekannteste Merkmal eines Mönchs. Wobei Mönche sich den Hinterkopf rasieren, um ihrem religiösen Glauben Ausdruck zu verleihen.
Du liest diesen Blog wahrscheinlich, weil Mutter Natur Dir unfreiwillig eine Tonsur verpasst hast und Du wissen möchtest, wie Du sie wieder los wirst. Einfach gesagt: Eine Tonsur ist ein Haarkranz um eine Scheitelglatze. Heutzutage rasieren die Wenigsten sich freiwillig eine Tonsur.
Der übliche Verlauf bei erblich bedingtem Haarausfall sieht so aus: Zuerst bilden sich Geheimratsecken über der Stirn, danach wird das Haar am Hinterkopf immer lichter. Im Bereich des hinteren Wirbels bildet sich eine Tonsur. Ganz ursprünglich, im 4. Jahrhundert, haben sich Mönche ihren Kopf noch vollständig rasiert. Ab dem 6. Jahrhundert war das Rasieren des Kopfes sogar Pflicht.
Es beginnt oft mit schütteren Stellen, die Geheimratsecken wandern immer höher und irgendwann wird die erste kahle Stelle sichtbar. Manchmal kündigt der Haarverlust sich früh an, mitunter sogar schon mit Anfang 20. Bei anderen setzt er erst mit Mitte 50 ein. Der Verlauf ist ganz individuell verschieden und richtet sich nach der genetischen Veranlagung.
Schließlich kannst Du nicht andauernd eine Mütze tragen - spätestens bei 30°C im Schatten oder wenn Du nicht mehr allein im Bett liegst, wirst Du Dir eine bessere Lösung wünschen. Solange Du noch etwas Eigenhaar an der lichten Stelle hast - auch, falls es sich dabei nur um einen dünnen Flaum handelt - kannst Du die Tonsur innerhalb von Sekunden mit Streuhaar kaschieren.
Am einfachsten ist es, Dein Haar abzurasieren. Sprich vor der Rasur am besten mit Deinem Friseur, ob Deine Kopfform für eine Glatze oder einen Buzz Cut geeignet ist.
Ein Toupet ist ein Haarteil aus Kunst- oder Echthaar, das auf der glattrasierten Kopfhaut mit Spezialkleber befestigt wird. Allerdings muss es alle paar Monate neu geklebt und nach einigen Jahren komplett ersetzt werden.
Dieser Weg ist möglich, aber nicht risikofrei. Bei einer Haartransplantation wird durch einen Facharzt Eigenhaar an kahlen Stellen implantiert, das die Problemstellen wieder füllen soll. Außerdem birgt eine Haartransplantation, so wie jeder medizinische Eingriff, das Risiko für Nebenwirkungen. Im schlimmsten Fall stößt Dein Körper das implantierte Haar wieder ab.
Beispielsweise soll das verschreibungspflichtige Medikament Finasterid Haarausfall stoppen und in vielen Fällen auch das Wachstum der Haare fördern. Die möglichen Nebenwirkungen sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Für beide Geschlechter geeignet und weniger risikobehaftet ist der rezeptfrei erhältliche Wirkstoff Minoxidil.
Wichtig: Finasterid und Minoxidil lassen sich nur bei genetisch bedingter Alopezie anwenden. Nicht jeder Wirkstoff hilft bei jeder Ursache.
Für alle die, die kein Problem mit einer außergewöhnlichen Frisur haben, bietet es sich auch an, die Tonsur bewusst zu tragen. Obwohl Du eine Tonsur in keinem Modemagazin der Welt finden wirst, spricht nichts dagegen, sie mit Stolz zu tragen. Das Wichtigste für jede Frisur ist das Selbstbewusstsein, mit der Du sie trägst.
Vor allem Stellen, die regelmäßig rasiert werden, sollten mit einer beruhigenden Creme oder Lotion behandelt werden, um Reizungen und Pickel zu vermeiden. Im Sommer solltest Du auf kahle und rasierte Stellen unbedingt Sonnenschutz auftragen, um Deine Haut vor nachhaltigen Schädigungen durch UV-Strahlung zu schützen. Du solltest auch darauf achten, bei direkter Sonneneinstrahlung eine Mütze oder Kappe zu tragen, damit Du keinen Sonnenbrand bekommst.
Wenn Dir jemand ein Zaubermittel verspricht, solltest Du prinzipiell misstrauisch werden.
Ein geschorener Schädel ist in Indien ein Zeichen, dass jemand ein Mönchsgelübde abgelegt hat, Swami bzw. Sannyasi geworden ist. Manche Swamis rasieren sich täglich, viele lassen sich immer zu Neumond rasieren. Es gibt zwar auch Swamis, welche die Haare gar nicht rasieren und sich lange Haare und Bart wachsen lassen. Und manche Swamis schneiden sich auch die Haare ganz normal.
Tenzin Gyatsho, der XIV. Ein geschorener Schädel ist auch für buddhistische Mönche üblich - bzw. ist bei buddhistischen Mönchen noch üblicher als bei hinduistischen. Eventuell ist die Sitte, den Schädel zu scheren, über den Buddhismus zu den Swamis gekommen.
Ein Sannyasin rasiert seinen ganzen Schädel. Dies entfernt jegliche Schönheit. Er wird sich nicht darum bemühen müssen, sein Haar mit duftenden Ölen zu behandeln. Dies zeigt, dass er aller äußerer Schönheit entsagt hat und dass er im Selbst ruht, welches die Schönheit aller Schönheiten ist.
Das Rasieren des Kopfes (mundana) zeigt an, dass er nicht mehr von dieser Welt ist. Er sollte keine Sinnesobjekte mehr begehren. Es ist nur ein äußeres Zeichen für den mentalen Zustand der vollkommenen Entsagung und der Abkehr von den Vergnügungen dieser Welt.
Bei der Einweihung zum Sannyasin entfernt er seinen Zopf (choti) als Kennzeichen dafür, dass er nicht mehr an die Rituale Nitya Karma (Morgenbad) und Naimittika Karma (Neumond) gebunden ist, dass diese Karmas im Feuer der Entsagung (vairagya) verbrannt wurden.
Außerdem ist sein geschorener Schädel vorteilhaft für die Wanderschaft. Wenn er langes Haar hat, wird es ihn davon abhalten zu baden, wann immer er möchte.
Die Bedeutung des Haares, die bis ins Mystische reicht, begründet sich hauptsächlich in seiner Eigenschaft als erotisches Signal. Vor allem bei Frauen. Wo weibliche Erotik sichtbar ist, liegt männliche Angst nahe. Was Angst macht, muss aus den Augen, das heißt aus dem Sinn.
So wurden - stets von Männern befohlen - im mittelalterlichen Europa "Hexen" der Schädel geschoren; in der Gotik mussten Ehefrauen ihr Haar unter Schleiern und Hauben verbergen. Orthodoxe Jüdinnen haben bis heute die Pflicht zur Haarverhüllung. Das Bigotte dabei: Ist ihnen das Kopftuch zu banal, setzen sie ihrem Haar zusätzlich Perücken auf.
Selbstverständlich koschere, die "Scheitelmacherinnen" aus Osteuropa importieren. Perücken als Prestigeobjekte, unter denen sich die stolze Gehorsame das Hirn ausschwitzt, nur um sittsam, das heißt "für andere Männer unauffällig" zu bleiben.
Djilhab, Tschador, Burka und wie die muslimischen Verhüllungsschwestern alle heißen - auch sie sollen begehrliche Männerblicke bannen. Im Namen des Talmud, des Korans und der heiligen Schrift!
Ver- und Enthüllung aber gehören seit Menschengedenken zum schönen Spiel der Geschlechter. Zeig mir dein Haar, und ich sage dir, wer du bist. Das Gleiche gilt für den Bart.
Der Bart als Zeichen der Zeugungsfähigkeit, hergerichtet als ästhetische Größe oder Religionsaushängegebilde. Im Bart, behauptet der orthodoxe Glaubensmann, sitzt der Intellekt des Mannes - das sei der Grund, warum Frauen kein Bart wächst. Voilà!
Im Islam hält man einen Kerl, der sich rasiert, für ein Weichei, die Rasur selbst als Verstümmelung. Der Bart als Balzjoker, als religiöses oder politisches Bekenntnis, als Phänomen der Mimikry: So tragen heute immer mehr europäische Jungmänner Bart nach orientalischer Art. Warum? Ist es Symbol der "Willkommenskultur"? Ein stilles Bekenntnis zum Islam? Ein Spiel mit der Nostalgie oder albere Macho-Mode?
Biologisch zählt Barthaar übrigens zum Schamhaar.
Apropos! Gegenläufig zur Vollbartfashion lautet der neuste Schrei der westlichen Zivilisation: die Intimrasur, nach deren Vollzug das männliche Glied einem Grottenolm ähnelt und sich erwachsene Frauen mit glattrasierten Mösen wie kleine Mädchen präsentieren.
Hier ist eine Übersicht über die verschiedenen Aspekte der Tonsur bei Mönchen und mögliche Lösungen bei Haarausfall:
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Bedeutung im Buddhismus | Zeichen der Entsagung, Loslassen weltlicher Bindungen |
| Ursachen bei Männern | Erbliche Veranlagung, hormonelle Veränderungen |
| Lösungen bei Haarausfall | Streuhaar, Abrasieren, Toupet, Haartransplantation, Medikamente (Finasterid, Minoxidil) |
| Alternative | Bewusstes Tragen der Tonsur mit Stolz |
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