Olaplex Haarpflege Klage: Was steckt dahinter?

Seit seinem Launch im Jahr 2014 hat sich Olaplex als Marke für Haarreparatur etabliert. Das Unternehmen, dessen Technologie kaputte Haarbindungen wiederverknüpft, war Vorreiter einer ganzen Haarpflege-Kategorie rund um „Bond Repair“. Nun droht Olaplex juristischer Ärger aufgrund von Kundenbeschwerden. Mehrere Kund:innen werfen der Marke vor, dass ihre Produkte die Haare austrocknen, schädigen oder brechen lassen. Einige Nutzer:innen berichteten sogar von Haarausfall.

Prominente, Influencer und viele Friseure schwören auf das Produkt, das die Haare besonders pflegen und vor allem nicht schädigen soll: Olaplex. Doch jetzt klagen in Amerika rund 30 Frauen gegen das Unternehmen. Denn das von Olaplex Holdings vermarktete Produkt, das als Heilmittel für trockenes oder geschädigtes Haar angepriesen wird, soll bei den Klägern genau das Gegenteil bewirkt und das Haar und die Kopfhaut geschädigt und sogar zu kahlen Stellen und anderen Verletzungen geführt haben. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Aber kann die Anwendung von Olaplex wirklich zu solchen Schäden führen?

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Die Klage gegen Olaplex

28 Kläger:innen fordern 75.000 US-Dollar Schadensersatz (umgerechnet circa 70.500 Euro). Sie behaupten, Olaplex-Produkte hätten ihre Haare und Kopfhaut geschädigt, was bei einigen sogar zu Haarausfall geführt habe. Diese Kund:innen klagen, Olaplex-Produkte hätten dafür gesorgt, dass ihre Haare „trocken, brüchig, frizzy und glanzlos“ geworden seien. Eine Klägerin, Jessica Auriana, erzählte gegenüber Good Morning America, sie habe nach nur zwei Monaten der Anwendung vom Olaplex-Shampoo, -Conditioner und dem Clarifying Shampoo 20 Prozent ihrer Haare verloren.

Laut dem Nachrichtensender „CBS“ steht in der Klage, die am Donnerstag beim Bezirksgericht in Kalifornien eingereicht wurde, dass das Haar der Betroffenen „trocken, spröde, kraus und stumpf“ geworden sei. Eine Klägerin sagte „ABC News“, ihr Haar sei voller Spliss und gebrochen, sodass es aussehe, als wäre es mit einem „Unkrautschneider“ geschnitten worden.

Insgesamt fordern die Kläger Schadensersatz in Höhe von mehr als 75.000 US-Dollar, umgerechnet rund 70.000 Euro.

Was entgegnet Olaplex?

Olaplex bestreitet alle Anklagepunkte und verweist auf seine Sicherheitstests. Die Firma sagt auch, sie habe „für diverse Produktlinien Tests an empfindlicher Haut durchgeführt, um die Sicherheit dieser Produkte zusätzlich zu gewährleisten“. Die Testergebnisse haben erwiesen, dass die Produkte „kein reizendes oder sensibilisierendes Potenzial“ hätten. „Wir sind bereit, unsere Firma, unsere Marke und unsere Produkte energisch gegen diese grundlosen Vorwürfe zu verteidigen“, sagte Wong. „Wir wollen unserer Community aus professionellen Stylist:innen, Kund:innen und Fans versichern, dass sie unsere Produkte weiterhin mit gutem Gefühl verwenden können.“

Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und gibt an, es gebe eine Vielzahl von Gründen für Haarbruch oder Haarausfall. Unter anderem „Lebensstil, verschiedene Erkrankungen und Medikamente, die Nachwirkungen von COVID, Hauterkrankungen und mehr“, wie aus einer Stellungnahme an „CBS MoneyWatch“ hervorgeht.

Die Rolle von Lilial und Panthenol

Im März letzten Jahres gab es Berichte, die Olaplex mit Unfruchtbarkeit in Verbindung brachten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand damals der Wirkstoff Lilial, ein Duftstoff, der seit 2020 in der Europäischen Union verboten ist. Bis vor Kurzem wurde der Stoff in Olaplex-Produkten in den Vereinigten Staaten aber noch in sehr geringer Konzentration (0,0119 Prozent) verwendet, bis Lilial 2022 schließlich aus „einem Überfluss an Vorsicht“ (mehr dazu gleich) komplett aus den Produkten gestrichen wurde.

Im Zentrum dieser neuen Klage steht jetzt ein anderer Wirkstoff - Panthenol, oder Vitamin B5 -, der potenziell reizend wirken und somit womöglich für die „entzündete, blasige, schuppige, abblätternde Haut“ gesorgt haben soll, von der diese Kund:innen berichten.

„Panthenol ist ein allgegenwärtiger Wirkstoff, der in vielen Haarpflegeprodukten - wie Shampoo und Conditioner - enthalten ist“, erklärt Ghosh. „Panthenol wird aus Vitamin B5 gewonnen, auch bekannt als Panthotensäure, die ein natürlicher Haarbestandteil ist.“

Lilial

„Lilial, auch bekannt als Butylphenyl Methylpropional (BMHCA), wird häufig in kosmetischen sowie nicht-kosmetischen Produkten als Duftstoff verwendet“, erklärt der Toxikologe Rani Ghosh. Dennoch stuft die EU Lilial seit 2020 als „reproduktionstoxisch“ ein. Als vorbeugende Maßnahme wurde die Verwendung von Lilial daraufhin in der EU in kosmetischen Produkten verboten, nachdem Ergebnisse von Tierversuchen (mit Ratten) negative Reaktionen der Leber und des männlichen Fortpflanzungssystems erwiesen hatten. „Es gibt bisher aber keine direkten Daten dazu, dass Lilial in Menschen zur Unfruchtbarkeit führen könnte“, stellt Ghosh klar. Bis heute ist Lilial in den USA zugelassen; dennoch verwendet Olaplex den Wirkstoff auch dort nicht mehr. Es gibt keine klinischen Studien zu der Beziehung zwischen Lilial und Haarausfall. Daher wissen wir nicht, ob es dahingehend eine Verbindung gibt.

Panthenol

Zu den Vorteilen von Panthenol gehören laut Tricholog:innen und Ärzt:in die Glättung und Stärkung der Haare. Einige Studien weisen sogar darauf hin, der Stoff könnte das Haarwachstum stimulieren. „Es gibt keine direkten Daten, die vermuten ließen, dass Panthenol Haarausfall bewirken oder der Kopfhautgesundheit schaden könnte“, meint Ghosh. „Wenn da etwas dran wäre, wäre Panthenol kein fester Bestandteil so vieler unserer liebsten Haarpflegeprodukte.“

Können Produkte von Olaplex Haarausfall auslösen?

Nach derzeitigem Stand sind die betroffenen Wirkstoffe Lilial und Panthenol nach amerikanischer Meinung ungefährlich - wieso behaupten einige Konsument:innen dann also, nach der Anwendung von Olaplex unter Haarausfall zu leiden? So frustrierend und furchtbar Haarausfall sein kann, ist es laut Expert:innen in Wahrheit sehr schwer, dafür einen einzigen Auslöser verantwortlich zu machen.

„Der häufigste Auslöser für Haarausfall bei Frauen und Männern sind die Gene“, erklärt Dr. Yates. Zusätzlich gibt es spezifische Gesundheits- und Lifestyle-Faktoren, die nachweislich mit Haarverlust in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören hormonelle Störungen (wie während der Schwangerschaft oder Menopause), Stress, Nährstoffmängel (wie von Eisen), Autoimmunerkrankungen, manche Medikamente und womöglich sogar COVID-19.

Laut Dr. Farjo haben Haarprodukte zwar das Potenzial, dem Haar zu schaden; sie können aber nur unwahrscheinlich zum Haarausfall führen. Wenn ein Produkt oder eine Behandlung in direkten Kontakt zur Kopfhaut kommt, kann das allerdings „die Kopfhaut verbrennen, was den Haarausfall beeinflussen kann“, ergänzt er.

Ein gut gemeinter Rat: Bevor du Olaplex-Produkte für deinen Haarausfall verantwortlich machst, hol dir bitte eine ärztliche Meinung ein.

Alternativen zu Olaplex

Für alle anderen, die Olaplex verwenden, gilt: Wenn du zufrieden mit deinen Haaren und deiner Kopfhaut bist, benutze Olaplex No. 3 ruhig weiter. Wenn Olaplex aus irgendwelchen Gründen für dich aber nicht zu funktionieren scheint, steig ruhig auf ein anderes Produkt um. Die Coloristin Julie Fortiz bevorzugt Epres, die neue Bond-Repair-Marke von Eric Pressly, dem Chemiker, der auch Olaplex erfunden hat. (Epres gibt es derzeit leider nur in den USA, aber es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei uns erhältlich ist.) Und wem Olaplex ohnehin zu teuer ist, bekommt von The Inkey List ein ähnliches Produkt deutlich günstiger.

tags: #Monat #Haarpflege #Klage

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