Miss Frankreich und Kurzhaarfrisuren: Eine Debatte entfacht

In Frankreich ist eine ungewöhnliche Diskussion über die Haarlänge der neuen Schönheitskönigin entbrannt. Die aktuelle Miss France, Ève Gilles, 20 Jahre alt, trägt kurze Haare, was eine hitzige Debatte ausgelöst hat.

Ève Gilles stammt aus Dünkirchen, einer Stadt im Norden Frankreichs. Sie hat braune Augen und ist 171 cm groß. Nach ihrem Abschluss in Mathematik an der Universität von Lille strebt sie laut "Paris Match" eine Karriere als Statistikerin an.

Der "Pixie Cut" als Aufreger

Ève Gilles trägt einen sogenannten "Pixie Cut", eine Frisur, die einst von Jean Seberg, Audrey Hepburn und Uschi Glas populär gemacht wurde. Doch im Jahr 2023 wird diese Frisur plötzlich zum Politikum.

Im Internet wird spekuliert, dass Ève Gilles' Frisur ein Statement sei und die neue Miss France "woke" sei. Einige Kritiker sehen darin eine Unterwanderung der Schönheitswettbewerbe durch die LGBTQI-Bewegung. Es wird sogar die Frage aufgeworfen, ob sie nicht zu kleine Brüste habe.

The Pixie Cut Controversy: Miss France's Historic Crowning & Cultural Debate Sparked | Inside Facts

Eine Nation spaltet sich

Wie Moses das Rote Meer teilt, spalten die Medien die Gesellschaft in zwei Lager und befragen Stichwortgeber nach ihrer Position. Ob es um Zuwanderung, Bettwanzen oder eine Miss France mit kurzen Haaren geht - alles kann zu einer Diskussion über linke und rechte Ideale und Positionen stilisiert werden, angereichert mit polemischen Postings aus dem Internet.

Einige behaupten, die neue Miss France sei "das absolute Gegenteil einer schönen Frau" und habe nur gewonnen, weil bei dem Schönheitswettbewerb der ganze moderne "Quatsch" mitgemacht werde. Andere sehen in den kurzen Haaren einen Ausdruck von Mut und Diversität.

Die Reaktion der Miss France

Ève Gilles selbst ist von der Debatte überzeugt: Kurze Haare sind bei Frauen inzwischen ein Ausdruck von Mut und Diversität. Im Zuge des Wettbewerbs beteuerte sie immer wieder, dass sie ja so ”anders" sei. Sie wolle die Werte starker Frauen verteidigen.

Sie sagte beim Finale auf der Bühne laut „The Telegraph“, dass sie die eher „klassischen Beauty-Standards“ aufbrechen will: „Ich möchte zeigen, dass sich der Wettbewerb und auch die Gesellschaft weiterentwickelt, dass die Darstellung von Frauen vielfältig ist.“

Nach ihrem Sieg führte sie in die TV-Kameras gerichtet aus: „Wir sind daran gewöhnt, schöne Missen mit langen Haaren zu sehen, aber ich habe mich für einen androgynen Look mit kurzen Haaren entschieden. Niemand sollte dir vorschreiben, wer du bist. Jede Frau ist anders, wir sind alle einzigartig“.

Feminismus und Schönheitswettbewerbe

Die einzigartig grazile und bildhübsche Ève Gilles redet durchaus wie eine um absurde Schönheitsideale besorgte Frau, was natürlich begrüßenswert ist, aber auch die Frage aufwirft: Warum macht die Mathematikerin dann bei einem Wettbewerb mit, der Frauen danach beurteilt, wie anmutig sie auf Stöckelschuhen im Bikini eine Treppe runterlaufen können?

Eines jedenfalls haben die Miss-Wahl-Juroren erreicht: Dank Èves Gilles wird ihre wunderliche Veranstaltung nun im Zusammenhang mit "Wokeness" und "Modernität" diskutiert. Ob das alles reiner Zufall ist? Ob man sich nicht doch ein winziges bisschen freut über diesen "Shitstorm"?

Reaktionen aus der Politik

Sogar mehrere Politikerinnen schalteten sich inzwischen in die Debatte ein. Die französische Grünen-Politikerin Sandrine Rousseau etwa schrieb auf X: „Ich bin schockiert über die Kommentare zur 'Miss France'.“ Mit Unverständnis fügte sie hinzu: „Also messen wir in Frankreich 2023 den Fortschritt des Respekts gegenüber Frauen an ihrer Haarlänge?“

Sogar Marine Le Pen von der rechtspopulistischen Partei „Rassemblement National“ wollte in die Nörgelei an der offiziellen Siegerin des Schönheitswettbewerbs nicht einstimmen. „Glückwünsche an Eve Gilles, 'Miss Nord-Pas-de-Calais', die unsere neue 'Miss France' geworden ist“, äußerte sie sich diplomatisch.

Die Geschichte wiederholt sich

Indem Kurzhaarfrisuren hinterfragen, was früher stereotypisch weiblich oder männlich galt, sind der Pixie, der Bob und vergleichbare Cuts schon sehr lange auch Widerstand gegen herrschende Schönheitsnormen. 1920 stand eine sleeke Version des “Mushroom-Bob” für eine neue Generation von Nachkriegsfrauen, die sich mit der alten Welt vor dem Krieg nicht mehr anfreunden wollten und für ihr Wahlrecht sowie das Recht auf Arbeit und ja, auch das Party-Machen kämpften.

Die Hobby-Psycholog:innen unter uns wissen: Wut ist nur tief vergrabene Angst, und diese Männer haben - wie wohl auch schon die Väter der Flapper Girls 1920, die feiern und wählen wollten - Angst, dass ihnen eine Welt entgleitet, in der sie die Deutungshoheit darüber haben, was als schön bzw. “weiblich” zu gelten hat, und wo die Frau ihren Platz hat.

Vergleich mit Deutschland

In Deutschland ist die Welt noch in Ordnung, zumindest was die hochoffiziell schönste Frau des Landes angeht. Die heißt Kira Geiss, ist 21 Jahre alt, lebt in Magdeburg und wurde im März zur „Miss Germany 2023“ gewählt. Und - offenbar ganz wichtig - sie trägt lange Haare! In Frankreich dürfte man nun neidisch rüberlinsen auf den Nachbarstaat und seine schöne Kira.

Fazit

Die Debatte um Ève Gilles' Kurzhaarfrisur zeigt, wie Schönheitsideale und Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft immer noch diskutiert werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion weiterentwickelt und welche Auswirkungen sie auf zukünftige Schönheitswettbewerbe haben wird.

Die wichtigsten Fakten zu Ève Gilles
Fakt Details
Name Ève Gilles
Alter 20 Jahre
Herkunft Dünkirchen, Nordfrankreich
Berufswunsch Statistikerin
Frisur Pixie Cut

tags: #Miss #Frankreich #Kurzhaarfrisuren

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