Minoxidil ist ein vielseitiges Medikament, das sowohl in der Behandlung von Bluthochdruck als auch bei Haarausfall eingesetzt wird. Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über die Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, richtige Anwendung, mögliche Nebenwirkungen und wichtige Hinweise zu Minoxidil.
Als Medikament gegen Bluthochdruck (Antihypertensivum) sorgt Minoxidil für eine Weitstellung der herzfernen Blutgefäße: Der Wirkstoff entspannt die Muskulatur in den Gefäßwänden, wodurch diese sich weiten - der Blutdruck sinkt. Diese Wirkung wird über eine Öffnung von Kalium-Kanälen in den Zellmembranen vermittelt.
Als Blutdrucksenker wird der Wirkstoff in Tablettenform oral eingenommen und im Darm nahezu vollständig ins Blut aufgenommen. Nach einer Stunde erreicht der Blutspiegel des Wirkstoffes sein Maximum.
Minoxidil wird hauptsächlich in der Leber zu unwirksamen, gut wasserlöslichen Stoffwechselprodukten abgebaut, die dann über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden werden. Etwa vier Stunden nach der Einnahme ist die Hälfte des Wirkstoffes abgebaut (Halbwertszeit).
Trotz der relativ kurzen Halbwertszeit hält die blutdrucksenkende Wirkung von Minoxidil 24 bis 72 Stunden an.
Minoxidil wird als Lösung oder Schaum äußerlich zur Förderung des Haarwuchses bei Haarausfall angewendet. Der Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Experten vermuten aber, dass die Wirkung zum Teil auf einer Durchblutungssteigerung der Kopfhaut beruht.
Als topische, also lokal anzuwendende Lösung oder Schaum wird Minoxidil bei einer bestimmten Form von Haarausfall eingesetzt, der androgenetischen Alopezie (auch "erblich bedingter Haarausfall" genannt). Die Behandlung kann den Verlauf des Haarausfalls und der anlagebedingten Kopfhaarverdünnung verlangsamen. Teilweise beobachtet man auch vermehrten Haarwuchs.
Sowohl Männer als auch Frauen können von einer lokalen Anwendung profitieren. Der Effekt geht aber wieder verloren, sobald Minoxidil abgesetzt wird.
Manchmal versuchen männliche Jugendliche und junge Männer, mit Minoxidil den Bartwuchs zu fördern. Diese Anwendung erfolgt außerhalb der Zulassung, also "off-label". Einen gesicherten Wirkungsnachweis für diese Form des Gebrauches gibt es nicht.
Deutlich seltener wird Minoxidil innerlich bei therapieresistentem Bluthochdruck angewendet - also bei Bluthochdruck (Hypertonie), der sich mit anderen blutdrucksenkenden Medikamenten nicht behandeln lässt. Hierbei wird Minoxidil aufgrund seiner Nebenwirkungen in Kombination mit einem Entwässerungsmittel (Diuretikum) und einem Betablocker eingenommen.
Bei Haarausfall kommen Lösungen mit zwei Prozent (für Frauen) beziehungsweise fünf Prozent Minoxidil (für Männer) sowie Schäume zum Einsatz. Die Präparate werden zweimal täglich auf die betroffenen Stellen der Kopfhaut aufgetragen und leicht einmassiert.
Die Lösung enthält oft Propylenglykol als Viskositätserhöher, um die Anwendung auf der Kopfhaut zu vereinfachen. Je höher die Menge, desto zähflüssiger ist die Zubereitung.
Die Minoxidil-Anwendung bei Bluthochdruck erfolgt in Form von Tabletten. Diese werden ein- oder zweimal täglich in einer vom Arzt individuell festgelegten Dosierung eingenommen. Die übliche Dosis liegt zwischen fünf und 40 Milligramm. Meist lässt sich der Blutdruck schon mit dieser niedrigen Dosierung ausreichend gut einstellen. Die Tagesmaximaldosis beträgt 100 Milligramm.
Minoxidil beeinflusst das Wachstum und die Differenzierung der Haarzellen. Der Haarausfall wird verlangsamt und das Wachstum neuer Haare angeregt. Gleichzeitig verlängert sich die Wachstumsphase bestehender Haare. Diese Lösung ist zur Anwendung bei Frauen und Männer geeignet. Es handelt sich um eine alkoholisch-wässrige Lösung, die nicht fettet.
Mögliche Minoxidil-Nebenwirkungen bei innerlicher Anwendung als Blutdrucksenker sind vor allem Veränderungen im EKG (etwa in Form von Herzrasen), Herzbeutelentzündung (Perikarditis), Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (Perikarderguss), Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) und Hypertrichose. Letzteres beschreibt ein vermehrtes Wachstum von Körperhaaren, etwa im Gesicht, am Rücken und an den Armen, teilweise mit Farbveränderung der Haare. Diese für Minoxidil typische Nebenwirkung, die übrigens auch Auslöser für die lokale Anwendung im Kopfbereich zur Förderung des Haarwachstums war, tritt in der Regel drei bis sechs Wochen nach Beginn der Einnahme auf.
Sobald die Minoxidil-Tabletten abgesetzt werden, dauert es üblicherweise mehrere Monate bis das vermehrte Haarwachstum wieder abklingt.
Im Zuge der Blutdruckerniedrigung kann es bei zu hoher Dosierung oder zu schneller Dosissteigerung auch zu Schwindel, Benommenheit und Schwächegefühl kommen, vor allem zu Therapiebeginn.
Da bei topischer Anwendung auf der Kopfhaut ein geringer Teil des Wirkstoffs in das Blut übergeht, gelten die genannten Nebenwirkungen in geringerem Umfang auch für Minoxidil-Schaum und -Lösung. Zudem kann deren Anwendung Reizungen und Entzündungen der Haut hervorrufen.
Minoxidil-Tabletten dürfen nicht eingenommen werden bei:
Gegen eine lokale Anwendung als Lösung oder Schaum spricht eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einen der anderen Bestandteile des Produktes.
Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten gegen Psychosen (Antipsychotika) kann es zu einer unerwünscht verstärkten Blutdrucksenkung kommen.
Auch Alkohol verstärkt die blutdrucksenkende Wirkung von Minoxidil.
Minoxidil kann bei Kindern ab der Geburt sowie Jugendlichen eingesetzt werden, wenn deren Bluthochdruck sich nicht ausreichend mit anderen, besser untersuchten Medikamenten senken lässt. Die Erfahrung bei Kindern unter zwölf Jahren ist aber sehr begrenzt, weshalb die Behandlung im Krankenhaus begonnen und regelmäßig überprüft wird.
Zur Minoxidil-Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen bislang nur begrenzte Daten vor. Im Tierversuch hat sich gezeigt, dass der Wirkstoff die Fortpflanzung beeinträchtigen kann (reproduktionstoxischer Effekt). Zudem geht er in die Muttermilch über.
Die Anwendung während der Schwangerschaft wird folglich nicht empfohlen. In der Stillzeit wird der Nutzen der Therapie für die Mutter gegen mögliche Risiken abgewogen. Gegebenenfalls muss vor Therapiebeginn abgestillt werden.
Alle Minoxidil-Präparate zur Therapie des Bluthochdrucks sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptpflichtig. Im Unterschied dazu sind die Lösungen und Schäume zur Anwendung auf der Kopfhaut bei Haarausfall rezeptfrei, jedoch apothekenpflichtig und somit ausschließlich über die Apotheke zu beziehen.
Minoxidil wurde in den 1970er Jahren in den USA als Bluthochdruck-Medikament entwickelt. Bald häuften sich Berichte, wonach der Wirkstoff außerdem das Haarwachstum anregt beziehungsweise bestehenden Haarausfall stoppt.
Da bislang hierfür noch kein Medikament zur Verfügung stand, wurden Studien gefördert, die untersuchten, wie Minoxidil Haarausfall bekämpfen kann. Als diese Studien bekannt wurden, erreichten den Hersteller Tausende von Zuschriften aus der Bevölkerung - das Anwendungsgebiet schien sehr gefragt zu sein.
Schließlich wurde Minoxidil 1988 in den USA als Mittel gegen Haarausfall zugelassen.
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