Ursachen für Haarausfall bei Kindern: Ein umfassender Überblick

Haarausfall kann bereits im Kindesalter auftreten, doch was können die Gründe hierfür sein? Haarausfall ist ein Thema, das viele Eltern beunruhigt, wenn sie es bei ihren Kindern bemerken. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Haarausfall bei Kleinkindern oder um Haarausfall bei Jugendlichen handelt. Doch die Ursachen für Haarausfall bei Kindern sind vielfältig und oft harmlos.

Noch häufiger als bei Erwachsenen ist Haarausfall bei Kindern das erste Anzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung. Sobald abgegrenzte kahle Stellen oder eine gleichmäßige Ausdünnung der Behaarung bemerkt werden, sollten deshalb mögliche Ursachen ärztlich abgeklärt und eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Diffuser Haarausfall: Ursachen & Behandlung – Was hilft?

Häufige Ursachen für Haarausfall bei Kindern

Kinder können aus verschiedenen Gründen Haare verlieren. Hier sind einige der häufigsten Ursachen:

  • Pilzerkrankung auf der Kopfhaut: Die meisten Infektionen auf der Kopfhaut werden durch Pilze verursacht, seltener stecken Viren oder Bakterien dahinter.
  • Autoimmunerkrankung: Verschiedene Autoimmunerkrankungen können auch zu Haarverlust führen.
  • Mangel an bestimmten Vitaminen: Auch bei Kindern kann ein Eisenmangel als Ursache für den Haarausfall denkbar sein. Ebenso kann ein Mangel an Vitamin C die Haarstruktur stören, da zu wenig Disulfidbrücken ausgebildet werden können.
  • Hormonelle Probleme: Im Teenageralter verändert sich der Hormonspiegel erheblich und kann das Haarwachstum beeinträchtigen.
  • Schlechte Ernährung: Bei Teenagern mit einer Ernährung, der es an wichtigen Vitaminen und Mineralien wie Biotin, Eisen, Zink und Vitamin A mangelt, kann es zu stumpfem, schütterem Haar und sogar zu Haarausfall kommen.
  • Psychologische Ursachen: Starker Stress, psychische Störungen wie Depressionen, Angstzustände und Zwangsstörungen können sich ebenfalls das Haarwachstum auswirken.

Im Folgenden werden einige der häufigsten Auslöser für Haarausfall bei Kindern beschrieben.

Pilzerkrankung der Kopfhaut (Tinea capitis)

Die häufigste Pilzerkrankung ist Tinea capitis, die von unterschiedlichen Erregern ausgelöst werden kann und meist vor Beginn der Pubertät auftritt. Bei der Tinea capitis treiben vor allem Dermatophyten wie Microsporum canis oder Trichophytum rubrum ihr Unwesen auf dem Kinderkopf. Sie macht sich durch runde kahle Stellen sowie schuppige Hautveränderungen bemerkbar. Rund um die kahlen Stellen finden sich viele abgebrochene Haare.

Tinea capitis kann meist lokal mit Antimykotika, wie Ciclopirox oder Imidazolen wie z. B. Ketoconazol, behandelt werden. Ob eine Behandlung mit lokal aufzutragenden Antimykotika (Antipilzmitteln) reicht oder ob das Kind diese auch schlucken muss, kommt auf das Ausmaß des Befalls an. In schlimmeren Fällen kann eine systemische Therapie nötig sein. Nach abgeschlossener Therapie wachsen die Haare wieder gesund nach.

Wichtig ist, Betroffene darauf hinzuweisen, dass es sich um eine ansteckende Erkrankung handelt. Und weil es sich beim Pilzbefall um eine ansteckende Erkrankung handelt, muss strikt auf Hygiene geachtet werden. D.h. Kämme, Bürsten und Handtücher nicht gemeinsam verwenden und Wäsche bei 60 ° waschen. Kämme, Bürsten und Handtücher sollten deshalb keinesfalls gemeinsam verwendet und direkter Kontakt mit der infizierten Hautstelle vermieden werden.

Tinea capitis (Pilzinfektion der Kopfhaut)

Haarverlust durch Autoimmunerkrankung (Alopecia Areata)

Verschiedene Autoimmunerkrankungen können auch zu Haarverlust führen. So kann z. B. Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall) bereits im Kindesalter auftreten. Die kahlen Stellen entwickeln sich plötzlich und können sich rasch schubweise auf die ganze Körperbehaarung ausbreiten oder innerhalb der ersten sechs Monate spontan ohne Therapie wieder verschwinden. Alopecia Areata tritt häufig gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen wie z. B. Morbus Basedow auf.

Die Alopecia Areata zeigt sich bei fast der Hälfte der Betroffenen mit ihrer Erstmanifestation vor dem 20. Lebensjahr, nicht selten sogar mit einem ersten umschriebenen haarlosen Areal bereits vor Erreichen des 10. Alters. Altersabhängig stellt die Alopecia Areata häufig für das Klein- und Schulkind selbst eine geringere Belastung dar als für die betroffenen Eltern, was sich bei Schulwechsel und vor allem mit Beginn der Pubertät ändert.

Die Alopecia Areata, eine Autoimmunerkrankung mit genetischer Prädisposition und familiär gehäuftem Auftreten tritt assoziiert mit Autoimmunerkrankungen und gehäuft mit einer atopischen Diathese auf.

Es ist wichtig, die o.g. prognostischen Faktoren abzuprüfen und den Patienten auf assoziierte Autoimmun­erkrankungen, speziell eine Schilddrüsenfehlfunktion und insbesondere im Kindesalter nach Entzündungs­herden (Nasennebenhöhlen, Zähne, rezidivierende Atemwegserkrankungen, etc.) zu suchen, da letztere als Triggerfaktoren für einen Schub der AA wirken können. Es ist sinnvoll eine ausführliche Diagnostik einmalig bei Erstmanifestation zu veranlassen, auffällige Befunde wenn nötig zu behandeln bzw. zu kontrollieren.

Eine kurzfristige Kontrolle und wiederholte Blutentnahmen ohne klinische Indikation machen in der Regel keinen Sinn, sondern im Gegenteil belasten die Kinder eher. Es geht den Kindern mit einer Alopecia Areata in der Regel gesundheitlich sehr gut, die Laborbefunde sind meist unauffällig; es sollte vermieden werden, sie durch nicht sinnvolle Diagnostik zu sehr zu belasten.

Der Wunsch nach Behandlung steht bei allen Betroffenen und bei den Eltern verständlicherweise im Vordergrund. Auch wenn es interessante neue Erkenntnisse in der Pathophysiologie der AA gibt, hat dies leider noch nicht zu einer zuverlässig effektiven Therapie geführt. Insbesondere im Kindesalter gilt es vor Einleiten jeglicher therapeutischer Maßnahmen Nutzen und Risiko abzuwägen. Entscheidend sind Aspekte, wie nachgewiesene Erfolgsaussichten, Nebenwirkungsspektrum, Einfluss auf allgemein körperliche Entwicklung und wie belastend die Durchführung der Maßnahme ist.

Ebenso wichtig ist die Frage, wann soll ich beginnen, ab welchem Alter, welche psychischen Belastungen bergen eine tägliche oder regelmäßige Anwendung einer Lokaltherapie für den täglichen Ablauf, all dies unter Berücksichtigung des eingeschränkten therapeutischen Rahmens.

Ein problematischer Zeitpunkt für die Betroffenen beginnt meist mit der Pubertät oder mit einem Schulwechsel, von der Grund- auf die weiterführende Schule. Es ändert sich hier der gewohnte Rahmen, der Freundeskreis ändert sich und vor allem das körperliche Bewusstsein und die sozialen Kontakte beim Heranwachsenden verändern sich. Gerade in diesen kritischen Phasen bedarf das Kind bzw. der/die Jugendliche einer emotionalen ggf. auch psychologischen Unterstützung nicht nur seitens der Eltern, Familie und der wichtigsten Bezugspersonen, sondern erfahrungsgemäß auch gerne durch eine Person von außerhalb, ggf. durch einen Psychologen. Gesprächs- und Verhaltenstherapeutische Ansätze sind hier hilfreich.

Es geht um das sog. Coping, d.h. den Umgang mit der Alopecia Areata, der Situation des «sichtbar Andersseins», dazu kommt die hormonell bedingte Änderung des äußeren Erscheinungsbildes und anders gewichtete soziale Kontakte in der Pubertät. Wichtig ist es gerade in diesen Phasen das soziale Umfeld zu informieren, vor allem in der Schule, auf Elternabenden, gerade beim Schulwechsel offen mit dem Thema umzugehen und die Mitschüler und auch andere Eltern z.B. während eines Elternabends auf die Bedeutung einer Alopecia Areata anzusprechen.

Zwanghaftes Ausziehen der Haare (Trichotillomanie)

Bei der Trichotillomanie handelt es sich um eine Störung, die das zwanghafte Ausreißen der Haare beschreibt. Dabei kann sich das Ausreißen auch auf Wimpern und Augenbrauen ausweiten. Oft ist eine Trichotillomanie von weiteren Symptomen wie Nägelkauen oder Lippenbeißen begleitet. Diese Art von Störung ist häufig ein Anzeichen für eine seelische Überbelastung und gehört in die Hände eines Psychiaters. PTA und Apotheker sollten Eltern daher zu diesem Schritt ermutigen.

Trichotillomanie

Weitere Ursachen

  • Zu fester Zug: Zu stramm geflochtene Zöpfe oder ein zu fest gebundener Pferdeschwanz können durch ständigen Zug zum Haarausfall führen. Gegen eine solche Traktionsalopezie hilft es, die Haare weniger oder am besten gar nicht zu flechten. Werden die Haare zu fest geflochten oder zu einem zu festen Pferdeschwanz zusammengefasst, so kann der ständige Zug zu Haarausfall führen. Diese Form des Haarausfalls hat keinerlei pathologischen Hintergrund und ist hausgemacht - mit entsprechender Beratung der Kinder und Eltern kann das Problem schnell behoben werden.
  • Mangelerscheinungen: Eisenmangel oder der Mangel an Vitaminen führen auch bei Kindern zu einem diffusen Haarausfall. Bei einem derartigen Verdacht kann die Kinderärzt*in leicht im Blutbild leicht feststellen, ob Spurenelemente oder Vitamine fehlen und gegebenenfalls zusätzlich eingenommen werden müssen. Sehr häufig führen auch Nährstoff- oder Vitaminmangel zu einem Haarausfall. Die Ursache kann in einer Bulimie, Magersucht oder in einer einseitigen Ernährung liegen. Bei einer einseitigen oder unzureichenden Ernährung fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe. Insbesondere zu wenig Eisen oder Zink im Körper können das Haarwachstum beeinträchtigen und für Haarausfall bei Kindern sorgen.

Diagnose und Behandlung

Wenn Sie bei Ihren Kindern Haarausfall bemerken, ist die Sorge oft groß. Deshalb heißt es in solchen Fällen: Ab in die Kinderarztpraxis und den Haarausfall abklären. In den meisten Fällen ist Haarausfall bei Kindern harmlos und vorübergehend, aber es gibt auch Fälle, in denen eine (intensive) medizinische Behandlung erforderlich ist oder gar keine Heilung möglich ist. Die Ursache ist dabei oft nicht direkt erkennbar. Eine Blutuntersuchung kann jedoch bereits Aufschluss darüber geben, ob beispielsweise ein Mangel an für den Haarwuchs wichtigen Vitaminen und Nährstoffen vorliegt.

Falls Sie unsicher sind oder der Haarausfall Sie verunsichert - sprechen Sie uns gerne an. Wir nehmen uns Zeit, Ihr Kind genau anzusehen und gemeinsam zu entscheiden, ob eine Abklärung notwendig ist.

Behandlungsmöglichkeiten

Es stehen aber auch einige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über die verschiedenen Optionen beraten. Hier sind einige gängige Behandlungen:

  • Kortison: Eine häufig angewandte Methode ist das Einreiben der haarlosen Stelle mit kortisonhaltigen Mitteln. Alternativ ist auch eine lokale Injektion von Kortison in die Haut möglich. Dabei wird mit einer dünnen Nadel Kortison direkt in die Kopfhaut gespritzt. Das Kortison kann auch oral durch Kortisonsteroide aufgenommen werden. Diese sogenannte systemische Therapie erfolgt täglich für etwa eine Woche über einen Gesamtzeitraum von mindestens drei Monaten, unterbrochen durch einnahmefreie Intervalle.
  • Minoxidil: Die Substanz Minoxidil kommt sowohl bei gewöhnlicher Kahlheit als auch beim kreisrunden Haarausfall als Medikament zum Einsatz. Der Wirkstoff verstärkt die Durchblutung um die Haarfollikel und fördert so das Haarwachstum.
  • Lichttherapie: Auch speziellen Lichttherapien wird eine Wirksamkeit nachgesagt.

Laut aktuellem Forschungsstand kann jedoch keine allgemeingültige Empfehlung für eine der genannten Therapien gegeben werden.

Kinder benötigen eine ausgewogene Ernährung, die reich an Nährstoffen wie Proteinen, Eisen, Vitaminen und Mineralstoffen ist. Diese Nährstoffe sind wichtig für das Haarwachstum und können dazu beitragen, Haarausfall bei Kindern zu reduzieren.

Haarpflege und Styling

Eine sanfte Haarpflege ist das A und O, um Haarausfall zu reduzieren. Vermeide straffe Frisuren wie enge Zöpfe oder Pferdeschwänze, die die Haarwurzeln belasten und Haarbruch verursachen können. Hier sind einige Tipps für Frisuren bei schütterem Haar:

  • Für Jungen: Seitlich geschwungener Pompadour, stacheliges Haar, Pompadour mit Undercut.
  • Für Mädchen: Beach Waves, Hochsteckfrisur, Pony.

Styling-Tipps für dünnes Haar

Psychologische Unterstützung

Sind Kinder oder Jugendliche von Haarausfall betroffen, ist es ratsam, zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für die betroffenen Kinder und ihre Eltern ist der Haarausfall meistens ein Schock, der durch die Reaktionen des Umfelds noch verschlimmert wird. Wichtig ist daher insbesondere, die Kinder auf dem Weg der Therapie seelisch zu begleiten und zu unterstützen. Sie sollten verstehen, dass ein Haarverlust kein Weltuntergang ist und dass sie sich trotzdem schön und wertvoll fühlen können.

Für Betroffene kann es zudem hilfreich sein, sich mit anderen Erkrankten über Strategien zur Bewältigung auszutauschen, etwa über Selbsthilfegruppen. Falls Sie stark von Haarausfall betroffen sind, kann es unter Umständen hilfreich sein, vorübergehend zu einer Perücke oder Haarersatz zu greifen.

tags: #Ursachen #Haarausfall #Kind

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