Haarausfall bei Meerschweinchen ist keine Seltenheit. Über das ganze Jahr verteilt verlieren die Nager Fell, das wieder nachwächst. Extremer Haarausfall kann jedoch ein Zeichen für eine Erkrankung sein.
Unter Medizinern ist Haarausfall bei Meerschweinchen als Alopezie bekannt. Die Ursachen müssen nicht immer auf eine besonders schlimme Erkrankung hindeuten, sollten aber immer abgeklärt werden.
Stress löst beispielsweise nicht nur bei uns Menschen Haarausfall aus, sondern auch bei Meerschweinchen. Auch eine unausgewogene Ernährung schadet dem Haarwuchs und unterstützt den Ausfall. Deshalb ist ein Blick auf die Nährstoffzusammensetzung der Tiernahrung wichtig. Gleichzeitig könnte eine allergische Reaktion dahinterstecken. Dreck und Feuchtigkeit wirken sich ebenfalls negativ auf das Fell Ihres Nagetiers aus.
Typisch für Eierstockzysten ist es wiederum, wenn das Fell symmetrisch an beiden Flanken ausfällt. Erkrankt Ihr Meerschweinchen an den Nebennieren oder der Hirnanhangdrüse, kann dies zu einem symmetrischen Haarausfall führen, der sich an den Flanken und am Rücken zeigt.
Gelegentlich werden in der Kleintiersprechstunde weibliche Meerschweinchen vorgestellt, bei denen dem Tierhalter schon seit einiger Zeit ein langsam fortschreitender Haarverlust aufgefallen ist. Bei genauerer Betrachtung konzentriert sich der Haarverlust besonders auf den Flankenbereich. Dazu fällt in der Regel auch auf, dass beim Abtasten des Tieres die Flankenregionen im Bauchraum Verdickungen spüren lassen. Diese Verdickungen Bauchhöhle können ein- oder beidseitig auftreten. In der überwiegenden Zahl der Fälle tritt diese pathologische Veränderung beidseitig auf.
Die Ursache für diese Erkrankung, die sich für den Tierhalter in einer krankhaften Veränderung der Haut widerspiegelt, liegt in einer hormonellen Entgleisung, die sich durch eine Überproduktion von Östrogenen und deren Wirkung auf das Haarwachstum manifestiert.
Das weibliche Meerschweinchen hat einen Sexualzyklus von etwa 16 bis 19 Tagen. Diesem Zyklus liegt ein hormoneller Rhythmus zugrunde, der zu zyklisch verlaufenden Blutspiegeln von Östrogenen und Gestagenen führt. Diese Hormone werden von den Eierstöcken produziert. Diese Hormonproduktion unterliegt einem übergeordneten Regulationszentrum, der Hypophyse im Gehirn.
Wenn diese Regulation über die von der Hypophyse ausgeschütteten Hormone, die auf die Eierstöcke und deren Hormonproduktion wirken, ins Ungleichgewicht gerät, kann eine Überproduktion von Östrogenen das Ergebnis sein. Ein gleichbleibend zu hoher Östrogenblutspiegel führt dann zur Östrogenwirkung auf die Haarfollikel, die in der Haut liegen. Das sind jene Strukturen, die als Haarwurzel für das Haarwachstum der Haare zuständig sind. Östrogene wirken auf das Haarwachstum hemmend. Folglich werden nur unzureichend oder überhaupt keine Haare mehr nachgebildet, so dass nach physiologischem Haarausfall ein erneutes Haarwachstum ausfällt. Die Haut wird immer lichter bis alopezische (= haarlose) Bereiche auffällig werden.
Das Meerschweinchen zeichnet sich des Weiteren dadurch aus, dass im Gegensatz zu anderen Haustieren wie besonders Hunden und Katzen das Haarwachstum nicht saisonal gesteuert ist. Es findet kein vermehrter Haarwechsel im Frühjahr und im Herbst statt, sondern das Meerschweinchenfell besteht aus unzähligen Haarbüscheln und jeder einzelne Büschel, bestehend aus einer Gruppe von 12 bis 20 Haaren, hat jahreszeitlich unabhängig seinen eigenen Rhythmus.
Hier wechseln Haarwachstum- = Anagenphase, in der die Haare wachsen, mit Übergangs- = Katagenphase, in der das Wachstum zum Stillstand kommt mit einer Ruhe- oder Telogenphase ab, welcher nach einiger Zeit der Ausfall der betreffenden Haarbüschelgruppe folgt. Normalerweise liegt beim gesunden Meerschweinchen eine Asynchronizität der vielen Haarbüschel vor, so dass ein Gleichgewicht über alle drei Haarwachstumsphasen besteht. Es werden stets gleich viele Haare wachsen wie ausfallen.
Wie Sie sehen, sind die Ursachen für Haarausfall zahlreich. Umso wichtiger ist es, einen Experten einzubeziehen, der Ihr Meerschweinchen genauer unter die Lupe nimmt.
Wichtig für einen Tierarzt ist nämlich nicht nur, ob das Tier Fell verliert, sondern welche Symptome zusätzlich auftreten. Haben Sie das Gefühl, Ihr Meerschweinchen kratzt sich ständig, leidet also unter Juckreiz? Zeigen sich Pusteln oder Rötungen? Wo genau verläuft der Haarausfall?
Sorgen Sie unbedingt für hygienische Bedingungen im Käfig und in der Umgebung Ihres Tiers. Stellt der Arzt einen Parasiten- oder Pilzbefall fest, sollten Sie das Tiergehege unbedingt ordentlich desinfizieren. Beide Krankheitsbilder sind stark ansteckend, weshalb auch hier besonders hohe Hygienestandards unabdingbar ist.
Ziel einer Therapie ist einerseits die Herabsetzung des erhöhten Östrogenspiegels sowie andererseits die Entfernung der Ovarialzysten.
Eine konservative (= nicht-chirurgische) Therapie kann mithilfe eines weiteren Hormons durchgeführt werden, wobei das am besten wirksamste Mittel das Chlormadinonacetat ist. Dieses Mittel ist ein synthetisch hergestelltes Gestagen, also der hormonelle Gegenspieler des Östrogens. Es hat die Wirkung, den Östrogenspiegel zu senken, so dass folglich auch die Östrogenwirkungen, nämlich der Haarverlust des Meerschweinchens, schwindet. Die Haare wachsen wieder nach. Leider werden jedoch nicht die Ovarialzysten zurückgebildet und die Wirkung dieses Gestagens nicht auf Dauer sein, so dass in den meisten Fällen nach einigen Monaten ein erneuter Haarverlust auftritt. Folglich muss erneut dieses Mittel eingesetzt werden. Damit die Problematik nicht wieder in ihrer ganzen Wirkung zutage tritt, ist eine regelmäßige Chlormadinon-Injektion im Abstand von etwa fünf Monaten erfolgreich.
Außer einer solchen konservativen Behandlung bietet sich alternativ die operative (chirurgische) Entfernung der Eierstockszysten an. Für diese Vorgehensweise spricht die einmalige, wenn auch aufwendigere Behandlung. Jedoch ist damit das Problem ein für alle Male ausgestanden.
Die meisten Meerschweinchenbesitzer scheuen einen solchen Eingriff, da allgemein bekannt ist, dass Meerschweinchen sehr narkoseempfindlich sind und möglicherweise ein solcher Eingriff ein großes Risiko bedeuten kann. Heutzutage gibt es jedoch durchaus Narkosetechniken, die das Risiko auf ein ganz geringes Minimum reduzieren: Mithilfe einer Inhalationsnarkose mit dem Narkosegas Isofluran kann eine Narkose angewendet werden, die schon bei der Narkosedurchführung selbst am allersichersten gesteuert werden kann und vor allem gibt es keinen langen und risikoreichen Nachschlaf. In dem Moment nämlich, in dem die Narkose abgesetzt wird, wird auch das Narkosegas innerhalb einer kurzen Zeitspanne von etwa 5 bis 15 Minuten bei einem ansonsten gesunden Tier abgeflutet, so dass das frisch operierte Meerschweinchen innerhalb der nächsten halben Stunde wieder vollkommen fit ist.
Eierstockszysten, die mit einer erhöhten Östrogenproduktion einhergehen, treten beim weiblichen Meerschweinchen relativ häufig auf. Je jünger das Tier beim erstmaligen Auftreten dieser hormonellen Entgleisung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass immer wieder diese Problematik auf den Tierbesitzer zukommt und umso sinnvoller ist es, über eine chirurgische Entfernung der Eierstöcke nachzudenken.
| Behandlungsmethode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Konservative Therapie (Chlormadinonacetat) | Nicht-chirurgisch, senkt den Östrogenspiegel | Wirkt nicht dauerhaft, Ovarialzysten bleiben bestehen, regelmäßige Injektionen erforderlich |
| Operative Entfernung der Eierstöcke | Einmalige Behandlung, dauerhafte Lösung | Chirurgischer Eingriff, Narkoserisiko |
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