In Märchen treten immer wieder die gleichen Figuren auf, die namentlich oftmals nicht benannt werden. Viel mehr als um Einzelfiguren handelt es sich um Typen von Märchenfiguren, die sich in das gängige Muster von guten und bösen Märchenfiguren unterteilen lassen.
Eine Märchenfigur ist eine fiktive Person, die stellvertretend für gewisse Charaktereigenschaften steht. Die Figuren in Märchen stehen also stellvertretend für einen gewissen Typus von Mensch oder literarischer Figur, die jeweils gewisse Charaktereigenschaften in sich vereinigen.
Das Verhalten gegenüber anderen Figuren, und oftmals auch das beschriebene Erscheinungsbild der Märchenfigur, unterstreicht die erzählte Handlung. Eine Figur, die für die Handlung des Märchens relevant ist, besitzt demnach die eine Eigenschaft des Gegensatzpaares, während es üblicherweise einen Gegenspieler oder eine Gegenspielerin gibt.
Er oder sie besitzt die gegensätzliche Charaktereigenschaft, beziehungsweise das gegensätzliche Erscheinungsbild. Märchen sind grundsätzlich recht ähnlich aufgebaut. Es gibt einen Helden oder eine Heldin des Geschehens. Diese haben jeweils einen direkten Gegenspieler. Dies sind die aktiven Figuren. Passive Figuren bilden den Rahmen, in dem sich die aktiven Figuren bewegen. Diese Figuren handeln nicht, oder nur sehr eingeschränkt.
Märchen sind mehr als nur Unterhaltung; sie sind ein Spiegel der menschlichen Psyche, der uns Einblicke in unsere eigenen inneren Kämpfe, Hoffnungen und Träume bietet.
Unterschieden werden außerdem aktive und passive Figuren. Ein Beispiel: Rotkäppchen und der böse Wolf. Das Rotkäppchen und der böse Wolf sind die Gegenspieler. Rotkäppchen ist ein gutes und unschuldiges Mädchen, das von seiner Mutter geschickt wird, um die kranke Großmutter zu besuchen und mit Lebensmitteln zu versorgen.
Der Wolf symbolisiert das Böse, denn er möchte gerne das Rotkäppchen fressen. Die Mutter und die Großmutter des Rotkäppchens sind passive Personen, die nicht sehr in die Handlung eingreifen. Die Mutter mahnt das Rotkäppchen zur Vorsicht, wenn es sich in den Wald begibt, wo allerhand Gefahren lauern. Die Großmutter, die zuerst vom bösen Wolf gefressen wird, nachdem der Wolf das Rotkäppchen im Wald abgefangen, und befragt hat, wo es denn hin möchte, bilden den Rahmen.
Auch Rotkäppchen wird letztlich vom Wolf gefressen, allerdings zusammen mit der Großmutter wieder aus dessen Bauch befreit. Am Ende wird der Wolf bestraft, indem sein Bauch mit Steinen gefüllt wird. Der Wolf stirbt, Rotkäppchen und die Großmutter überleben. Gut hat über Böse gesiegt. Ein klassischer Märchenablauf mit ebenso klassischem Personal. So sind viele Märchen der Gebrüder Grimm aufgebaut.
In der Welt der Märchen dienen Figuren nicht nur der Unterhaltung, sondern spiegeln tiefgreifende psychologische Archetypen wider, die Carl Gustav Jung erforschte. Jede Märchenfigur, sei es der heldenhafte Prinz, die weise alte Frau oder der listige Trickster, verkörpert grundlegende menschliche Eigenschaften und Erfahrungen. Diese Archetypen sprechen universelle Themen an, die in unserem kollektiven Unbewussten verankert sind.
Der Weise Alte repräsentiert oft die Übertragung von Wissen und Macht auf jüngere Generationen. Seine Präsenz symbolisiert die Wichtigkeit von Weisheit und Erfahrung. Der Schurke ist der Antagonist, der notwendig ist, um die Geschichte voranzutreiben. Er stellt die Herausforderungen dar, die überwunden werden müssen. Die gute Fee bringt Magie und Hoffnung. Ihre Fähigkeit, zu helfen und zu heilen, symbolisiert das Gute, das selbst in schwierigen Zeiten gefunden werden kann.
Der listige Trickster ist ein Symbol für Kreativität und das Überwinden von Hindernissen durch Intelligenz. Der treue Gefährte stellt die Bedeutung von Freundschaft und Loyalität dar. Die verfluchte Prinzessin symbolisiert Unschuld und die Notwendigkeit der Erlösung durch Liebe oder Heldentum. Der edle Ritter verkörpert Mut, Ehre und das Streben nach Gerechtigkeit. Der Waldgeist repräsentiert die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Natur. Der weise König symbolisiert Führung und die Last der Verantwortung. Der böse Zauberer steht für die Verführung durch Macht und die Gefahren des Machtmissbrauchs. Die Nymphe verkörpert die Schönheit und Geheimnisse der Natur.
Der Drache steht für Macht, Stärke, und oft für Gier. Die zarte Elfe symbolisiert Feinheit, Magie und eine tiefe Verbindung zur Natur. Der Zwerg verkörpert Fleiß, Handwerksgeschick und Erdverbundenheit. Der Riese steht für übermenschliche Kraft und Größe, oft verbunden mit Sturheit oder Einfachheit. Der Kobold symbolisiert Schelmigkeit und Unvorhersehbarkeit. Der Fisch verkörpert das Element Wasser, Geheimnisse und die Tiefe des Unbewussten. Das Pferd steht für Treue, Stärke und Freiheit. Der Esel symbolisiert Geduld, Ausdauer und Demut jedoch auch Sturheit. Die Katze verkörpert Unabhängigkeit, Neugier, Intelligenz und manchmal Geheimnisvolles. Der Fuchs symbolisiert List und Anpassungsfähigkeit. Der Wolf steht für wilde Naturkräfte und manchmal für Gefahr.
Unter den vielen faszinierenden Gestalten der Märchenwelt finden sich auch weniger bekannte, doch nicht minder bedeutende Charaktere. Nehmen wir zum Beispiel die Nymphe, eine Gestalt, die in vielen Kulturen als Hüterin der Natur verehrt wird. Nymphen repräsentieren die unberührte Schönheit und die geheimnisvollen Kräfte der natürlichen Welt.
Typische weibliche Märchenwesen sind Prinzessinnen. Feen dienen oft als gutherzige Helferinnen der weiblichen Hauptfigur. Die Stiefmutter ist im Märchen ebenfalls eine böse Gegenspielerin. Königinnen sind oft böse Gegenspielerinnen, seltener sind sie passive Hintergrundfiguren.
Allen voran steht der Prinz, der meist als Hauptfigur und Held agiert. Der König hingegen ist in der Regel eine passive Randfigur, die gut oder böse sein kann. Häufig kommen in Märchen Riesen vor, die meist den bösen Gegenspieler darstellen. Häufig fressen sie ihren Gegenpart, oder verbreiten generell Angst und Schrecken.
Darüber hinaus gibt es nicht nur Märchenfiguren die männlich oder weiblich sind. In Märchen tummeln sich, abseits von Hexen und Zauberern, die hier bei den geschlechtlichen Personen stehen, da sie deren Eigenschaften mit vertreten, eine ganze Menge übernatürlicher Wesen, die oftmals als magische Helfer auftreten.
Zum Beispiel sind das Drachen, die meist böse Gegenspieler sind, oder Elfen. Diese können als Märchenfiguren männlichen oder weiblichen Geschlechts sein, und können gute und böse Charaktereigenschaften haben. Sie treten häufig als Helfer auf, die Gutes befördern und böse Charaktere bestrafen können.
Zwerge sind ebenfalls nicht von dieser Welt. Sehr häufig kommen in Märchen auch Tiere vor, die jeweils wie Personen agieren und somit auch als solche wahrgenommen werden. Oft treten Tiere als unterstützende Helfer auf, die der Hauptfigur zuarbeiten. Aber nicht nur. Tiere können auch selbst als Hauptfigur agieren, oder aber der Gegenspieler sein. Sehr häufig sind Tiere im Märchen darüber hinaus gar nicht das, was sie zu sein scheinen.
Dieser ist dann in der Regel gut, und muss von seinem, meist weiblichen, Gegenspieler erlöst werden. Menschen jedoch, die sich in der Märchenwelt daneben benehmen, werden zur Strafe vielfach in Tiere verwandelt.
Neben den beschriebenen Grundtypen und immer wieder auftretenden Figuren, gibt es in Märchen eine ganze Menge an Personen, die dem Alltagsleben entspringen. Menschen aus dem Volk sozusagen, wie zum Beispiel Dorfbewohner, Bauern, oder das bereits genannte tapfere Schneiderlein.
Um sie herum entspinnt sich die jeweilige Märchenhandlung. Manchmal tragen sie beschreibende Namen, wie ebenjenes Schneiderlein, oder sie sind Märchenfiguren mit Namen, die zuordenbar sind. Frau Holle zum Beispiel.
Aschenputtel ist die Hauptfigur der gleichnamigen Märchens, das nicht nur von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben wurde. Der Märchenstoff ist in ganz Europa bekannt und wurde zum Beispiel in Frankreich von Charles Perrault, und in Deutschland auch von Ludwig Bechstein benutzt. Dieser nannte sein Aschenputtel allerdings Aschenbrödel.
Aschenputtel ist ein Mädchen, das im Alltag nicht sonderlich in Erscheinung tritt. Aschenputtel hat eine böse Stiefmutter, die klar ihre beiden eigenen Töchter bevorzugt. Das Aschenputtel zieht sie für die schmutzigen und mühevollen Hausarbeiten heran, während die eigenen Töchter sich die Hände nicht schmutzig machen müssen.
Aschenputtel verkörpert - im Gegensatz zur bösen Stiefmutter - das Gute. Sie hat einen reinen Charakter, für den sie am Ende des Märchens belohnt wird. Das Aschenputtel wird am Ende zur Prinzessin. Die böse und manipulative Stiefmutter, die eine ihrer eigenen Töchter als Prinzessin sehen wollte, hat das Nachsehen.
Dornröschen ist eine Prinzessin, die von einer missgünstigen Fee verflucht wurde. Im Königreich von Dornröschens Vater war es Sitte die lokalen Feen zur Taufe einer neugeborenen Prinzessin einzuladen. Eine überzählige dreizehnte Fee wurde nicht eingeladen. Aus Gram verflucht sie Dornröschen. Ihr Schandspruch: Sobald Dornröschen sich beim Spinnen an einer Spindel stechen würde, sollte sie sterben.
Dornröschen soll nicht sterben, aber 100 Jahre lang schlafen. Hier agiert gut gegen böse. Dornröschen ist ein passives unschuldiges Wesen. Der König, der von dem Zauber weiß, will seine Tochter schützen und lässt alle Spindeln auf dem Schloss entfernen. Er nimmt also eine Art Helferrolle ein. Mit 15 sticht sich Dornröschen doch, als sie ohne Aufsicht auf dem Schloss ist. Sie fällt in tiefen Schlaf, das Schloss wird überwuchert mit einer Dornenhecke.
Nach 100 Jahren küsst ein Prinz Dornröschen wach. Dieser ist also der schillernde Held der Geschichte.
Das Rumpelstilzchen ist ein im Wald lebender Zwerg, der über magische Kräfte verfügt, denn es kann Stroh zu Gold spinnen. In der Nähe gibt es eine Müllerstochter, die ein Kind erwartet. Rumpelstilzchen möchte dieses Kind für sich haben.
Natürlich steht ihm dies nicht zu; das Rumpelstilzchen hat also einen schlechten Charakter. Die Boshaftigkeit des Rumpelstilzchens wird am Ende bestraft. Es erhält das Kind der Müllerstochter nicht und wird körperlich sogar entzwei gerissen.
Wahrscheinlich ist Schneewittchen die bekannteste Märchenprotagonistin auf der ganzen Welt. Das Märchen beginnt mit dem Wunsch einer Königin nach einer Tochter mit gewissen optischen Eigenschaften. Sie soll weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz sein. Die gewünschte Prinzessin wird geboren und Schneewittchen genannt.
Die Königin stirbt jedoch bald darauf und der König nimmt sich eine neue Frau. Diese ist von Anbeginn neidisch auf ihr Stiefkind, das unglaublich schön ist. Schneewittchen verkörpert wiederum die naive Unschuld und ist von Grund auf gut. Die Stiefmutter ist hingegen von Grund auf böse.
Die böse Stiefmutter will Schneewittchen aus dem Weg schaffen, jedoch findet die Prinzessin Aufnahme bei den Sieben Zwergen im Wald, die hier als gutherzige Helfer fungieren. Schneewittchen überlebt und wird von einem Prinzen geheiratet.
Hierzulande sind russische Märchen weit weniger bekannt als die Märchen der Gebrüder Grimm. Doch auch die russischen Märchenfiguren weisen einige Gemeinsamkeiten mit denen der Tradition deutschsprachiger Märchen auf. Auch hier wird zwischen guten und bösen Charakteren unterschieden. Viele der Figuren entstammen der Sagenwelt. Einige Figuren sind so wichtig und exemplarisch, dass sie - in leicht abgewandelter Form - immer wieder in unterschiedlichen russischen Märchen auftauchen.
Ganze Märchen drehen sich dann etwa um einen Wolf, einen Fuchs oder einen Bären. Aus westlichem Blickwinkel sind diese Tiermärchen eher den Tierfabeln als etwa den Märchen der Gebrüder Grimm verwandt. Gesammelt wurden die bekanntesten russischen Märchen von Alexander Ajanasjew.
Die aus der slawischen Mythologie stammende Baba Jaga ist das Äquivalent zur Hexe, wie wir sie aus deutschen Märchen kennen. Sie verfügt über Zauberkräfte und wohnt oft im Wald. Ihren Besen nutzt sie nicht, wie im deutschen Kulturraum, als Fluggerät, sondern um ihre Spuren wegzuwischen. Sie bewegt sich mit Hilfe eines Mörsers fort.
Väterchen Frost ähnelt unserem Weihnachtsmann. Es handelt sich um einen alten Mann, der oft weißbärtig dargestellt wird und im Wald lebt. Väterchen Frost personifiziert den kalten Winter. Väterchen Frost tritt, ebenso wie Baba Jaga, in unterschiedlichen Märchen auf. Väterchen Frost agiert jeweils als übernatürliche Kraft. Man könnte Väterchen Frost also als eine Art Schiedsrichter charakterisieren.
Die Lösung für die Rätselfrage "Märchenfigur mit langen Haaren" ist Rapunzel.
Rapunzel ist eine der bekanntesten Märchenfiguren, deren langes Haar eine zentrale Rolle in ihrer Geschichte spielt. Das Märchen erzählt von einem Mädchen, das von einer Zauberin in einem Turm gefangen gehalten wird und ihr langes Haar herunterlässt, damit die Zauberin oder ein Prinz den Turm erklimmen können.
Die folgende Tabelle listet einige Märchen auf:
| Märchen | Sammlung/Sammler/Autor |
|---|---|
| Bertha mit den großen Füßen | N.N. |
| Bisclavret | N.N. |
| Der Biedermann Elend und sein Hund Armut | N.N. |
| Die Manekine | N.N. |
| Die Schöne und das Biest | N.N. |
| Melusine | N.N. |
| Parthonopeus und Meliur | N.N. |
| Ricdin-Ricdon | N.N. |
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