Keratin Haarausfall Ursachen: Ein umfassender Leitfaden

Wir alle haben zwischen 100.000 und 150.000 Haare auf dem Kopf. Ein einzelnes Haar bleibt uns einige Jahre erhalten, bevor es auf natürliche Weise ausfällt. Aus derselben Haarfollikel wächst dann bis zu 12 Mal ein neues Haar nach. Es ist also kein Grund zur Sorge, wenn man täglich ein paar Haare verliert.

Verschiedene Arten von Haarausfall

Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall, die unterschiedliche Ursachen haben können. Unterschieden wird bei Haarausfall in vier grundlegende Formen der Alopezie: erblich bedingter Haarausfall, stressbedingter Haarausfall, diffuser Haarausfall und kreisrunder Haarausfall. An den zugrundeliegenden Haarausfall Ursachen und Symptomen können diese voneinander abgegrenzt werden.

1. Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie)

Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Form. Man spricht auch von androgenetischer Alopezie. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Haarausfall durch männliche Hormone“. Hier dünnt sich das Haar zunächst an den Schläfen aus, wodurch die typischen „Geheimratsecken“ entstehen. Im Laufe der Zeit wandert der Haaransatz weiter nach hinten. Am Hinterkopf bilden sich kahle Stellen, bis meist nur noch ein Haarkranz stehen bleibt. Zu einer vollständigen Glatze kommt es dennoch eher selten.

Grund für den Haarausfall ist, dass die Haarwurzeln erblich bedingt überempfindlich auf ein Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron reagieren. Die Folge ist eine verkürzte Wachstumsphase des Haares mit vorzeitigem Haarausfall. Auch wenn von „männlichem Haarverlust“ die Rede ist, können auch Frauen betroffen sein.

Auch bei Frauen ist die Überempfindlichkeit gegenüber dem männlichen Sexualhormon Dihydrotestosteron (DHT), das auch vom weiblichen Körper in geringen Mengen produziert wird, der Auslöser des androgenetischen Haarausfalls. Dieser tritt jedoch nicht ein, solang das von Frauen gleichzeitig produzierte weibliche Sexualhormon Östrogen ausreicht, um eine Überempfindlichkeit zu neutralisieren.

Weil sich der androgenetische Haarausfall bei Frauen anders als bei Männern entwickelt, verwenden die Mediziner die hierfür besser geeignete Ludwig-Skala (Ludwig-Schema). In der ersten Stufe (Nr. 1 in der Grafik) nach der Ludwig-Skala verringert sich das Volumen der Haare bei Frauen vom Scheitel aus. In der zweiten Stufe (Nr. 2 in der Grafik) ist bereits eine Verbreiterung des Scheitels erkennbar, die sich zunehmend schwerer durch eine Frisur kaschieren lässt.

2. Diffuser Haarausfall

Diffuser Haarausfall tritt meist nur phasenweise auf - zum Beispiel bei größerem Stress oder emotionaler Belastung. Männer wie Frauen können betroffen sein. Anders als beim erblichen Haarausfall dünnt das Haar nach ein paar Wochen über die gesamte Kopfhaut aus. Auch ein Nähstoffmangel, Crash-Diäten, hohes Fieber, die Einnahme bestimmter Medikamente, Störungen der Schilddrüse oder chronische Erkrankungen wie Diabetes zählen zu den möglichen Ursachen.

Haarausfall, der durch bestimmte Medikamente ausgelöst wird, beginnt häufig 3 bis 6 Monate nach der Einnahme. Besonders häufig kommt dies bei Krebstherapie, manchen Blutdrucksenkern und einigen Wirkstoffen gegen Epilepsie vor.

Von diffusem Haarausfall spricht man, wenn sich das Haar auf dem Kopf insgesamt ausdünnt und die Kopfhaut stärker durchschimmert als üblich. Anzeichen dafür ist, dass täglich mehr als 100 Haare ausgehen. Mitunter macht sich der Haarausfall an den Schläfen, am Vorderkopf und im Scheitelbereich verstärkt bemerkbar.

Anders als beim anlagebedingten oder kreisrunden Haarausfall, bilden sich beim diffusen Haarausfall üblicherweise keine kahlen Stellen. Es passiert auch nicht, dass die Haare komplett ausfallen.

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3. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata)

Der kreisrunde Haarausfall wird auch Alopecia areata genannt und ist eher selten. Die Ursache ist noch nicht geklärt. Männer sind ebenso betroffen wie Frauen. Wissenschaftler vermuten eine Autoimmunreaktion als Ursache, bei der es zu lokalen Entzündungen kommt. Dabei richten sich die Abwehrzellen des Immunsystems gegen die Zellen der Haarwurzel.

Beim kreisrunden Haarausfall bilden sich ovale bis runde kahle Stellen. Die Kopfhaut ist zu sehen und abgebrochene Haare an den Rändern der freien Stellen lassen sich leicht herausziehen, in seltenen Fällen bildet sich eine Glatze. Neben der Kopfhaut kann auch die Körperbehaarung an anderen Stellen betroffen sein, wie Bart oder Augenbrauen.

4. Vernarbender Haarausfall (Alopecia Cicatricalis)

Die vernarbende Alopezie ist selten und für Laien relativ schwer eindeutig zu erkennen. Es handelt sich hierbei um einen meistens langsam voranschreitenden Haarausfall, der zu asymmetrischen kahlen Stellen am Kopf führt. Neben dem Haarausfall kommt es zu Entzündungen und einer verstärkten Narbenbildung an den betroffenen Hautstellen. Trotz dieser Begleitsymptome ist es selbst für Ärzte nicht einfach, einen vernarbenden Haarausfall zu diagnostizieren.

Weil an den bereits vernarbten Stellen keine Haare mehr wachsen können, sollte man bei Verdacht auf eine vernarbende Alopezie einen Arzt zur Abklärung und Behandlung hinzuziehen.

Ursachen von Haarausfall

Haarausfall kann unterschiedliche Ursachen haben.

1. Genetische Veranlagung

Erblich bedingter Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt, tritt oft schon im jungen Erwachsenenalter auf. Ein genetisch bedingter, erhöhter Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron (DHT) verkürzt den Haarwachstumszyklus, was zu dünneren Haaren und schrumpfenden Haarfollikeln führt.

2. Hormonelle Veränderungen

Auch Veränderungen im weiblichen Hormonhaushalt, zum Beispiel während der Schwangerschaft und nach der Geburt, beim Absetzen der Antibabypille oder in den Wechseljahren, können Haarausfall begünstigen. Oft normalisiert sich der Haarverlust nach einigen Monaten, wenn sich die Hormone wieder eingependelt haben.

3. Äußere Einflüsse und Stress

Umweltgifte oder Schadstoffe im häuslichen Umfeld sowie Dauerstress können die Gesundheit der Haare beeinträchtigen.

4. Nährstoffmangel

Eine unausgewogene Ernährung führt oft zu einem Mangel an wichtigen Mikronährstoffen, die das Haar benötigt.

5. Medikamente

Bei der Einnahme von Medikamenten können Wirkstoffe innerhalb der Wachstumsphase über das Blut in die Haarwurzeln gelangen und dort das Haarwachstum bremsen oder sogar stoppen.

6. Ungeeignete Haarpflege

Aggressive Haarpflegeprodukte wie Shampoos mit harschen Tensiden können Haarausfall verursachen.

Diagnose von diffusem Haarausfall

Um diffusen Haarausfall festzustellen, sind ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung wichtig. Bei Menschen, die natürlicherweise fülliges Haar haben, ist ein diffuser Haarausfall häufig nicht zu erkennen. Es kann daher hilfreich sein, zum Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt Vorher-Nachher-Fotos mitzunehmen.

Im Gespräch wird die Ärztin oder der Arzt verschiedene Fragen zur Lebenssituation, Ernährungsgewohnheiten und zur Krankengeschichte stellen. Dabei geht es zum Beispiel darum herauszufinden, ob man:

  • zuletzt akut krank war und Fieber hatte
  • eine chronische Erkrankung hat, beispielsweise der Haut oder der Leber
  • regelmäßig Medikamente einnimmt
  • seine Ernährung umgestellt hat oder eine Diät macht
  • emotionalem Stress ausgesetzt ist oder war
  • mit hormonellen Präparaten wie der Anti-Baby-Pille verhütet und diese abgesetzt hat
  • vor einigen Wochen ein Kind geboren hat

Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haare, die Kopfhaut und die Nägel. Außerdem prüft sie oder er eventuell mit einem Zupftest, ob es sich um einen aktiven Haarausfall handelt. Zusätzlich lässt sich mit einem Trichogramm bestimmen, wie viele Haare sich im Ausfall-Stadium befinden.

Besteht der Verdacht, dass ein Mangel an Mineralstoffen wie Eisen oder eine Schilddrüsen-Erkrankung den Haarausfall ausgelöst hat, helfen Blutuntersuchungen weiter.

Möchte der Arzt oder die Ärztin den Haarausfall von anderen Formen abgrenzen, kann eine Untersuchung mit dem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) sinnvoll sein.

Ist trotz eines ausführlichen Gesprächs und einer genauen Untersuchung der Kopfhaut die Diagnose unklar, kann die Entnahme von Gewebe (Biopsie) manchmal weiterhelfen.

Behandlung von Haarausfall

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Haarausfall zu behandeln. Die Wahl der Therapie hängt stets von der Ursache ab.

1. Medikamentöse Behandlung

Der Wirkstoff Minoxidil fördert die Durchblutung der Haarwurzel und kann so die Nährstoffversorgung der Haare reaktivieren. In Ihrer Apotheke erhalten Sie spezielle Präparate in Form von Schaum oder Lösungen, die sich in der Dosierung für Frauen und Männer unterscheiden.

Für Frauen und Männer ist eine Haartinktur mit Alfatradiol zugelassen. Sie wird einmal täglich mit einem Applikator aufgetragen, der die Anwendung erleichtert. Bei Männern kann zudem der ärztlich verordnete, verschreibungspflichtige Wirkstoff Finasterid helfen, der als Tablette eingenommen wird. Er wirkt, indem er in den Testosteronhaushalt eingreift.

Da es sich beim kreisrunden Haarausfall wahrscheinlich um eine Autoimmunreaktion handelt, wird der Hautarzt eventuell Immunsupressiva wie Kortison verschreiben. Je eher man mit der Behandlung beginnt, desto besser die Aussichten, dass sich die kahlen Stellen zurückbilden.

2. Nahrungsergänzungsmittel

Es gibt zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, deren Wirkung zum Teil in Studien belegt ist. Sie enthalten Biotin (Vitamin H), verschiedene Aminosäuren wie Methionin oder Cystin, Spurenelemente wie Zink, Kupfer und Selen oder pflanzliche Wirkstoffe wie Hirseextrakt.

3. Natürliche Hilfe

Shampoos, Ampullen oder Tinkturen mit Vitaminen und Mineralstoffen wie Biotin, Folsäure und Zink oder dem durchblutungsfördernden Koffein können das Haarwachstum unterstützen und zur Nährstoffversorgung beitragen.

Der patentierte Wirkstoff Aminexil verankert das Haar wieder auf der Kopfhaut und verbessert das Wachstum der Haare.

4. Haarpflege

Bei Haarausfall ist ein mildes Shampoo empfehlenswert, das keine Konservierungsstoffe und vor allem keine Parabene enthält. Kräftigend wirken Hirseextrakt, Glykoproteine oder Provitamin B5. Massieren Sie das Shampoo vorsichtig ein und achten Sie darauf, auch der Kopfhaut eine kleine Massage zu gönnen.

Drücken Sie deshalb die Haare nur sanft in einem Handtuch trocken. Danach können sie mit einer speziellen Entwirrbürste ganz leicht gekämmt werden. Tipp: An der Luft trocknen lassen, anstatt zu föhnen, da die Hitze die Haare austrocknet und sie leicht schädigen kann.

Prävention von Haarausfall

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Haarausfall vorzubeugen.

1. Ausgewogene Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Mineralien und Vitaminen wie Zink, Eisen und Biotin trägt zu einem gesunden Haarwachstum bei und sorgt dafür, dass das Haarprotein Keratin gebildet wird.

2. Schonende Haarpflege

Wenn Sie unter Haarausfall leiden, ist es wichtig, die Haare auch bei der Pflegeroutine zu schonen, um sie nicht zusätzlich zu strapazieren.

3. Stressreduktion

Reduzieren Sie Stress durch regelmäßige Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training, um den negativen Einfluss von Stress auf das Haarwachstum zu minimieren.

4. Vermeidung von Haarschäden

Vermeiden Sie heiße Haarbehandlungen wie Föhnen oder chemische Behandlungen, die das Haar schwächen und Haarausfall verursachen können.

Kreatin und Haarausfall

Immer wieder kommt jedoch die Diskussion auf, ob die Einnahme von Kreatin mit verstärktem Haarausfall in Verbindung gebracht werden kann. Hierzu sind bisher erst wenige Studien erfolgreich durchgeführt worden.

Sportler gehen davon aus, dass sich durch die regelmäßige Einnahme von Kreatin die sportlichen Leistungen verbessern und ein muskulöseres Erscheinungsbild entsteht. In einigen Fällen kann Kreatin zur Steigerung der Maximalkraft beitragen, es lässt sich jedoch feststellen, dass das Mittel längst nicht in allen Fällen wirksam ist und zudem auch Nebenwirkungen verursachen kann.

Eine große Frage, die sich im Zusammenhang mit den Nebenwirkungen immer wieder stellt, ist auch: Kann Kreatin Haarausfall verursachen? Dennoch ist das Alter zwischen 20 und 30 Jahren die Zeit, in der Männer oftmals erste Anzeichen von Haarausfall erfahren. Häufig zeigt sich dies in Form von Geheimratsecken an den Schläfen und einer zurückgehenden Haarlinie. Dies steht jedoch nicht direkt damit im Zusammenhang, dass Kreatin Haare verändert.

Sollte im individuellen Fall deshalb der Verdacht auf einen Zusammenhang von Haarausfall und Kreatin gehegt werden, kann die Einnahme von Kreatin zeitweise pausiert werden, sodass die Symptome zunächst separat beobachtet werden können und eventuell andere Ursachen deutlich werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Effekt von Kreatin auf Haarausfall bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist, um eindeutige Schlussfolgerungen zu treffen, die den Haarausfall als Nebenwirkungen von Kreatin bestätigen.

Wachstumszyklus der Kopfhaare

Kommt es bei Ihnen zu übermäßigem Haarverlust, kann der Wachstumszyklus an verschiedenen Stellen gestört sein. Haare wachsen in drei Phasen: der Wachstumsphase, der Übergangsphase und der Ruhephase.

Wachstumsphase (Anagenphase): Das Haar wächst aktiv. Diese Phase dauert typischerweise zwischen zwei bis sechs Jahren. Das Haar wächst dann gleichmäßig etwa einen Zentimeter pro Monat. Etwa 85 bis 90 % unserer Haare befinden sich gleichzeitig in der Wachstumsphase.

Übergangsphase (Katagenphase): In der etwa zweiwöchigen Übergangsphase befinden sich dauerhaft nur 1 % unserer Haare. In dieser Phase hört das Haar auf zu wachsen, und der Haarfollikel schrumpft.

Ruhephase (Telogenphase): In dieser rund dreimonatigen Phase befinden sich ca. 9 % unserer Haare. Das Haar ruht und fällt schließlich aus, um Platz für neues Haar zu machen. Anschließend beginnt der Zyklus von vorne, indem ein neues Haar im Follikel wächst.

Zusammenfassung

Haarausfall ist ein komplexes Thema mit vielfältigen Ursachen und Behandlungsansätzen. Eine frühzeitige Diagnose und die Identifizierung der zugrunde liegenden Ursache sind entscheidend für eine erfolgreiche Therapie. Neben medikamentösen Behandlungen und natürlichen Hilfsmitteln spielen auch die richtige Haarpflege und eine ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle bei der Prävention und Behandlung von Haarausfall.

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