Lukas Glatz und die immersive Welt von Signa

Lukas Glatz ist eine Person, die eng mit dem Performance-Kollektiv Signa verbunden ist, welches für seine außergewöhnlichen und oft verstörenden Theaterinszenierungen bekannt ist. Signa arbeitet site-specific und ist bekannt für ihre Parallelwelt-Installationen, in denen das Publikum aufgefordert ist, die Zuschauer-Position aufzugeben und aktiv an den Inszenierungen teilzunehmen. Diese Inszenierungen zeichnen sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus.

Berlin-Wedding, ein möglicher Schauplatz für Signa's Inszenierungen

"Club Inferno": Einblicke in eine Inszenierung von Signa

Ein Beispiel für die Arbeit von Signa ist die Inszenierung "Club Inferno", die in Berlin stattfand. In dieser Inszenierung wurde das Publikum in eine Parallelwelt entführt, die an Dantes "Inferno" erinnerte. Die Besucher wurden Teil einer düsteren und verstörenden Erfahrung, in der Prostituierte und Ausgestoßene die Hölle nachspielten. Die "glitschig-grobe Atmosphäre aus Einladung und Abstoßung, Höflichkeit und Anmaßung, Geheimniskrämerei und Verhör", die Doris Meierhenrich von der Berliner Zeitung (11.3.2013) beim Empfang ihrer "Einladung" empfunden hat, "wird auch zwei Tage später im Club vorherrschen".

Die Inszenierung beinhaltete verschiedene Charaktere und Szenen, die die Zuschauer in unterschiedliche Höllenkreise führten. Es gab schlechtgelaunte Schwule, proletenhafte Ägypterinnen und einen dicken Glatzkopf. Clowns waren bei Signa nicht lustig, sondern brutal. Die Rahmenhandlung um den Spielcasinobesitzer Herbert Godeux sei überflüssig, Dantes neun Höllenkreise seien es nicht. "Das Ganze ist Geisterbahn und Party zugleich.

Ein Besucher beschreibt seine Erfahrungen im "Club Inferno":

Vom Wodka benebelt liege ich auf dem Bett, als Marcy vor mir zu tanzen anfängt. Ob sie für mich strippen kann, frage ich. Wortlos fängt sie an, im Séparée ihr Kleid herunterzuziehen, in der Enge reiben ihre Knie an meinen. Neben mir auf dem Bett sitzt eine andere Tänzerin, sie hat die Eieruhr mit den fünf Minuten in der Hand. Fünf Minuten lang wird Marcy alles machen, was ich sage. Etwas zaghaft lässt Marcy ihren BH fallen.

Er beschreibt weiter, wie er in verschiedene Situationen hineingezogen wurde, in denen er Entscheidungen treffen musste, die ihn moralisch herausforderten. Man sagte mir, dass ich feige bin. Kann man Feigheit daran messen, ob ich mich mit Essig taufen oder mich ausziehen lassen will?

Die Zuschauer wurden mit ihren eigenen Ängsten und Vorurteilen konfrontiert und dazu angeregt, über ihre Rolle in der Gesellschaft nachzudenken. Eine Zuschauerin im Wald der Selbstmörder fragt sich, warum wir die Welt und uns selbst nicht so akzeptieren können, wie wir sind.

Szene aus "Club Inferno"

Die Rolle der Zuschauer

Ein zentrales Element der Inszenierungen von Signa ist die aktive Teilnahme des Publikums. Die Zuschauer werden nicht nur als passive Beobachter behandelt, sondern als integraler Bestandteil der Inszenierung. In denen müsse man sich als Zuschauer "ständig überlegen, was man tut oder besser lässt." Im konkreten Fall des "Club Inferno" gerate "alles aus dem Ruder, Nacktheit greift um sich. Und Gewalt." Und Pauly berichtet: "Ständig werde ich in den Po gekniffen, von nackten Füßen berührt, zimperlich darf man hier nicht sein.

Dies kann zu intensiven und verstörenden Erfahrungen führen, da die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Denn Signa spielen kein Theater, sie bauen mit größter Genauigkeit hyperrealistische, hermetische Lebensräume auf und lassen Spieler wie Zuschauer darin miteinander "Erfahrungen" machen.

Einige Kritiker sehen in dieser Art von Theater eine besondere Stärke, während andere die Ruppigkeit und Rüde bemängeln. Das Projekt bleibe immer kenntlich "als theatralische Behauptung", findet Michael Laages im Deutschlandfunk (11.3.2013). "Vielleicht ist das sogar die stärkste Schwäche." Ob es Signa gelungen ist, durch all die Höllenkreise des Klubs hindurch "das Bewusstsein des Abgrunds zu wecken bei dieser und jenem", weiß Laages nicht zu sagen. "Die Szenerie will stark sein, ist aber oft bloß ruppig und rüde.

Wieder andere sehen die Gefahr, dass die Inszenierungen zu bemühend wirken und den Zuschauer eher langweilen als berühren. "Club Inferno" sei jedoch leider "hauptsächlich bemühend. Abgesehen vom hübschen Dekor (...) (so viel Aufwand, so wenig Ertrag, seufzt man halb gerührt), nervt hier alles", der schmierige Gastgeber, die Animierdamen und Toy Boys, die Dante-Figuren, die "brav" Mythologie aufsagten. "Einzig aus Höflichkeit ihnen gegenüber tut man hier so, als langweilte man sich nicht fürchterlich."

Eine weitere Szene aus einer Signa Inszenierung

Kritische Auseinandersetzung

Die Arbeit von Signa ist nicht unumstritten. Einige Kritiker loben die Intensität und Originalität ihrer Inszenierungen, während andere die Gewaltdarstellung und den Voyeurismus kritisieren.

Barbara Villiger Heilig von der Neuen Zürcher Zeitung (12.3.2013) schreibt: "Wüssten wir nicht, dass Sörensen/Köstler selber in den Hauptrollen auftreten und das Ganze sowieso nur so tut, als ob es ernst sei, fühlten wir uns in Anbetracht der dargestellten Demütigungen zu Einspruch verpflichtet. Und schon haben sie uns erwischt - exakt diese Reaktion erfüllt, was Signa beabsichtigt".

Es bleibt die Frage, ob das Theater von Signa dazu beiträgt, das Bewusstsein für gesellschaftliche Probleme zu schärfen, oder ob es lediglich eine Form der Unterhaltung für ein privilegiertes Publikum darstellt. Fragt sich am Ende: "Wieso überhaupt das ganze Theater?

Unabhängig von der persönlichen Meinung bleibt festzuhalten, dass Signa mit ihren Inszenierungen eine einzigartige und polarisierende Form des Theaters geschaffen hat, die das Publikum herausfordert und zum Nachdenken anregt.

Zusammenfassend lassen sich die zentralen Aspekte der Arbeit von Signa wie folgt darstellen:

Aspekt Beschreibung
Site-specific Die Inszenierungen finden an spezifischen Orten statt, die in die Handlung integriert werden.
Parallelwelt-Installationen Es werden immersive Parallelwelten geschaffen, in denen sich die Zuschauer frei bewegen können.
Aktive Teilnahme des Publikums Die Zuschauer werden in die Handlung einbezogen und müssen Entscheidungen treffen.
Grenzüberschreitung Die Inszenierungen thematisieren Tabus und überschreiten moralische Grenzen.
Polarisierung Die Arbeit von Signa polarisiert und löst kontroverse Diskussionen aus.

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