Die Perücke erlebte im Barock eine regelrechte Hochphase und avancierte zu einem wahren Repräsentationsstück. Vor allem in Frankreich wurde die Perücke zu einem wichtigen Standeszeichen und war fester Bestandteil der Hoftracht. Doch wie kam es dazu?
Ludwig XIV. von Frankreich, auch bekannt als der Sonnenkönig, trug maßgeblich zur Popularität der Perücke bei.
Es war Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715), der den Perücken-Hype im Barock auslöste.
Wohl eher unbeabsichtigt machte im 17. Jahrhundert der französische König Ludwig der XIII. die Perücke zum begehrten modischen Accessoire und Statussymbol. Da ihm sein spärliches eigenes Haar nicht gefiel bzw. um seine Kahlköpfigkeit zu kaschieren, so heißt es, behalf er sich mit einer Perücke und löste so am Hofe eine regelrechte Modewelle aus.
Der französische König soll in jungen Jahren über besonders wallendes Haar verfügt haben. Diese Pracht habe Europas Adel mit seinen Mehl-bestäubten Allonge-Perücken im 17. Jahrhundert zu kopieren versucht.
Seit Ludwig XIV., dem französischen Sonnenkönig, trugen die höheren Herrschaften als Ausdruck ihrer elitären Stellung Perücken. Dieser Brauch, mit welchem Ludwig erfolgreich seinen schütteren Haarwuchs verbarg, setzte sich bis ins 18. Jahrhundert fort.
Die Kahlheit jedoch sah man ihnen nicht an. Seit Ludwig XIV., dem französischen Sonnenkönig, trugen die höheren Herrschaften als Ausdruck ihrer elitären Stellung Perücken.
Im Jahr 1673 wurde die sogenannte Allongeperücke (allonge franz. = verlängern) von Ludwig dem XIV. zur Staatsperücke ernannt, die so zu einem Symbol für Macht und Status wurde. Der wie sein Vater mit Haarausfall geschlagene Sonnenkönig versuchte mit Hilfe der künstlichen Haarpracht nicht nur sein schütteres Haar zu verbergen, sondern angeblich auch seine geringe Körpergröße -ebenso wie durch das Tragen hoher Schuhabsätze- noch oben zu korrigieren.
Bei der Allongeperücke handelt es sich um eine voluminöse, langhaarige, lockige Perücke, die ausschließlich von den Herren getragen wurde. Das Haar war in der Mitte des Kopfes gescheitelt und fiel teilweise bis auf die Hüfte hinunter.
Ein schwerer Kopfschmuck, der da von den Herren damals herumgetragen wurde; denn die Lockenpracht konnte mitunter mehrere Kilogramm auf die Waage bringen.
Eine Allongeperücke, wie sie im Barock üblich war.
Die Perücken wurden aus in der Regel aus Tierhaaren hergestellt, meistens Pferde- oder Ziegenhaar. Aus Menschanhaaren gefertigte Perücken waren sehr teuer und nur den obersten Schichten vorbehalten.
In Deutschland gab es sogar eine Perückensteuer, so dass ärmere Bevölkerungsschichten, wie Handwerker und Bauern, gar nicht erst in die Versuchung gerieten, dieses Statussymbol zu tragen.
| Material | Verwendung | Kosten |
|---|---|---|
| Pferdehaar | Günstigere Perücken | Gering |
| Ziegenhaar | Günstigere Perücken | Gering |
| Hanf und Flachs | Einfache Perücken | Sehr gering |
| Menschenhaar | Teure Perücken für den Adel | Hoch |
Anfangs trug man blonde, braune oder schwarze Perücken; angeblich waren aber auch rote und blaue Perücken nicht ungewöhnlich. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts entsprachen weiße Perücken dem Schönheitsideal.
Um den künstlichen Haaren zu ihrer weißen Farbe zu verhelfen, griff man auf Puder zurück, das aus Reis- oder Weizenmehl bestand und mit dem die Perücken täglich eingestäubt wurden.
Das Pudern der Perücken mit Reis- und Weizenmehl kam ab 1700 auf. Es war den unteren Ständen generell verboten und natürlich ebenfalls mit einer Steuer belegt. Der weiße Puder hatte allerdings die unschöne Eigenschaft, Flecken auf den Schultern und Revers der Jacken zu hinterlassen.
In eigens zu diesem Zweck eingerichteten Puderkammern wurde das weiße Pulver entweder in die Luft geworfen, von wo aus es auf die Perücke runterrieselte oder man bestäubte die Haare mit Hilfe eines Puderblasebalgs. Die Ausführung dieses täglichen Rituals oblag den Zofen oder den Perückenmachern. Angeblich beschäftigte Ludwig XIV. allein für seinen Hof 48 Perückiers.
Die natürlichen Haare wurden unter dem mächtigen Haarschmuck meist kurz geschoren getragen.
Verschlossen wurde das Ganze mit einer großen, breiten Schleife. Damit war der Rockkragen gerettet und die "Haarbeutelfriseur" erfunden. Der Haarbeutel war ein wichtiges Requisit der Haartracht des 18. Jahrhunderts und wurde tatsächlich im Laufe der Modeentwicklung immer größer, weil man meinte, damit auch noch Stand und Herkunft repräsentieren zu können.
Diesen Modetrend des Haarbeutels greift die hier gezeigte Porzellanplastik bissig, allerdings im Vergleich zur Satire der weiblichen Hochfrisur (s. BdW 22/2008) insgesamt zurückhaltender auf. Mit seinem überdimensional großen Haarbeutel bleibt der eitle, aufgeblähte Kavalier in dem engen Torbogen stecken. Er benötigt die Hilfe seines hinter ihm gehenden Dieners, um die "enge" Passage zu meistern.
Auch der Diener trägt einen Haarbeutel, allerdings deutlich kleiner und bescheidener als sein Herr. Bei näherer Betrachtung ist die Miniatur eine regelrechte Sozialstudie und demonstriert deutlich die damaligen Standesunterschiede, die durch eine strikte Kleiderordnung noch zusätzlich gesetzlich abgesichert wurden.
Nicht nur trägt der Bürger statt einer gepuderten Perücke sein Haar unter einem Dreispitz ohne jede "Ordnung", seine Kleidung ist auch viel weniger aufwendig und nicht mit Gold dekoriert wie die des Adeligen und sogar seines Dieners. Auch die Körpersprache bringt den sozialen Unterschied zum Ausdruck: Während der Kavalier stolz und herrisch-aufgebläht, einem Rad schlagenden Pfau nicht unähnlich, im Tor hängen bleibt, liegt der zuschauende einfache Bürger untätig in entspannter Position auf der Mauer.
Ein Haarbeutel, der im 18. Jahrhundert getragen wurde.
Mit der dekadenten Mode des Absolutismus brach die Französische Revolution. Die Mehl-gepuderten Perücken waren Symbole der verhassten Oberschicht. Lebensmittel aus Status- und Selbstdarstellungsgründen zweckzuentfremden, erregte Unmut.
Mit der Französischen Revolution, also ein knappes Jahrhundert nachdem Rigaud das Bild Ludwigs gemalt hatte, übernahm statt der adeligen langsam die bürgerliche Kleidung in Europa die Stilherrschaft. Damit verschwanden auch die Culottes.
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