Haare sind ein bedeutender Teil unseres Erscheinungsbildes. Sie prägen unseren Stil, unsere Persönlichkeit und unser Selbstbild. Doch nicht jeder ist mit einer Löwenmähne gesegnet und im Laufe des Lebens kann sich das Haar und seine Struktur deutlich verändern.
Schaut man sich alte Fotos aus der Kindheit an, stellt man sich häufig die Frage: Warum sahen meine Haare früher eigentlich so ganz anders aus als jetzt? Vielleicht war man früher ein richtiger Lockenkopf und hat heute glattes Haar. Wo damals eine dichte Löwenmähne war, kann man heute nur noch ausgedünntes Haupthaar sehen. Als Kind war man strohblond und nun bewegt sich der Farbton zwischen dunkelbraun und schwarz. Woran liegt es, dass sich die Haare im Laufe der Jahre so verändern?
Im Laufe des Lebens kann sich die Haarstruktur aus ganz unterschiedlichen Gründen ändern. Da können sowohl hormonelle oder genetische Gründe als auch veränderte Ernährung oder Pflege eine Rolle spielen.
Es gibt in der Regel drei Abschnitte im Leben eines Menschen, in denen die Haare möglichen Änderungen unterliegen können. Diese Phasen sind die Pubertät, die Wechseljahre und dann noch einmal das fortgeschrittene Alter zwischen Mitte und Anfang siebzig. In diesen Zeiträumen können die Haare sich verändern und ausdünnen.
Gerade der Verlust von Haaren ist sowohl für Frauen als auch für Männer ein belastendes Thema. Ob dünner werdendes Haar (Miniaturisierung), Haarverlust (Effluvium) oder Haarlosigkeit (Alopezie) - für die Betroffenen geht diese Veränderung nicht selten mit Ärger, Frust und psychischen Problemen einher.
Haarausfall kann leider jeden treffen, das weiß auch Dr. Uwe Schwichtenberg. Er ist Dermatologe und Haarexperte sowie Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen e. V. „Es ist völlig normal, dass auch gesunde Menschen Haare verlieren“, sagt Schwichtenberg. Der tägliche Haarverlust ist ein Zeichen dafür, dass das Haar seinen Wachstumszyklus durchläuft und an dessen Ende ausfällt.
Anschließend beginnt der Zyklus von Neuem und das Haar wächst wieder nach. Als Faustregel gilt, dass jeder Mensch bis zu 100 Haaren täglich verliert, wenn deutlich mehr ausfallen und das über einen längeren Zeitraum, spricht die Medizin von Haarausfall.
Hält der Haarausfall länger an, sollte man ihn ärztlich abklären lassen. Haarausfall kann zwar nur in manchen Fällen rückgängig gemacht werden, aber bei frühzeitiger Behandlung lässt sich der Prozess stoppen bzw. verlangsamen.
Meistens sind die Ursachen für eine derartige Erkrankung oder Störung des Haarwachstums leicht zu diagnostizieren. Schaart empfiehlt gegebenenfalls eine Untersuchung mittels eines computergesteuerten Verfahrens. Hierbei kann unter anderem der genaue Zustand der Haarwurzeln analysiert und die Haardichte bestimmt werden.
Zur Bestimmung der Haardichte, des Haarwachstums und des Zustandes der Haarwurzeln wird eine moderne computergestützte Haaranalyse (Trichoscan®) eingesetzt. Bei dieser Analyse wird die Kopfhaut in einem Areal von wenigen Millimetern rasiert. Ein elektronischer Messkopf misst die Haarlänge der verbleibenden Stoppeln. Nach ca. drei Tagen erfolgt eine Vergleichsaufnahme.
Die Haare werden zur besseren Sichtbarkeit angefärbt und eine stark vergrößerte Aufnahme erstellt. Alle Daten werden digital abgespeichert. Durch die Analyse mit Trichoscan® und ggf. weitere Tests (z. B.
Gekoppelt mit einem Bluttest kann man so oft herausfinden, welche Ursachen der Haarausfall hat: "Am häufigsten sind mit Sicherheit hormonell oder erblich bedingte Gründe. Auch Störungen der Schilddrüsenhormone, Eisen- oder Zinkmangel, Blutzuckererkrankungen, chronische Entzündungen im Körper, Stress oder die Einnahme von Medikamenten können zu Haarausfall oder Ausdünnung führen."
In 95 % der Fälle sind hormonelle und erbliche Faktoren für den Haarausfall verantwortlich.
Haare sind starken hormonellen Einflüssen unterworfen. "Manche Mädchen in der Pubertät oder Frauen, die kurz vor den Wechseljahren stehen, merken das extrem vor ihrer Menstruation", so Schaart. "Die Haare klatschen am Kopf, sind strähnig und unansehnlich. Ein paar Tage später sind sie wieder wunderbar weich und geschmeidig."
In diesen Lebensphasen ist das Regelungssystem der Geschlechtshormone nicht wirklich stabil und die veränderte Hormonsituation beeinflusst auch die Haarstruktur. Durch eine erhöhte Talgproduktion, die von den männlichen Hormonen (Androgene) abhängt, werden die Haare fettiger - je mehr Androgene, desto mehr Hauttalg. Weibliche Hormone (Östrogene) hingegen vermindern die Hauttalgproduktion.
Viele Menschen haben aber auch schon mit den gewöhnlichen "Bad hair days" zu kämpfen. Wieso glänzen meine Locken nicht? Aus welchem Grund hält die Frisur nicht? Warum hängen meine Haare nach einem Tag nur noch wie pomadige Spaghetti herunter?
Das teuerste Pflegeprodukt hilft nichts, wenn man nicht ein paar Grundregeln für gesundes und somit kraftvolles Haar beachtet, weiß Schaart: "Ganz wichtig: nicht zu häufig die Haare waschen. Zwei bis drei Mal in der Woche reicht vollkommen aus. Tägliches Haare waschen ist eindeutig zu viel. Man sollte außerdem keine aggressiven Shampoos benutzen und nicht zu heiß föhnen. Auch Dauerwellen, Färbungen und Tönungen können das Haar auf Dauer schädigen; wenn, dann am besten mit natürlichen Substanzen arbeiten. Auch ein regelmäßiges Massieren der Kopfhaut ist gut, da die Durchblutung dadurch angeregt wird."
Aber wichtig ist natürlich auch die richtige Pflege. Und dazu zählt ein schonendes Shampoo. Viele der angepriesenen Haarwaschmittel sind mit Silikonen versetzt. Richtig gelesen: Silikone. Das ist der Wirkstoff, den man normalerweise benutzt, um Fenster abzudichten. Aber auch in der Haarpflege erfreuen sich die so genannten Polysiloxane größter Beliebtheit.
Und ähnlich wie bei der Fensterisolierung arbeiten Silikone auch am Haar - sie dichten das Haar nach außen hin ab, umgeben es mit einem glatten Film, machen es dadurch leichter kämmbar und vermeintlich geschmeidiger. Das Problem ist das gleiche wie im Handwerkeralltag: Silikone versiegeln die Haarpracht (und im Übrigen auch die Kopfhaut!) und man bekommt sie nur schwer wieder ab!
Das bedeutet, dass bei jeder Wäsche noch eine Silikonschicht auf das Haar gelangt und damit auch mögliche Haarschäden verdeckt werden. Ergebnis: schweres Haar, fehlendes Volumen und Strähnen.
Um die nicht wasserlöslichen Silikone zu entfernen, benötigt man wiederum aggressive Shampoos mit Tensiden und so eröffnet man einen endlosen Kreislauf von Reparatur-Haarwaschmitteln, die nichts weiter machen als das Haar unnötig zu strapazieren. Des Weiteren stehen Silikone im Verdacht, Allergien auszulösen. Deswegen sollte man beim Shampoo-Kauf unbedingt auf Produkte ohne Silikone achten.
Haarausfall kann viele Ursachen haben und sowohl Männer als auch Frauen betreffen. Die Medizin unterscheidet vier Hauptformen von Haarausfall:
„Die häufigste Form ist der anlagebedingte Haarausfall und wird durch eine genetische Veranlagung und eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Sexualhormonen verursacht“, erklärt Schwichtenberg.
„Beim kreisrunden Haarausfall handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die Haarfollikel an, was zu einem kreisrunden Haarausfall führt“, erläutert der Dermatologe. Warum die Krankheit genau entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt.
„Auslöser können verschiedene Ereignisse sein, die das Immunsystem irritieren. Auch Erbfaktoren können, aber müssen nicht eine Rolle spielen“, erklärt der Hautarzt. Genaue Mechanismen und Triggerfaktoren seien noch Gegenstand der Forschung. Fest steht jedoch, dass Alopecia areta jeden treffen kann, „auch Kinder“, sagt Uwe Schwichtenberg.
Der diffuse Haarausfall ist weit verbreitet und „zeichnet sich durch einen vermehrten Haarumsatz aus. Da lange Haare durch kurze Haare ersetzt werden, kommt es zu einer allgemeinen Ausdünnung der Haare auf dem gesamten Kopf, ohne dass jedoch wirklich sichtbare kahle Stellen entstehen“, erklärt der Experte.
Der vernarbende Haarausfall ist durch Narbenbildung auf der Kopfhaut gekennzeichnet. „Die Haarfollikel werden zerstört und durch Narben ersetzt, was zu dauerhaftem Haarausfall führt“, erläutert Schwichtenberg. Ursachen können Infektionen, Entzündungen oder Verletzungen sein.
So unterschiedlich der Haarausfall sein kann, so vielschichtig sind auch die Therapiemöglichkeiten. „In vielen Fällen gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, um den Haarausfall zu verlangsamen, zu stoppen oder sogar das Haarwachstum wieder anzuregen“, beruhigt der Dermatologe. Selbst der kreisrunde Haarausfall, Alopezia areata, gilt mittlerweile als gut behandelbar.
Es gibt jedoch einen großen Haken bei der Sache: Eine gesetzliche Krankenkasse wird leider kaum die Kosten dafür übernehmen. Denn Medikamente gegen Haarausfall, die beim kreisrundem oder erblich bedingtem Ausfall empfohlen werden, sind als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel eingestuft. „Wer sie will, muss meist selbst zahlen. Und das können sich die meisten nicht leisten“, erläutert der Dermatologe.
Eine Monatspackung des Medikaments mit dem Wirkstoff Baricitinib, der bei Alocepia areata eingesetzt wird, würde bereits mehr 1000 Euro kosten. „In vielen Fällen müssen die Betroffenen aber lebenslang damit therapiert werden“, so Schwichtenberg.
Haarausfall wird häufig auch mit einem Biotinmangel in Verbindung gebracht. Die Biotinidase ist ein wichtiges Enzym für die Freisetzung von Biotin aus Nahrungsmitteln. Es gibt Hinweise aus Studien, dass bei Kindern, die mit Valproinsäure behandelt worden waren, eine verminderte Biotinidase-Aktivität entstand.
Auch ein Mangel an Vitamin A führt zu dermatologischen Problemen und u.a. Bei Haarausfall sollte immer auch ein Mikronährstoffmangel in Betracht gezogen werden.
Am Haarwachstum und am Erhalt gesunder, schöner Haare sind viele Nährstoffe beteiligt. Außerdem ist Vitamin C ein wichtiges Antioxidans des Körpers, das oxidativem Stress entgegenwirkt. Vitamin C wird auch für die Synthese von Kollagen benötigt. Kollagen ist das häufigste Protein des Bindegewebes. Es ist sehr reich an Prolin, eine Aminosäure, die ein wichtiger Bestandteil von Keratin ist.
Haare bestehen zu einem Großteil aus Keratin. Bei Silicium handelt es sich um ein Spurenelement, das für den Aufbau und Erhalt von Knorpel, Bindegewebe, Haaren, Haut und Nägeln wichtig ist.
Sägepalmenfruchtextrakt hat in Sachen Haarwachstum vielversprechende Eigenschaften. Er besteht zu einem Großteil aus Fettsäuren und enthält außerdem Beta-Carotin, Vitamin E und Phytosterine. Sie hemmen die Bindung von DHT an Androgenrezeptoren. Außerdem können sie das DHT-Enzym hemmen und ein anderes Enzym stimulieren, das DHT abbaut. DHT ist ein Androgen und Testosteronderivat.
Es spielt beim männlichen, altersbedingten Haarausfall eine wichtige Rolle. Aber auch Frauen sind davon betroffen. Methionin ist eine schwefelhaltige, essentielle Aminosäure, die vor allem in Fleisch, Eiern und Nüssen vorkommt. Auch bei Cystein handelt es sich um eine Aminosäure. Keratin ist sehr reich an Cystein.
Zink ist für die Gesundheit und Regeneration der Haarfollikel sehr wichtig. Außerdem wird Zink für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Selen ist ein essentieller Nährstoff, der bei uns leider leicht zu kurz kommt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass ein Selenmangel Haarausfall verursachen kann. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass auch zu viel Selen zu Haarausfall führen kann.
Kupfer ist für die Melaninbildung wichtig. Ein Kupfermangel kann daher ein vorzeitiges Ergrauen der Haare verursachen. Allerdings ist vorzeitiges Ergrauen nicht immer auf Kupfermangel zurückzuführen. Auch andere Defizite wie z. B. B-Vitamine haben viele Funktionen, die für die Haargesundheit von Bedeutung sind.
Vitamin B2 kann den normalen Haarwachstumszyklus unterstützen. Biotin wird für die Keratinsynthese benötigt. Vitamin B6 ist am Haarfollikelzyklus beteiligt und reguliert die Talgproduktion.
Hier eine Tabelle mit einigen wichtigen Nährstoffen und ihren Funktionen für die Haargesundheit:
| Nährstoff | Funktion |
|---|---|
| Vitamin C | Antioxidans, Kollagensynthese |
| Silicium | Aufbau und Erhalt von Knorpel, Bindegewebe, Haaren, Haut und Nägeln |
| Zink | Gesundheit und Regeneration der Haarfollikel, Herstellung von Schilddrüsenhormonen |
| Selen | Essentieller Nährstoff, Mangel kann Haarausfall verursachen |
| Kupfer | Melaninbildung |
| B-Vitamine | Verschiedene Funktionen für die Haargesundheit |
tags: #Löwe #Mähne #Haarausfall #Ursachen #Behandlung
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.