Lilien vermehren: Eine detaillierte Anleitung zur Schuppenvermehrung

Lilien (Lilium) gehören zu den ältesten und prächtigsten Kulturpflanzen. Mit rund 110 Arten und einer Vielzahl von Hybriden bieten sie eine beeindruckende Vielfalt an Formen und Farben. Die Vermehrung von Lilien kann auf verschiedene Arten erfolgen, wobei die Schuppenvermehrung eine besonders effektive Methode darstellt, um sortenechte Nachkommen zu erhalten.

Schuppenvermehrung bei Lilien: Eine Schuppe bildet bereits eine winzige neue Zwiebel.

Herkunft und Verbreitung der Lilien

Die Lilie (Lilium) ist eine Gattung in der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Es existieren rund 110 Arten und eine Vielzahl von Hybriden, die durch die Kreuzung verschiedener Arten entstanden sind. Zur Zeit geht man von etwa 2.000 Hybriden aus, die in acht Gruppen zusammengefasst werden - so unterscheidet man beispielsweise die sogenannten Asiatischen und Orientalischen Hybriden.

Die reinen Arten haben ihre natürliche Verbreitung fast ausschließlich in der nördlich-gemäßigten und subtropischen Zone, vor allem in niederschlagsreichen Gebieten. Eine Ausnahme bildet die Madonnen-Lilie (Lilium candidum), denn sie bevorzugt das trockene Klima des östlichen Mittelmeerraums. Als heimische Art ist die Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) zu nennen, sie ist beispielsweise im Südschwarzwald zu finden, ebenso in den Allgäuer Alpen.

Lilien gehören zu den ältesten Kulturpflanzen. Die Madonnen-Lilie wurde bereits Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus in Gärten gepflanzt. Die Römer führten sie in ihre Provinzen nördlich der Alpen ein. Im Mittelalter entwickelte sich die strahlendweiße Lilie zu einem wichtigen Mariensymbol, wie unter anderem viele Gemälde aus dieser Zeit belegen.

Aussehen und Wuchs

Lilien sind ausdauernde, krautige Pflanzen mit einer geschuppten Zwiebel als Überdauerungsorgan. Die fleischigen Schuppen, die einander dachziegelartig überdecken, sind, botanisch betrachtet, modifizierte Blätter und dienen als Nährstoffspeicher. Da diese Zwiebel, anders als bei anderen Zwiebelgewächsen, von keiner schützenden Außenhaut umgeben ist, wird sie als "nackt" bezeichnet.

Eine Besonderheit sind die sogenannten Zugwurzeln, die sich am Zwiebelboden entwickeln und die Zwiebel tiefer in die Erde ziehen können. Außerdem bilden die meisten Lilien Wurzeln im unterirdischen Stängelbereich aus - dort können auch kleine Tochterzwiebeln entstehen. Die meisten Arten bilden keine grundständigen Blätter aus.

Die Wuchshöhe liegt je nach Art zwischen 30 und 240 Zentimetern. Die Riesenlilie (Cardiocrinum giganteum) kann sogar bis zu drei Meter hoch werden. Am Ende des Stiels bilden sich eine oder auch mehrere Blüten, die dann als Traube oder Dolde zusammenstehen. Man unterscheidet drei Blütenformen: trompetenförmige, schalenförmige sowie die Blüten der genannten Türkenbund-Lilien. Die Blütezeit der verschiedenen Arten liegt zwischen Mai und September und mit Ausnahme von Blau sind fast alle Farben vertreten.

Die Türkenbund-Lilie (Lilium martagon) ist eine heimische Art.

Standort und Boden

Welchen Standort und Boden Lilien benötigen, variiert von Gruppe zu Gruppe leicht. So bevorzugen die Asiatischen Wildarten einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit einem frischen, humus- und nährstoffreichen sowie durchlässigen Boden. Die Türkenbund-Lilie und ihre zahlreichen Hybriden haben ähnliche Ansprüche wie die Asiatischen Wildarten, ein halbschattiger Standort wird - ebenso wie von den Orientalischen Wildarten - aber einem sonnigen vorgezogen.

Die Madonnen-Lilie hat es ebenfalls gerne etwas kalkhaltig, am liebsten ist ihr aber ein Platz in der Sonne mit einem frischen, lockeren Boden. Einen kalkfreien Boden hingegen bevorzugen die Amerikanischen Wildarten wie die Panther-Lilie (Lilium pardalinum) und ihre Hybriden. Am besten gedeihen alle Lilienarten in einem schwach sauren Substrat.

Zu beachten ist, dass die meisten Lilien zwar einen sonnigen Standort benötigen, der Boden im Bereich der Pflanze jedoch beschattet sein sollte. Das erreicht man mit einer niedrigen Begleitpflanzung. Als Alternative bietet sich eine Mulchschicht aus Kompost oder Rindenhumus an.

Vermehrung von Lilien

Lilien können auf verschiedene Weisen vermehrt werden:

  • Durch Samen (generative Vermehrung)
  • Vegetativ durch Tochterzwiebeln
  • Achselbulben
  • Zwiebelschuppen

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Die Samenvermehrung hat viele Vorteile, wenn auch die zu erwartende Blüte sehr lange (2-5 Jahre ) dauern kann. Bei Samen von ungekreuzten Arten, vor allem von Wildarten, hat die neue Pflanze mit großer Wahrscheinlichkeit Ähnlichkeit mit der Mutterpflanze. Bei Sämlingen von Züchtungen, Hybriden oder solchen Arten, die mit Pflanzen aus der Umgebung bestäubt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie der Mutterpflanze ähnlich sind sehr gering. Daher dürfen Pflanzen die aus Samen gezogen wurden nicht den gleichen Namen wie die Mutterpflanze tragen (generative Vermehrung).

Im Herbst, wenn die Samenkapseln anfangen aufzuplatzen, wird der Samen geerntet. Der Zeitpunkt sollte nicht verpasst werden, da die leichten Samen vom Wind weg geweht werden. Zwischen Januar und Februar wird ausgesäht.

Eine der besten Methoden ist die Vermehrung durch Zwiebelschuppen. Durch diese Art der Vermehrung erhält man vollkommen identische Nachkommen der Mutterpflanze (Klone).

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Schuppenvermehrung

  1. Auswahl der Zwiebel: Von gesunden Zwiebeln werden einige Schuppen sauber und möglichst nahe am Zwiebelboden abgebrochen. Die Bruchstellen werden mit Fungiziden behandelt. Man kann die Schuppen auch abnehmen, ohne die Zwiebel aus der Erde zu nehmen.
  2. Vorbereitung der Schuppen: Die Schuppen sollte man sofort einer feuchtwarmen Behandlung unterziehen. Dazu gibt man ein leicht feuchtes Torf- Sand Gemisch in einen Folienbeutel in dem die Schuppen eingelegt werden. Der Beutel wird gut verschlossen und in warmer Umgebung dunkel aufbewahrt.
  3. Inkubation: Sobald sich die ersten Bulben und Wurzeln zeigen, wird der Beutel ans Licht gebracht.
  4. Einpflanzen: Mit den Spitzen knapp über der Oberfläche in Töpfe mit guter, durchlässiger Anzuchterde einpflanzen. Die Töpfe in warmer Umgebung aufstellen und leicht feucht halten.
  5. Pflege der Jungpflanzen: Wenn das erste grüne Blatt treibt können die kleinen Zwiebeln eingetopft werden.

Lilien Schuppenvermehrung.

Alternative Methoden der vegetativen Vermehrung

Neben der Schuppenvermehrung gibt es weitere vegetative Methoden:

  • Vermehrung durch Tochterzwiebeln: Trennen kann man Zwiebelklumpen oder eigenständige Zwiebeln, die sich auf Stolonen bzw. Im Herbst den Stiel ausgraben und die kleinen Zwiebeln vorsichtig abbrechen. Die Jungzwiebel gleich in ein Beet auspflanzen.
  • Vermehrung durch Achselbulben: Achselbulben bilden sich am oberirdischen Teil des Stengels. jedoch nur bei bestimmten Asiatischen Sorten. Diese Art der Vermehrung ist sehr effektiv, da sich entsprechend der Länge des Stieles sehr viele Bulben bilden können.

Krankheiten und Schädlinge

Lilien sind anfällig für verschiedene Pflanzenkrankheiten und Schädlinge. Dazu gehören Grauschimmel (Botrytis), Zwiebelbodenfäule (Fusarium), Wühlmäuse, Lilienhähnchen und die Lilienfliege.

Als vorbeugende Maßnahme sollte man Lilien nicht zu dicht pflanzen, zudem kann man die Pflanzen durch Spritzungen auf Basis von Schachtelhalm-Extrakten stärken. Auch ein Bestäuben mit Lavagesteinsmehl wirkt sich positiv aus.

Wühlmäuse stellen für Lilienzwiebeln eine große Gefahr dar. Wenn die Nager im Garten aktiv sind, setzt man Lilienzwiebeln in Drahtkörben in die Erde.

Ein weiterer Schädling ist das Lilienhähnchen, ein roter Käfer, der sich von den Blättern der Lilien ernährt. Die Insekten treten in der Regel mehrmals jährlich in Schüben auf und lassen sich gut absammeln, um so eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Auch die Larven des Käfers können Schäden am Laub verursachen und sollten daher ebenfalls abgesammelt werden.

Die Lilienfliege, die von Mai bis Juni auftreten kann, verursacht Schäden an den Blüten. Die Weibchen stechen die noch grünen Lilienknospen an und legen ihre Eier darin ab. Die Larven zerstören durch ihren Fraß dann das Innere der Blüte.

Verwendung im Garten

Madonnen-Lilie, Türkenbund- und Feuer-Lilie sind klassische Pflanzen des Bauerngartens. Gerne werden sie dort im sonnigen Beet mit Stauden und einjährigen Blütenpflanzen kombiniert. Wer die Wirkung der großen bunten Blüten vieler Hybrid-Sorten hervorheben möchte, umgibt diese mit einer farblich eher dezenten Begleitung und gibt ihnen einen ruhigen Hintergrund beispielsweise aus Gehölzen mit dunkelgrünen Laub oder Nadeln.

Viele Lilien-Sorten lassen sich sehr gut in ausreichend großen Töpfen kultivieren und sind auch als Schnittblumen äußerst beliebt.

Wichtige Arten und Sorten

Unter den über 2.000 Lilienarten und -sorten gibt es zahlreiche besonders schöne Exemplare. Im Handel werden besonders häufig die Asiatischen Lilien angeboten, da sie mit besonders prächtigen Blüten aufwarten und - zumindest die meisten von ihnen - recht leicht zu kultivieren sind. Die Madonnenlilie wird als Symbol für Reinheit und Unschuld - und natürlich wegen der Schönheit ihrer anmutigen reinweißen Blüten - schon seit Jahrhunderten in den Gärten gepflanzt. Ebenfalls weit verbreitet ist auch die Türkenbundlilie mit ihren auffällig aufgerollten, oft gemusterten Blütenblättern in verschiedenen Farben.

Lilien vermehren durch Schuppen.

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