Die Geschichte des Friseurhandwerks ist reich an Anekdoten und Traditionen. Von den bescheidenen Anfängen in der heimischen Küche bis hin zu den modernen Salons, die heute das Stadtbild prägen, hat sich viel verändert. Dieser Artikel wirft einen Blick auf einige dieser Geschichten, die oft mehr sind als nur Haarschnitte.
DDR-Meisterschaften im Damen-Fach des Friseurhandwerks, Berlin. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-R0819-0006 / CC-BY-SA 3.0
Friseurbesuche mit Kindern sind oft eine Geduldsprobe. Doch es gab Zeiten, da war der Friseur ein willkommener Gast im Haus. Ich war der Jüngste von drei Brüdern und wir bekamen alle der Reihe nach die Haare daheim in der Küche von Herrn Hochmöller geschnitten. Paul Hochmöller war ebenso alt, wie unser Vater und die beiden kannten einander vom Reichsarbeitsdienst und dürften nach dem Krieg ziemlich zur selben Zeit wieder daheim in der Textilindustrie Arbeit gefunden haben.
Während unser Vater jedoch in Reutlingen die Ausbildung zum Textiltechniker machte, war Paul Hochmöller als Arbeiter tätig und besserte seinen Verdienst dadurch auf, dass er an Samstagen als Friseur arbeitete. Paul Hochmöller fuhr stets mit dem Rad in die Firma und parkte der Einfachheit halber sein Fahrrad bei uns unter der Treppe zum Garten.
Meine Friseursitzungen waren reine Routine: Meist kam Herr Hochmöller nach einer Frühschicht, also um kurz nach 14:00. Die Mutter rief mich, ich setze mich auf den bereitstehenden Küchenstuhl, bekam den Umhang umgehängt und schon ging es los: Zunächst mit dem mechanischen Haar-Klipper (wohlgemerkt nicht „Clipper“, denn das waren Segelschiffe oder Pan-Am-Flugzeuge). War dann das Haar kurz genug, wurden noch mit der Schere die Konturen für die standardisierte Topf-Frisur geschnitten - und schon war man fertig. Alles preiswert und schnell.
Wenn Herr Hochmöller so an uns herumschnipselte unterhielt er sich mit meiner Mutter, die sich währenddessen um den Abwasch kümmerte. So erfuhr auch ich manches Neue, weil der Herr Hochmöller war katholisch, kannte sich als Friseur bestens aus und wir waren evangelisch, aber genauso neugierig.
Ich dürfte etwa 5 Jahre alt gewesen sein, als ich erstmals in einem richtigen Friseursalon war. Wir wollten einen Familienurlaub machen und der sollte uns für zwei Wochen ins Sauerland führen. Am Tag bevor wir mit dem Firmen VW-Bus abgeholt wurden, durfte ich meinen Vater zu seinem Friseur begleiten: „Salon Udo Dolinger - Herrenfriseur“ stand auf einer Reklametafel vor dem Geschäft in der Brookstraße. Ich war mächtig stolz, als auch ich auf dem Frisiersessel platznehmen durfte und ebenfalls bedient wurde. Mein Vater und Udo Dolinger kannten einander seit der Schulzeit.
Jahrzehnte später war mein Vater bereits von Krankheit stark gezeichnet. Dennoch äußerte er den Wunsch, sich die Haare schneiden zu lassen. Ich war damals mit meiner Familie zu Besuch und natürlich kümmerte ich mich um ihn. Der Frisiersalon war längst nicht mehr in der Brookstraße, sondern in einem neuen Pavillon in der Nähe der evangelischen Erlöserkirche. Wie ich meinen Vater nun in den leeren Salon begleitete, bemerkte ich, wie Herrn Dolinger Tränen in die Augen drangen. Er behielt jedoch Haltung, bediente meinen Vater perfekt, doch musste er seine Tätigkeit mehrfach unterbrechen, um ins Nebenzimmer zu gehen. Als er zurückkam, sah ich, dass er geweint hatte.
Wenige Monate zuvor war der Herr Hochmöller verstorben.
Hamburg. Ob Helmut Schmidt ein mulmiges Gefühl verspürte? Da saß er nun auf dem Sessel direkt am Schaufenster, betrachtete alle möglichen schrägen Aufkleber neben dem Spiegel, hatte den schaukelnden Totenkopf mit Filzhut im Visier, vernahm die Rockmusik im Hintergrund. Die exotischen Wasserpflanzen im gläsernen Zylinder vor seinem Platz gaben ihm Rätsel auf. „Ich bin hier hoffentlich nicht in einer Drogenhöhle gelandet?“, wollte der Altkanzler wissen. Dabei war er der Einzige im Geschäft, der rauchte.
Friseurmeister Marcus Jürs, an den Armen markant tätowiert, wusste um den Schalk des namhaften Seniors. Er vermochte die Frage korrekt einzuschätzen: als Melange zwischen Provokation und Scherz. Denn zum Zeitpunkt der Fragestellung kannte Schmidt den Ladeninhaber schon lange. Bei ihm fühlte er sich in erstklassigen Händen. Ein Jahrzehnt war Schmidt Stammgast in diesem Salon.
Hin und wieder bat er Jürs zum Haareschneiden nach Hause in Langenhorn. Vor allem vertraute der Staatsmann im Ruhestand ihm das Allerheiligste an: seine Locke. In jüngeren Jahren krönte sie markant das Haupt von „Schmidt Schnauze“. Messerscharf gescheitelt stand dieser seinen Mann. Auch im Alter, als die Tolle weiter nach hinten frisiert werden musste, um zu wirken.
Wie Helmut Schmidt an die Adresse Steinstraße 21 kam und warum er ausgerechnet einen „Rockabilly-Friseur“ mit der Dressur seines Haarschnitts betraute, ist eine der faszinierenden Facetten eines außergewöhnlichen Lebens. Der preußische Hanseat Schmidt, bisweilen Oberlehrer der Nation mit Hang zur Pedanterie, verfügte über Großgeist und Gabe, Vorurteile links liegen zu lassen. Seine Persönlichkeit passte in keine Schublade.
Klar, dass dieser Episode dort auf den Grund gegangen wird, wo sie sich mehr als hundertmal ereignete: Auf dem Friseurstuhl ganz links am Schaufenster. Mit Blick in den Spiegel, so und so. Und selbstverständlich legt der 50 Jahre alte Meister ganz real Hand an.
Klassische Herrenfriseure alter Schule wie Marcus Jürs haben Seltenheitswert. Ehrensache, dass die Leistung anschließend an Ort und Stelle entlohnt wird. Und zwar so, wie es Hamburgs Ehrenbürger vor seinem Ableben im November 2015 zu handhaben pflegte: bar. Angereichert mit einem anständigen, indes nicht zu üppigen Trinkgeld.
Inbegriffen ist die Aussicht auf eine bunte Welt des Rock ‘n‘ Roll - in Form mehrerer Dutzend Aufkleber an der Wand. „Rumble 59“ steht auf einem, „Gib E-Bass keine Chance“ auf einem anderen. Das Credo: Rock ‘n‘ Roll trägt man nicht nur auf dem Kopf, sondern auch im Herzen. Auf einem Schränkchen beeindruckt eine Plastikfigur. Ein komischer Vogel: lässig bis ins Mark, Hosenträger, Hand in der Seitentasche. Und im Hintergrund fetzen Elvis, Johnny & Co.
Dabei war das Erstaunen anfangs aufseiten des Friseurs. Marcus Jürs, eine kernige Type mit Selbstbewusstsein, wunderte sich anfangs über zwei freundliche Gäste, die regelmäßig zum Haareschneiden erschienen und sogar im Hochsommer ihre Jacketts anbehielten. Auf Nachfrage zeigten die Herren diskret, was darunter verborgen war. Angesichts der Pistolen war dem Ladeninhaber klar, dass hier keine Gangster, sondern Sicherheitsleute saßen. LKA, BKA oder so.
Zwei Fußminuten entfernt, in seinem Büro am Speersort, bemerkte „Zeit“-Verleger Helmut Schmidt die akkuraten Frisuren seiner Bodyguards. 2005 war das. Da sich der Laden seines Leibfriseurs in einen Kosmetiksalon verwandelte, war der damals 87-Jährige auf der Suche nach einem neuen. Hinweise auf das extravagante Umfeld im Rahmen von Rockabilly irritierten ihn keineswegs. Wenig später betrat Helmut Schmidt den Salon vis-à-vis von St.
„Gib mir mal den Kamm, Herr Jürs“, bat er im „Hamburger Du“ und demonstrierte kurz und knapp, wie eine Frisur seiner Fasson auszusehen habe: messerscharf gezogener Scheitel, Haare und Locke wie aus einem Guss. Am wichtigsten: die Locke nicht zu kurz. Jürs verstand. Schmidt kam wieder, immer wieder. Zehn Jahre schritt Marcus Jürs mit Rasiermesser, Schere und Kamm zur Tat. Bis zum Ende.
Im Schnitt kam Schmidt alle drei bis vier Wochen, meist dienstagmittags oder donnerstags kurz vor Feierabend - und vor wichtigen Fernsehauftritten auch außerhalb der Reihe. „Herr Schmidt erschien stets auf die Minute pünktlich“, erinnert sich Jürs. Ein Klönschnacker sei der Altkanzler nicht gewesen. Als Hamburger verfügte Schmidt nicht gerade über sizilianisches Temperament. Betriebstemperatur erreichte er nur allmählich. Im Laufe der Jahre kamen die beiden Hanseaten sich näher.
War Vertrauen gewachsen, schenkte Helmut Schmidt Handwerkern und anderen Dienstleistern dauerhafte Treue. Loki verfuhr ebenso. Zudem hatte der Politiker im Ruhestand ein Herz für Selbstständige mit Bodenhaftung. Schon Vater Wolfgang stammt vom Fach. Vor bald einem halben Jahrhundert fing dieser in einem kleinen Laden an der Davidstraße an. Später betrieb er Friseurgeschäfte an der Alsterdorfer Straße, in Berne, in Winterhude. Der Name Jürs stand und steht für klassische Haarschneidekunst ohne Schnörkel und Fisimatenten.
Traditionelle Technik. Sohn Marcus ging beim Vater in die Lehre. Stationen in London, Paris sowie an der Barber University in New York rundeten die Ausbildung ab. 2003 übernahm der Friseurmeister das Geschäft Steinstraße 21. Seit 1948 ist dort ein Salon zu Hause. Seit 2008 nimmt der zweifache Familienvater ausschließlich Männer als Kunden an. Klassische Schnitte sind seine Spezialität - nach traditioneller Barbiermanier. Auch nach alter Rezeptur neu hergestellte Pomaden und gutes Haarwasser sind wieder in Mode.
Zudem machte der Profi für Schnitte der 1930er- bis 1950er-Jahre aus seinem Hobby Rock ‘n‘ Roll eine Tugend. Zur Seite steht ihm Mitarbeiter Aleksandar. Gelegentlich hilft Vater Wolfgang aus. Termine werden nicht gemacht. „Walk In“ heißt das Prinzip. Wer wartet, kann sich über gute Unterhaltung freuen. In jeder Beziehung. „Herr Schmidt fügte sich unkompliziert ein“, sagt Marcus Jürs.
Nach dem informativen Vorgespräch geht’s jetzt zur Sache. Der Meister hat eine braune Lederschürze angelegt, wetzt das Rasiermesser, legt los. Am Haupthaar. Durch den Spiegel fällt der Blick auf Poster aus der großen Ära des Rock ‘n‘ Rolls. Die Musik passt. Jürs hat 45.000 Stücke auf seiner Festplatte. Da Helmut Schmidts Hörprobleme im hohen Alter zunahmen, bekam er musikalisch nur wenig mit. Mancher Gast, weiß Jürs, blieb länger im Laden, wenn sich Schmidt die Haare kürzen und die typische Locke legen ließ. Die knappe halbe Stunde muss immer so etwas wie eine Zeremonie gewesen sein.
Am Schluss zahlte Schmidt den gewöhnlichen Tarif: 21 Euro - plus vier Euro Tipp. Wobei Jürs erstaunt war über die Summe, die sein prominenter Besucher an zwei Stellen der Kleidung bei sich trug: „Er hatte immer die Taschen voll.“ Bündelweise Bargeld.
Gelegentlich wurde Jürs zum Haareschneiden in das Doppelhaus am Neubergerweg gebeten. Im Wohnzimmer servierte Loki 2008 Kaffee, derweil ihr Ehemann im Arbeitszimmer im Hochparterre noch beschäftigt war. „Wir haben wunderbar geschnackt“, beschreibt Jürs diesen ersten Privatbesuch. „Frau Schmidt war am normalen Leben interessiert.“ Einmal kam Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier aus dem Hochparterre nach unten: „Sie können jetzt zu ihm kommen.“
Während eines späteren Jobs habe ihn Hausherr Schmidt heimlich um einen Gefallen gebeten: Jürs musste in der Küche drei Zuckerwürfel stibitzen. Diskretion war für den Friseur seines Vertrauens eine Frage der Ehre. „Und bitte keine Fotos“, bat der Staatsmann. Bis auf ein schnelles Handyfoto im Laden hielten sich alle daran. „Und, Jürs“, habe Schmidt hinzugefügt: „Wenn ich nicht mehr da bin, können Sie alles erzählen.
Ende Oktober 2015 wurde der Friseurmeister erneut nach Langenhorn beordert. Anders als sonst schnitt er die Haare diesmal nicht in der Sitzecke des Arbeitszimmers, sondern direkt am Schreibtisch. Helmut Schmidt habe Jürs ein Foto aus seiner Soldatenzeit gezeigt: „Mach heute mal bitte kürzer.“ Der Friseur war zu höflich, um nach dem Grund zu fragen. „Dann sehen wir uns in zwei oder drei Wochen wieder im Laden“, sagte Marcus Jürs zum Abschied. „Das kann ich nicht versprechen“, habe Schmidt entgegnet. Das war das erste Mal.
Vor allem sonnabends hat der Friseursalon Harry in der Davidstraße unweit der Davidwache viele Zuschauer. „Dann halten hier die Touristenbusse und die Insassen winken“, sagt Franz Stenzel, Inhaber des Friseursalons, einem echten Kultladen mit der Einrichtung aus den 1970er-Jahren: Mahagoniholz, schwere Friseurstühle mit Fußstützen, Spiegel mit goldfarbenen Rahmen und dunkle Waschbecken.
Selbst als Filmkulisse hat der Herrensalon schon gedient. Mit 74 Jahren arbeitet Stenzel von Dienstag bis Sonnabend in seinem Geschäft. Was der Touristenführer im Bus seinen Gästen erzählt, kann Stenzel nur ahnen. Aber sicher geht es um die Beatles, deren Platten und Fotos ebenfalls den Laden zieren.
Stenzel war damals, Ende 1961, noch nicht im Geschäft, lebte noch in Danzig. Dennoch muss er Kunden die Geschichte immer wieder erzählen. Manche dürfen auch eine Etage tiefer gehen, wo noch Überreste der Einrichtung von vor 1974 stehen. Solche Geschichten erzählt Stenzel besonders gerne, denn er war es auch, der Teile der alten Ladeneinrichtung vor dem Sperrmüll rettete. Dabei war er damals nur ein Angestellter im Salon Harry, aber der Chef ließ ihn gewähren. Vier Friseurstühle, ein Waschbecken und zwei alte Spiegel blieben so von der ursprünglichen Ladeneinrichtung erhalten.
Frisiert wird jetzt im Keller nicht mehr. Die Zeiten, in denen sich hier unten Kiez-Größen für bis zu 100 Mark die Minipli, also eine Dauerwelle mit sehr kleinen Locken, machen ließen, sind lange vorbei. Zu den Stammkunden gehörte der „Schöne Mischa“ ebenso wie Walter „Beatle“ Vogeler, sagt Stenzels Lebensgefährtin Ute Bickeleit, die mit ihm zusammen im Salon arbeitet. Beide Kiez-Größen, die zur sogenannten GMBH-Bande gehörten, sind bereits tot. Andere haben den Absprung aus dem Milieu geschafft, gehen heute bürgerlichen Geschäften nach und lassen sich noch immer bei Franz Stenzel frisieren.
Nur der Zufall hat Stenzel nach Hamburg und in diesen Salon geführt. Er war der letzte der fünf Brüder, der sein Glück in Deutschland versuchen wollte. 1974 kam er von Danzig nach Bonn, den Meisterbrief als Friseur hatte er bereits in der Tasche. Bundeskanzler Willy Brandt hatte eine Ausreiseregelung für Deutschstämmige durchgesetzt. Die Wahl fiel zunächst auf Bonn, weil in der Nähe einer seiner Brüder lebte. Im Bundeshaus schnitt er Politikern und Prominenten wie Peter Glotz oder Frank Elstner die Haare. Aber das Klima im Rheinland gefiel ihm nicht. „Zu wenig Wind und Wasser“, sagt er.
Mit seiner damaligen Frau machte er dann Urlaub in Travemünde und wollte sich in Kiel umsehen. Doch er verpasste die Autobahnabfahrt, landete in Hamburg.Er war sofort begeistert von Hamburg. „Die Alster, die Elbe, die gesamte Stadt, da wusste ich, hier wollte ich leben“, sagt Stenzel. „Erst Jahre später war ich dann mal in Kiel und merkte schnell, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.“
Der erste Job war bei einem Friseur im Hauptbahnhof. Dort wurde er von Harry Woldert, der damals den Salon Harry betrieb, abgeworben. „Er bot mir 300 Mark mehr im Monat, das war ein Wort“, sagt Stenzel. So kam er 1978 in den Salon Harry, den er zehn Jahre später selbst übernahm.
Die Kunden werden immer wieder von der Einrichtung ins Geschäft gezogen. „Touristen sagen, so etwas kennen sie aus ihrer Heimat nicht mehr. Sie sind begeistert und genießen das Ambiente“, so Stenzel. Wenn er dann laut über die Renovierung des Geschäfts nachdenkt, reagieren die Kunden allergisch. Alles soll so bleiben, wie es ist.
„Die Kundschaft reicht vom Millionär bis zum Hausmeister“, sagt Ute Bickeleit. Inzwischen ist er auch ein Promifriseur. Zwei dicke Gästebücher hat er. „Das hatte ich in Bonn noch nicht, weil ich nur angestellt war“, sagt Stenzel. Obwohl er auch dort schon berühmte Kunden hatte wie Dieter Thomas Heck oder den Versandhauskaufmann und Dressurreiter Josef Neckermann.
Manchmal wird er auch etwas wehmütig, wenn er die Seiten des Gästebuches durchblättert. „Viele sind schon gestorben“, sagt er. Kiez-König Willi Bartels kam ebenso regelmäßig wie Gastronom Rüdiger Kowalke. Doch Stenzel freut sich, wenn inzwischen Sohn und Enkel von Rüdiger Kowalke auf den Friseurstühlen Platz nehmen oder auch die Enkel von Bartels. Uwe Seeler schaut nur noch gelegentlich vorbei. Zu den Kunden gehören auch Ex-Fußballer und -Trainer vom FC St. Pauli wie Thomas Meggle und Ewald Lienen.
Bei allen großen Namen ist das Geschäft schwieriger geworden. Stenzel hat die Zahl der Mitarbeiter reduziert. Personal sei ohnehin schwer zu bekommen, sagt er. Er betreibt den Salon allein mit seiner Lebensgefährtin. Es gibt nun 13 Friseure rund um die Reeperbahn, früher waren es nur fünf. „Vor dem Geschäft fehlen Parkplätze“, sagt Bickeleit. Viele alteingesessene Geschäfte müssen wegen rückläufiger Umsätze und steigender Mieten aufgeben. „Wir haben zum Glück einen Vermieter, der sich an der Leistungsfähigkeit unseres Geschäfts orientiert“, sagt Stenzel.
Im Rahmen einer Feierstunde im Ausbildungszentrum des Handwerks in Dortmund-Körne hat die seit Juli fusionierte Friseur- Innung Dortmund Hagen Lünen erstmals ihre Auszubildenden freigesprochen. Insgesamt 37 junge Friseurinnen und Friseure, die die Wintergesellenprüfung 2022/2023 und die Sommergesellenprüfung 2023 bestanden hatten, wurden offiziell in den Gesellenstand erhoben.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung wandte sich Kreishandwerksmeister Christian Sprenger mit einem Grußwort an die Absolventinnen und Absolventen und überbrachte die Glückwünsche der neuen Kreishandwerkerschaft Dortmund Hagen Lünen. „Das Handwerk, zu dem Sie ab heute als Gesellinnen und Gesellen gehören, steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Darum hört auch nach der Ausbildung das Lernen nicht auf“, so Sprenger. „Geben Sie jeden Tag 100 Prozent und bleiben Sie am Ball.“
Anschließend warf Obermeister Frank Kulig in seiner Rede einen Blick zurück in die Geschichte des Friseurhandwerks und der Berufsausbildung: „Vor Ihnen liegen heute - anders als noch vor hundert Jahren - vielfältige Karrierechancen. Machen Sie Ihre Ausbildung zur Grundlage eines erfolgreichen Berufslebens - herzlichen Glückwunsch im Namen des ganzen Friseurhandwerks.“
Dem schloss sich auch die stv. Obermeisterin Bärbel Nolzen an, die zusammen mit Vorstandmitglied Yalcin Ilbay die Bestenehrung vornahm. Prüfungsbeste ist Hannah Hanemann aus Dortmund. Stellvertretend für sie nahm Nicole Bielicki, Inhaberin des ausbildenden Salons „Makeover by Nicole“ die Ehrung nebst Blumenstrauß, Ehrenurkunde und 50-Euro-Gutschein des Friseurausstatters Tondeo entgegen. Gleichzeitig erhielt sie eine Auszeichnung als bester Ausbildungsbetrieb.
Weitere Auszeichnungen für beste Prüfungsleistungen gingen an Michelle Lurse (Platz 2) vom Ausbildungsbetrieb Bildungskreis Handwerk e. V. in Dortmund und an Dilara Celik (Platz 3) vom Ausbildungsbetrieb Nergis Haarstudio in Hagen.
Schließlich wurden die Absolventinnen und Absolventen vom Obermeister der Innung in traditioneller Weise freigesprochen und erhielten aus den Händen von Lehrlingswartin Christiane Belz ihre Zeugnisse und Gesellenbriefe.
Zum Abschluss der Feier warb Cornelia Garneyer-Bergenthal als Kreislehrlingswartin und Vorstandsmitglied der Friseur-Innung dafür, dem Beruf des Friseurs treu zu bleiben und sich darüber hinaus auch ehrenamtlich zu engagieren: „Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen im Zusammenhang mit der Innung beiFort- und Weiterbildungen geboten werden, um Ihre beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten weiter zu vertiefen.
Die folgenden Bilder und Beschreibungen geben Einblicke in historische Friseursalons und Stadtansichten, die das Friseurhandwerk in verschiedenen Epochen widerspiegeln:
Damenfriseur in Berlin, 1953. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-N0405-001 / CC-BY-SA 3.0
| Salon/Ort | Besonderheiten | Bekannte Kunden/Details |
|---|---|---|
| Salon Udo Dolinger | Herrenfriseur in der Brookstraße | Vater des Autors, Schulfreundschaft |
| Salon Marcus Jürs | Rockabilly-Friseur in Hamburg | Helmut Schmidt, klassische Herrenfrisuren |
| Salon Harry | Kultladen auf St. Pauli | Beatles-Dekoration, Kiez-Größen, Touristenattraktion |
tags: #lange #reihe #friseur #geschichte
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