Jeder Mensch verfügt über eine umfassende Körperbehaarung, die sich im Laufe des Lebens immer wieder ändert. Schon im Mutterleib haben Embryos eine schützende Haarschicht. Diese verlieren sie meist jedoch noch vor der Geburt oder kurz danach. Im Kindesalter tritt das sogenannte Vellushaar auf, das auch als Flaumhaar bekannt ist. Diese dünnen Haare sind unpigmentiert und bedecken alle Körperstellen bis auf die Hand- und Fußinnenflächen, Lippen und Brustwarzen. Während der Pubertät entwickelt sich dann das Terminalhaar, das kräftiger und nun auch pigmentiert ist.
Am häufigsten ist in Deutschland der anlagebedingte Haarausfall. Aber auch durch eine Erkrankung können die Haare an einigen Körperstellen verlorengehen. Die häufigste Haarausfallerkrankung ist die Alopecia areata, auch kreisrunder Haarausfall genannt. Unter ihr leiden in Deutschland ca. 1,4 Millionen Menschen jeden Alters.
Typische Erscheinung des kreisrunden Haarausfalls.
In seltenen Fällen kommt es in der Folge des kreisrunden Haarausfalls zur Alopecia universalis - dem vollständigen Verlust der gesamten Körperbehaarung.
Der kreisrunde Haarausfall, beziehungsweise Alopecia areata, gehört zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen mit Haarverlust. Obwohl in Deutschland über eine Million Menschen davon betroffen sind, ist die Ursache noch nicht völlig geklärt.
Als Alopecia areata wird ein örtlicher Haarausfall bezeichnet, bei dem bei dem meist kreisrunde Bereiche nicht mehr mit Haaren bedeckt sind. Diese Form setzt oft akut und plötzlich ein. Die Ursache dieser Erkrankung ist nicht bekannt. Da diese Form des Haarausfalles jedoch häufig von einer Entzündung begleitet ist, wird die Beteiligung immunologischer Faktoren am Krankheitsgeschehen vermutet. Hierbei scheinen T-Lymphozyten, die bei der körpereigenen Abwehr eine Rolle spielen, die Haarfollikel anzugreifen.
Bei der Erkrankung mit Alopecia areata entstehen meist plötzlich runde kahle Stellen auf dem Kopf. Die Erkrankung kann allerdings auch in Schüben verlaufen. Manchmal tritt kreisrunder Haarausfall außerdem im Gesicht auf, wie an den Wimpern, den Augenbrauen, im Bart oder an der Behaarung des Körpers. Außerdem kann beim sogenannten Ophiasis-Typ, einer Sonderform des kreisrunden Haarausfalls, der Haarverlust im Nacken beginnen und sich rundherum um den Haaransatz entlangziehen.
Die Erkrankung setzt in der Regel sehr schnell ein. In manchen Fällen hört sie nach Auftreten von einer oder wenigen kahlen Stellen auf, in anderen Fällen schreitet sie weiter fort und führt einem kompletten Verlust der Kopf- oder sogar der Körperbehaarung.
Der Komplettverlust der Haare kann schnell und innerhalb von wenigen Wochen auftreten, oder sich über viele Monate schleichend hinziehen.
Welche Ursachen genau hinter kreisrundem Haarausfall stecken, ist bisher nicht bekannt.
Alopecia areata scheint ihren Ursprung im Immunsystem zu haben. Die Deregulierung des Immunsystems führt dazu, dass das Immunsystem Follikel mit wachsenden Haaren an bestimmten Stellen der Kopfhaut angreift. Da nur die Haare in der Wachstumsphase angegriffen werden, bleiben die Follikel mit Haaren, die sich nicht in der Wachstumsphase befinden, intakt.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handelt. Darunter versteht man eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems.
Genauer gesagt, erkennt das Immunsystem die körpereigenen Haare fälschlicherweise als fremd und bildet Abwehrstoffe dagegen. In der Folge entzünden sich die Haarwurzeln: Die Haare wachsen nicht mehr richtig und fallen aus.
Die spezifischen Auslöser der Alopecia areata sind nicht bekannt, aber es scheint, dass emotionaler oder physischer Stress, Virusinfektionen oder Medikamente eine Rolle spielen könnten.
Die häufigste Form des Haarverlusts, die androgenetische Alopezie (Alopecia androgenetica), wird durch männliche Sexualhormone, die Androgene, ausgelöst, und ist erblich bedingt. Im Gegensatz zum kreisrunden Haarausfall sind Frauen hiervon weniger stark betroffen.
Das bedeutet, dass mehrere Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen. Die genauen Ursachen sind für diese Form des Haarverlustes nicht geklärt, Forschende gehen von genetischen und Umweltfaktoren aus.
Auch genetische Faktoren scheinen den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht.
Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Bei einem Großteil der Betroffenen ist das hingegen nicht der Fall. Stress könnte daher in einem gewissen Maß ein Mitauslöser sein.
Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass geringe Mengen von Vitamin D im Blut kreisrunden Haarausfall begünstigen könnten. Ob Stress und Vitamin D tatsächlich eine Rolle spielen, ist aber bisher wissenschaftlich nicht sicher belegt.
Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Ursache der Alopecia universalis in einer Mutation auf dem Chromosom HR liegt.
Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar. Seltener betroffen sind Gesichtsbehaarungen wie Bart, Augenbrauen, Wimpern oder das Körperhaar.
Zudem befinden sich am Rand der Flecken meist kurze, abgebrochene Haare, die zur Kopfhaut hin dünner werden. Man nennt diese umgangssprachlich Kolben-, Ausrufezeichen- oder Komma-Haare.
Menschen mit kreisrundem Haarausfall können außerdem Probleme mit den Finger- und Zehennägeln haben. Typischerweise bilden sich Grübchen oder Tüpfel im Nagel.
Bei manchen Menschen fallen ausschließlich die farbigen (pigmentierten) Haare aus; schon vorhandene, aber bislang kaum aufgefallene graue Haare bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei die Person innerhalb kürzester Zeit ergraut.
Die Ausprägung des kreisrunden Haarausfalls ist recht unterschiedlich. Bleiben die Areale rund und abgegrenzt, sprechen Experten von der mildesten Form, der Alopecia reticularis.
Die kahlen Stellen im Haar können zusammenfließen und zu einem kompletten Haarverlust auf dem Kopf (totalis) oder am Körper (universalis) führen.
Es gibt verschiedene Formen von Alopecia Areata:
Alopecia areata kann im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auftreten. Mitunter gehen weitere Autoimmunerkrankungen mit kreisrundem Haarausfall einher.
Gleichzeitig zum kreisrunden Haarausfall leiden manche Menschen unter anderen an Autoimmunerkrankungen wie einem erblich bedingt gestörten Zuckerstoffwechsel (Diabetes mellitus Typ 1), der Weißfleckenkrankheit Vitiligo (pigmentlosen Hautflecken) oder autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen. Experten und Expertinnen sprechen von in diesem Fall von Komorbidität.
In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen -für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus.
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart.
Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten.
Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.
Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“.
Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin.
Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.
Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.
Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig.
Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform. Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen.
Es stehen aber auch einige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über die verschiedenen Optionen beraten.
Es gibt einige Therapieansätze, die Menschen mit Alopecia areata individuell ausprobieren können. Allerdings ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um abschließend die Wirksamkeit zu beurteilen.
Eine häufig angewandte Methode ist das Einreiben der haarlosen Stelle mit kortisonhaltigen Mitteln. Alternativ ist auch eine lokale Injektion von Kortison in die Haut möglich. Dabei wird mit einer dünnen Nadel Kortison direkt in die Kopfhaut gespritzt.
Um sicher sagen zu können, ob die äußerliche Behandlung anschlägt, muss man die Präparate für mindestens drei Monate anwenden, maximal für fünf bis sechs Monate. Solange dauert es, bis die Entzündung nachlässt, die Haarwurzeln sich erholen und ein neues Haar nachwachsen kann.
Ist der Haarausfall stärker ausgeprägt, können Ärztinnen und Ärzte Kortison als Tabletten in Form einer Stoß- oder Pulstherapie einsetzen. Das Medikament kommt dabei in abnehmender Dosierung und über einen kurzen Zeitraum zum Einsatz oder in einem On-Off-Schema - also einem Wechsel von Einnehmen („On“) und Absetzen („Off“). Mitunter wird die äußerliche Anwendung oder das Spritzen von Kortison mit der Einnahme von Kortison-Tabletten kombiniert.
Grundsätzlich ist es möglich, unterstützend Minoxidil als Lösung, Spray oder Schaum anzuwenden. Dieser Wirkstoff soll die Durchblutung der Kopfhaut fördern und somit das Haarwachstum anregen.
Lichtbehandlungen mit UV-B-Licht, mitunter auch als Excimer-Laser bezeichnet, haben einen gewissen therapeutischen Stellenwert und können mit anderen Behandlungen kombiniert werden.
Falls nach Therapieversuchen mit Kortison nicht zu erkennen ist, dass Haare nachwachsen, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit Diphenylcyclopropenon (DCP). Die Substanz wird auf die Kopfhaut gepinselt und löst an den behandelten Stellen gezielt eine Allergie aus.
Alternativ zur DCP-Behandlung kommt eine Reiz-Therapie mit Dithranol infrage. Fachleuten zufolge birgt diese Behandlung weniger Risiken und eignet sich daher vor allem bei Kindern.
JAK-Inhibitoren, also Hemmstoffe gegen diese Kinasen, ermöglichen es, die Entzündungsprozesse zu unterdrücken. In der Folge erholen sich die Haare und können wieder nachwachsen.
Im Juni 2022 hat die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Wirkstoff Baricitinib als ersten JAK-Inhibitor zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen. Die Hemmstoffe werden als Tabletten eingenommen.
Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten für die bisher noch teure Behandlung zu übernehmen. Es ist daher sinnvoll, sich vor Therapiebeginn eine Zusage zur Kostenübernahme einzuholen.
Es gibt zahlreiche weitere Therapieformen, um Alopecia areata zu behandeln. Allerdings ist die Datenlage hinsichtlich der Erfolgsquote oft sehr begrenzt.
Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen.
Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.
Kosmetische Maßnahmen können helfen. Manchen hilft es, den Kopf zu rasieren - viele Männer greifen zu dieser Maßnahme. Andere tragen lieber eine Perücke oder ein Haarteil. Man bekommt den Haarersatz ärztlich verordnet.
Wer kreisrunden Haarausfall an den Wimpern hat, kann erwägen, künstliche Wimpern zu tragen. Sind die Augenbrauen betroffen, kann man künstliche Augenbrauen aufkleben, die Augenbrauen mit Schminke nachzeichnen oder tätowieren lassen (Permanent-Make-up).
Wenn der Haarausfall trotz kosmetischer Maßnahmen sehr stark belastet und psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit hinzukommen, ist professionelle psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.
Vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall hilft es, sich in Selbsthilfegruppen auszutauschen. Das Gespräch mit Menschen, die selbst mit Haarausfall zu tun haben und die Probleme und Herausforderungen kennen, bewirkt oft schon viel.
Wie genau die Erkrankung im Einzelnen verläuft, lässt sich nur schwer vorhersagen.
Bei ungefähr der Hälfte der Menschen mit mildem kreisrundem Haarausfall wachsen die Haare nach der ersten Episode innerhalb von einem Jahr nach.
Ein Großteil aller betroffenen Personen erlebt mehr als ein Haarausfall-Ereignis im Lauf des Lebens.
Es gibt Faktoren, die einen wiederkehrenden Haarausfall wahrscheinlicher machen. Dazu zählen:
In der Regel dauert das vollständige Nachwachsen der Haare mehrere Monate. Mitunter weist das nachgewachsene Haar eine veränderte Pigmentierung auf, die Haarfarbe hat sich also verändert.
Der stellenweise auftretende Haarverlust kann auch erneut vorkommen oder einen chronischen Verlauf nehmen, sodass die Haare nicht mehr vollständig nachwachsen. Bei kreisrundem Haarausfall, der länger als ein Jahr andauert, vor der Pubertät einsetzt oder sehr stark ausgebreitet ist, sind die Aussichten auf eine Besserung geringer.
Außerdem erleben insgesamt etwa 30 bis 50 Prozent der zunächst geheilten Personen einen Rückfall. Mitunter haben einige Betroffene für mehrere Jahre haarlose Stellen.
Zwar hat der kreisrunde Haarausfall keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, dennoch ist die psychische Gesundheit oft sehr erheblich beeinträchtigt.
tags: #kreisrunder #haarausfall #wie #schnell #haare #ausfallen
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.