Kreisrunder Haarausfall nach Impfung: Ursachen und Behandlung

Der "kreisrunde Haarausfall" (Alopecia areata, AA) ist die häufigste entzündliche Haarausfallerkrankung und kann in jedem Lebensalter auftreten, wobei das 2. und 3. Lebensjahrzehnt bevorzugt sind.

Typischerweise liegen am behaarten Kopf eine oder mehrere kreisrunde kahle Stellen vor. Darüber hinaus gibt es ausgedehnte Formen wie die Alopecia areata reticularis (netzförmiger Typ) oder die Alopecia areata vom Ophiasis-Typ mit Haarausfall vor allem im Schläfenbereich. Jeder Haarfollikel des Körpers kann betroffen sein, auch Augenbrauen, Wimpern, Achsel- und Schamhaare.

Von einer Alopecia areata totalis spricht man, wenn alle Haare auf dem Kopf ausfallen. Niemand kennt bisher die genauen Ursachen dieser Erkrankung. Man nimmt an, dass Immunzellen, die sich eigentlich um die Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen kümmern sollen, ihre Aktivität gegen die Zellen in den Haarwurzeln des eigenen Körpers richten. Die Haare werden somit vom Immunsystem als "fremd" erkannt und deshalb abgestoßen.

Ursachen und Auslöser

Die genauen Ursachen für diese Form des Haarverlustes sind nicht vollständig geklärt, jedoch gehen Forschende von genetischen und Umweltfaktoren aus. Außerdem wird vermutet, dass die Haarfollikel von einer Autoimmunreaktion betroffen sind. Bei der Autoimmunreaktion, die zum Haarverlust führt, bildet der Körper Antikörper, die sich gegen körpereigenes Gewebe richten. Das führt zu einer chronischen Entzündung in den tiefen Schichten der Haut, also an den Haarwurzeln, sodass die Haare ihren Halt verlieren.

Zusätzlich zu genetischen Ursachen werden äußere Einflüsse wie Umweltfaktoren (unter anderem Infektionen) und psychischer Stress als Auslöser in Betracht gezogen. Gegenstand der Forschung ist zudem bei Frauen die Frage, ob eine Schwangerschaft das Auftreten oder den Verlauf des kreisrunden Haarausfalls beeinflusst. Über Umwelteinflüsse wie Schadstoffe als mögliche Ursache gibt es bisher kaum Erkenntnisse.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass COVID-19-Impfungen in einigen Fällen mit Haarausfall-Erkrankungen einhergehen können. Die Inkubationszeit beträgt bei nicht-vernarbenden Alopezien etwa 4 bis 6 Wochen nach Ansteckung bzw. Impfung. Die COVID-19-Impfstoffe stehen im Verdacht, Haarausfall zu verursachen. Allerdings können wir festhalten, dass nicht das Vakzin selbst die Ursache ist.

Mit einer Impfung wird das Immunsystem gezielt aktiviert: Die Injektion simuliert eine Infektion und löst so bewusst eine Immunantwort aus. Jede Impfung kann allerdings auch genau der Trigger sein, der eine schlummernde Erkrankung ausbrechen lässt.

Alopezie (totaler Haarausfall) nach Corona Impfung

Symptome des kreisrunden Haarausfalls

Der Haarausfall beginnt plötzlich und oftmals mit einer Stelle oder wenigen etwa münzgroßen kahlen Stellen. Innerhalb weniger Wochen werden diese Areale größer. Betroffen sind zumeist die Kopfhaut oder die Körperbehaarung, aber auch Augenbrauen oder Bart können diese Form des Haarausfalls aufweisen. Häufig befinden sich noch sehr kurze Haare in diesen Bereichen. Die Haut sieht nicht verändert oder entzündet aus.

Die Ausprägung des kreisrunden Haarausfalls ist recht unterschiedlich. Bleiben die Areale rund und abgegrenzt, sprechen Experten von der mildesten Form, der Alopecia reticularis.

Diagnose

Um den kreisrunden Haarausfall zu diagnostizieren, dient einem Haarspezialisten in erster Linie eine ausführliche Anamnese sowie das individuelle klinische Erscheinungsbild als Anhaltspunkt. Zur tiefergehenden Diagnostik & Haaranalyse bei Haarausfall kann außerdem eine Probe aus den haarlosen Bereichen entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Auf diese Weise kann ein Entzündungsgeschehen nachgewiesen werden.

Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten

Da die genaue Ursache von Alopecia areata nicht bekannt ist, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Es gibt allerdings verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, neues Haarwachstum anzuregen. Manchmal helfen sie, oftmals sind sie aber auch erfolglos. Die verschiedenen Therapien entfalten ihre Wirkung entweder lokal (vor Ort) oder systemisch (im ganzen Körper) und sollen das Haarwachstum wieder anregen.

Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen bildet sich der Haarausfall nach sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder zurück. Daher ist es sinnvoll, mit einer aktiven Behandlung abzuwarten. Es gibt einige Therapieansätze, die Menschen mit Alopecia areata individuell ausprobieren können. Allerdings ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um abschließend die Wirksamkeit zu beurteilen.

Hautreizende Stoffe

Die älteste Behandlungsform bei Alopecia areata ist es, hautreizende Substanzen auf die kahlen Stellen aufzutragen - mit der Absicht, dass durch die ausgelöste Hautirritation neue Haare wachsen. Dazu kommt etwa 0,5- oder einprozentiges Anthralin (Cignolin) zum Einsatz, das auf die kahlen Stellen aufgetragen und nach kurzer Einwirkzeit mit einem Tuch wieder entfernt wird (das verhindert eine Verfärbung der Haut). Bei manchen Patienten lässt diese Behandlung nach einiger Zeit tatsächlich die Haare wieder wachsen. Ähnlich ist das Wirkprinzip bei Dithranol, das ebenfalls als Salbe (0,5 bis zwei Prozent) auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird.

Minoxidil

Lösungen mit dem Wirkstoff Minoxidil sind eigentlich für die äußerliche Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall zugelassen. Er fördert das Haarwachstum, indem er die Durchblutung rund um die Haarfollikel anregt. Meist kommt Minoxidil unterstützend zu anderen Therapiemethoden (wie Kortison) zum Einsatz, da sonst bei kreisrundem Haarausfall keine durchschlagenden Erfolge zu erwarten sind.

Glukokortikoide ("Kortison")

Kreisrunder Haarausfall wird heute vielfach mit Glukokortikoiden (kortison-artigen Wirkstoffen) in Form von Cremes oder Lösungen behandelt. Die Langzeiterfolge variieren, und es kommt häufig zu Rückfällen. In maximal der Hälfte aller Fälle lässt diese lokale Behandlungsmethode die Haare wieder wachsen. Daher wird Kortison häufig mit kleinen Spritzen in die kahlen Hautstellen injiziert. Für eine anhaltende Wirkung ist es jedoch oft nötig, die Therapie alle vier bis sechs Wochen zu wiederholen.

Topische Immuntherapie

Als wissenschaftlich erwiesen gilt die Wirksamkeit einer lokalen Immuntherapie mit dem Wirkstoff Diphencypron (Diphenylcyclopropenon, DPCP) bei kreisrundem Haarausfall. Diese Methode kommt aber nur bei größeren kahlen Herden zum Einsatz.

PUVA

Die Abkürzung PUVA steht für Psoralen plus UV-A. Diese photochemische Behandlungsmethode kommt bei verschiedenen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) und Neurodermitis zum Einsatz, und in manchen Fällen auch bei kreisrundem Haarausfall.

Zink und Vitamin D

Oft werden bei kreisrundem Haarausfall (oder sonstigem Haarausfall) Zink-Präparate empfohlen. Das Spurenelement ist unter anderem wichtig für ein starkes Immunsystem sowie für gesunde Haut und Haare. Die Einnahme von Zink hilft bei kreisrundem Haarausfall allerdings vermutlich nur dann, wenn tatsächlich ein Zinkmangel besteht. Auch eine Einnahme von Vitamin D hat möglicherweise positive Effekte bei kreisrundem Haarausfall.

Alternative Heilmethoden

Manchmal wenden Patienten bei kreisrundem Haarausfall Homöopathie, Schüßler-Salze und andere alternative Heilmethoden an. Die Konzepte der Homöopathie und der Schüßler-Salze sowie ihre spezifische Wirksamkeit sind umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Auch haben alternativmedizinische Methoden ihre Grenzen.

Weitere Therapieansätze

  • Immunsuppressive Therapie
  • Regenerative Therapie
  • Haartransplantation

Verlauf

Der zeitliche Verlauf ist unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen fallen über einen kurzen oder einen längeren Zeitraum nur wenige Haare aus. Bei anderen Menschen werden schon nach wenigen Wochen deutliche Lücken sichtbar. Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten wachsen die Haare innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder nach. Insbesondere wenn nicht der Haaransatz betroffen ist und die kahlen Stellen in der Mitte der Kopfhaut liegen, sind die Chancen für eine spontane Heilung gut.

Sind die Haare wieder nachgewachsen, hinterlässt die Erkrankung keine Narben auf der Haut. In der Regel dauert das vollständige Nachwachsen der Haare mehrere Monate. Mitunter weist das nachgewachsene Haar eine veränderte Pigmentierung auf, die Haarfarbe hat sich also verändert.

Der stellenweise auftretende Haarverlust kann auch erneut vorkommen oder einen chronischen Verlauf nehmen, sodass die Haare nicht mehr vollständig nachwachsen. Bei kreisrundem Haarausfall, der länger als ein Jahr andauert, vor der Pubertät einsetzt oder sehr stark ausgebreitet ist, sind die Aussichten auf eine Besserung geringer. Außerdem erleben insgesamt etwa 30 bis 50 Prozent der zunächst geheilten Personen einen Rückfall.

Haarausfall nach Corona

Haarausfall wurde bei Corona-Infektionen häufig bemerkt. Inzwischen gibt es eine Reihe von Studien, die den Zusammenhang von Corona-Erkrankungen bzw. Long COVID und Haarausfall belegen. Die Haarausfall-Muster bei COVID-19 Erkrankungen ähneln anderen Haarausfall-Mustern.

Corona beschädigt Gefäße. Durch eine Unterversorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen werden sie geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig bzw. sterben ab. Das zeigt sich im anagenen Effluvium (Haarausfall in der Wachstumsphase der Haare mit unterschiedlichen Haarlängen). Die Folge ist diffuser Haarausfall, welcher sich über das gesamte Kopfhaar erstreckt.

In den meisten Fällen heilt der Haarausfall durch Corona von selbst. Denn je nach Art des Haarausfalls stellen die Haarfollikel “nur” vorübergehend ihre Funktion ein oder werden irreversibel geschädigt, so dass sie keine Haare mehr produzieren werden.

Was tun bei Haarausfall nach Corona?

Nach einer Corona-Infektion ist Haarausfall häufig stressbedingt und vorübergehend. Wichtig ist, dem Körper Zeit zur Regeneration zu geben, auf eine nährstoffreiche Ernährung zu achten und stressreduzierende Maßnahmen in den Alltag einzubauen.

Am besten hilft eine Kombination aus Geduld, gesunder Lebensweise und eventuell gezielter Einnahme von Mikronährstoffen wie Biotin oder Zink, sofern ein Mangel festgestellt wurde.

In der Regel beginnt der Haarausfall zwei bis drei Monate nach der Infektion und kann etwa drei bis sechs Monate andauern, bevor sich das Haarwachstum wieder normalisiert.

Bei anhaltendem Haarausfall nach einer Corona-Infektion sollte man mögliche Nährstoffmängel ärztlich abklären lassen und dem Körper durch ausgewogene Ernährung, Pflege und Ruhe optimale Bedingungen für die Erholung bieten.

Zusammenhang zwischen androgenetischer Alopezie und schweren COVID-19-Verläufen

Es gibt Hinweise darauf, dass ein Zusammenhang zwischen ausgeprägter androgenetischer Alopezie und schweren COVID-19-Verläufen bestehen könnte.

Tabelle: Behandlungsmöglichkeiten bei kreisrundem Haarausfall

Behandlungsmethode Wirkungsweise Erfolgsrate Hinweise
Hautreizende Stoffe Auslösung von Hautirritationen zur Anregung des Haarwachstums Variabel, oft nicht durchschlagend Anthralin, Dithranol
Minoxidil Förderung der Durchblutung der Haarfollikel Unterstützend zu anderen Therapien Oft in Kombination mit Kortison
Glukokortikoide (Kortison) Entzündungshemmend Variabel, häufig Rückfälle Cremes, Lösungen, Injektionen
Topische Immuntherapie Auslösung einer allergischen Hautreizung zur "Verdrängung" der Immunzellen, die die Haarwurzeln angreifen Ca. 80% initial, ca. 40% langfristig Aufwendig, Risiken, nur von Spezialisten durchzuführen
PUVA Photochemische Behandlung zur Hemmung der Schädigung der Haarfollikel durch Immunzellen Ähnlich wie topische Immuntherapie Hohes Rückfallrisiko

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