Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata): ICD-10-Code, Ursachen, Symptome und Behandlung

Haarausfall, medizinisch als Alopecia bezeichnet, ist der über das normale Maß hinausgehende Verlust von Kopf- oder Körperhaar. In der Medizin spricht man von Haarausfall (Effluvium capillorum), wenn über mehrere Wochen hinweg täglich mehr als 100 Haare ausfallen. Führt dieser Verlust dazu, dass das Haar sichtbar dünner wird oder kahle Stellen entstehen, wird dies als Alopezie bezeichnet. Es werden verschiedene Formen von Haarausfall unterschieden.

Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall. Dies sind die häufigsten Formen:

  • Anlagebedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
  • Diffuser Haarausfall (Alopecia diffusa)
  • Andere Formen, zum Beispiel aufgrund von Entzündungen oder ständigem Druck und Zug am Haar

Dieser Artikel konzentriert sich auf den kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata).

Alopecia areata - Ursachen, Symptome und Behandlung | dermanostic Hautlexikon

Definition und Häufigkeit

Definition: Stellenweiser Haarausfall, vermutlich autoimmunbedingt, der genetisch veranlagt auftreten kann. Stress und Umweltfaktoren können auslösend wirken.

Häufigkeit: Lebenszeitrisiko 1-2 %. Etwa ein bis zwei von 100 Personen bekommen im Laufe ihres Lebens einen kreisrunden Haarausfall. Beide Geschlechter sind betroffen. Auftreten eher in jüngeren Jahren. Frauen sind jeden Alters von der sogenannten Alopecia areata häufiger betroffen als Männer. Vor allem Kinder und junge Erwachsene (bis etwa 30 Jahre) leiden daran.

Die genauen Ursachen der Alopecia areata sind noch nicht vollständig geklärt. Aktuellen Erkenntnissen zufolge handelt es sich um eine Autoimmunreaktion, bei der das Immunsystem aus bisher unbekannten Gründen körpereigene Strukturen angreift. Dabei attackieren Immunzellen die Haarfollikel und stoppen das Haarwachstum, was zum Ausfall der Haare führt. Kreisrunder Haarausfall tritt zudem in manchen Familien gehäuft auf, was darauf hindeutet, dass erbliche Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen könnten.

Alopecia Areata

Symptome

Die Symptome sind bei Frauen und Männern gleich ausgeprägt. Ihnen fallen Haare aus. Bei Ihnen sind an bestimmten Stellen Haare ausgefallen. Meistens entwickeln sich plötzlich viele, kreisrunde, kahle Stellen, die sich flächig ausdehnen können. Beginn mit einer oder mehreren münzgroßen haarlosen Stellen, die im Laufe einiger Wochen schrittweise größer werden. Am Kopf, manchmal auch an Augenbrauen, Wimpern oder Bart, bilden sich dann innerhalb kurzer Zeit kahle Stellen. Diese runden oder ovalen Kahl-Stellen wirken dann wie ausgestanzt. Die haarlose Haut sieht oft blass aus, ist aber sonst nicht geschädigt. Häufig fallen nur die farbigen Haare aus. Die nachwachsenden Haare sind häufig farblos. Die Erkrankung variiert im Umfang und kann die gesamte Körperbehaarung betreffen.

An deren Rand finden sich kürzere, abgebrochene Haare - sogenannte Ausrufezeichen-Haare. Der Nachweis von Haaren mit Ausrufezeichen-Form ist diagnostisch (pathologische Stummelhaare, befinden sich im Randbereich der Läsion, nach unten dünner werdende Haare).

Meist beginnt der kreisrunde Haarausfall schon im Kindes- und Jugendalter.

Diagnose

Bei länger andauerndem Haarverlust kann ein*e Hautarzt*Hautärztin weiterhelfen. Zunächst wird der Grund des Haarausfalls untersucht. Haarausfall ist zwar meist erblich bedingt, es können aber auch andere Ursachen dahinterstecken - etwa eine bestimmte Erkrankung.

Um Haarausfall behandeln zu können, muss der Hautarzt erst einmal die Ursache bestimmen. Dazu wird ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten geführt (Anamnese). Der behandelnde Arzt wird unter anderem folgende Fragen stellen:

  • Wie lange hat der Patient schon Haarausfall?
  • Wie stark ist der Haarverlust?
  • Sind weitere Symptome aufgetreten (zum Beispiel Juckreiz)?
  • Wie stellt sich die bisherige Krankengeschichte dar?
  • Leiden auch Verwandte unter dem Ausfall des Kopfhaares?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?
  • Leidet der Patient unter besonders hohem Stress?

Weibliche Patienten werden zudem nach ihrem Mentruationszyklus befragt, nach der Einnahme von Verhütungsmitteln, nach Schwangerschaft und Geburten sowie ggf. nach Einsetzen der Wechseljahre.

Im Anschluss an das ausführliche Diagnose-Gespräch folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt wird sich die von Haarausfall betroffene Stelle ansehen. Eventuell nimmt er dabei ein Dermatoskop (beleuchtete Lupe) zu Hilfe. Das Muster, das das ausgefallene Haar hinterlassen hat, gibt oft schon Aufschluss über den Grund des Kopfhaarverlustes. Gegebenenfalls sind zusätzliche Untersuchungen, wie eine Blut- oder Haaranalyse nötig. Besteht der Verdacht auf eine Pilzerkrankung der Kopfhaut, kann es nötig sein, einen Abstrich vom Haar oder den Haarstümpfen zu nehmen und eine Erregerkultur anzulegen. In seltenen Fällen nimmt der Dermatologe auch eine Gewebeprobe der Kopfhaut (mitsamt Haarfollikel).

Auch ein Zupftest ist möglich. Der Hautarzt testet so, wie viele Haare sich schon durch leichtes Ziehen entfernen lassen.

Auf den kahlen Stellen wird der Arzt prüfen, ob noch Poren der Haarbälge (Haarfollikel) zu finden sind. Ist das der Fall, hat noch keine Vernarbung stattgefunden und die Haare könnten daher prinzipiell nachwachsen.

Probenentnahme und Tests sind nur bei diagnostischer Unsicherheit indiziert.

Therapie

Kreisrunder Haarausfall kann nicht geheilt werden. Bei der Mehrzahl der Betroffenen tritt jedoch nach einiger Zeit eine Besserung ein oder die kahlen Stellen wachsen wieder nach. Medikamente können dem Haarverlust ein Stück weit entgegenwirken. Sie helfen aber häufig nur kurzfristig oder begrenzt, sodass der Haarverlust nach dem Absetzen erneut einsetzt.

Bei ca. der Hälfte der Patient*innen wachsen die Haare innerhalb von 6-12 Monaten wieder nach, v. a. bei kleinen Befunden; Rezidive jedoch sehr häufig. Bei gering ausgeprägten Formen kann die Spontanremission abgewartet werden.

Kreisrunder Haarausfall wird meist mit entzündungshemmenden Medikamenten, wie Kortison, behandelt. Auch die gezielte Reizung der Kopfhaut zur besseren Durchblutung ist bei vielen wirksam. Häufig setzt danach das Haarwachstum wieder ein. Das Ergebnis hält aber nur so lange an, wie die Behandlung dauert. Wird sie eingestellt, gehen die Haare erneut aus.

Zur Stärkung der Haarwurzeln setzt man auch auf die sogenannte Topische Immuntherapie sowie auf Lichttherapie. Beides kann helfen, den Haarverlust zu stoppen.

Bei einigen Formen von Alopezie (Haarausfall) finden auch homöopathische Mittel Einsatz. Zum Beispiel:

  • Homöopathie bei kreisrundem Haarausfall:
    • Vinca minor: wenn auf den kahlen Stellen am Kopf nur weißer Flaum nachwächst.
    • Arsenicum album: wenn die Kopfhaut juckt und sehr empfindlich ist. Patient hat Schuppen und ist allgemein geschwächt.
    • Lycopodium: bei sichtbarem Haarausfall und frühzeitigem Ergrauen der Haare, wenn Patienten chronisch krank sind. Auch bei Haarausfall nach einer Entbindung. Betroffene sind häufig missmutig.

Bei der Auswahl des zur individuellen Symptomatik passenden Wirkstoffs, lässt man sich am besten von einem erfahrenen Homöopathen beraten.

Laut Traditioneller chinesischer Medizin (TCM) sind bei Erkrankungen bestimmte Energieflüsse im Körper blockiert. Mithilfe von Akupunktur lassen sich diese Stauungen lösen. Wie ein erfahrener Akupunkteur das Haarwachstum stimuliert, hängt ganz von der Ursache des Haarausfalls ab. Gerade bei kreisrundem Haarausfall werden gute Behandlungsergebnisse in Aussicht gestellt.

Zusatzinformationen

Auf ärztlichen Dokumenten wird der ICD-Code oft durch Buchstaben ergänzt, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben.

  • G: Gesicherte Diagnose
  • V: Verdacht
  • Z: Zustand nach
  • A: Ausschluss
  • L: Links
  • R: Rechts
  • B: Beidseitig

Hinweis: Diese Informationen dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keinesfalls die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Wenn Sie einen entsprechenden ICD-Code auf einem persönlichen medizinischen Dokument finden, achten Sie auch auf Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit.

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hilft Ihnen bei gesundheitlichen Fragen weiter und erläutert Ihnen bei Bedarf die ICD-Diagnoseverschlüsselung im direkten Gespräch.

tags: #kreisrunder #haarausfall #icd #10 #code

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen