Kreisrunder Haarausfall: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Der kreisrunde Haarausfall, auch bekannt als Alopecia areata, ist eine weit verbreitete Erkrankung, die durch Haarausfall gekennzeichnet ist. In Deutschland sind über eine Million Menschen betroffen, obwohl die genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist.

Bei Alopecia areata entstehen meist plötzlich runde, kahle Stellen auf dem Kopf. Die Erkrankung kann jedoch auch in Schüben verlaufen und manchmal im Gesicht auftreten, beispielsweise an den Wimpern, Augenbrauen, im Bart oder an der Körperbehaarung. Beim Ophiasis-Typ, einer Sonderform des kreisrunden Haarausfalls, beginnt der Haarverlust im Nacken und zieht sich rund um den Haaransatz entlang.

Was ist kreisrunder Haarausfall?

Die sogenannte Alopecia areata setzt sich aus dem griechischen Wort "alopekia" für "krankhaften Haarausfall" und dem lateinischen Wort "area" für "freier Platz" zusammen. Vereinfacht ausgedrückt bezeichnet der Begriff das Auftreten mehrerer kreisrunder, haarloser Bereiche, zumeist auf der Kopfhaut. Prinzipiell kann die Erkrankung allerdings an allen behaarten Körperstellen auftreten.

Typisch für den kreisrunden Haarausfall ist, dass in diesen Bereichen Entzündungsreaktionen nachgewiesen werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten follikulären Entzündungen, da sie Strukturen betreffen, die die Haarwurzeln umgeben.

Der kreisrunde Haarausfall wird zu den nicht-vernarbenden Formen des Haarausfalls gezählt. Das bedeutet, die Haarwurzeln selbst werden nicht zerstört und ein erneutes Wachsen der Haare ist möglich.

Der Haarausfall setzt hierbei plötzlich ein und zeigt einen sehr variablen Verlauf. In ca. 20% der Fälle bleibt der Haarausfall bestehen, meist bildet er sich jedoch wieder zurück. Sehr häufig kommt es allerdings zu Rezidiven, also einem erneuten Auftreten der Erkrankung.

Auch die Schwere des Haarausfalls kann variieren, weshalb man verschiedene Formen voneinander unterscheidet.

  • Alopecia areata kann Personen verschiedenen Geschlechts betreffen und in jedem Alter auftreten.
  • Sie lässt sich aber vor allem bei Kindern im Alter zwischen 3 und 12 Jahren sowie bei jungen Erwachsenen beobachten.

Ist kreisrunder Haarausfall auch an Bart und Augenbrauen möglich?

Kreisrunder Haarausfall tritt zwar in den meisten Fällen im Bereich der Kopfhaut auf, kann aber prinzipiell die gesamte Körperbehaarung betreffen. So kann sich diese Erkrankung unter anderem auch im Bereich von Bart, Augenbrauen oder Intimbehaarung manifestieren. Medizinisch wird diese Sonderform auch als Alopecia areata universalis bezeichnet.

Ursachen von kreisrundem Haarausfall

Als Ursache für den kreisrunden Haarausfall werden Autoimmunreaktionen vermutet. Dies bedeutet vereinfacht, dass der Erkrankung eine Störung des Immunsystems zugrunde liegt. Der Körper bildet Antikörper gegen eigene Strukturen und ruft so eine Entzündung hervor. Dieser Abwehrmechanismus richtet sich in diesem Fall gegen die Haarfollikel, welche zwar nicht zerstört, aber am Wachstum gehindert werden.

In ca. 20% der Fälle lässt sich ein familiär gehäuftes Auftreten beobachten und auch ein möglicher Zusammenhang mit Stressbelastungen wird in der medizinischen Forschung diskutiert.

Was bedeutet Alopecia areata / kreisrunder Haarausfall? Ursachen? Therapie?

Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  • Genetische Ursachen: In manchen Familien kommt kreisrunder Haarausfall gehäuft vor. Fachleute vermuten deshalb, dass diese Form des Haarausfalls erblich bedingt sein kann.
  • Stress: Manche Menschen mit kreisrundem Haarausfall berichten, zum Zeitpunkt des Haarausfalls starkem emotionalem Stress ausgesetzt gewesen zu sein.
  • Vitamin D: Einzelne Studien weisen zudem darauf hin, dass geringe Mengen von Vitamin D im Blut kreisrunden Haarausfall begünstigen könnten.

Diagnose von kreisrundem Haarausfall

Um den kreisrunden Haarausfall zu diagnostizieren, dient einem Haarspezialisten in erster Linie eine ausführliche Anamnese sowie das individuelle klinische Erscheinungsbild als Anhaltspunkt. Zur tiefergehenden Diagnostik & Haaranalyse bei Haarausfall kann außerdem eine Probe aus den haarlosen Bereichen entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Auf diese Weise kann ein Entzündungsgeschehen nachgewiesen werden.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart. Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten.

Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen. Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“.

Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin. Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.

Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten

Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, den kreisrunden Haarausfall ursächlich zu heilen. Daher haben die Therapiemöglichkeiten vor allem das Ziel, die Symptome der Krankheit zu lindern, also den Haarausfall zu bekämpfen. Nach Absetzen der Therapie kann es daher häufig zu einem erneuten Haarverlust kommen. Eine kosmetische Behandlungsmöglichkeit stellt die Haarpigmentierung dar.

Die aktuell angewandten Therapien richten sich meist gegen die Entzündungsreaktion in den haarlosen Bereichen. Entzündungshemmende Medikamente sind daher oft Therapie der Wahl. Hierbei handelt es sich vor allem um cortisonhaltige Mittel, die entweder oral als Tablette oder auch lokal in Form von Salben oder Haarwässern angewendet werden.

Ein weiterer Therapieansatz besteht darin, in den betroffenen Arealen künstlich eine Entzündung hervorzurufen. Diese Entzündung beansprucht dann die Abwehrmechanismen des Körpers für sich, sodass sich diese nicht mehr so stark gegen die Haarwurzeln richten. Dabei wird die Haut beispielsweise mit flüssigem Stickstoff behandelt oder im Rahmen der sogenannten PUVA-Therapie mit UV-A-Licht bestrahlt.

Auch eine Immuntherapie oder PRP-Therapie bei Haarausfall kann in bestimmten Fällen hilfreich sein. Hierunter versteht man Methoden, die das körpereigene Immunsystem so stärken, dass die Bekämpfung einer Erkrankung erleichtert wird.

Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform.

Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen.

Überblick über gängige Behandlungsansätze:

  • Hautreizende Stoffe: Älteste Behandlungsform, bei der Substanzen wie Anthralin (Cignolin) oder Dithranol aufgetragen werden, um eine Hautirritation auszulösen und so das Haarwachstum anzuregen.
  • Minoxidil: Lösungen mit Minoxidil fördern das Haarwachstum durch Anregung der Durchblutung rund um die Haarfollikel.
  • Glukokortikoide ("Kortison"): Werden in Form von Cremes, Lösungen oder Injektionen eingesetzt, um Entzündungen zu reduzieren und das Haarwachstum zu fördern.
  • Topische Immuntherapie: Hierbei wird der Wirkstoff Diphencypron (DPCP) eingesetzt, um eine allergische Hautreizung hervorzurufen, die das Immunsystem ablenkt und das Haarwachstum fördert.
  • PUVA: Eine photochemische Behandlungsmethode, bei der Psoralen aufgetragen und die betroffenen Stellen mit UV-A-Licht bestrahlt werden.
  • JAK-Inhibitoren: Hemmstoffe gegen Januskinasen, die Entzündungsprozesse unterdrücken und das Haarwachstum fördern.

Weitere Therapieansätze:

  • Zink und Vitamin D: Einnahme von Zink-Präparaten bei Zinkmangel oder Vitamin D zur Unterstützung des Haarwachstums.
  • Alternative Heilmethoden: Homöopathie, Schüßler-Salze und andere alternative Heilmethoden können in Erwägung gezogen werden, sind jedoch umstritten.
  • Selbsthilfegruppen: Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe, um die Krankheit gemeinsam mit anderen Betroffenen aufzuarbeiten.

Umgang mit kreisrundem Haarausfall

Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.

Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen.

Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.

In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.

Kosmetische Maßnahmen:

  • Kopf rasieren: Manchen hilft es, den Kopf zu rasieren.
  • Perücke oder Haarteil: Andere tragen lieber eine Perücke oder ein Haarteil.
  • Künstliche Wimpern: Wer kreisrunden Haarausfall an den Wimpern hat, kann erwägen, künstliche Wimpern zu tragen.
  • Augenbrauen: Sind die Augenbrauen betroffen, kann man künstliche Augenbrauen aufkleben, die Augenbrauen mit Schminke nachzeichnen oder tätowieren lassen (Permanent-Make-up).

Psychotherapeutische Betreuung

Wenn der Haarausfall trotz kosmetischer Maßnahmen sehr stark belastet und psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit hinzukommen, ist professionelle psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.

Wo finde ich außerdem Unterstützung?

Vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall hilft es, sich in Selbsthilfegruppen auszutauschen. Das Gespräch mit Menschen, die selbst mit Haarausfall zu tun haben und die Probleme und Herausforderungen kennen, bewirkt oft schon viel.

Zudem bieten sie eine Plattform, um einen besseren Umgang mit der Erkrankung zu finden.

Kann kreisrunder Haarausfall Folge einer Impfung (z.B. Corona) sein?

Der kreisrunde Haarausfall konnte in einigen Fällen nach einer durchgestandenen Coronainfektion nachgewiesen werden. Bei wenigen Patienten konnte dies auch nach einer Corona-Impfung festgestellt werden.

Für einen Zusammenhang zwischen der Alopecia areata und einer anderen Schutzimpfung gibt es aktuell keine ausreichenden Hinweise.

Kann Haarausfall durch die Schilddrüse entstehen?

Die Schilddrüse beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper. Eine Unterfunktion der Schilddrüse, medizinisch spricht man auch von einer Hypothyreose, kann das Haarwachstum beeinflussen. Das Haar kann dabei eine brüchige, spröde Struktur annehmen oder auch ausfallen. Gelegentlich tritt eine Erkrankung der Schilddrüse auch im Zusammenhang mit dem kreisrunden Haarausfall auf.

Welche Ärzte & Kliniken sind Spezialisten bei kreisrundem Haarausfall?

Der kreisrunde Haarausfall bereitet den Betroffenen zwar keine unmittelbaren körperlichen Schmerzen, verursacht aber durch die psychische Belastung oft einen erheblichen Leidensdruck. Aus diesem Grund ist es wichtig, einen kompetenten Behandler zu finden, mit dem die vielfältigen Therapiemöglichkeiten ausführlich besprochen und erörtert werden können.

Bei Haarausfall stellen Fachärzte der Dermatologie oft die erste Anlaufstelle dar. Doch nicht jeder Facharzt kann auf große Erfahrung mit kreisrundem Haarausfall zurückgreifen. Daher ist es in jedem Fall ratsam, einen Spezialisten aufzusuchen.

Es ist ratsam, sich an ein spezialisiertes Zentrum, beispielsweise an einer Universitätsklinik, zu wenden.

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